Tierquälerei in südafrikanischen Elefantenparks

15. November 2019.

Urlaubsspaß auf dem Rücken der Tiere.

Die Videoaufnahmen der Tierschutzorganisation „National Society for the Prevention of Cruelty to Animals“ (NSPCA) vom südafrikanischen Elefantenpark „Elephants of Eden“ zeigen Grausames: Parkmitarbeiter ketten jungen Elefanten an, quälen sie mit Elektroschocks und sogenannten Elefantenhaken. Das Ziel dieser Misshandlungen ist es, die Elefanten für Touristensafaris gefügig zu machen und abzurichten. Die Aufnahmen stammen bereits aus dem Jahr 2014. Seither klagen Tierschützer gegen die damaligen Besitzer des Parks, die bis heute den Knysna Elephant Park betreiben und beide Einrichtungen als Elefantenschutzprojekte ausgaben. Die Gerichtsverhandlungen werden immer wieder vertagt, doch das Geschäft mit gequälten Dickhäutern floriert weiter. Der damalige Leiter des „Elephants of Eden“ eröffnete bereits kurz nach dem Skandal einen neuen Elefantenpark.

Elefantenreiten im Wild Horizons Elephant Camp, Simbabwe © Martin Harvey

Elefantenreiten im Wild Horizons Elephant Camp, Simbabwe © Martin Harvey

Im südlichen Afrika bieten zahlreiche Camps und selbsternannte Auffangstationen „hautnahe Erlebnisse“ mit den Tieren an, darunter Streicheln, Füttern und sogar Reiten. Dass Kontakt zu Menschen großen Stress und Angst für die Elefanten bedeutet, ist den meisten Touristen gar nicht bewusst.

Elefanten sind Wildtiere – sie scheuen Menschen

Die Interaktion zwischen Mensch und Elefant ist kein natürliches Verhalten, sondern wird den Tieren aufgezwungen. Damit die Dickhäuter den direkten Kontakt mit Menschen wie Füttern und Streicheln überhaupt dulden, werden sie meistens schon als Kälber mit Gewalt dressiert. Ein Elefant in freier Natur würde einen Menschen niemals freiwillig auf seinem Rücken reiten lassen. Um ein solches Verhalten zu erzwingen, wird der Wille der Tiere mit Gewalt gebrochen. Dieses Konzept beruht auf dem Prinzip negativer Verstärkung: Körperliche und mentale Bestrafung sollen das gewünschte Verhalten herbeiführen. Die Misshandlungen dauern oft ein Leben lang an.

Elefanten und Elefantenhüter

Elefanten und Elefantenführer

Kommerzialisierung und ahnungslose Touristen in Auffangstationen

Die Besucher der Parks wollen den Tieren nichts Böses. Sie nehmen häufig unbekümmert die Gelegenheit wahr, Elefanten live zu erleben und anzufassen. Nahe Südafrikas beliebter „Garden Route“ gibt es mehrere Parks, selbsternannte Waisenhäuser oder Auffangstationen, die den engen Kontakt mit den Tieren zulassen. Darunter der „Knysna Elephant Park“, der den früheren Eigentümern des „Elephants of Eden“ gehört, in dem die Misshandlungen der Tiere gefilmt wurden. Auch im „Elephant Sanctuary Plettenberg Bay“, dem „Elephant Sanctuary – Hartbeespoort“ nahe Johannesburg und „Elephant Whispers“ bei Hazyview dürfen Besucher Elefanten füttern, streicheln, am Rüssel herumführen oder reiten. Weitere Einrichtungen, die sogenannte „Elephant Back Rides“ und ähnliche touristische Attraktionen mit Elefanten in Gefangenschaft anbieten, gibt es in Simbabwe und Sambia. Den Touristen wird oftmals vermittelt, dass sie den Elefanten etwas Gutes tun. Dabei stammen viele der Tiere aus der Wildnis und es handelt sich nicht, wie häufig suggeriert, um gerettete Waisen.

Leid für die Tiere und Gefahr für die Menschen – Elefanten sind keine sanften Riesen

Touristen und ein Elefant © Yathin Krishnappa

Touristen und ein Elefant © Yathin Krishnappa

Ähnlich wie Menschen können Elefanten durch Traumata, die durch Fang und Misshandlungen in Gefangenschaft verursacht werden an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Für die Touristen ist der Besuch eines Elefantenparks nicht immer ungefährlich: Elefanten sind keine gutmütigen Riesen. Sie gelten als die gefährlichsten Tiere in Gefangenschaft, immer wieder greifen Tiere Menschen an. Erst 2018 gab es in Simbabwe mindestens zwei Unfälle mit Elefanten in Camps, in der „Dimbangombe Safari Lodge“ und im „Wild Horizons Elephant Sanctuary“. Für einen 40-jährigen Mann endete einer der Zwischenfälle tödlich. Beide Elefanten wurden daraufhin vom Personal der Einrichtungen erschossen.

Elefantenfreundlicher Südafrika-Urlaub

Wer Elefanten liebt, sollte einen weiten Bogen um Einrichtungen machen, die direkte Interaktionen mit Elefanten anbieten. Pro Wildlife rät dazu, statt dessen wildlebende Elefantenherden in Schutzgebieten und Nationalparks zu beobachten – in Afrika gibt es hierfür jede Menge Gelegenheiten.

Elefantenherde an einem Wasserloch

Elefantenherde an einem Wasserloch

Falls Sie doch eine Auffangstation besuchen wollen, achten Sie darauf, dass die Elefanten nicht zu Vorführungen eingesetzt werden und es keinen direkten Kontakten zu Besuchern gibt. Gegen die Elefanten sollte ausnahmslos keine Gewalt angewendet werden. Weil Elefanten Herdentiere sind, sollten sie niemals allein gehalten werden. Besonders wichtig ist, dass sich die Rüsseltiere frei, ohne Ketten, und in weitläufiger Umgebung bewegen können. Zusätzlich muss immer für ausreichend Nahrung, Wasser, Abkühlung in Form von Bademöglichkeiten und Schatten gesorgt sein. Echte Elefantenwaisenhäuser streben eine Wiederauswilderung der Tiere an.

Positivbeispiel: Elefantenwaisenhaus in Sambia

Es gibt einige wenige positive Beispiele für Elefantenparks und Waisenhäuser, in denen Urlauber die Tiere unbeschwert beobachten können. Eines davon ist das von Pro Wildlife unterstützte Elefantenwaisenhaus in Sambia.

Elefantenwaisenhaus Sambia

Elefantenwaisenhaus Sambia

Dort werden Elefantenwaisen aufgenommen, deren Eltern Wilderern zum Opfer fielen. Oberstes Ziel dieser Einrichtung ist die Wiederauswilderung der Kleinen.

Weitere Informationen

Ein Leben in Ketten: Elefanten im Tourismus

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Der Bericht „Ein Leben in Ketten – Elefanten im Tourismus“ von Pro Wildlife zeigt, wie problematisch der Elefantentourismus ist. Viele Tiere werden in der Wildnis gefangen und mit Hilfe von massiver Gewalt gefügig gemacht » Bericht: Elefanten im Tourismus: Ein Leben in Ketten
Löwe Käfig quadratisch

Löwenfarmen

Auf Löwenfarmen in Südafrika schießen Jäger gezüchtete Löwen in Gefangenschaft, die Touristen von Hand großziehen  » Löwenfarmen
Elefantenwaisenhaus Sambia

Elefantenwaisenhaus Sambia

Tausende Elefanten werden jedes Jahr wegen ihres Elfenbeins getötet. Zurück bleiben hilflose Elefantenbabys, die im Elefantenwaisenhaus eine zweite Chance bekommen » Elefantenwaisenhaus Sambia
indischer Elefant

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Der Elefantenhaken in Pinnawela

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Elefantenherde im Waisenhaus © ETH Sri Lanka

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