Walfang: Was ist 2021 zu erwarten?

3. März 2021.

Ausblick auf Walfang in Japan, Island und Norwegen

2020 war für die Waljäger in Japan, Norwegen und Island ein Schicksalsjahr, da traditionelle Absatzmärkte schrumpfen und bisher sichere Subventionen zum Teil wegfallen. Als Walschützer kämpfen wir natürlich weiter, bis die kommerzielle Jagd auf die Meeresriesen komplett beendet ist. Aber wir sehen mit Genugtuung, dass der kommerzielle Walfang auf dem absteigenden Ast ist.

Japans Walfang in der Krise

Seit Juli 2019 ist Japan offiziell nicht mehr Mitglied der Internationalen Walfangkommission (IWC). Von seinem IWC-Austritt erhoffte sich Japan zwei Dinge:

  • Endlich ungehindert und ganz offiziell kommerziellen Walfang zu betreiben. Zuvor nutzte man ein juristisches Schlupfloch der IWC und jagte unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“.
  • Der Walfang sollte billiger werden. Die Jagd findet seither nur noch in den eigenen Gewässern statt. Der teure „wissenschaftliche“ Walfang über Monate hinweg im weit entfernten Antarktis-wurde mit dem Ausstieg beendet.

Die Nachfrage für Walfleisch geht zurück

2020 war das erste Jahr, in dem Japan komplett von der IWC „befreit“ war, aber richtig rund lief es für die Waljäger nicht. 307 Wale wurden insgesamt harpuniert (25 Sei-, 187 Bryde- und 95 Zwergwale). Das waren nur halb so viele wie zu Zeiten des „Wissenschaftswalfangs“. Ein Grund hierfür ist, dass das Fleisch der Meeresriesen immer weniger Absatz findet. Während in den 1960er Jahren noch rund 200.000 t im Jahr verkauft wurden, waren es in den vergangenen Jahren nach Medienberichten lediglich 5000 t. Dank Corona-Auflagen mussten viele Restaurants, wichtige Abnehmer des Walfleisches, vorübergehend schließen. Die Preise für das Walfleisch sanken, der Gewinn war geringer als von der Walfangindustrie erhofft. Und die Kühlhäuser quillen mit etwa 4.000 t Walfleisch über.

Walfang Japan

Japans Zwergwalfang © Votier

Abbau der Subventionen

Japans Regierung kommt zudem wegen der hohen Subventionen für den Walfang immer mehr unter Druck. Im Geschäftsjahr 2020 hat sie 5,1 Milliarden Yen zur Verfügung gestellt (etwa 40 Millionen Euro). Doch wegen Beschwerden der heimischen Fischerei-Industrie, die sich benachteiligt fühlt, sollen die Walfangsubventionen bis 2023 schrittweise eingestellt werden. Bereits 2021 ist ein Drittel der Subvention kein Geldgeschenk mehr, sondern nur noch ein Kredit für die ohnehin kränkelnde Branche. Zudem steht das alte Industrieschiff Nisshin Maru, auf dem ein Teil der gefangenen Wale noch auf See verarbeitet wird, kurz vor der Verschrottung. Ein Neubau würde Abermillionen kosten. Und die Finanzierung ist mit der Reduzierung der Walfangsubventionen wackliger denn je.

Walfang in Island ist am Ende

Der einzige Mensch weltweit, der kommerziellen Fang von Finnwalen betreibt, ist der isländische Millionär Kristjan Loftsson, Mehrheitsgesellschafter der Walfang-Firma Hvalur HF. 2018 hatte das Unternehmen 1.700 t Finnwalfleisch nach Japan verschifft. Doch aufgrund anfallender Strafgebühren wegen fehlender Fanglizenzen, gerichtlich angeordneter Nachzahlungen von Gehältern und v.a. wegen missglückter Geschäfte mit Japan kommt das Unternehmen ins Straucheln. Denn das Finnwalfleisch aus Island erfüllt nicht Japans Fleischhygienestandards. Mangels Absatzmöglichkeiten blieb die Hvalur-Fangflotte seit 2019 ganz im Hafen, 2020 offiziell auch wegen der Covid-19-Auflagen für die Schiffsmannschaft.

Walfang in Island Hvalur-Fangflotte

Walfang in Island: Foto der Hvalur-Fangflotte © Creative Commons 3.0

Aus Sicht der Walschützer lief es bei den Zwergwalen noch besser. In den letzten Jahren war die Zahl isländischer Fischer, die sich mit der Jagd auf Zwergwale ein „Zubrot“ verdienen, stetig zurückgegangen. 2019 setzte die Zwergwaljagd bereits aus, 2020 warf auch der letzte Zwergwalfänger das Handtuch. Damit ist das Thema Zwergwaljagd in Island wohl erledigt.

Norwegen als letzte Walfangbastion?

Im Gegensatz zu Japan und Island erlebte der Walfang in Norwegen im Jahr 2020 mit 503 getöteten Zwergwalen einen kleinen Aufschwung. Die von der Regierung genehmigte Fangquote von 1.287 Walen wurde zwar bei Weitem nicht ausgeschöpft, aber trotzdem ist diese Zahl die höchste seit 2016. Seit Jahren schon lockert die Regierung in Oslo die Auflagen für den Walfang, um Anreize für die Fischer zu schaffen, z.B. durch erweiterte Fanggebiete oder laxere Kontrollen der Tötungsmethoden. 2020 wurden selbst alte Kutter zur Jagd zugelassen, die früher notwendigen Schießtrainings entfielen wegen Corona.

Immer weniger Abnehmer für Walspeck

Auch wenn in Norwegen die Zahl getöteter Wale 2020 sogar anstieg, kämpft auch hier die Branche ums Überleben. Die Nachfrage nach Walfleisch ist gering, nur etwa vier Prozent der Norweger essen regelmäßig Walfleisch. Der Export von Walspeck (Blubber) nach Japan dümpelt. Bald hat auch der Verkauf von Blubber und Innereien als Futter für norwegische Pelztierfarmen ein Ende. Spätestens bis 2025 werden alle Fuchs- und Nerzfarmen geschlossen – damit versiegt eine wichtige Einnahmequelle der Walfangbranche.

Walfang Norwegen

Walfang Norwegen © Michael Tenten

Deswegen fördern nun staatliche Subventionen gezielt Projekte zur Absatzsteigerung des Walfleisches (z.B. an Schulen oder Food Festivals) oder der Entwicklung von Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetika oder Arzneimitteln, die Walöl enthalten. 2020 gab es zudem eine leicht höhere Nachfrage nach Walfleisch, weil viele norwegische Städter wegen der Pandemie Urlaub im eigenen Land machten, v.a. im ländlichen Norden, wo sie zum ersten Mal Walfleisch probierten. Ob die Walfänger, davon ermutigt, 2021 mehr Wale fangen, ist noch nicht abzusehen. Die Kühlhäuser wurden jedenfalls leeregeräumt: Allein in den letzten fünf Jahren wurden fast eine Million Kilogramm Walfleisch und -speck exportiert, fast alles davon ging nach Japan.

Walfangtagung im September

Die IWC-Tagung sollte eigentlich bereits im September 2020 stattfinden, wurde aber wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben. Auf der Tagesordnung steht u.a. eine Neuausrichtung für die Zukunft. Pro Wildlife wird auch diesmal teilnehmen und sich bereits im Vorfeld dafür einsetzen, dass Druck auf die Walfangländer ausgeübt wird, die kommerzielle Jagd endlich einzustellen. In wohlhabenden Industrieländern wie Japan, Island und Norwegen sollte eine solch grausame und überflüssige Jagd keinen Platz mehr haben.

Autorinnen: Julia Kainz & Dr. Sandra Altherr

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