Philippinen: Walhaie und Koboldmakis
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8. Mai 2018

Philippinen-Erfahrungen und Reisetipps für Wildtierfreunde.

Im Herbst 2017 flog ich für die Konferenz des Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (englisch Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS) auf die Philippinen. Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, mir anschließend Urlaub zu nehmen und den Archipel noch etwas genauer anzuschauen. Mit mehr als 7.000 Inseln, einer turbulenten Entstehungsgeschichte und der Lage zwischen zwei Ozeanen und zwei Kontinenten, sind die Philippinen ein wahrer Schatz an Flora und Fauna. Die Vielfältigkeit an Tieren und Pflanzen, an Land und unter Wasser, sind faszinierend. Doch zwei Arten heben sich besonders hervor. Tierisches Markenzeichen der Philippinen sind Koboldmakis und Walhaie. Für viele Urlauber ist es ein Must, den kleinsten Primaten und den größten Hai der Welt einmal live zu erleben. Auch ich habe mich unfassbar darauf gefreut, diese wunderbaren Geschöpfe in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Um es vorweg zu sagen: Yoda habe ich getroffen, die Walhaie musste ich auslassen.

Strand

Strand

Ich bin verliebt – in Yoda (aka Koboldmaki)

Auf meinem Weg von Insel zu Insel war es für mich ganz wichtig, eine Auffangstation für Koboldmakis zu besuchen. Bevor ich mich auf den Weg machte, recherchierte ich zunächst, wo man die kleinen Äffchen sehen kann und natürlich, welche Station wirklich gut ist. In diesem Fall war es mal wieder typisch: Auf Bohol, einer Insel, die bekannt ist für ihre vielen Koboldmakis, treffe ich online auf zwei „Auffangstationen“, die auch noch sehr nah beieinander liegen. Zum einen die Tarsier Conservation Area in Loboc und zum anderen das Philippine Tarsier and Wildlife Sanctuary in Corella. Ich recherchiere meist auf den Homepages selbst, schaue mir aber auch die Bewertungen beispielsweise auf Tripadvisor an. Häufig erkennt man an den Bewertungen, Bildern und Kommentaren recht schnell, ob eine Auffangstation gut ist oder nicht. Bei diesen beiden war es recht schnell klar. Das Tarsier and Wildlife Sanctuary in Corella ist eine wirklich gute, nachhaltige Einrichtung, die zum Arterhalt der Tiere beiträgt, die Loboc Tarsier Conservation Area reine Touristenabzocke. Wer sich einfach in ein Taxi setzt und sagt: „to the tarsier sanctuary“, wird in 90 Prozent der Fälle zu der schlechten Einrichtung gebracht, denn dort gibt es für die Fahrer eine Provision.

Koboldmaki auf den Philippinen _ Klaus M. Stiefel

Koboldmaki © Klaus M. Stiefel

Vorlage für das Aussehen von Yoda aus Star Wars war in der Tat ein Koboldmaki. Riesige Augen, spitze, seitliche Ohren, eine kleine Nase. Ich bin verzückt, als ich dieses minikleine Wesen sehe, das sich mit seinen langen, knöchrigen Fingern um einen kleinen Ast klammert. Die Tiere sind sehr territorial und verharren tagsüber meist an ihrem Lieblingsplatz. Genau dieses natürliche Verhalten macht sich die Station zu Nutzen. Neben beschlagnahmten Tieren, die wieder ausgewildert werden, leben hier acht Koboldmakis permanent. Diese sind in einem eingezäunten Areal (der Zaun dient eher dazu, dass die Tiere nicht gestohlen werden. Die Koboldmakis könnten ohne Probleme hinüber springen), in dem die Pfleger die Tiere jeden Morgen suchen, um den Touristen später zeigen zu können, wo sie sich befinden. In kleinen Gruppen werden die Besucher von den Pflegern durch die Anlage geführt und können die Tiere beobachten. Absolute Stille ist angesagt. Denn die kleinen Tierchen schlafen tagsüber.

Life goal: Mit Walhaien schwimmen

Bei meinen Urlaubsplanungen stieß ich immer wieder darauf: Die Philippinen sind der perfekte Ort, um mit die friedlichen Walhaie zu sehen. Die Giganten der Ozeane sind ein richtiger Touristenmagnet, und das merkt man sofort, wenn man in Manila landet. Walhaie sind überall, sobald man in Küstenregionen fährt, will dir jeder Tour Operator einen Ausflug zu den Walhaien verkaufen. Doch auch hier ist wieder Vorsicht angesagt: Oslob, wo die meisten Touristen hinfahren, um die Walhaie zu sehen, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Walhai-Mekka entwickelt (der Ort liegt auch auf der Reiseroute, die viele Urlauber nehmen). Die Einheimischen haben gemerkt, dass Touristen viel Geld bezahlen, um die Tiere zu sehen. Also haben sie ein Business daraus gemacht, zum Leid der Tiere. Die Walhaie werden in der Küstenregion vor Oslob von Fischern an-/ gefüttert und somit bleiben die Tiere an diesem Ort. Als ich davon gehört habe, entschied ich mich sofort dagegen, denn die Methode des „Anfütterns“ ist aus verschiedensten Gründen problematisch (nicht nur bei Walhaien):

1. Die Boote und Schiffe fahren viel zu nah an die Tiere ran. Viele Walhaie in dieser Region haben Verletzungen und Verstümmelungen. Die Tiere werden von den Massen an Touristen extrem gestresst.
2. Walhaie sind normalerweise wandernde Tiere, sie ziehen von Küste zu Küste, Kontinent zu Kontinent und legen dabei tausende Kilometer zurück. Durch die Fütterung verhalten sich die Tiere nicht mehr wie vorgesehen: Sie bleiben in Oslob. In dem Moment, in dem die Tiere nicht mehr weiter ziehen, wird das biologische Gleichgewicht gestört. Welche Folgen dies mit sich bringt, kann man noch nicht sagen.
3. Die Shrimps, die für die Fütterung der Tiere genutzt werden, sind meist illegal und nicht nachhaltig gefischt.
Allerdings gibt es auf den Phillippinen einen Ort, an dem das Erlebnis noch nicht kommerzialisiert ist: Donsol. Dieser Ort liegt zwar nicht auf der üblichen Reiseroute, ist aber definitiv eine Reise wert.

Walhai © Klaus M. Stiefel

Walhai © Klaus M. Stiefel

Once in a lifetime: Tauchen mit Fuchshaien

Donsol lag auch nicht auf meiner Route. Natürlich war ich ziemlich enttäuscht darüber, dass ich nun keine Walhaie sehen werde. (Und auch mir fällt es schwer, nicht egoistisch zu sein und „Nein“ zu sagen.) Doch ich hatte einen Plan B: Nahe der Insel Malapascua gibt es einen der wenigen Plätze dieser Welt, wo man Fuchshaie sehen kann. Diese bezaubernden Tiere hatten wir mit anderen Organisationen gemeinsam bei der CITES Konferenz 2016 unter besseren Schutz stellen können. Die 3,5 bis 7,5 Meter langen Haie, die eigentlich in 500 Metern Tiefe leben, kommen hier in flachere Gewässer, um sich von Fischen putzen zu lassen. Charakteristisch für diese friedlichen Tiere ist der lange obere Lappen der Schwanzflosse, der fast so lang sein kann wie der übrige Körper. Die Tiere gleiten durchs Meer wie Elfen. Als wir den ersten entdeckten, schlug mein Herz höher und höher. „Das ist besser als verliebt sein“ war mein erster Satz über Wasser.

Fuchshai © Christian Vizl

Fuchshai © Christian Vizl

Tipp: Wer auf den Philippinen anpacken und helfen will, sollte sich bei dem Large Marine Vertebrates Research Institute Philippines (LAMAVE) erkundigen. Auf der Homepage gibt es Angebote für Volunteers und viele nützliche Informationen über die Unterwasserwelt der Philippinen. https://www.lamave.org/

Weitere Informationen

Orca-Show in Sea World © Curimedia Photography

Orca-Show in Sea World © Curimedia Photography

Elefantenreiten, Delfinshow oder Tiger-Selfie: Für die Urlauber ein kurzes Vergnügen, für die Tiere lebenslange Quälerei » Tierschutz auf Reisen

 

 

 

 

 

 

Auf Safari in Afrika

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Eine Safari (Swahili: Reise) in einem der Nationalparks Afrikas ist eine aufregende Sache: Viele Menschen können hier zum ersten Mal überhaupt eine größere Anzahl Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten » Auf Safari: Die schönsten Nationalparks Afrikas

 

 

 

 

Gnus Wanderung

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Die Bonner Konvention (CMS) hat es sich zum ziel gesetzt, wandernde Tierarten besser zu schützen » CMS – Die Bonner Konvention

 

 

 

 

 

Koboldmaki © Pro Wildlife

Koboldmaki © Pro Wildlife

Koboldmakis, auch Tarsiere genannt, sind kleine, nachtaktive, baumbewohnende, skurril aussehende Primaten, die auf einigen Inseln Südostasiens leben » Koboldmaki

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