Wildtiere vor der Kamera
,

28. Mai 2018

Qual fernab des Rampenlichts.

Sollen Wildtiere für unser Entertainment bezahlen? Fast jeder kennt die großen Blockbuster Hollywoods wie Fluch der Karibik, Harry Potter, Hangover oder Wir kaufen einen Zoo. In all diesen Filmen sind auch tierische Darsteller in Haupt- oder Nebenrollen an der Produktion beteiligt. Wildtiere als Stars in Film, TV, Werbung und Musikvideos sind sehr beliebt, dienen nicht selten der Belustigung und spielen große Summen in die Kassen der Unterhaltungsindustrie. Aber so süß die tierischen Schauspieler auch sind, die über die Leinwand strahlen: Für die Tiere selbst sind die Bedingungen am Set und hinter den Kulissen alles andere als lustig. Die Haltung und das Training der Tier-Stars sind meist eine einzige Qual für die Tiere und nicht selten verletzen sie sich oder sterben sogar während der Dreharbeiten.

Hollywood

Viele tierische Darsteller leiden für Hollywood

Die tierischen Opfer der Dreharbeiten

In den vergangenen Jahren forderten Filmproduktionen immer wieder tierische Opfer. Sei es der Tod einer Giraffe im Dreh zu Der Zoowärter, ein fast ertrinkender Tiger in Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger oder misshandelte, geschlagene Schimpansen in der deutschen TV- Serie Unser Charly. In Der Hobbit kamen mindestens 27 Tiere ums Leben, weil sie ertranken oder durch Infektionen, Austrocknung und Überanstrengung starben. Während einer Explosion auf dem Meer in Fluch der Karibik mussten dutzende Meeresbewohner ihr Leben lassen.

Bittere Ironie schwingt in Wasser für Elefanten mit: Für den Dreh mussten echte Elefanten leiden, um die Rettung von Zirkuselefanten vor der qualvollen Dressur darzustellen. Das Training dieser Elefanten aus dem Filmtierverleih „Have Trunk Will Travel“ (HTWT) steht schon seit längerem in der Kritik. Nun soll einer dieser Elefanten in der brandneuen zweiten Staffel der HBO Serie Westworld zu sehen sein. Ein Video über das Training der Elefanten bei HTWT deckt entsetzliche Tierquälereien auf. Die Tiere werden mit Elefantenhaken massiv geschlagen und mit Elektroschocks malträtiert. In einer weiteren Folge der Staffel sollen nun auch echte Bären zu sehen sein. Versuche von Tierschützern, HBO davon zu überzeugen, in Zukunft auf echte Tierdarsteller zu verzichten, zeigten bis jetzt wenig Erfolg.

Tiger

Für den Film „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ ertrank fast ein Tiger

Die Tortur der tierischen Filmhelden beginnt bereits kurz nach der Geburt. Die meisten Filmtiere werden schon früh von ihren Müttern getrennt. Bei sozialen Arten wie Affen, Delfinen und Elefanten führt dies nicht selten zu Depressionen und psychischen Qualen der Vereinsamung. Fernab der Kameras sind sie in kleine Käfige oder Becken gesperrt, oft sind diese schmutzig, karg und ohne Beschäftigungsmöglichkeiten. Auch tierärztliche Versorgung kommt meist zu kurz. Die Tiere sind durch zahlreiche Transporte, das Training und vor allem die Zeit am Set sehr großem Stress ausgesetzt. Die grellen Lichter und vielen lauten Geräusche während der Dreharbeiten sind für Wildtiere sehr beängstigend. Oftmals müssen sie völlig unnatürliche Kunststücke und Handlungen erlernen, die nicht selten zu Verletzungen führen.

Wildtiere im Verleih

Ob Raubtier, Vogel oder Elefant – es gibt wohl kaum ein Tier, das nicht für Geld von einer der zahlreichen Filmtieragenturen gemietet werden kann. Birds & Animals Unlimited in den USA gehört zu einem der größten Lieferanten tierischer Darsteller nach Hollywood. Auch in Deutschland gibt es einige Tierschulen und Filmtieragenturen, bei denen fast jede Tierart buchbar ist. Sie sind in Formaten wie Notruf Hafenkante oder Tatort zu sehen. Wölfe sind in bekannten deutschen Filmen und Serien wie Alarm für Cobra 11, tschick und Wolfsland zu sehen. Auch Elefanten, Zebras, Affen und Geparden stehen auf der Liste der tierischen Darsteller.

Weißbüschelaffe

Auch Affen werden für Film und Fernsehen trainiert

Viele Agenturen werben außerdem damit, ihren tierischen Stars alle nur erdenklichen Tricks und Verhaltensweisen beibringen zu können, die für die gewünschte Szene von Nöten sind. Doch Wildtiere meiden eigentlich den Kontakt zu Menschen. Um sie für Filmaufnahmen nutzen zu können, reichen positive Bestätigungen wie Leckerlis und gutes Zureden oftmals nicht aus, um das Tier zu den gewünschten Tricks zu überreden. Vielmehr werden die Tiere durch Gewalt und Angst zu bestimmten Handlungen getrieben. Nicht nur für die bereits erwähnten Elefanten aus Westworld, sondern für viele andere Filmtiere gehören Misshandlungen, Schläge und Elektroschocks zum Alltag. Das Beispiel des von einer Giraffe tödlich verletzten Filmemacher Carlos Carvalho zeigt, dass Wildtiere unberechenbar sind. Wildtiere werden niemals ganz zahm.

Und nach der Karriere?

Was passiert eigentlich nach dem Ende ihrer Karriere mit den Tieren? Die meisten Filmtiere leiden nach den Dreharbeiten an Verhaltensstörungen, sind oftmals aggressiv gegenüber Menschen und schwer mit anderen Artgenossen resozialisierbar. So beging der Delfin Cathy aus Flipper im Alter von nur sieben Jahren Selbstmord, indem er seine Atmung einstellt. Von den Tiertrainern aussortiert, enden Tierstars nicht selten in fragwürdigen Tierparks oder anderen Einrichtungen und müssen dort oft in Einzelhaft den Lebensabend verbringen. Der Schimpanse Cheetah aus Tarzan verbrachte den Großteil seines Lebens in einem Tierheim in Florida und mindestens drei Schimpansen aus der ZDF-Serie Unser Charly wurden nach dem Dreh an Zirkusse und Auffanglager für Showtiere gegeben.

Judy aus der Serie "Daktari"

Judy aus der Serie „Daktari“

In Deutschland ist das Wohl der Tiere durch das Tierschutzgesetz geregelt. Alle Drehs sind genehmigungspflichtig und Dreharbeiten, die mit Leid, Schäden oder Schmerzen für das Tier verbunden sind, sind verboten. In den USA ist die nicht-staatliche American Humane Association (AHA) dafür zuständig, Filmdrehs mit Tieren zu überwachen. Sie vergibt den Filmproduktionen das Zertifikat „No animals were harmed“, wenn bei der Filmproduktion keine Tiere zu Schaden gekommen sind. In der Vergangenheit erwies sich dieses Zertifikat allerdings nicht immer als verlässlich. Auch gilt es nur für die Dreharbeiten am Set, nicht aber für die Haltung und Bedingungen hinter den Kulissen, sowie dem vorangegangenen Training der Tiere. So erhielten unverständlicherweise auch Filme wie Der Hobbit und Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger trotz der oben geschilderten Vorfälle das Zertifikat „No animals were harmed“.

Nicht nur Wildtiere leiden vor der Kamera. Auch Hund, Pferd und Co. werden bei Filmproduktionen gequält, verletzt oder sterben sogar während der Dreharbeiten. Mit Hilfe neuester Techniken wie Animationen oder computer generated imaging (CGI) können mittlerweile gute Alternativen geschaffen werden, die die Ausbeute echter Tiere vor der Kamera überflüssig machen. So sind Filme wie Planet der Affen oder Lachsfischen im Yemen komplett ohne tierische Darsteller gedreht worden. Geht doch…

Mehr Informationen

Löwe Käfig quadratisch

Zoo und Zirkus

Seit Jahrhunderten stellen Menschen Wildtiere in Zoo und Zirkus zur Schau. Viele fristen in engen Käfigen und Gehegen ein trauriges Dasein. » Zoo und Zirkus
Tiger sind stark gefährdet

Tiger sind stark gefährdet

Tiger sind die größten und schwersten Raubkatzen, die einen muskulösen Körperbau und besonders starke Krallen und Pranken haben. » Tiger

Elefanten

Elefanten sind die größten Landtiere der Erde. » Elefanten

Schluss mit dem Wildtierzirkus

Tiere haben keinen Spaß am Zirkus! Die Tortur zur Belustigung der Menschen muss ein Ende haben. » Schluss mit dem (Wildtier) Zirkus!
Diesen Beitrag teilen