Schwimmen mit wilden Orcas
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5. März 2018

Der schönste Moment meines Lebens

Das Wasser ist eiskalt, vielleicht ein oder zwei Grad über Null. Trotzdem will ich am liebsten sofort rein. Die Crew hat uns mit einem winzigen Beiboot zu einer Schule wilder Orcas gebracht und ich habe die einmalige Gelegenheit, mit ihnen zu schwimmen.

Florian Weiss

Florian Weiss mit Orca © Kim Ritthagen

Florian Weiss mit Orca © Kim Ritthagen

Der Dreh für die ZDF-Sendung „Volle Kanne“ Anfang 2018 war eigentlich gar kein Dreh, sondern ein Lebenstraum. Ich tauche seit zwölf Jahren und hatte schon so ziemlich alles vor der Linse, nur keine Orcas. Als ich von der M/S Sula, einem ehemaligen Instandhaltungsschiff für Leuchttürme erfuhr, und von einer Crew, die darauf spezialisiert ist, wilde Orcas zu erforschen und mit ihnen zu tauchen, wusste ich: da muss ich hin. Die Reise war ursprünglich privat geplant, aber meine tierverrückte ZDF-Redakteurin aus Mainz hat sofort Feuer gefangen.

Die Voraussetzungen, dort zu drehen, sind extrem. Es ist nur vier Stunden am Tag hell. Die Temperatur im Wasser liegt bei knapp über Null Grad, außerhalb des Wassers deutlich darunter. Die Winde knapp 400 Kilometer nördlich des Polarkreises lassen die Wellen an manchen Tagen auf mehrere Meter ansteigen. Die Umgebung ist arktisch. Die Ansprüche an Mensch und Material sind groß. Aber die Gelegenheit, mit wilden Orcas zu schwimmen, lasse ich mir auf keinen Fall entgehen. Auch wenn ich echt Bammel habe… Orcas sind „Apex-Predators“. Es gibt nichts, was sie theoretisch nicht angreifen können. Dennoch: in freier Wildbahn sind Angriffe auf Menschen nicht bekannt. Warum weiß niemand. Aber die Statistik lässt mich etwas ruhiger schlafen.

Tauchen mit Orcas © Kim-Ritthagen

Tauchen mit Orcas © Kim Ritthagen

 

Orcas sind Familientiere

Das Schwimmen mit den Schwertwalen ist nur an wenigen Wochen im Jahr möglich, am nordwestlichen Zipfel Norwegens. Dort kommen die Schwertwale im Winter zum Jagen in die Fjorde. In dieser Gegend fressen sie vor allem Heringe. Die haben einen hohen Fettgehalt und versorgen die Jäger mit Energie für die Zeit, in der der Futternachschub ausbleibt. Sie sind übrigens die größten Delfine der Welt und außerordentlich intelligent. Bei der Jagd arbeiten sie zusammen. Sie sind sozial und fast immer in Familienverbänden unterwegs, häufig sind auch Buckelwale an ihrer Seite.

Nach mehreren Tagen in einem winzigen Hafen, den wir wegen des Sturms auf See aus Sicherheitsgründen anlaufen mussten, werden wir auf dem offenen Meer fündig: Eine große Gruppe Orcas, auch „Pod“ genannt, umzingelt einen gigantischen „Bait Ball“, tausende Heringe, die sich zu einer gigantisch großen Unterwasserkugel formieren. Wir wissen: Wenn die Crew uns in die Nähe der Tiere bringt, muss alles sehr schnell gehen. Im arktischen Winter bleibt wenig Zeit, denn bei Dunkelheit ins Wasser zu springen, ist nicht sehr ratsam. Wir quälen uns also so schnell es geht in unsere Trockenanzüge (ohne wäre wir bei diesen Temperaturen binnen Minuten tot) und warten auf das „Go“ der Crew. Die Anspannung ist groß und wir haben keine Ahnung, was gleich passieren wird. Das hier ist Wildnis. Die spielt nach ihren eigenen Regeln und in ihrer Gleichung sind wir Menschen keine nennenswerte Größe. Sind die Orcas interessiert an uns? Nehmen sie uns als Freunde oder Feinde wahr? Zwischenfälle sind keine bekannt, aber wir wären den Tieren im Wasser haushoch unterlegen.

Orcas in Norwegen © Kim-Ritthagen

Orcas in Norwegen © Kim Ritthagen

„Go“ und ab ins Wasser

Dann kommt das „Go“ der Crew. Wir gleiten ins Wasser… ich öffne die Augen, suche das trübe blau nach schwarzen Schatten ab. Es dauert nur wenige Augenblicke und ich entdecke die ersten Orcas… nur wenige Meter unter mir. Sie schweben fast regungslos durch die Dunkelheit, beobachten mich, drehen dann ab und suchen weiter nach Beute. Es gibt keinen Grund, ihnen zu folgen. Die Schwertwale bleiben bei uns, weil die Heringe ebenfalls bleiben. Am Ende schwimme ich fast eineinhalb Stunden mit dem größten Räuber der Weltmeere in der Barentsee. Es sind wohl die schönsten Momente meines Lebens und sie sind nur schwer zu beschreiben. Ich lasse besser die Bilder sprechen:

» ZDF Volle Kanne – Tauchen mit Orcas Teil I
» ZDF Volle Kanne – Tauchen mit Orcas Teil II

Es gibt weltweit keinen einzigen Fall, in dem ein wilder Orca einen Menschen angegriffen hat. Die Statistik in Gefangenschaft ist hingegen verheerend. Für diese Tiere, die in Freiheit tausende Kilometer schwimmen, ist das Leben in Betonbecken eine reine Qual und eine endlose Folter. Diese Tiere sind hochintelligente, soziale, wilde Tiere. Wer ein Ticket für eine Orca-Show kauft, unterstützt das Leid, das diese Tiere in Gefangenschaft erleben. Bitte besuchen Sie diese Einrichtungen nicht!

Weitere Informationen

Orcas_SeaWorldSanDiego@Curimedia_Photography

Orcas © Curimedia

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