Tagebuch: CITES-Konferenz 2019

15.-28. August 2019.

Live-Blog aus dem Konferenzraum.

Vom 17. bis 28. August 2019 findet in Genf die 18. Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen statt. Pro Wildlife ist mit drei Expertinnen vor Ort: Die Diplom-Biologinnen Dr. Sandra Altherr, Daniela Freyer und Katharina Lameter verhandeln für einen besseren Schutz von Wildtieren.  In diesem CITES-Tagebuch berichten wir über die neuesten Entwicklungen aus dem Konferenzraum – und über Interessantes hinter den Kulissen…

19. August 2019 – Von Korallenfischen und Elefantenbabys

Aktuell und noch bis morgen Abend werden hier Arbeitsdokumente zu zahlreichen Themen abgewickelt. Ein toller Erfolg für Korallenfische konnte heute erreicht werden – CITES beschloss einstimmig, in einem Workshop den Zierfischhandel zu untersuchen, bedrohte Arten zu identifizieren und Regelungen zu entwickeln. Unfassbare 1,5 Milliarden Zierfische werden jährlich weltweit gehandelt, etwa zehn Prozent davon (150 Mio.) sind Meereszierfische – und diese wiederum werden zum allergrößten Teil noch immer aus der Natur gefangen. Die Entscheidung heute ist ein erster Schritt, damit Zierfische endlich mehr Schutz bekommen. Dies ist v.a. dem Einsatz der Kolleginnen der Franz Weber Stiftung aus der Schweiz zu verdanken.

Die allermeisten Korallenfische im Handel sind noch immer Wildfänge

Schlechte Nachrichten gab es heute für Spitzmaulnashörner: Südafrika darf zukünftig mehr Tiere (bis zu neun, statt fünf) zum Abschuss durch Trophäenjäger freigeben.

Gestern Nachmittag hingegen kam es zu einem überraschenden Erfolg für Elefanten – der jedoch noch auf wackligen Füßen steht: Die große Mehrheit afrikanischer Staaten hat einen Beschluss durchgesetzt, demnach wilde Elefanten nicht mehr in Zoos und Zirkusse in aller Welt exportiert werden dürfen. In den letzten Jahren wurden über 120 Elefanten aus der Natur gerissen, um sie an Zoos z.B. in China und den USA zu exportieren, Simbabwe bereitet derzeit den Export von mehr als 30 weiteren Tieren vor. Der Beschluss erkennt an, dass diese Praxis negative Folgen für die hochintelligenten und sozialen Tiere sowie deren gesamte Herde hat. Dieser Erfolg kam nur zustande, weil die EU, die sich gegen das Verbot ausgesprochen hatte, nicht mit abgestimmt hat. Die Resolution muss im Plenum nochmal bestätigt werden, Pro Wildlife setzt sich hierfür ein.

Ansonsten verdichten sich Gerüchte, hilfreiche Interna sickern nach draußen – und unsere Strategien müssen wir immer wieder nachjustieren. Man merkt es an der Stimmung: Die großen Entscheidungen rücken näher, die Nervosität steigt…

18. August – Wildtiere: gestohlen für europäische Wohnzimmer

Illegaler Handel mit exotischen Haustieren – eines unserer Themen auf der CITES-Konferenz

Heute hatten wir unsere Präsentation zum Thema „Gestohlene Wildtiere“ – sprich Arten, die in ihrem Heimatland streng geschützt sind, aber außer Landes geschmuggelt werden und dann in Europa als exotische Haustiere verkauft werden. Auf unserem Event präsentierten die Regierungsvertreter von Costa Rica, Sri Lanka und Mexiko ihre CITES-Schutzanträge für Glasfrösche, Agamen und Schwarzleguane. Wir ergänzten mit weiteren Beispielen, wie der Spinnenschwanzviper aus dem Iran, Bronze-Riesengeckos aus den Seychellen oder Zwerg-Blauzungenskins aus Australien. Europäische Sammler zahlen mehrere tausend Euro, um eines dieser Tiere in ihren Terrarien halten zu können. Da diese Tiere (noch) nicht bei CITES oder international geschützt sind, ist der Verkauf in der EU völlig legal – was für uns der eigentliche Skandal ist und einer der Gründe, warum wir strengere Regeln für den Tierhandel fordern.

Hornagame Ceratophora_tennentii(c)Moni Ostermaier Wikimedia

Hornagame aus Sri Lanka © Moni Ostermaier Wikimedia

Die Präsentation war sehr gut besucht, v.a. von europäischen Regierungsvertretern – was uns besonders freut, denn genau diese Zielgruppe wollen wir erreichen. Und es war eine weitere tolle Gelegenheit, für verschiedene Schutzanträge zu werben, die ab kommenden Donnerstag dann reihenweise zur Abstimmung stehen. Wir haben also noch ein paar Tage, um weiter unsere Argumentationen zu verfeinern, auf neue Gegenargumente zu reagieren und den antragstellenden Ländern zu helfen, für ihre Schutzanträge eine Zweidrittelmehrheit zu erreichen. Die Konferenz ist zwar ein 14 Tage Non-Stop Dauerstress, aber es ist eine große Freude, mit so vielen tollen, engagierten Menschen aus aller Welt gemeinsam zu kämpfen, um den maximalen Schutz für Wildtiere heraus zu verhandeln.

17. August – Die CITES-Konferenz ist eröffnet

Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Anschläge in Sri Lanka, wo diese CITES-Konferenz ja eigentlich hätte im Mai stattfinden sollen, wurde in der Eröffnungsrede gleich deutlich, welche Interessenskonflikte hier aufeinanderprallen – und wie schwierig die Verhandlungen in den nächsten beiden Wochen werden: Die Vertreterin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen betonte, CITES wolle eine Balance finden zwischen dem Schutz bedrohter Arten und der Nutzung durch die Länder. Und genau da liegt das Problem, denn Wildtiere und -pflanzen sind ohnehin bereits auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Verbreitungsgebiete zurückgedrängt worden. Sie haben mit Klimawandel, Lebensraumverlust und Verschmutzung zu kämpfen – und on top kommen noch Ausbeutung durch Tierhandel, Fischerei, Trophäenjagd oder Wilderei.

Eröffnung von CITES CoP18

In den nächsten Stunden werden hier zunächst viele Formalitäten abgearbeitet, bevor es dann morgen ans Eingemachte geht – dann werden in zwei parallelen Komitees die vielen Arbeitsdokumente und Anträge zum Schutzstatus von Tieren und Pflanzen sowie zahlreiche Vollzugsthemen abgearbeitet. Mit den Pflanzen-Anträgen geht es am Mittwoch los, die großen Streitpunkte Elefanten, Nashorn und Giraffe sind dann wohl ab Donnerstag dran.

Unser CITES-Team in Genf

Viele Medien berichten bereits über die Konferenz, u.a. die Tagesschau und Deutschlandfunk.

16. August: Der Ständige Ausschuss – heute reine Nervensache…

Der Ständige Ausschuss behandelt meist für die Öffentlichkeit recht trockene Vollzugsdetails. Aber zwei Dinge waren heute von generellem Interesse:

1. Japans Jagd auf Seiwale auf hoher See und den Verkauf des Fleisches auf dem heimischen Markt, trotz eines Handels- und Anlandeverbotes unter CITES, hat letztes Jahr bereits zu einer Verwarnung durch den Ständigen Ausschuss geführt. Inzwischen hat Japan ja die Internationale Walfangkommission verlassen und will künftig nur noch in eigenen Küstengewässern auf Waljagd gehen – dort gilt das CITES-Handelsverbot nicht. Heute forderte der Ständige Ausschuss Japan auf, seine älteren Seiwal-Vorräte in den Kühlhäusern zu beschlagnahmen und zu zerstören. Japan wird auf dem nächsten Treffen berichten müssen. Letztlich hat die CITES-Verwarnung von 2018 Japan dazu gebracht, den Hochseewalfang komplett einzustellen. Ein Riesenerfolg, auch wenn in den heimischen Gewässern die Jagd (vorerst?) noch weitergeht.

Pro Wildlife beim Ständigen Ausschuss von CITES

2. Es stand heute Spitz auf Knopf für den Vaquita, den bedrohtesten Kleinwal der Welt: Um ein Haar hätte der Ständige Ausschuss heute Mexikos Antrag akzeptiert, eine kommerzielle Zuchtfarm für Totoabas anzuerkennen. Dies hätte dem internationalen Handel mit den extrem teuren Schwimmblasen dieser streng geschützten Riesenfische den Weg geebnet.

Vaquita

Vaquita – der bedrohteste Kleinwal der Welt © NOAA

Bei aller Erleichterung: Wir sind mehr als enttäuscht von der EU, die trotz ihrer Bedenken den Antrag Mexikos unterstützt hat. Nur dank des Vetos von Peru, Niger und Israel konnte die Anerkennung der Farm vorerst verhindert werden. Die Entscheidung ist um ein Jahr vertagt.

In China ist die getrocknete Totoaba-Schwimmblase als Delikatesse stark gefragt, der Schwarzmarktpreis beträgt unfassbare 55.000 Euro pro Kilo! Die eigentlichen Opfer dieses bislang illegalen Geschäftes sind die Vaquitas, die in den Fischernetzen als Beifang sterben. Der Kleinwal ist mit offenbar weniger als zehn noch lebenden Tieren bereits fast ausgestorben. Die Legalisierung der Totoaba-Zucht würde ein fatales Signal an die Kunden in Fernost senden: „Ach, das ist wieder legal? Wird jetzt gezüchtet? Na, dann kann ich es ja weiter kaufen.“ Für die letzten Vaquitas wäre das noch ein weiterer Nagel für ihren Sarg. Jetzt haben wir zumindest ein Jahr Zeit gewonnen, um die Pläne der Zuchtfarm zu durchkreuzen…

Davon abgesehen haben wir den Tag genutzt, um bei möglichst vielen Delegierten um Unterstützung für unsere anderen „Sorgenkinder“ zu werben. Und die letzten organisatorischen Dinge für unsere Info-Veranstaltung am Sonntag müssen wir heute Abend noch erledigen.

15. August 2019: Countdown der Vorbereitungen

Um 4.00 Uhr klingelten heute die Wecker unserer Campaignerinnen – Aufbruch nach Genf, wo heute Morgen um 10.00 Uhr schon das erste Strategie-Treffen des Species Survival Network (SSN) stattfand.

SSN-Strategie-Meeting zur CITES-Artenschutzkonferenz

SSN-Strategie-Meeting zur CITES-Artenschutzkonferenz

Pro Wildlife ist Mitglied in diesem weltweiten Netzwerk aus Tier- und Artenschutzorganisationen – über SSN erhalten wir wertvolle Infos aus erster Hand. Wir koordinieren uns in Arbeitsgruppen zu den wichtigsten Themen, erfahren neueste Entwicklungen zu kontroversen Schutzanträgen und finden über SSN Kontakte zu Delegierten aus allen Kontinenten. Und es ist ein Wiedersehen mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir seit Jahren eng zusammenarbeiten, um Schutzanträge vorzubereiten, Strategien abzusprechen – unglaublich, wie eng verbunden man sich mit Menschen fühlt, die man nur alle drei Jahre sieht. Trotz aller Wiedersehensfreude braucht es so einige Espressos, um nach nur vier Stunden Schlaf dem ganztägigen Meeting mit vielen Details folgen zu können…

 

Mehr Informationen

Nashorn

CITES 2019

Diese Anträge bewegen uns 2019 am meisten.

» Weltartenschutzkonferenz CITES 2019

Afrikanischer Elefant

Elfenbeinhandel

Tausende Elefanten sterben jährlich wegen ihrer Stoßzähne.

» Elfenbeinhandel

Aussterben der Giraffe

Aussterben der Giraffe

Verlieren wir die Langhälse?

» Das leise Aussterben der Giraffe

Diesen Beitrag teilen