Tierquälerei in Sri Lanka: „Elefantenwaisenhaus“ Pinnawela

Geldmacherei auf dem Rücken der Elefanten in Pinnawela.

Die meisten Menschen, die ein Elefantenwaisenhaus wie das in Pinnawela in Sri Lanka besuchen, wollen den Tieren sicherlich etwas Gutes tun. Sie hoffen wohl, dass ihre Eintrittsgelder den Tiere und dem Artenschutz zu Gute kommen. Leider ist das häufig nicht der Fall. Denn bei vielen Einrichtungen, die sich selbst Tierwaisenhaus nennen, handelt es sich in Wirklichkeit um Tierquälerei. Pinnawela ist da keine Ausnahme.

Elefantehaken in Pinnawela

Elefantenhaken in Pinnawela

Viele Urlauber in Sri Lanka wollen den berühmten Elefanten der Insel nahe kommen. Die 3.000 bis 8.000 täglichen Besucher fahren nach Pinnawela, sehen die gepflegte Grünanlage und die vielen Babyelefanten. Sie begleiten die Elefanten zum Baden am Fluss und beobachten, wie die Tiere vermeintlich Spaß haben. Also alles in Ordnung? Nein, denn schon beim zweiten Blick fällt auf: Hier stimmt etwas nicht.

Haltung an Ketten in Pinnawela

Haltung an Ketten in Pinnawela

Die Elefanten werden die meiste Zeit des Tages isoliert gehalten, ohne direkten Zugang zu Artgenossen, auf Betonboden und in Ketten. Das liegt keinesfalls daran, dass die Tiere nicht miteinander verträglich sind. Vielmehr ist das die einfachste Form der Haltung, die jedoch grausam und nicht artgerecht ist. Die Tiere werden für die Besucher täglich zum Fluss geführt. Dabei fallen die Elefantenhaken auf, die die „Pfleger“ (Mahouts) bei sich haben. Die Elefanten gehen also nicht freiwillig, sie werden gezwungen. Auch, wenn es anders aussieht oder wenn behauptet wird, mit dem Haken würden die Tiere nur geführt: Die Elefanten haben Angst vor dem Haken, weil sie damit ständig geschlagen und grausam malträtiert werden.

Der Elefantenhaken in Pinnawela

Der Elefantenhaken in Pinnawela – allgegenwärtig

Selbst im Fluss werden viele Tiere angebunden und müssen Kunststücke machen, sich beispielsweise in den Fluss legen. Die Trainer oder Mahouts waschen die Tiere dann. Das ist kein natürliches Verhalten. Elefanten können sich selbst zu gegebener Zeit mit Wasser abkühlen oder mit Schlamm gegen die Sonne schützen. Wenn Tiere wie in Pinnawela von Menschen gewaschen werden, wurden sie vorher immer grausam abgerichtet. Andernfalls würden sie die Nähe zu den Menschen gar nicht tolerieren.

Elefanten baden in Pinnawela

Elefanten baden in Pinnawela

Für einen kleinen Betrag können die Besucher die Baby-Elefanten sogar mit der Flasche füttern. Laien dürfen also in direkten Kontakt zu Wildtieren gehen. Das ist nicht nur Stress für die Tiere, sondern es ist auch gefährlich für die Besucher – schließlich handelt es sich um Wildtiere, nicht um Kuschelkätzchen.

Schlechte Haltung in Pinnawela

Schlechte Haltung in Pinnawela

Unsere Checkliste zeigt, wie eine gute Einrichtung arbeiten sollte und stellt demgegenüber den Umgang mit Elefanten in Pinnawela. Anhand dieser Checkliste lässt sich Pinnawela ganz einfach entzaubern:

  • Die Elefanten werden nicht zu Arbeits- oder Show-Zwecken eingesetzt

» In Pinnawela müssen die Tiere sich auf Kommando hinlegen und werden sogar von den Mahouts geritten.

  • Es gibt keinen direkten Kontakt zwischen Elefanten und Touristen und keine Angebote wie Elefantenreiten, Besucher als Tierpfleger / Mahouts, Füttern durch Besucher etc

» Besucher dürfen in Pinnawela die Elefanten füttern und mit ihnen interagieren. Mahouts ermutigen Touristen oftmals sogar gegen eine kleine Spende zu direktem Kontakt.

  • Qualifizierte Tierpfleger sind für die Versorgung der Tiere verantwortlich. Sie wenden keine Gewalt an, die Interaktion zwischen Elefanten und Tierpflegern ist auf ein Minimum reduziert

» Die Interaktion zwischen Mensch und Tier ist Teil der Einrichtung. Mit Elefantenhaken werden die Tiere gefügig gemacht.

  • Alle Elefanten leben in Gruppen; sie werden nicht einzeln gehalten. Elefantenkälber werden nicht von der Mutter getrennt. Weibliche Tiere bleiben lebenslang bei der Mutter, Bullen trennen sich erst in der Geschlechtsreife (10-16 Jahre)

» In Pinnawela werden die Tiere einzeln gehalten, Babyelefanten sogar getrennt von ihren Müttern. Vor allem männliche Tiere werden in großem Abstand angekettet und sind so völlig von Artgenossen isoliert.

  • Die Elefanten können sich frei und ohne Ketten in möglichst natürlicher, weitläufiger Umgebung bewegen

» Die Elefanten werden in Pinnawela in Ketten auf Betonboden gehalten, die Umgebung ist nicht natürlich. Männliche Elefanten sind in etwa 20 Stunden pro Tag angekettet. Über Nacht sind sie meist sogar an drei Beinen fixiert, wodurch nur minimale Bewegungen ermöglicht werden. Auch weibliche Tiere werden zwischen 18 und 7 Uhr morgens angekettet und auf hartem Boden gehalten. Völlig kettenfrei leben nur Jungtiere bis 4 Jahre. Neben fehlender Bewegungsfreiheit führt Kettenhaltung auch oft zu Verletzungen an den Beinen.

  • Trinkwasser und tiergerechte Nahrung (Äste, Laub …) stehen immer zur Verfügung

» In den Ställen steht nicht ausreichend und sauberes Trinkwasser sowie Nahrung zur Verfügung.

  • Zur Abkühlung benötigte Bademöglichkeiten sind frei erreichbar oder werden mehrmals täglich nutzbar gemacht

» die Bademöglichkeiten sind nicht frei verfügbar und werden nur zweimal täglich durch die Menschen unter Zwang während des Baderituals zugänglich gemacht, wobei der Fluss durch rutschige Steinplatten und sehr geringem Wasserstand sicher kein ideales Abkühlen ermöglichen.

  • Schatten ist vorhanden

» Elefanten müssen in Pinnawela auch während der Mittagshitze bei Temperaturen um die 35°C angekettet stehen ohne Zugang zu Schatten oder Trinkgelegenheiten; dies kann zu Folgen wie Dehydrierung und Sonnenbrand führen. Da die meisten Besucher vor allem in den Mittagsstunden einen Besuch bei der PEO planen, werden die Tiere bei größter Hitze zum Fluss geführt, um dort in praller Sonne im seichten Wasser zu stehen.

  • Die Einrichtungen sind sauber und hygienisch

» Die Tiere stehen in ihrem eigenen Kot, da das Personal mit Reinigung und Dungabtransport völlig überfordert ist.

  • Es wird keine Zucht betrieben

» Pinnawela hat ein umfangreiches Zuchtprogramm. Die Herde wurde 1975 mit fünf Elefanten gegründet, 2009 wurde bereits das 50. Elefantenbaby in der Pinnawela geboren und so beherbergte sie 2009 insgesamt 86 Tiere. Die Pinnawela stellt daher eine der größten Zuchtstätten für asiatische Elefanten dar. Da die Geburt in Gefangenschaft öfters zum Verstoß der Jungtiere führt, werden die Mütter bei Zusammenführung sediert.

  • Die Elefanten werden nicht gekauft oder gemietet. Die Tiere werden nicht verliehen. Müssen Tiere zwingend abgegeben werden, müssen die Einrichtungen den gleichen oder einen besseren Standard erfüllen

» Pinnawela hat bereits Elefanten als Arbeitstiere, an Tempel und für kulturelle Zeremonien verkauft. Bis 2003 sind 15 Elefanten abgegeben worden, wovon mindestens drei auf Grund von Haltungsfehlern gestorben sind. Die meisten anderen Tiere erwartete Einzelhaft, gewaltsame Unterwerfung und eine nicht tiergerechte Haltung, keinesfalls aber wurden sie wieder ausgewildert.

  • Echte Waisenhäuser streben die Wiederauswilderung ihrer Schützlinge an, sofern diese aus Tierperspektive möglich ist

» Uns ist nicht bekannt, dass auch nur ein einziger Elefant ausgewildert wurde. Die Argumente, das sei aus bestimmten Gründen nicht möglich, lassen wir nicht zählen. Das Elephant Transit Home, ebenfalls auf Sri Lanka, wildert Elefanten aus.

  • Die Besucher werden in Pinnawela von kompetentem Personal begleitet und über die Bedürfnisse von Elefanten und die Bedrohungen, denen die Tiere ausgesetzt sind, informiert.

» Touristen werden nicht informiert

Elefant mit Verletzung in Pinnawela

Verletzung eines Elefanten in Pinnawela wird mit Schlamm überdeckt

Wer Elefanten liebt, macht einen weiten Bogen um Pinnawela und finanziert mit seinen Eintrittsgeldern nicht die Tierquälerei vor Ort. Urlauber, die auf Sri Lanka Elefanten sehen wollen, sollten entweder eine geführte Safari in einem der Nationalparks machen oder das von uns unterstützte Elephant Transit Home besuchen.

Mehr Informationen:

Ein Leben in Ketten: Elefanten im Tourismus

Ein Leben in Ketten: Elefanten im Tourismus

In vielen asiatischen Ländern werden Elefanten im Tourismus eingesetzt.  Pro Wildlife zeigt, wie problematisch der Elefantentourismus ist. » Ein Leben in Ketten: Elefanten im Tourismus 

 

Elefantenwaisenhaus Sri Lanka

© ETH Sri Lanka

Auf Sri Lanka sterben im Jahr mehr als 200 Elefanten durch Menschenhand. Zurück bleiben oft hilflose Jungtiere, die ohne menschliche Hilfe keine Überlebenschance haben. Dieses Waisenhaus hilft!  » Elephant Transit Home Sri Lanka 

 

Auswilderung von Elefanten auf Sri Lanka © ETH

Auswilderung von Elefanten auf Sri Lanka © ETH

Es klingt so einfach, doch in der Praxis stellen Wiederauswilderungen die Auffangstationen vor immense Aufgaben. » Auswilderung: Chancen und Grenzen

 

indischer Elefant

Asiatischer Elefant

Ursprünglich lebten Asiatische Elefanten von China im Osten bis zum heutigen Irak im Westen verbreitet. Heute ist ihr Überleben stark gefährdet und es gibt nur noch verstreute, oft kleine und isolierte Bestände in insgesamt 13 Ländern. » Asiatischer Elefant