Wirtschaftsforum: Artensterben und Klimakrise sind Risiken für globalen Wohlstand.

17. Januar 2020.

Menschgemachte Risiken für Tier und Natur.

Der „Globale Risiko-Report“ des Weltwirtschaftsforums von Davos zeigt: Die Bedrohung der Erde durch Klimakrise und Artensterben ist auch bei der Wirtschaftselite angekommen. Doch werden die Mächtigsten und Reichsten auch handeln?

Im Globalen Risiko-Report des Weltwirtschaftsforums werden regelmäßig die Hauptrisiken für die Weltwirtschaft und das Wohlergehen der Menschheit für die kommenden zehn Jahre benannt. Zum ersten Mal wird diese Liste nun von fünf Umweltrisiken dominiert. 800 Wirtschaftsexperten haben abgestimmt und menschgemachte beziehungsweise durch den Menschen verschärfte Risiken für Tier und Natur auf die ersten fünf Plätze gesetzt, was die Wahrscheinlichkeit des Eintritts der Risiken betrifft.

5 Bedrohungen, Klimakrise, Artensterben

1. Extremwetter

Extreme Wetterereignisse wie Dürreperioden, Hitzewellen und Starkregen resultieren im Tod vieler Menschen, der Zerstörung von Wohnraum und Infrastruktur und haben auch dramatische Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt.

2. Klimaschutzversagen

Das Versagen von Regierungen und Weltwirtschaft bei der Eindämmung der Klimakrise und der Entwicklung von Mechanismen zur Anpassung an die neuen Klima-Gegebenheiten. Die prekäre Lage der Menschheit und des Lebens auf der Erde wird sich dramatisch verschlechtern.

3. Umweltzerstörung und Umweltkatastrophen

Menschgemachte Umweltzerstörung und Umweltkatastrophen wie illegale Müllverklappung, Ölpest und radioaktive Kontaminierung werden ebenfalls als eines der Hauptrisiken eingestuft.

4. Artensterben

Der dramatisch angestiegene Verlust der biologischen Vielfalt ist ein zentrales Risiko für die Menschheit. Die aktuelle Aussterberate ist zehn- bis hundertmal höher als der Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Es drohen der Zusammenbruch von Ökosystemen, der Lebensmittel- und Gesundheitssysteme und ganzer Lieferketten.

5. Naturkatastrophen

Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche und geomagnetische Stürme: In Verbindung mit der Klimakrise sind die Menschheit, aber auch Tiere und Pflanzen, durch solche Katastrophen noch größeren Risiken ausgesetzt als dies bei diesen Ereignissen ohnehin der Fall ist.

Abgestorbene Bäume

Abgestorbene Bäume

Umweltrisiken werden für die Wirtschaft zum Problem

Erstmals sind es also nicht mehr nur Arten- und Klimaschützer, die eindringlich appellieren, dass es so nicht weitergehen kann. Zwar hatte das Forum auch schon in früheren Berichten vor den Risiken der Klimakrise gewarnt. Doch in diesem Jahr dominiert die Umweltkrise den Bericht. Die Wirtschaft selbst warnt nun vor den Folgen unseres Lebensstils. Natürlich stehen im Zentrum dieser Warnung des Weltwirtschaftsforums die aus der fortschreitenden Umweltzerstörung resultierenden Bedrohungen für die Menschen. Jedoch macht der Bericht auch sehr deutlich, was schon lange eine zentrale Botschaft des internationalen Arten- und Naturschutzes ist: Der Schutz der Biodiversität, also der Artenvielfalt von Flora und Fauna sowie der Schutz ihrer Lebensräume, sollte im ureigensten Interesse aller Menschen liegen.

Kängurus trinken während einer Dürre aus Pfützen

Kängurus trinken während einer Dürre aus Pfützen

Gesunde Ökosysteme sind überlebenswichtig

Das Aussterben unzähliger Arten und der negative Einfluss der Menschen auf Natur und Umwelt haben fürchterliche Folgen für ganze Ökosysteme. Wälder, Meere, Savannen: Sie alle verlieren dramatisch schnell an Bewohnern, sie werden durch Brände, Dürren oder Stürme zerstört und bieten so keinen Lebensraum mehr für die übrig gebliebenen Tiere. Gesunde Ökosysteme und eine gesunde Tier- und Pflanzenwelt erbringen jedoch für alle Bewohner der Erde lebenswichtige Leistungen wie Bestäubung, die Produktion von Sauerstoff, CO²-Reduktion, gesunde, ertragreiche Böden, den Erhalt eines sauberen Wasserkreislaufes und vieles mehr. Ökosysteme sind ausbalancierte, komplexe Systeme, in denen alle lebenden Organismen miteinander interagieren und das System stabilisieren. Das Verschwinden nur einer Art kann dramatische Auswirkungen auf die Funktion des gesamten Systems haben.

Toter Elefant während einer Dürre

Toter Elefant während einer Dürre

Trotz der beängstigenden Warnung, die der Bericht des Weltwirtschaftsforums enthält, ist es auch ermutigend zu sehen, dass der Ernst der Lage endlich auch bei der Weltwirtschaftselite angekommen scheint. Es ist jedoch entscheidend, dass diese nun die notwendigen Maßnahmen ergreift und sich auch die Politik nicht länger hinter der Rücksichtnahme auf die Wirtschaft versteckt. Wir alle können dazu beitragen, das Ruder noch herumzureißen, die verbleibende Artenvielfalt unseres Planeten zu bewahren und die fortschreitende Erwärmung der Erde zu stoppen, indem wir unseren Lebensstil ändern.

Kinder in Uganda beim Wasser holen

Kinder in Uganda beim Wasser holen

Wirtschaftsinteressen vs. Rettung des Planeten

Ein effektiver Wandel wird jedoch nicht möglich sein, wenn die Reichen und Mächtigen nicht handeln. Laut aktuellen Statistiken kontrolliert momentan ein Prozent der Weltbevölkerung 46 Prozent des weltweiten Vermögens. Demgegenüber haben 70 Prozent der Menschen auf der Erde Anteil an nur knapp drei Prozent dieses Vermögens. Ein beträchtlicher Teil des Geldes dieses „1-Prozents“ wurde bisher in den Erhalt von wirtschaftlichen Interessen, auch über die Steuerung von politischen Entscheidungen, investiert. Arten- und Klimaschutz haben dabei bisher verloren.

Nur wenn diese mächtige Elite endlich umdenkt und von kurzfristigen, wirtschaftlichen Interessen und der Vermehrung ihres Reichtums umschwenkt auf das globale Wohl und die Rettung des Planeten, haben wir Alle eine Chance.

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