Wo sind all die Geparden hin?
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28. Juni 2018

Ein Räuber vor dem Aussterben.

Stellen Sie sich vor, sie fahren mit dem Auto auf der Landstraße und werden von einer Katze überholt. Das schnellste an Land lebende Tier der Welt erreicht im Sprint bis zu 120 km/h. Von 0 auf 100 beschleunigen Geparden in nur drei Sekunden – dagegen hat selbst ein Ferrari das Nachsehen. Ein Spezialist der Evolution, dem leider die Puste ausgeht. Denn es gibt nur noch gut 7.000 Geparden, Tendenz sinkend.

Sprintender Gepard

Spezialist ohne Platz

Geparden sind die Sprinter unter den Sportlern im Tierreich. Sie erlegen Beutetiere auf kurze Distanz, indem sie schlicht und ergreifend schneller sind als sie. Im Vergleich zu anderen Raubkatzen sind sie hervorragende Jäger mit einer hohen Erfolgsquote. Ihre Krallen dienen ihnen bei der Jagd als Spikes, ihr Schwanz als Ruder, damit sie bei den hohen Geschwindigkeiten nicht aus der Bahn geraten. Das Problem ist jedoch, dass die Tiere für ihren Jagderfolg die richtige Umgebung benötigen. Ideal sind Savannen mit hohem Gras, in dem sie sich verstecken können. Zudem brauchen sie viel Platz. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Geparde Territorien von 10.000 Quadratkilometern besetzen.

Einst in weiten Teilen Afrikas und Asiens beheimatet, bleibt den Tieren in Afrika nur noch zehn Prozent des ursprünglichen Raums, in Asien sind nur noch weniger als 100 Tiere im Iran übrig geblieben. Und der menschliche Einfluss wächst. Die Räuber und ihre Beutetiere werden immer weiter verdrängt und als Spezialist ist der Gepard nur schwer in der Lage, sich an neue Lebensumstände anzupassen. Schrumpfen die unberührten Savannen, schrumpft auch der Lebensraum der eleganten Räuber. Bereits jetzt leben etwa Dreiviertel der Geparde außerhalb von Schutzzonen. Immerhin ist es ihnen gelungen, sich soweit an die von Menschen veränderte Landschaft anzupassen, dass sie dort überleben können.

Isolation

Geparde wurden nach und nach aus 90 Prozent ihres Lebensraums verdrängt. Zurück blieben kleine Populationen in voneinander isolierten Regionen im südlichen und östlichen Afrika sowie wenige Tiere im Iran. Dadurch, dass sich die Populationen nicht mehr treffen, kommt es zu genetischer Verarmung. Inzucht, Missbildungen und Unfruchtbarkeit können die Folge sein. Für die sowieso bereits stark dezimierten Bestände eine Katastrophe, insbesondere, da es fünf Unterarten gibt.

Forscher gehen außerdem davon aus, dass Geparde an und für sich bereits labil sind. Sie sind besonders anfällig für Infektionskrankheiten und weisen eine hohe Sterblichkeitsrate bei Jungtieren auf. Schuld hieran könnte in diesem Falle nicht der Mensch, sondern die letzte Eiszeit sein. Forscher gehen davon aus, dass Geparde während der letzten Eiszeit über die Behringstraße aus Amerika nach Asien und Afrika wanderten. Die nun lebenden Geparde könnten also der kleine Rest dieser Raubkatzenpopulation sein, die durch einen sogenannten „genetischen Flaschenhals“ gingen, was sie besonders labil macht. Geparde sind also besonders anfällig und die Isolation der einzelnen Populationen schadet den Tieren zusätzlich. Zum Erhalt der Art kommt es auf jedes einzelne Tier an.

Gepardenjunges © Martin Harvey

Geparde sind keine Kuscheltiere

Geparde gelten als elegant und weniger gefährlich als andere Raubkatzen. Deshalb sind sie als Haustiere beliebt. Besonders in den Arabischen Emiraten gab es jahrelang einen unregulierten Markt für die Tiere, die dort als Prestige-Haustiere gehalten wurden. Besonders fatal ist dabei, dass viele der Raubkatzen als Jungtiere aus der Natur geklaut wurden. 2017 führten die Arabischen Emirate nach jahrelangen Protesten von Tierschutzorganisationen schließlich ein Gesetz ein, das die Haltung von wilden Tieren verbietet. Ein wichtiger Schritt, denn Hunderte geschmuggelte Geparden-, Leoparden- und Löwenbabys wurden in die Golfstaaten gebracht und endeten dort als Prestigeobjekte ihrer neuen Besitzer.

Auch in Deutschland gibt es Menschen, die Geparden als Haustiere halten. Ein gefährlicher Trend, auch für die Halter der Tiere. Denn Geparden sind keineswegs Streichelkatzen für die Couch. Sie sind hocheffiziente, unberechenbare Jäger mit viel Kraft und haben in Privathaushalten nichts zu suchen.

Mit der Flinte gegen Geparde

Das schöne Fell der Geparde macht sie auch zu begehrten Trophäen bei Jägern. Obwohl es nur noch einige Tausend Tiere gibt, dürfen Jäger im südlichen Afrika noch immer Tiere legal schießen und ihre Trophäen in die EU einführen. Die Trophäenjagd ist für die Unternehmen ein einträgliches Geschäft und Quoten werden meist nach wirtschaftlichen, nicht nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten festgelegt. Bei so geringen Populationsgrößen wie denen der Geparde sind zusätzliche Abschüsse in jedem Fall eine große Belastung für die gesamte Art. Dazu kommen illegale Wilderei und der Handel mit den Fellen und mit anderen Körperteilen der Tiere.

Und noch immer werden Geparde von Menschen als Konkurrenten angesehen. Da der Mensch immer weiter in Geparden-Territorien vordringt, kommt es vor, dass Geparde Nutzvieh töten. Die Konflikte mit den Viehzüchtern und Bauern nehmen überhand und da viele der Tiere nicht in Schutzzonen leben, sind sie allen möglichen Gefahren ausgesetzt. Nicht selten werden sie vergiftet, erschossen, in Gruben entsorgt. Außerdem verenden Geparde in Fallen, ihr Fleisch wird auch gegessen.

Blutlöwen – Blutgeparde?

In Südafrika werden Löwen gezüchtet, um sie als Touristenattraktion, Jagdtrophäen und für die Traditionelle Asiatische Medizin zu vermarkten. Neben den Löwenfarmen sprießen mittlerweile auch Gepardenfarmen aus dem Boden – 80 Stück mit insgesamt etwa 600 Tieren gibt es 2018. Touristen können die Jungtiere füttern, mit ihnen spazieren gehen und Fotos mit ihnen machen. Diese Farmen sind wie Streichelzoos mit Raubkatzen und Tausende Urlauber nutzen die Chance, ein Selfie mit einer Raubkatze zu machen. Zum Arterhalt tragen dies Farmen nicht bei, denn die Tiere werden ganz überwiegend nicht ausgewildert. Diese Zuchtfarmen dürfen Geparde sogar zu kommerziellen Zwecken handeln und es besteht der Verdacht, dass dieses Schlupfloch auch für den Handel mit gewilderten Tieren genutzt wird.

Was mit zu groß gewordenen, aggressiven, getöteten und verstorbenen Tieren passiert, ist offiziell nicht bekannt. Es drängt sich jedoch ein Verdacht auf: Knochen von großen Raubkatzen sind in der Traditionellen Asiatischen Medizin sehr begehrt. Da der legale Export von Raubkatzenknochen in Asien die Nachfrage nach den angeblichen Wundermitteln anheizt, entsteht ein lukrativer Markt für den Schmuggel von Raubkatzenknochen. Den Knochen sieht man es schließlich nicht an, von welchem Tier sie stammen. So können Knochen von gewilderten und illegal erlegten Geparden, Leoparden, Löwen, Tigern und Jaguaren untergemischt und nach Asien verkauft werden.

Touristen spielen noch eine weitere Rolle bei der Gefährdung der Tiere. Insbesondere in Ostafrika bedrängen Jeeps die Raubkatzen, die dann von ihrer Beute ablassen oder von ihren Jungen getrennt werden. Aus der Masai Mara und der Serengeti wurden erhöhte Sterblichkeitsraten bei Jungtieren berichtet, die durch Touristenjeeps von ihren Müttern getrennt wurden.

Keine Rettung für Geparde?

Es sieht schlecht aus für das schnellste Landtier der Erde. Doch aufgeben ist keine Option. Pro Wildlife kämpft für den internationalen Schutz von bedrohten Tierarten. Handelsverbote, Importverbote für Jagdtrophäen und der Schutz von Lebensräumen stehen ebenfalls auf der Agenda. Denn es bleibt nicht viel Zeit: Handeln wir nicht jetzt, verlieren wir die schnellen, eleganten Räuber für immer.

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