Unterwegs als Plastik-Scout
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24. Januar 2018

Der alltägliche Plastikwahn.

Polypropylen (PP), Polyethylen (PE), Polyethylenterephthalat (PET): Immer wieder bin ich fassungslos, wie viel Kunststoffmüll wir in unserem Vier-Personen-Haushalt pro Woche produzieren – und das, obwohl ich mir einbilde, Plastik wenn möglich beim Einkauf zu vermeiden.

Petersilie, Gurken, Tomaten - an dieser Frischetheke ist alles eingeschweißt

Petersilie, Gurken, Tomaten – an dieser Frischetheke ist alles eingeschweißt

Und genau das ist die Krux – „wenn möglich“: Um so manche Plastikfolie werde ich in meinem Alltagseinkauf im Supermarkt um die Ecke oder dem nächsten Bioladen nicht herumkommen: Müsli und Hülsenfrüchte werden durch Plastik vor Feuchtigkeit geschützt, Shampoo gibt es fast nur in der Plastikflasche, Zahncreme nur in der Kunststofftube – und habt Ihr schon mal versucht, Kartoffelchips ohne Plastikverpackung zu bekommen?

In München gibt es zwar inzwischen zwei verpackungsfreie Läden, der auch definitiv immer wieder einen Besuch lohnt – unseren Haushalt dort komplett einzudecken, würde ich jedoch weder logistisch noch finanziell schaffen. Also was tun? Zumindest das aus dem Einkaufswagen verbannen, wozu es plastikfreie Alternativen gibt: Seifenstück statt Flüssigseife, lose Äpfel aufs Kassenband legen, Wattestäbchen mit Papier- statt Plastikschaft, Metall-Trinkhalme statt aus Plastik. Ärgerlich nur, dass die Supermärkte und Drogeriemärkte immer noch so viele unsinnige Produkte mit Plastikverpackung anbieten – und ärgerlich, dass es immer noch Menschen gibt, die an der Frischetheke sogar Bananen oder Avocados in hauchdünne Plastiktütchen stecken, um sie abzuwiegen und zur Kasse zu transportieren. Das muss sich ändern!

Albatros im Plastik-Müll (c) KStarr

Albatros im Plastikmüll (c) KStarr

Meere voller Müll

Zwei schockierende Zahlen: (1) Pro Jahr werden weltweit 500 Mrd. PET-Flaschen produziert, Tendenz steigend. (2) Bis 2025 könnte der jährliche Eintrag von Plastik in die Meere auf unfassbare 40-130 Millionen Tonnen anwachsen – und bereits jetzt sterben Delfine, Wale, Seevögel und andere Meerestiere einen qualvollen Hungertod, weil ihr Magen vollgestopft mit Plastik ist.

Bald schon mehr Plastikmüll als Fische im Meer?

Plastik-Scout werden und gegen die Kunststoff-Flut kämpfen

Pro Wildlife brachte kürzlich Ideen und Anregungen bei der öffentlichen Konsultation der EU-Kommission ein, wie die katastrophale Plastikschwemme in den Meeren reduziert werden kann. Einer der vielen von uns vorgeschlagenen Schritte war, einen umfassenden Maßnahmenkatalog für Supermärkte und Gastronomie festzulegen. Doch bis die EU hier tatsächlich die Reißleine zieht, bleibt es an uns Verbrauchern, etwas zu ändern. Unser Tipp deshalb: In drei Schritten zum Plastik-Scout werden:

  1. Beim Einkauf die größten Plastiksünden aufstöbern und per Foto dokumentieren
  2. An die Filialleitung – besser noch an die Zentrale – wenden, Fotobeweise schicken und um das Ausmisten in den Regalen und an der Obst- und Gemüsetheke bitten! Ob Rewe, Edeka, Aldi oder Lidl: Die Adressen der Zentralen findet Ihr auf den jeweiligen Websites.
  3. Eure Fotos bitte auch an mail@prowildlife.de schicken – mit kurzer Notiz, wann und wo Ihr die Kunststoffsünde entdeckt habt – damit wir diese Bilder im Rahmen unserer Kampagne verwenden können.
500 Milliarden PET-Flaschen pro Jahr weltweit - ein Wahnsinn!

500 Milliarden PET-Flaschen pro Jahr weltweit – ein Wahnsinn!

P.S.: Meine unsinnigsten Plastik-Fundstücke beim letzten Einkauf waren übrigens riesige Stapel und ganze Regale voller PET-Flaschen mit Mineralwasser. Im Gegensatz zu vielen Menschen in Äthiopien oder Burkina Faso haben wir hier in Europa über den Wasserhahn jederzeit und immerzu Zugang zu Trinkwasser in bester Qualität. Wer es spritzig mag, kann einen Sprudler verwenden. In PET-Flaschen abgefülltes Wasser, das möglicherweise auch noch durch ganz Deutschland gekarrt wird, braucht es nun wirklich nicht…

Eure Fotos für unsere Kampagne: Mit der Einsendung eurer Fotos räumt Ihr Pro Wildlife e.V. unwiderruflich das Recht ein, die Fotos zu veröffentlichen, sie zu vervielfältigen und zu verbreiten (in gedruckter Form und auf digitalen Trägern), sie öffentlich wiederzugeben und sie öffentlich zugänglich zu machen.

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Albatros im Plastikmüll © KStarr

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