Trophäenjagd: Elefanten schießen für den Artenschutz?

Nicht nur die USA, auch die EU-Staaten genehmigen die Einfuhr von Jagdtrophäen.

Donald Trump ist immer für Überraschungen gut. Meistens für böse. Diesmal scheint es jedoch, als habe er sein Herz für Elefanten, die Wappentiere seiner Partei, entdeckt. Am 17. November hob die Naturschutzbehörde U.S. Fish and Wildlife Service, die dem passionierten Jäger Ryan Zinke untersteht, ein unter Barack Obama verhängtes Einfuhrverbot für Jagdtrophäen aus Simbabwe auf. Auch für die Einfuhr von Löwentrophäen wurden Erleichterungen in Aussicht gestellt. Diese Rolle rückwärts im Artenschutz ist nicht die erste der Trump-Regierung, doch sie löste zu Recht eine weltweite Welle der Empörung aus. Trump hob die Entscheidung seiner Behörde noch am selben Tag per Twitter auf und bezeichnete die Elefantenjagd als „Horrorshow“. Kommende Woche soll eine endgültige Entscheidung fallen, ob das Einfuhrverbot bestehen bleibt oder nicht. Die Kehrtwende der US-Behörde ist in jedem Fall bemerkenswert: Seit 2014 hatte sie seitenweise Bedenken gegen die Elefantenjagd in Simbabwe (und Tansania) geäußert und Einfuhrverbote verhängt. Ausgerechnet jetzt, wo sich Simbabwe in der größten politischen Krise befindet, sollte das Verbot aufgehoben werden, weil die Elefantenjagd vermeintlich einen Beitrag zum Elefantenschutz leisten soll. Dabei zählt Simbabwe zu den korruptesten Ländern der Welt und steht seit Jahren für den Ausverkauf seiner Wildtiere in der Kritik.

Afrikanischer Elefant

Einfuhr von Jagdtrophäen in die EU? Kein Problem

Die Diskussion über die Verquickung der amerikanischen Politik mit der mächtigen Waffen- und Jagdlobby schlägt bis nach Europa hohe Wellen. Höchste Zeit, vor der eigenen Haustür zu kehren: Denn reiche Amerikaner sind nicht die Einzigen, die Jagd auf Elefanten und andere gefährdete Arten machen. Auch die EU-Staaten erlauben die Einfuhr von Jagdtrophäen – und deutsche und spanische Großwildjäger sind Spitzenreiter. In den letzten zehn Jahren genehmigte die Bundesregierung die Einfuhr von 100 in Afrika erlegten Elefanten und Hunderter weiterer geschützter Tiere.

Eisbärtrophäe

Eisbärtrophäe

Ein Einfuhrverbot für Simbabwe gab es in der EU noch nie – jahrelange Sanktionen gegen das Mugabe-Regime hin oder her. Dafür hat die EU, ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit und hinter verschlossenen Türen, vor Kurzem ein 2015 erlassenes Einfuhrverbot für Elefanten-Trophäen aus Tansania aufgehoben. Mit derselben, fadenscheinigen Begründung wie die US-Behörden: Wer Elefanten abschießt, kann (zumindest theoretisch) einen Beitrag zum Elefantenschutz leisten. Immerhin legen Jäger für eine Jagdreise inklusive Abschuss eines Elefanten 30.000  Euro und mehr hin. Geld, das – so die Hypothese – dem Naturschutz zu Gute kommen könnte – oder zumindest die Landbevölkerung dazu motivieren, Elefanten zu schützen statt zu schießen. Die Realität in den meisten afrikanischen Jagdländern sieht jedoch ganz anders aus. Der Großteil des Geldes geht nachweislich an die (oft ausländischen) Jagdveranstalter. Die lokale Bevölkerung wird mit lächerlichen Beträgen abgespeist oder geht komplett leer aus. Laut ökonomischen Analysen leistet die Jagd keinen Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Hinzu kommt, dass die Großwildjagd, in Fortführung alter Kolonial-Traditionen, ausländischen Jägern gestattet, bedrohte und international streng geschützte Arten zu töten. Einheimischen droht hierfür Gefängnis. Eine fatale Botschaft, die jahrelange Bemühungen zum Schutz der bedrohten Tiere konterkariert.

Löwentrophäe©Hoeppner

Löwentrophäe © Hoeppner

Korruption, Wilderei und Großwildjagd

Nun ist Tansania genau wie Simbabwe nicht gerade ein Land mit weißer Weste, wenn es um den Schutz der Elefanten oder die Kontrolle des Jagdsektors geht. Über 60 Prozent des Elefantenbestandes, mehr als 60.000 Tiere, wurden in dem ostafrikanischen Land zwischen 2009 bis 2014 von kriminell organisierten Banden ausgelöscht. In keinem anderen Land richteten Wilderei und illegaler Elfenbeinhandel in so kurzer Zeit ein solches Massaker an. Klar ist auch, dass Verbrechen dieser Größenordnung nur dank massiver Korruption in Behörden- und Regierungskreisen möglich sind – und dass die tausende toten Elefanten kaum unbemerkt bleiben konnten.

Tansania leugnet Massaker an Elefanten

Doch Tansanias Regierungsvertreter leugneten das Desaster jahrelang, fälschten Bestandszahlen und hielten Ergebnisse von Tierzählungen unter dem Deckel. Besonders stark betroffen von der Wilderei-Krise war das Selous-Ökosystem, zugleich das bedeutendste Gebiet für Elefanten-Großwildjäger. Da scheint es mehr als absurd, wenn die EU die Jagd auf die extrem dezimierten Elefantenbestände  – in einem Land, das auf der Korruptionsliste weit oben steht – als Artenschutz verkaufen will.

Elefant in Tansania

Elefant in Tansania

Trophäenjagd: Ethisch nicht vertretbar, kein Nutzen für den Artenschutz

Die Entscheidung, das Einfuhrverbot für Jagdtrophäen aus Tansania aufzuheben, tritt das im EU-Artenschutzrecht verbriefte Vorsorgeprinzip mit Füßen. Völlig ausgeblendet wird zudem die überfällige Frage nach der ethischen Vertretbarkeit der Großwildjagd: Elefanten sind hochentwickelte, soziale, intelligente und fühlende Lebewesen – genau wie wir Menschen. Der Abschuss aus reiner Gier nach Statussymbolen ist weder aus ökologischer noch aus ethischer Sicht zu rechtfertigen. Nach deutschem Tierschutzgesetz wäre er hierzulande ohnehin nicht zulässig, ebenso wie die Tierschutz-widrigen Jagdmethoden, die im Ausland zum Einsatz kommen.

Weitere Informationen:

» Mehr zur Jagd in Afrika

» Informationen zu Jagd und Wilderei

» Offener Brief an die EU-Behörden zum Import von Jagdtrophäen aus Tansania

Teilen: Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone