Pelzindustrie unter Druck

15. Oktober 2020.

Eine Branche mit dickem Fell

Die Pelzindustrie muss Federn lassen – die fetten Jahre scheinen vorbei. Der Druck, den Verbraucher und Tierschutzorganisationen auf die großen Marken und die Politik ausüben, hat in den letzten Jahrzehnten viel bewegt: Zahlreiche Modelabels und auch immer mehr Städte wie z.B. San Francisco,  Los Angeles und Sao Paulo haben sich zu pelzfreien Zonen erklärt. Auch in Israel und England wird diskutiert, Verkaufsverbote zu erlassen. Länder wie Großbritannien oder Österreich haben inzwischen auch Pelzfarmen verboten – oder zumindest strenge Gesetze erlassen, die die Zucht von Pelztieren unrentabel machen. Gleichzeitig sinkt in Ländern wie Deutschland offenbar der Umsatz der Pelzwarenhersteller seit Jahren. Zuletzt hatte auch die Ausbreitung des Coronavirus auf Nerzfarmen dazu geführt, dass Millionen von Tieren getötet wurden und zahlreiche Betriebe geschlossen werden mussten. Doch ist die Industrie damit am Ende?

Pelzkrägen an Winterjacken in einem Münchener Kaufhaus © Pro Wildlife

Pelzkrägen an Winterjacken in einem Münchener Kaufhaus © Pro Wildlife

So wird uns Pelz schmackhaft gemacht

Die Pelzindustrie hat diese Entwicklung erkannt und versucht nun, sich einen anderen Trend zunutze zu machen: die Nachhaltigkeit. Mit dem Versprechen „Upcycle, recycle, repair“ unternimmt der deutsche Branchenverband den verzweifelten Anlauf, an die Diskussionen rund um die destruktive Modeindustrie anzuknüpfen – und die Verbraucher*innen da abzuholen, wo ihnen der Konsum Bauchschmerzen bereitet. Der Slogan „TIME TO SLOW DOWN“ soll den Weg zurück zur Natur suggerieren: Relative Langlebigkeit, ein geringerer CO₂-Fußabdruck und hochwertiges Handwerk sind dabei die wichtigsten Argumente der Pelzindustrie. Doch all das bietet auch qualitativ hochwertige Kleidung aus verantwortungsbewusster Herstellung, die nicht für das millionenfache Leid von Tieren verantwortlich ist. Wie zynisch sind die Werbespots der Branche, angesichts der engen Käfige und grausamen Lebensbedingungen von Marderhunden, Nerzen oder Chinchillas.

Dennoch scheint der Trend der fellgesäumten Kleidungsstücke noch lange nicht gebrochen. Der Pelzmantel, der noch vor 50 Jahren am Wochenende gerne ausgeführt wurde, spielt zwar in unseren Breiten kaum noch eine Rolle. Stattdessen wird der Pelz inzwischen dezenter und häufig in kleineren „Häppchen“ verkauft – als Mützenbommel, Kapuzenbesatz, Schlüsselanhänger oder Applikation auf der Winterweste. Viele Marken wie Canada Goose setzen dabei vor allem auf Felle aus der grausamen Fallenjagd, wie beispielsweise von Kojoten.

Kojote in einer Beinfalle

Kojote in einer Beinfalle © Dick Randal für HSUS

Pelzprodukte können nicht „human“ sein

Für das so naturnah klingende Produkt sterben jährlich tausende von Wildtieren einen langsamen, qualvollen Tod. Allein in Kanada sind rund 50.000 kommerzielle Fallensteller aktiv, die es nicht nur auf Füchse, Rotluchse und Kojoten, sondern auch auf kleinere Tiere wie Bisamratten oder Waschbären abgesehen haben. Sie jagen vor allem im Winter, wenn das Fell der Tiere besonders dick und üppig ist. Seit 2007 dürfen zwar nur noch als „human“ lizenzierte Fallen verwendet werden. Doch wie human können Schlagfallen, Nackenschlingen oder Beinhaltefallen sein, in denen die Tiere unter Qualen teils tagelang um ihr Leben ringen? Denn gerade im Winter und in den weiten Gebieten Kanadas werden die Fallen häufig nicht täglich kontrolliert – und die Tiere erfrieren, ertrinken oder verdursten jämmerlich.

Ein Blick in die Fußgängerzonen zeigt, dass sich die Pelzindustrie noch nicht ganz geschlagen gibt. Denn auch wenn die Nerzfarmen schließen – die Wildtiere in Kanada leiden unter der anhaltenden Nachfrage dieser unnötigen Luxusartikel.

Autorin: Saskia Reinbeck

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