Update aus dem Elefantenwaisenhaus
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4. Dezember 2019.

Ein ganz besonderes Jahr für Elefanten.

2019 ist für unsere Projektpartner im Elefantenwaisenhaus in Sambia eines der außergewöhnlichsten und aufregendsten Jahre. Zwei kleine Elefanten wurden gerettet, zwei andere machen erste Schritte in Richtung Freiheit. Und nicht zu vergessen: Ein Baby wurde geboren!

Ludaka: Willkommen Nr. 48

Ende Oktober beobachten Einheimische vier Tage lang einen kleinen Elefanten, der in der Gegend herumirrt. Doch er bleibt allein, seine Herde taucht nicht auf. Sie informieren die Game Rangers International, und das Wildlife Rescue Team rückt sofort aus. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Nationalparkbehörde retten sie den Elefanten, der bereits sichtlich ausgezehrt ist. Kein leichtes Unterfangen, denn der Kleine geht auf jeden los, der sich ihm nähert; eine ganz normale Reaktion eines wilden Tieres.

Die Fahrt in das Elefantenwaisenhaus der Game Rangers International nahe Sambias Hauptstadt Lusaka dauert acht Stunden. Die Pfleger versorgen den kleinen Elefanten zwischendurch immer wieder mit Flüssigkeit, Futter und kurzen Wasserduschen. In der Station angekommen, geht der Kleine sofort in den Stall und ruht sich zunächst einige Stunden aus. Doch schon wenig später macht er sich neugierig auf die Suche nach Futter. Der etwa zweieinhalb Jahre alte Elefantenbulle ist stark ausgezehrt, offensichtlich hatte er lange gehungert. Ein Zustand, der sehr gefährlich ist: Wenn die inneren Organe bereits geschädigt sind, sind die Überlebenschancen nicht groß. Umso wichtiger ist es jetzt, den Elefanten mit der im Elefantenwaisenhaus entwickelten Spezialmilch optimal zu versorgen. Die Pfleger spielen dabei eine wichtige Rolle als Ersatzmama.

Ludaka „Nr. 48“ kurz nach seiner Rettung © GRI-EOP

Etwa zwei Wochen lang ist sein Zustand höchst kritisch, doch dann macht der Kleine große Fortschritte. Er ist stabil, trinkt gut und scheint sein Trauma gut zu verarbeiten. Und er bekommt einen Namen: Ludaka, nach dem Ort, an dem er gefunden wurde. Es geht ihm mittlerweile gut genug, dass er der Herde vorgestellt werden kann. Ludaka verbringt zunächst etwa eine Stunde mit seinen neuen Elefantenkumpels. Vor allem mit Lani kommt er sofort gut klar. In den kommenden Tagen wird der Elefant immer stärker, er nimmt zu und fühlt sich sichtlich wohl in der Gruppe. 

Ludaka (links) mit Lani © GRI-EOP

Nr. 49 ist auch schon da! Willkommen Olimba.

Nur wenige Tage nach Ludakas Rettung ein neuer Notfall: Ranger finden eine Elefantin, gefangen in einer Falle und mehrfach angeschossen. Neben ihr ein verstörtes Elefantenbaby. Die Mutter ist so schwer verletzt, dass die Tierärzte entscheiden, sie noch vor Ort von ihrem Leid zu erlösen. Das kleine Elefantenmädchen wird in das nahe gelegene Chipembele Wildlife Education Trust Center in South Luangwa gebracht, wo es zunächst stabilisiert und erstversorgt wird. Glücklicherweise nimmt es die Milchflaschen gut an, und die Hoffnung wächst, dass es durchkommen wird.

Am 6. November ist es dann so weit: Die Kleine kann in das Elefantenwaisenhaus umgesiedelt werden! Und weil sie so tapfer und stark ist, nennen ihre Retter sie „Olimba mtima“ – starkes Herz. Olimba wird leicht sediert und fliegt in Begleitung von Tierärzten und in einem eigens gebauten „Käfig“ mit einer Passagiermaschine der Proflight Zambia nach Lusaka. Eine schwierige und anstrengende Aktion mit einem 350 Kilo schweren Tier. Doch die Reise verläuft problemlos, und nach dem Transfer vom Flughafen zum Waisenhaus trinkt Olimba sage und schreibe fünf Liter Wasser „auf ex“. Nach einer weiteren Milchflasche und ein wenig frischem Grünzeug legt sie sich in ihrem Stallbett hin und ruht sich aus.

Olimba mtima „Nr. 49“ kurz nach der Rettung © GRI-EOP

Olimba macht sich so gut, dass sie schon bald in die Herde integriert werden kann. Sie ist die Kleinste von allen, doch Tuko nimmt sie sofort unter seine Fittiche. Nach anfänglichen kleineren Rangeleien verstehen sich die vier nun richtig gut. Wir drücken ganz fest die Daumen, dass die beiden Neuzugänge so groß und stark werden, dass sie in ein paar Jahren zurück in die Freiheit können!

Tuko beschützt Olimba, mit Ludaka und Lani © GRI-EOP

Die Sensationsgeburt: Mutaanzi David

Anfang September sorgte die Elefantenkuh und Matriarchin Chamilandu für große Aufregung im Elefantenschutzprojekt: Sie brachte ein gesundes Elefantenbaby zur Welt! „Chamy“ war eine der ersten Elefantenwaisen, die 2008 von den Gamer Rangers International gerettet wurde. Als sie eineinhalb Jahre alt war, töteten Wilderer ihre Mutter im South Luangwa Nationalpark. Danach kam die Kleine in das Waisenhaus, wo sie liebevoll aufgepäppelt wurde. Seit vier Jahren lebt Chamilandu nun schon in der zweiten Station des Projekts, der Release Einheit im Kafue Nationalpark, wo sie auf ihre Wiederauswilderung vorbereitet wird. Sie kann dort selbständig in einem geschützten Gebiet im Kafue Nationalpark umherstreifen. Bei einem dieser Spaziergänge hatte die Elefantendame dann eine Affäre mit einem wilden Elefantenbullen.

Für die Geburt kehrte Chamilandu aus freien Stücken in die Station zurück; ein großer Vertrauensbeweis für das Team! Alles verlief schnell und problemlos, Mutter und Kind waren zu keiner Zeit gefährdet. Das Ereignis ist eine Sensation, denn es ist der erste wildgeborene Nachwuchs eines geretteten Elefantenwaisen in Sambia. Der kleine Elefant wurde auf den Namen Mutaanzi David getauft und erfreut sich bester Gesundheit. Gemeinsam mit seiner Mutter und den anderen Elefanten streift er durch den Kafue Nationalpark, von wo aus sie regelmäßig in die Station zurückkehren.

Mutaanzi mit seiner Mama Chamilandu © GRI-EOP

Erste Schritte in die Freiheit

Die einen kommen, die anderen gehen. Am 12. November machen sich Kasewe und Mkaliva auf den Weg, um sich den Wind der Freiheit um den Rüssel wehen zu lassen. Nach drei beziehungsweise zwei Jahren im Waisenhaus dürfen die beiden in die Release Einheit umziehen, wo sie behutsam auf die Wiederauswilderung vorbereitet werden. Sie haben eine etwa zehnstündige Reise vor sich…

…die sie hervorragend meistern! Gleich nach dem Aussteigen verschlingen sie fünf Liter Milch und Wasser – ein Zeichen dafür, dass sie wenig gestresst und entspannt sind. Bei ihrer Ankunft werden sie von der Herde freundlich empfangen, allen voran von Chamilandu mit Baby Mutaanzi. Am kommenden Tag ist es vor allem Mulisani, der die beiden Neuankömmlinge begrüßt, da er sie gleich wiedererkennt. Er hat immerhin ein Jahr lang mit Kasewe und Mkaliva im Waisenhaus gelebt.

Kasewe und Mkaliva beim Umzug © GRI-EOP

Mittlerweile sind die Eles eine richtige kleine Familie! Sind sie nicht großartig? (Wer findet Mutaanzi im Foto unten?) Übrigens sind die beiden Neuzugänge aus dem Lilayi Waisenhaus von der dortigen Erde rotbraun eingefärbt. Am Rüssel kann man erkennen, dass der farbige Staub bereits etwas abgeht und ihre natürliche graue Farbe zum Vorschein kommt. Schon nach einigen Tagen in der Release Einheit werden sie aussehen wir die anderen.

Chamilandu, Mutaanzi, Kasewe, Mkavila und Mosi in der Release Station © GRI-EOP

Die Wilderei auf Elefanten hat in den vergangenen Jahren Besorgnis erregende Ausmaße angenommen. Jährlich werden etwa 20.000 Elefanten getötet. Unzählige Elefantenbabys werden zu Waisen. Alleine können die Kleinen nicht überleben. Im Elefantenwaisenhaus in Sambia werden sie mit tierärztlicher Hilfe versorgt, aufgepäppelt und wieder ausgewildert.
Das tut Pro Wildlife
Pro Wildlife unterstützt das Elefantenwaisenhaus in Sambia seit 2012 und konnte mit Hilfe seiner Mitglieder und Spender bereits rund 51.000 Euro an die Auffangstation überweisen. Danke an unsere Spender*innen und Pat*innen, die dies ermöglicht haben!
Ich möchte auch helfen und Elefantenpate werden!

Mehr Informationen

Spenden für Elefantenwaisen

Elefantenwaisenhaus, Sambia

Der Elfenbeinhandel eskaliert, zurück bleiben hilflose Elefantenwaisen. Ohne das Waisenhaus in Sambia wären sie verloren.

» Elefantenwaisenhaus Sambia

Afrikanischer Elefant

Elefantenschutz

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» Pro Wildlife Elefantenschutzprogramm

Elefantenbaby © Pro Wildlife Sandra Henoch

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