Zirkustiere im Winterlager
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6. Februar 2018

Wildtiere im Anhänger – Tristesse am Straßenrand:

Löwengehege im Gewerbegebiet“ lautete die Schlagzeile der regionalen Bild-Ausgabe im Saarland Anfang Februar 2018. Fünf ausgewachsene männliche Löwen, gestrandet auf einem Acker in einem Gewerbegebiet der saarländischen Kleinstadt Blieskastel, sorgten für Aufregung. Der Raubtier-Dompteur hatte zwischen zwei Engagements in verschiedenen Zirkussen sein Winterquartier aufgeschlagen. Das zuständige Veterinäramt hatte laut BILD-Zeitung keine Beanstandungen, obwohl die Zirkustiere in einem Mini-Gehege in der Kälte saßen. Grund genug für uns, die Löwen-Unterbringung vor Ort anzuschauen.

Artgerechte Löwenhaltung im Gewerbegebiet?

Was wir sahen, war noch schlimmer als befürchtet. Dieser Fall zeigt die ganze Misere der Wildtierhaltung in Wanderzirkussen – denn gerade in kalten Wintermonaten ist die Unterbringung von afrikanischen Raubkatzen alles andere als artgerecht. Bei unserer vor-Ort-Besichtigung, an einem eisigen Samstag bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, war keiner der fünf Löwen in der eh nur kleinen Außenanlage zu sehen. Stattdessen waren alle Tiere in der linken Hälfte eines Sattelanhängers untergebracht (siehe Pfeile). Oder besser gesagt: Eingepfercht. Im Dunkeln. Zum Nichtstun verdammt. Das Veterinäramt Saarbrücken, „Regionalstelle Ost“, meint, unsere Fotos zeigen nur eine Momentaufnahme. Aha?!

Löwenhaltung im Gewerbegebiet

Löwenhaltung im Gewerbegebiet – ohne Licht im dunklen Anhänger

Der Löwenbesitzer überbrückt in Blieskastel die Zeit. Die fünf Löwen in waren für den Weihnachtszirkus in Saarbrücken gebucht, das nächste Engagement im Circus Carl Althoff beginnt erst im März. Dazwischen: Zweieinhalb Monate Unterbringung der Zirkustiere auf einem Acker im Gewerbegebiet, auf kleinster Fläche – ein Auslauf von wenigen Quadratmetern, der den Tieren nur manchmal zur Verfügung steht. Bei kühlen Temperaturen (und das kommt im Winter ja bekanntermaßen durchaus häufiger vor…) dürfen sie offenbar gar nicht nach draußen.

Wo bleibt das Wildtierverbot für Zirkusse?

Das Veterinäramt Saarbrücken verweist auf die rechtlichen Bestimmungen. Doch die sehen wir nicht als erfüllt an: Während der Spielsaison gelten für Zirkusse zwar nur „Auflagen light“ (nämlich die sog. Zirkusleitlinien), in der spielfreien Zeit (einschließlich dem Winterquartier) jedoch das etwas strengere Säugetiergutachten. Demzufolge müsste das Innengehege mindestens 20 m² pro Tier betragen, für fünf Löwen also 100 m² Grundfläche! Das würde der Anhänger selbst dann nicht bieten, wenn die Löwen beide Hälften nutzen dürften.

Weiter heißt es im Säugetiergutachten: „Unter 10 °C müssen sich die Tiere in den Innenkäfig zurückziehen können … Jede Raubkatze muss sich mindestens 4 Stunden pro Tag im Außengehege aufhalten können.“ Das heißt also: Der Löwenbesitzer dürfte die fünf majestätischen Tiere 20 Stunden am Tag im Hänger einsperren (zumindest wenn er die oben genannte Mindestgröße von 100 m² hätte…) – das wäre völlig gesetzeskonform.

Löwenhaltung im Zirkus

Löwenhaltung im Zirkus-Winterquartier

Der Fall zeigt wieder einmal: Die bestehenden Regelungen für Zirkusse sind unzureichend und werden zudem von den Veterinärbehörden oft nicht umgesetzt. Wir brauchen endlich ein Wildtierverbot im Zirkus! Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition an die Regierungsparteien:

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Fordern Sie gemeinsam mit Pro Wildlife ein Wildtierverbot in deutschen Zirkuszelten! » Unterschreiben Sie unsere Petition
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