Tierwanderungen, Migration, Winterflucht

5. Oktober 2018.

Von der Great Migration bis zum Golfstrom

Es gibt Tierarten, die scheinen nicht sesshaft werden zu wollen. Sie sind immer in Bewegung und legen gut und gerne tausende Kilometer zurück. Warum nehmen sie Hindernisse und Gefahren auf sich? Die meisten Tierarten wandern, um der kalten Jahreszeit zu entgehen. Viele folgen saisonalem Regen und wieder andere ziehen, um sich fortzupflanzen. Auf ihrem Weg halten weder Ländergrenzen noch Sandstürme sie auf. Zu den wandernden Rekordhaltern gehören Grauwale, Karibus, Monarchfalter und Küstenseeschwalben, besonders bekannt sind die Wanderungen der Schildkröten, Lachse und Streifengnus. Drei erstaunliche Wanderungen:

Ewiger Kreislauf Serengeti – Masai Mara

Die „Great Migration“ in Ostafrika ist die wohl bekannteste Tierwanderung der Erde. In einem ewigen Kreislauf ziehen mehr als eine Million Gnus, 250.000 Zebras sowie etwa 500.000 Gazellen und Antilopen von der Serengeti in Tansania in die angrenzende Masai Mara und zurück. Die Strapazen der etwa 800 km langen Reise fordern jährlich den Tod von etwa 250.000 Gnus, die Hunger, Durst, Schwäche oder Raubtieren zum Opfer fallen.

Überquerung des Mara Flusses © Martin Harvey

Die Wanderung selbst ist keineswegs Selbstzweck, die Tiere folgen vielmehr dem Regen. Wenn der Regenzeit im Norden Tansanias von November bis März bekommen sie ihre Kälber, bevor sie in Richtung Westen und Norden in die Masai Mara in Kenia ziehen und auf ihrem Weg den Mara Fluss überqueren – eine gefährliche Passage, denn hier lauern zahllose Krokodile auf Beute. Die Gnu-Wanderung gilt als eines der größten Naturwunder der Erde und sie ist essentiell für das Ökosystem Serengeti – Mara.

Migration Wanderung Masai Mara Maasai Mara Serengeti

Die größte Säugetier-Wanderung

Die Wanderung in Ostafrika ist sicherlich spektakulär, doch sie wird noch überboten – zumindest zahlenmäßig. Zehn Millionen Flughunde machen jedes Jahr im Herbst Sambia zum Ziel der größten Säugetierwanderung weltweit. Die Palmenflughunde lieben Früchte wie Wasserbeeren und Zuckerbeeren im Kasanka-Nationalpark. Mit bis zu einem Meter Flügelspannweite geben die Tiere ein beeindruckendes Bild ab.

Flughund © U.S. Fish and Wildlife Service Headquarters

Die Flughunde gelten als fliegende Saftpressen und verbreiten die Samen der Bäume im Gebiet. Mit und von ihnen leben zahlreiche Raubvögel wie Kronenadler und verschiedene Geier in Kasanka. Einige Tiere wurden besendert und legten nach ihrem Aufenthalt in Sambia Strecken von bis zu 2.000 Kilometern zurück, die meisten Signale verloren sich irgendwo in den Urwäldern des Kongo. Von dort machen sich die Tiere im nächsten Jahr wieder auf ihre Reise nach Sambia.

Unterwasser-Autobahn Golfstrom

Der Golfstrom ist eines der faszinierendsten Naturphänomene der Erde. Er bringt ungewöhnlich warme Temperaturen nach Europa, die auf diesem Breitengrad einzigartig sind. Manche Tiere profitieren besonders vom Strom, denn sie nutzen ihn als Autobahn. Dazu zählt die Unechte Karettschildkröte, die ihre Geburtsstätte an den Stränden Floridas hat.

Seit Urzeiten lassen sich die Schildkröten vom Golfstrom nach Norden tragen. Zunächst verstecken sich die jungen Tiere in den Seetangwäldern, die der Strom mit sich führt. Sie bleiben jahrelang in der Umgebung des Stroms, bis sie über den Kanarenstrom Richtung Süden und mit dem Nordäquatorialstrom zurück in die Karibik getragen werden. Nach 15 bis 20 Jahren haben sie ihre Reise beendet und paaren sich dort, wo auch sie einst aus dem Ei geschlüpft sind.

Gefahr Wanderung

Für einige Tierarten können die langen Migrationen eine echte Gefahr sein. National unterschiedliche Gesetze sorgen dafür, dass sie in dem einen Land zwar gut geschützt sind, in einem anderen aber nicht. Die Tiere müssen außerdem zahlreiche Hindernisse überwinden, darunter menschliche Siedlungen, Jagd- und Fischereigebiete und unterschiedliche politische Interessenslagen.

Walhai © Klaus M. Stiefel

Walhai © Klaus M. Stiefel

Diese Besonderheiten berücksichtigt die Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS). Hier werden zahlreiche Tierarten unter besonderen Schutz gestellt und die Vertragsstaaten werden angehalten, gemeinsam am Schutz dieser Arten zu arbeiten. Zu den durch die CMS geschützten Arten gehören zum Beispiel Löwe, Giraffe, Leopard, Schimpanse und Walhai.

Mehr Informationen

CMS

Übereinkommen zum Schutz wandernder wildlebender Tierarten >> CMS

 

 

 

 

 

Raum für Wildtiere

Raum für Wildtiere

Wildtiere haben nur eine Chance, wenn sie Lebensraum haben >> Raum für Wildtiere

 

 

 

 

 

Namibia_quadratisch

Auf Safari

Die schönsten Nationalparks Afrikas >> Auf Safari

 

Diesen Beitrag teilen