Tagebuch: CITES-Konferenz 2019

Live-Blog aus dem Konferenzraum.

Vom 17. bis 28. August 2019 fand in Genf die 18. Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen statt. Pro Wildlife war mit drei Expertinnen vor Ort: Die Biologinnen Dr. Sandra Altherr, Daniela Freyer und Katharina Lameter verhandelten für einen besseren Schutz von Wildtieren.  In diesem CITES-Tagebuch berichten wir über die Entwicklungen aus dem Konferenzraum – und über Interessantes hinter den Kulissen…

28. August 2019: Erschöpft, aber mehr als zufrieden

Es ist vorbei! Heute ging eine der erfolgreichsten Artenschutzkonferenzen ever zu Ende. Nun heißt es Abschied nehmen von Freunden, Kollegen und neuen Bekanntschaften aus allen Kontinenten. Gemeinsam konnten wir in Genf große Erfolge erziehen – diese intensive Zeit verbindet unglaublich. Noch nie war die Agenda einer Artenschutzkonferenz so lang, innerhalb von 12 Tagen wurden 101 Arbeitsdokumenten sowie 56 Schutzanträge diskutiert und verabschiedet. Die Länder stimmten mit einer überwältigenden Mehrheit GEGEN die Freigabe des Handels mit Elfenbein und Nashorn und die Lockerung des Schutzes von Elefanten und Nashörnern. Auch den Schutz für Giraffen konnten wir durchsetzen. Der Handel mit Teilen des größten Landsäugetieres ist nun endlich international beschränkt – ein enormer Erfolg.

Warzenmolche sind nun auch geschützt © Kokopellli

Die enorme Bedrohung vieler Arten durch den internationalen Heimtierhandel wird hier immer mehr anerkannt: Mehr als ein Drittel der hier diskutierten Schutzanträge betrifft solche Arten. Asiatische Zwergotter sowie 42 Echsen, fünf Schildkröten, eine Schlange, 50 Amphibien und 15 Ornament-Vogelspinnen sind nun zukünftig besser geschützt. Viele waren bislang ungeschützt, für einige wenige galten bereits vorher Handelsbeschränkungen. Auch der Handel mit 18 Hai- und Rochenarten sowie drei Arten von Seegurken muss zukünftig kontrolliert werden.
Alles in allem haben wir große Erfolge für den Artenschutz zu verzeichnen und fiebern bereits jetzt auf die nächste Artenschutzkonferenz hin, die 2022 in Costa Rica stattfinden soll.

27. August 2019: Wermutstropfen Glasfrösche

Heute war der erste Tag der Vollversammlung und die meisten erarbeiteten Ergebnisse aus den Ausschüssen wurden ohne Einwände bestätigt. Der Schutz der Glasfrösche und die Exportbeschränkungen für Babyelefanten aus Afrika wurden allerdings erneut diskutiert und ein letztes Mal abgestimmt. Simbabwe, Botswana, Namibia und Südafrika dürfen künftig keine wilden Afrikanischen Elefanten mehr nach Übersee exportieren. Sie dürfen nur für Artenschutzmaßnahmen aus ihrem natürlichen Lebensraum ausgeführt werden – ein absolutes Novum und ein großer Erfolg! Der Beschluss wurde allerdings heute auf Druck der EU, die ansonsten gegen den Antrag gestimmt hätte, und mit Zustimmung der afrikanischen Antragsteller abgeschwächt. In „außergewöhnlichen Fällen“ sollen Ausfuhren für Artenschutzmaßnahmen außerhalb Afrikas möglich sein. Gleichzeitig hat sich die EU-Kommission deutlich gegen den Transfer wilder Elefanten ausgesprochen und appelliert, die Ausnahmen auf ein Minimum zu beschränken. Wir werden sie beim Wort nehmen und uns dafür einsetzen, dass diese Regel nicht als Hintertür für erneuten Handel missbraucht wird.

Glasfrosch © Brian Gratwicke CC BY 2.0

Glasfrosch © Brian Gratwicke CC BY 2.0

Auch der Listungsantrag für die Glasfrösche wurde nochmals eröffnet. Costa Rica, Honduras und El Salvador kämpften bis zuletzt um ihre Frösche, die aufgrund ihres besonderen Aussehens durch den Heimtierhandel bedroht sind. Leider reichte es nicht ganz, um die Glasfrösche zukünftig auf Anhang II zu listen. Bei einer erneuten Abstimmung stimmten 83 Länder für und 46 Länder gegen die Listung. Eine Zweidrittelmehrheit wurde somit ganz knapp verfehlt.

26. August 2019: Showdown für die kleinen Tiere

Kronenkranich © Pixabay

Kronenkraniche stehen jetzt unter strengem Schutz © Pixabay

Heute war der große Tag der Vögel, Reptilien, Amphibien und Wirbellosen. Der gefährdete Kronenkranich wurde heute unter den höchsten Schutzstatus gestellt. Zusätzlich zum Habitatverlust leidet diese Art unter dem nationalen und internationalen Handel mit lebenden Tieren, der nun glücklicherweise starken Einschränkungen unterliegt. Außerdem hatten wir heute große Erfolge bei den häufig übersehenen Kleintieren zu verzeichnen – und das gleich in Serie. Insgesamt 36 Echsen, eine Schlange, 50 Amphibien und 15 Ornament-Vogelspinnen sind nun endlich dank weltweiter Handelsbeschränkungen vor unkontrollierten Plünderungen geschützt. Für fünf Echsen aus Sri Lanka, eine aus St. Vincent & den Grenadinen, fünf Schildkröten aus Asien und Afrika sowie zwei Schmetterlinge gilt in Zukunft sogar ein weltweites Handelsverbot. Ein riesiger Erfolg für den Artenschutz – und bei vielen dieser Arten das Ergebnis jahrelanger Recherche und Überzeugungsarbeit. Denn es gilt: Nach der Konferenz ist vor der Konferenz…

Hornagame Ceratophora_tennentii(c)Moni Ostermaier Wikimedia

Für diese Hornagame gilt jetzt ein Handelsverbot © Moni Ostermaier Wikimedia

Einziger Wermutstropfen ist, dass die EU einen Schutzantrag Sri Lankas für zwei seltene Agamen gekippt hat und aufgrund des Widerstands der EU ein Antrag für Glasfrösche scheiterte, wenn auch nur knapp.

Die letzten zwei Tage ist Vollversammlung. Hier werden die Entscheidungen der beiden Komitees offiziell bestätigt und stark umstrittene Themen können hier noch ein letztes Mal diskutiert werden, bevor das endgültige Ergebnis gültig wird.

25. August 2019: Nashörner bleiben geschützt

Breitmaulnashorn © Martin Harvey

Breitmaulnashorn © Martin Harvey

Auch am Nachmittag eine Erfolgsserie: Der Handel mit Nashorn bleibt weiterhin verboten. Jeglicher Freigabe des Handels wurde hier eine klare Absage erteilt: Zuerst scheiterte der Antrag des kleinen Königreichs eSwatini (ehemals Swasiland) den Handel mit dem Horn freizugeben. Eine große Erleichterung, denn eine Handelsfreigabe hätte riskiert, die Nachfrage und damit die Wilderei weiter zu befeuern. Anschließend lehnte die große Mehrheit der Staaten auch Namibias Antrag ab, den strengen Schutz für seine Population aufzuheben und den Handel mit Jagdtrophäen und lebenden Tieren freizugeben. Auch in Namibia hat die Wilderei in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Seit 2008 wurden über 8.000 Breitmaulnashörner gewildert, ihr Horn gilt in Asien als Statussymbol und als vermeintliches Wundermittel in der Traditionellen Medizin.

Die Verhandlungen zum Nashorn haben erneut gezeigt, wie der Streit zwischen Handelsbefürwortern und -gegnern, insbesondere in Afrika, zunehmend eskaliert. Es ist mehr als traurig, dass manche Länder die Verhandlungen vor allem als politische Bühne missbrauchen und meinen, sie könnten ihre Ziele erreichen, indem sie mit ihrem Austritt drohen und Regierungsvertreter und Naturschützer verunglimpfen.

25. August: Guter Start für CITES Teil 2: Makohaie endlich geschützt

Makohaie sind begehrte Ziele der industriellen Fischerei

Makohaie sind begehrte Ziele der industriellen Fischerei

Was für ein toller Auftakt für den zweiten Teil der CITES-Konferenz (nach zwei Tagen Pause): Der Antrag, Kurzflossen-Makohaie und Langflossen-Makohaie zu schützen, hat heute die notwendige Zweidrittelmehrheit erreicht. Damit wächst die Zahl CITES-geschützter Haiarten auf 14. Haie gehören zu den wertvollsten Arten der kommerziellen Fischerei – entsprechend groß war hier der Widerstand von Japan, Neuseeland, Island, Malaysia und Indonesien. Der Antrag auf Aufnahme in CITES Anhang II wurde mit 102 Ja- zu 40 Nein-Stimmen angenommen, da nutzte auch die von Japan beantragte Geheimabstimmung nichts…

Wir sind sehr erleichtert! Der Makohai-Antrag gehörte zu den kontroversesten dieser CITES-Konferenz. Die Fischerei-Lobby hat hier hinter den Kulissen alle Strippen gezogen, um die Unterschutzstellung zu verhindern. Es hat ihnen nichts genutzt. Jetzt hat die unkontrollierte Plünderei der Makos hoffentlich ein Ende.

Auch zwei weitere Anträge gegen die Überfischung der Meere sind heute angenommen worden: Künftig sind damit auch sechzehn Arten Geigenrochen in CITES Anhang II, d.h. der Handel unterliegt endlich internationalen Kontrollen.

23. und 24. August: CITES-Pause, aber nicht frei

Am 23. und 24. August pausiert die CITES-Konferenz. Und während viele Delegierte hier einen Ausflug zum Mont Blanc machen, nutzen wir die Zeit, Liegengebliebenes abzuarbeiten und uns auf die letzten großen Entscheidungstage einzustimmen. Wortmeldungen müssen entworfen und mit Kollegen koordiniert werden. Am Sonntag geht es hier dann weiter mit Haien, Rochen, Mammut, Ottern und Nashorn. Am Montag wird dann über Kronenkranich, Reptilien, Amphibien und Wirbellose verhandelt…

22. August 2019: Großartige Ergebnisse für Saiga, Giraffe & Elefanten

Elefanten bleiben geschützt

Zwei Anträge, den Schutz von Elefanten zu lockern, haben heute eine krachende Niederlage erlebt. Mit 22 Ja- zu 102 Nein-Stimmen scheiterte am späten Nachmittag der Antrag Sambias, den höchsten Schutzstatus für seine Elefantenpopulation zu kippen – der kommerzielle Handel mit Elefanten aus Sambia bleibt also verboten, ein großer Erfolg! Ursprünglich wollte das südafrikanische Land den Handel mit Elfenbein durchsetzen, hatte dies aber in letzter Minute zurückgezogen und gehofft, so – quasi als ersten Schritt  – zumindest Zustimmung zur Lockerung des Elefantenschutzes zu erreichen. Damit scheiterte Sambias Versuch bereits zum dritten Mal auf einer CITES-Konferenz – aus gutem Grund: Von 200.000 Elefanten in den 1970er und 80er Jahren sind heute nur noch etwa 21.000 Tiere übrig. Verschiedene Berichte belegen, dass Wilderei und illegaler Elfenbeinhandel in Sambia weiterhin ein Problem sind. Auch der Antrag zum Abverkauf von Elfenbein-Lagerbeständen aus Botswana, Namibia, Simbabwe und Südafrika ging mit 22 Ja- zu 101 Nein-Stimmen kläglich baden. Leider scheiterte auch ein Gegenantrag von zehn Ländern, alle afrikanischen Elefanten unter den strengen Schutz von Anhang I zu stellen an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Immerhin erzielte er mit 51 Ja- und 67 Nein-Stimmen mehr Zustimmung als die Handelsanträge. Das wichtigste Ergebnis für Pro Wildlife ist: Der Elfenbeinhandel bleibt verboten und es wird keine Lockerung des Elefantenschutzes geben.

Giraffen sind künftig durch CITES geschützt

Vor der kontroversen Debatte über Elefanten hatte der Antrag, die Giraffe erstmals in CITES-Anhang II aufzunehmen, hier eine lange Debatte ausgelöst, die letztlich doch ein Happy End hatte: Mit einer unfassbar klaren Mehrheit (106 Ja- zu 21 Nein-Stimmen) wurde der Antrag angenommen – sehr zum Ärger einiger südafrikanischen Länder und Tansanias, die vergeblich beantragt hatten, dass die Bestände in ihren Ländern von den Handelskontrollen ausgenommen werden. Wäre dies durchgegangen hätte es effektive Kontrollen der Handelsströme unmöglich gemacht. Die Giraffenbestände wurden in den letzten 30 Jahren um bis zu 40 Prozent dezimiert. Zwei der neun Unterarten sind vom Aussterben bedroht, zwei weitere stark gefährdet. Giraffen werden regional als Fleischquelle gehandelt, international für Jagdtrophäen, Deko-Artikel aus Knochen und Fell, sowie lebend für Zoos und Zirkusse. Im Zeitraum 2006-2015 importierten allein die USA fast 40.000 Giraffenprodukte. Eine Online-Untersuchung von Pro Wildlife und Partnern in sieben EU-Ländern, darunter auch Deutschland, belegt, dass Produkte aus Giraffen auch hier regulär angeboten werden.

Saiga-Antilope ©Igor-Shpilenok

Saiga-Antilope ©Igor-Shpilenok

Wir wussten, dass die Debatte schwierig wird, aber schließlich ging es doch gut aus: Heute wurde für die Saiga-Antilope ein Exportverbot („Anhang II mit Nullquote“) im Konsens beschlossen. Ursprünglich beantragten die USA und die Mongolei den höchsten Schutzstatus (CITES Anhang I, absolutes Handelsverbot); dies war jedoch aufgrund des starken Widerstands von Herkunftsländern wie Russland und Kasachstan und des Hauptabsatzmarktes China, aber auch der EU, nicht mehrheitsfähig.

21. August: Tropenholz und Elfenbein

Elfenbeinschnitzereien © Pro Wildlife

Elfenbeinschnitzereien © Pro Wildlife

Jetzt geht es richtig los! Heute wurden in Komitee 1 die ersten Anträge heiß diskutiert. Das Thema des Tages: Pflanzen. Auf der 18. Artenschutzkonferenz befassen sich insgesamt acht Anträge mit dem Handel von Pflanzen. Doch nicht alle dienen ihrem Schutz, denn der Handel mit exotischen Tropenhölzern ist ein lukratives Geschäft, und die Gegenseite versucht immer wieder, den internationalen Schutz beliebter Holzarten zu lockern. Trotz des großen Widerstands hat unser Netzwerk Species Survival Network es heute geschafft, dass sechs der Anträge zu unseren Gunsten entschieden wurden – darunter alle Arten Cedrela, also Bäume, die zur Mahagoni-Familie gehören.

Nebenan in Komitee 2 standen die nationalen Elfenbeinmärkte in der Kritik: Insbesondere Japan, mit einem großen Elfenbeinmarkt und vielen illegalen Exporten, sowie die EU, in der Gesetzeslücken es ermöglichen, als „antik“ deklariertes Elfenbein frei zu handeln. Mehrere afrikanische Staaten wollten erreichen, dass die bei der letzten CITES-Konferenz erzielte Empfehlung zur Schließung der Inlandsmärkte verschärft wird und ohne Ausnahme für alle Länder gilt. Der Vorschlag stieß erwartungsgemäß auf Widerstand der EU und anderer Länder. Immerhin wurde aber beschlossen, dass Länder künftig Bericht erstatten müssen, wie sie ihre Inlandsmärkte kontrollieren, damit diese nicht illegalen Handel und Wilderei beflügeln. Die EU kündigte zudem an, ihre Regelungen zu verschärfen. Schrittchen für Schrittchen geht es damit voran beim Elfenbein.

Ein weiterer Fortschritt für den Schutz der Nashörner war die verabschiedete Aufforderung, dass Länder alle Absatzmärkte schließen sollen, die zum illegalen Handel mit Horn und zur Wilderei beitragen. In Vietnam gibt es Gesetzeslücken, die den Handel ermöglichen und in China gilt zwar ncoh ein Verbot, aber es gibt Überlegungen, dies zu lockern. Der Beschluss ist deshalb eine dringend nötige Ansage an diese beiden Hauptabsatzmärkte.

20. August 2019: Ein Preis für das Affenwaisenhaus in Kamerun

Preisverleihung an das Limbe Wildlife Centre

Seit fast 20 Jahren unterstützt Pro Wildlife das Limbe Wildlife Centre (LWC) in Kamerun, das sich um beschlagnahmte Gorillas, Schimpansen und andere Wildtiere in Not kümmert, aber auch Aufklärungsarbeit betreibt und Ex-Wilderer im aktiven Affenschutz einbindet, um ihnen alternative Einkommensmöglichkeiten zu bieten. Heute Abend hat das Limbe Wildlife Centre auf der Artenschutzkonferenz den Clark Bavin Award bekommen – einen Preis für den konsequenten Kampf gegen Wilderei und die langjährige Hilfe beim Artenschutzvollzug. Denn ohne gute Auffangstationen, in die Polizei und andere Behörden beschlagnahmte Tiere bringen können, finden erst gar keine Beschlagnahmen statt. Den Preis überreichte die CITES-Generalsekretärin Ivonne Higuero an eine Vertreterin der kamerunischen Delegation – für das LWC-Team war die Anreise zu weit.

Ansonsten standen für uns die letzten Vorbereitungen für den großen Showdown im Vordergrund: Ab Mittwoch geht es los mit den Listungsanträgen – und noch läuft bei weitem nicht alles rund. Bei vielen Themen ist der Widerstand der Nutzer-Seite riesig, und es gilt für große wie für kleine Tiere um Unterstützung zu werben, um bei den Abstimmungen nächste Woche die erforderliche Zweidrittelmehrheit zu erreichen.

19. August 2019 – Von Korallenfischen und Elefantenbabys

Aktuell und noch bis morgen Abend werden hier Arbeitsdokumente zu zahlreichen Themen abgewickelt. Ein toller Erfolg für Korallenfische konnte heute erreicht werden – CITES beschloss einstimmig, in einem Workshop den Zierfischhandel zu untersuchen, bedrohte Arten zu identifizieren und Regelungen zu entwickeln. Unfassbare 1,5 Milliarden Zierfische werden jährlich weltweit gehandelt, etwa zehn Prozent davon (150 Mio.) sind Meereszierfische – und diese wiederum werden zum allergrößten Teil noch immer aus der Natur gefangen. Die Entscheidung heute ist ein erster Schritt, damit Zierfische endlich Schutz bekommen. Dies ist v.a. dem Einsatz der Kolleginnen der Franz Weber Stiftung aus der Schweiz zu verdanken.

Die allermeisten Korallenfische im Handel sind noch immer Wildfänge

Schlechte Nachrichten gab es heute für Spitzmaulnashörner: Südafrika darf zukünftig selbst die Quoten festsetzen und mehr Tiere zum Abschuss durch Trophäenjäger freigeben.

Gestern Nachmittag hingegen kam es zu einem überraschenden Erfolg für Elefanten – der jedoch noch auf wackligen Füßen steht: Die große Mehrheit afrikanischer Staaten hat einen Beschluss durchgesetzt, demnach wilde Afrikanische Elefanten zukünftig nur noch für Artenschutzprogramme in ihrem Lebensraum, aber nicht mehr in Zoos und Zirkusse in aller Welt exportiert werden dürfen. In Südafrika und Nambia gelten bereits entsprechende Reglen – die Entscheidung zielt v.a. darauf ab, Simbabwe daran zu hindern, jedes Jahr Dutzende Elefantenkinder aus ihren Herden zu reißen, um sie an Zoos und Zirkusse zu verkaufen. Mindestens 107 Tiere hat das Land seit 2012 exportiert, derzeit warten mindestens weitere 30 Tiere auf den Export. Der jetzige CITES-Beschluss erkennt an, dass diese Praxis negative Folgen für die hochintelligenten und sozialen Tiere sowie deren gesamte Herde hat. Dieser Erfolg kam nur zustande, weil die EU, die sich gegen das Verbot ausgesprochen hatte, nicht mit abstimmen konnte. Zooverbände – auch in Europa und den USA – wollen den Beschluss kippen. Die Resolution muss im Plenum nochmal bestätigt werden, Pro Wildlife setzt sich dafür ein, die Entscheidung bei zu behalten.

Ansonsten verdichten sich Gerüchte, hilfreiche Interna sickern nach draußen – und unsere Strategien müssen wir immer wieder nachjustieren. Man merkt es an der Stimmung: Die großen Entscheidungen rücken näher, die Nervosität steigt…

18. August – Wildtiere: gestohlen für europäische Wohnzimmer

Illegaler Handel mit exotischen Haustieren – eines unserer Themen auf der CITES-Konferenz

Heute hatten wir unsere Präsentation zum Thema „Gestohlene Wildtiere“ – sprich Arten, die in ihrem Heimatland streng geschützt sind, aber außer Landes geschmuggelt werden und dann in Europa als exotische Haustiere verkauft werden. Auf unserem Event präsentierten die Regierungsvertreter von Costa Rica, Sri Lanka und Mexiko ihre CITES-Schutzanträge für Glasfrösche, Agamen und Schwarzleguane. Pro Wildlife ergänzte weitere Beispiele, wie die Spinnenschwanzviper aus dem Iran, den Bronze-Riesengecko aus den Seychellen oder Zwerg-Blauzungenskins aus Australien. Europäische Sammler zahlen mehrere tausend Euro, um eines dieser Tiere in ihren Terrarien halten zu können. Da diese Tiere (noch) nicht bei CITES oder international geschützt sind, ist der Verkauf in der EU bisher völlig legal – ein Skandal und einer der Gründe, weshalb wir strengere Regeln für den Tierhandel fordern.

Hornagame Ceratophora_tennentii(c)Moni Ostermaier Wikimedia

Hornagame aus Sri Lanka © Moni Ostermaier Wikimedia

Die Präsentation war gut besucht, v.a. von europäischen Regierungsvertretern – was uns besonders freut, denn genau diese Zielgruppe wollen wir für den Handel mit in ihren Heimatländern gestohlenen Tieren sensibilisieren. Die Veranstaltung war zudem eine gute Gelegenheit, für Schutzanträge für Reptilien und Amphibien zu werben, die ab kommenden Donnerstag reihenweise zur Abstimmung stehen.

Die Konferenz ist zwar ein 14 Tage Non-Stop Dauerstress, aber es ist eine große Freude, mit so vielen tollen, engagierten Menschen aus aller Welt gemeinsam zu kämpfen, um den Schutz für Wildtiere zu verbessern.

17. August – Die CITES-Konferenz ist eröffnet

Die Konferenz begann heute mit einer Schweigeminute für die Opfer der Anschläge am Ostersonntag dieses Jahres in Sri Lanka, wo diese CITES-Konferenz ja eigentlich hätte im Mai stattfinden sollen. In den folgenden Eröffnungsreden wurde gleich deutlich, welche Interessenskonflikte hier aufeinanderprallen – und wie schwierig die Verhandlungen in den nächsten beiden Wochen werden: Die Vertreterin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen betonte, CITES wolle eine Balance finden zwischen dem Schutz bedrohter Arten und der Nutzung durch die Länder. Und genau da liegt das Problem, denn diese Interpretation stimmt nicht mit dem im Konventionstext eindeutig erklärten Ziel und Zweck von CITES überein, Wildtiere vor der Bedrohung durch den Handel zu schützen. Trotzdem versuchen einige Regierungen und Institutionen sowie die Jagd- und Handelslobby, wirtschaftliche Interessen in den Entscheidungsprozessen zu verankern und damit Schutzbestimmungen zu unterminieren. Dabei sind Wildtiere und -pflanzen heute bereits auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Verbreitungsgebiete zurückgedrängt worden. Sie haben mit Klimawandel, Lebensraumverlust und Verschmutzung zu kämpfen – und on top kommen noch Ausbeutung für Tierhandel, Fischerei, Jagd und Wilderei.

Eröffnung von CITES CoP18

In den nächsten Stunden und Tagen werden hier zunächst viele Formalitäten abgearbeitet, bevor es dann morgen ans Eingemachte geht – dann werden in zwei parallelen Komitees die vielen Arbeitsdokumente und Anträge zum Schutzstatus von Tieren und Pflanzen sowie zahlreiche Vollzugsthemen abgearbeitet. Mit den Pflanzen-Anträgen geht es am Mittwoch los, die großen Streitpunkte Elefanten und Giraffe sind dann wohl ab Donnerstag dran.

Unser CITES-Team in Genf

Viele Medien berichten bereits über die Konferenz, u.a. die Tagesschau und Deutschlandfunk.

16. August: Der Ständige Ausschuss – heute reine Nervensache…

1. Japans Jagd auf Seiwale auf hoher See und den Verkauf des Fleisches auf dem heimischen Markt, trotz eines Handels- und Anlandeverbotes unter CITES, hat letztes Jahr bereits zu einer Verwarnung durch den Ständigen Ausschuss geführt. Inzwischen hat Japan ja die Internationale Walfangkommission verlassen und will künftig nur noch in eigenen Küstengewässern auf Waljagd gehen – dort gilt das CITES-Handelsverbot nicht. Heute forderte der Ständige Ausschuss Japan auf, seine älteren Seiwal-Vorräte in den Kühlhäusern zu beschlagnahmen und zu zerstören. Japan wird auf dem nächsten Treffen berichten müssen. Letztlich hat die CITES-Verwarnung von 2018 Japan dazu gebracht, den Hochseewalfang komplett einzustellen. Ein Riesenerfolg, auch wenn in den heimischen Gewässern die Jagd (vorerst?) noch weitergeht.

Pro Wildlife beim Ständigen Ausschuss von CITES

2. Es stand heute Spitz auf Knopf für den Vaquita, den bedrohtesten Kleinwal der Welt: Um ein Haar hätte der Ständige Ausschuss heute Mexikos Antrag akzeptiert, eine kommerzielle Zuchtfarm für Totoabas anzuerkennen, auch mithilfe der EU! Dies hätte dem internationalen Handel mit den extrem teuren Schwimmblasen dieser streng geschützten Riesenfische den Weg geebnet.

Vaquita

Vaquita – der bedrohteste Kleinwal der Welt © NOAA

Bei aller Erleichterung: Wir sind mehr als enttäuscht von der EU, die trotz ihrer Bedenken den Antrag Mexikos unterstützt hat. Nur dank des Vetos von Peru, Niger und Israel konnte die Anerkennung der Farm vorerst verhindert werden. Die Entscheidung ist um ein Jahr vertagt.

In China ist die getrocknete Totoaba-Schwimmblase als Delikatesse stark gefragt, der Schwarzmarktpreis beträgt unfassbare 55.000 Euro pro Kilo! Deshalb werden die eigentlich streng geschützten Fische weiterhin illegal gefischt. Die Registrierung der Zuchtfarm könnte einen Deckmantel für den illegalen Handel bieten. Weitere Opfer dieses illegalen Geschäftes sind die Vaquitas, die in den Fischernetzen als Beifang sterben. Die Kleinwale sind mit offenbar weniger als zehn noch lebenden Tieren bereits fast ausgestorben. Die Legalisierung der Totoaba-Zucht würde zudem ein fatales Signal an die Kunden in Fernost senden und vermutlich die Nachfrage steigern, für die letzten Vaquitas wäre das ein weiterer Nagel für ihren Sarg. Jetzt wurde zumindest ein Jahr Zeit gewonnen, um die Pläne der Zuchtfarm zu verhindern…

Davon abgesehen haben wir den Tag genutzt, um bei möglichst vielen Delegierten um Unterstützung für bedrohte Arten zu werben. Und die letzten organisatorischen Dinge für unsere Info-Veranstaltung am Sonntag müssen wir heute Abend noch erledigen.

15. August 2019: Countdown der Vorbereitungen

Um 4.00 Uhr klingelten heute die Wecker unserer Campaignerinnen – Aufbruch nach Genf, wo heute Morgen um 10.00 Uhr schon das erste Strategie-Treffen des Species Survival Network (SSN) stattfand.

SSN-Strategie-Meeting zur CITES-Artenschutzkonferenz

SSN-Strategie-Meeting zur CITES-Artenschutzkonferenz

Pro Wildlife ist Mitglied in diesem weltweiten Netzwerk aus Tier- und Artenschutzorganisationen – über SSN erhalten wir wertvolle Infos aus erster Hand. Wir koordinieren uns in Arbeitsgruppen zu den wichtigsten Themen, erfahren neueste Entwicklungen zu kontroversen Schutzanträgen und finden über SSN Kontakte zu Delegierten aus allen Kontinenten. Und es ist ein Wiedersehen mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir seit Jahren eng zusammenarbeiten, um Schutzanträge vorzubereiten, Strategien abzusprechen – unglaublich, wie eng verbunden man sich mit Menschen fühlt, die man nur alle drei Jahre sieht. Trotz aller Wiedersehensfreude braucht es so einige Espressos, um nach nur vier Stunden Schlaf dem ganztägigen Meeting mit vielen Details folgen zu können…

 

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