Wildtiere auf Youtube

18. Februar 2019.

Internet-Videos gefährden Wildtiere.

„Niiiiedlich“ ist die wohl häufigste Reaktion auf virale Youtube-Videos und Filme über putzige Wildtiere. Doch für die Tiere ist das überhaupt kein Vergnügen. Ob Flughörnchen, Eule, Katta oder Plumplori, alle haben sie das gleiche Schicksal. Videos und Fotos auf zahlreichen Internetkanälen und Plattformen steigern die Beliebtheit der niedlichen Tierchen. Etliche Kommentare lauten: Ich will auch so eins! Viele Menschen erfüllen sich dann auch den Traum eines exotischen Mitbewohners mit fatalen Folgen: Die teils sehr seltenen Arten werden aus ihrem natürlichen Lebensraum gefangen und in den Heimtierhandel geschleust.

Schneeeule

Schneeeule

So erging es beispielsweise Clown- und Doktorfischen nach dem Start der Filme „Findet Nemo“ oder „Findet Dori“. Sie wurden zu unfreiwilligen Stars in europäischen Aquarien. Nachdem die Harry Potter-Filmreihe erschien, stieg etwa in Russland die Nachfrage nach Eulen als Haustier rasant an. Der Internet-Hype bedeutet häufig auch eine stark steigende Anzahl an Wildfängen. Den ahnungslosen Betrachtern wird eine kinderleichte Handhabung der wilden Tiere vorgegaukelt, die wenigsten informieren sich vor dem Kauf ausreichend über das neue Wunschtier oder dessen Herkunft.

Anemonenfische

Anemonenfisch

Auch Urlaubsfotos, auf denen Menschen auf Elefanten reiten, Löwenbabys kraulen, Affen füttern oder mit Delfinen schwimmen, lösen diesen „Das will ich auch“-Reflex aus. Auch hier sind die Clips und Bilder eine Gefahr für Wildtierpopulationen, denn um die wachsende Zahl an Wildtierattraktionen für die Tourismus-Branche zu beliefern, wird immer wieder Nachschub aus der Natur eingefangen.

Virale Hits sind massive Bedrohung für Plumploris

Plumploris (engl. slow loris) sind das Paradebeispiel eines Netz-Hypes mit fatalen Folgen. Ihr niedliches Aussehen, das kuschelige Fell und ihr eigenartiges Verhalten werden den kleinen Halbaffen mit den großen Augen zum Verhängnis. Plumploris reißen die Ärmchen hoch, wenn sie am Bauch gekrault werden. Kein Wunder, dass sich viele Menschen nun auch einen solchen niedlich anmutenden Spielkameraden wünschen. Doch was für den Unbedarften niedlich aussehen mag, ist eine Panik- und Abwehrreaktion der kleinen Äffchen. Weil das jedoch kaum jemand weiß, wurden Videos von Plumploris beim Fressen, in Kostümen oder eben beim Kraulen millionenfach geklickt. Und so steigt die Nachfrage nach den Exoten rasant an. Doch Plumploris sind aus vielerlei Gründen absolut nicht als Haustiere geeignet.

Zwerglori © Jellrancher

Zwerglori © Jellrancher

Qualen für die Heimtierhaltung

Die im Handel angebotenen Plumploris sind allesamt Wildfänge, denn in Gefangenschaft ist die Zucht der sensiblen Tiere äußert kompliziert und nur sehr selten erfolgreich. In den Wäldern Südostasiens eingefangen, werden die Tiere in enge Käfige gesperrt und auf den nächsten Schwarzmarkt gekarrt. Der Handel ist im Fall der Plumploris illegal, da sie unter Schutz stehen. Da Plumploris auf neue Umgebungen sehr stressempfindlich reagieren, überleben viele die Strapazen von Fang und Transport nicht. Auch ihr Verhalten wird den Tieren zum Verhängnis, denn sie lassen sich widerstandslos auf den Arm nehmen und verharren still, wenn sie sich bedroht fühlen. Es ist für Wilderer also auch ein Leichtes, die Tiere von den Bäumen zu pflücken.

Plumploris sind niedlich, aber giftig

Ein Händler reißt einem Plumplori die Eckzähne aus © IAR

Ein Händler reißt einem Plumplori die Eckzähne aus © IAR

Plumploris sind klein, süß und scheu, aber vor allem sind sie giftig. In freier Wildbahn nutzen sie den giftigen Speichel aus einer Ellenbogendrüse zum Benetzen ihres Felles und um sich sowie ihre Jungtiere vor Feinden zu schützen. Die Händler reißen den Plumploris häufig ohne Betäubung die Eckzähne heraus oder kneifen sie mit einer Zange ab, um sie als Haustier besser verkaufen zu können. Das hat fatale Folgen: Jedes Fressen wird zur Qual und die offenen Wunden können schwere Infektionen auslösen. Auch an eine Auswilderung ist nach einer solchen Verstümmelung nicht mehr zu denken.

Während die Tiere in freier Wildbahn vor allem Früchte und Insekten fressen und sich pro Nacht mehrere Kilometer fortbewegen, bekommen sie in Gefangenschaft das falsche Futter und zu wenig Bewegung. Übergewicht, Diabetes, Karies sowie Nierenversagen führen zum vorzeitigen Tod. Auch werden die nachtaktiven Plumploris in Gefangenschaft meist tagsüber wachgehalten und in ihrem natürlichen Schlafrhythmus gestört.

Plumploris © Marcel Stawinoga

Plumplori © Marcel Stawinoga

Gefahr für Wildpopulationen

Alle acht Plumplori-Arten sind als gefährdet bis stark gefährdet eingestuft. Trotzdem werden sie vor allem in Südostasien, aber auch im Internet haufenweise illegal als Haustiere verkauft. Sie sind beispielsweise in China und Japan sehr begehrt, wo ein Exemplar zwischen 1.500 und 4.500 US-Dollar kostet.

Das Schicksal der Plumploris ist nur eines von vielen. Eine Studie von Anfang 2019 zeigt, dass ein einziges Facebook-Video mit einem schmusenden Katta binnen einer Woche 20 mal angeschaut wurde – und viele der User kommentierten, sie wollten auch so einen niedlichen Lemuren als Haustier. Zahllose Arten sind ohnehin durch den Verlust von Lebensraum, den illegalen Wildtierhandel für Fleisch und die Wilderei für die traditionelle Medizin vom Aussterben bedroht. Der steigende Exotenhandel und der damit einhergehende Ausverkauf der Wildtierpopulationen bringen viele von ihnen an den Rand der Ausrottung. Um die Bestände in der Natur zu schützen, müssen dringend strengere Gesetze und Kontrollen in der Exotenhaltung her.

Das tut Pro Wildlife
Pro Wildlife dokumentiert Ausmaß und Folgen des Handels mit exotischen Tieren und konnte für dutzende Arten, deren Bestand durch den Heimtierhandel bedroht wird, bereits Handelsverbote und Beschränkungen erwirken. Pro Wildlife war maßgeblich daran beteiligt, dass Plumploris seit 2007 einem internationalen Handelsverbot unterliegen. Seither unterstützt Pro Wildlife auch die Plumplori-Auffangstation Ciapus auf Java, um eine Unterbringung beschlagnahmter Tiere bis zu ihrer Wiederauswilderung zu sichern. Auch klären wir die Öffentlichkeit über die fatalen Folgen des Wildtiertourismus auf, damit keine Affen, Elefanten und andere Wildtiere für Urlaubs-Selfies leiden müssen.

Mehr Informationen

Affe Käfig quadratisch

Exotische Haustiere

Im Wildtierhandel gibt es einen unglaublichen Wildwuchs.

» Exotische Haustiere

Wildtiere vor der Kamera

Wildtiere vor der Kamera

Qual fernab des Rampenlichts.

» Wildtiere vor der Kamera

Plumploris

Plumplori © IAR

Plumploris sind echte Lebenskünstler, aber leider auch bedroht.

» Plumploris

Diesen Beitrag teilen