Nashorn unter dem Hammer!

Versteigerung von Nashorn in Südafrika: Warum die Auktion verheerende Folgen haben kann.

Am 23. August 2017 um 14 Uhr mittags endete der Countdown: Die erste Online-Auktion von Nashorn-Horn in Südafrika ging an den Start. Wochenlang haben der Millionär und private Nashornbesitzer John Hume und das Auktionshaus Van’s Auctioneers mit einer aggressiven Marketingkampagne die Werbetrommel für die Versteigerung gerührt. Abgesehen haben sie es vor allem auf Käufer aus China und Vietnam, ihre Website haben sie in beide Sprachen übersetzt. Alleine das ist ein Eklat, denn in beiden Ländern ist der Verkauf von Nashornprodukten verboten. Dasselbe gilt für die Ausfuhr aus Südafrika, denn Nashörner sind seit 1977 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (Englisch: CITES) international streng geschützt. Das verkaufte Horn darf Südafrika also nicht verlassen. Weil es im Land selbst aber keine Nachfrage gibt und Nashornzüchter Hume im Internet und mit Online-Anzeigen aktiv um Kunden aus Asien geworben hat, droht die Auktion nicht nur die Nachfrage nach den bedrohten Tieren und damit die Wilderei, sondern auch den Schmuggel anzuheizen.

Breitmaulnashorn Auktion Nashorn Südafrika

Breitmaulnashorn

Gesteigerte Nachfrage lässt Wilderei eskalieren

Eine Unterscheidung zwischen legal erworbenem und gewildertem Horn ist unmöglich. Der Verkauf von Nashorn-Horn in Südafrika spielt deshalb vor allem Wilderern und kriminell organisierten Schmuggler-Syndikaten in die Hände. Zudem unterminiert er die zahlreichen, intensiven Bemühungen von Tierschützern und Regierungen, die Nachfrage in Asien einzudämmen. In den vergangenen zehn Jahren hat die Nachfrage nach Horn dort stark zugenommen – und damit die Wilderei: 2007 wurden in Südafrika 13 Nashörner gewildert, im Jahr 2014 waren es 1.215. Auch in anderen afrikanischen Ländern hat die Wilderei deutlich zugenommen. In den letzten 10 Jahren wurden in Afrika insgesamt mehr als 7.000 Nashörner gewildert, 85 Prozent davon in Südafrika.

John Hume soll einen Lagerbestand von sechs Tonnen Hörner besitzen – 264 Hörner will er jetzt versteigern. Hume und andere Nashornbesitzer entfernen den Tieren jedes Jahr unter Narkose das nachwachsende Horn. Die Methode ist umstritten: die Narkose stellt eine hohe Belastung dar. Zudem wurden Tiere sogar schon wegen kleinster Reste des ständig nachwachsenden Horns gewildert. Die Nashornbesitzer begründen die Enthornung damit, dass sie die Tiere vor Wilderern schützen wollen. Allerdings erscheint diese Begründung in neuem Licht, wenn zukünftig Privatleute das Horn höchstbietend versteigern dürfen. Immerhin erzielt pulverisiertes Horn auf dem Schwarzmarkt höhere Preise als Gold oder Drogen.

Rhino-Horn besteht wie Haare und Fingernägel aus Keratin. Medizinische Wirkung hat es nachweislich keine. Hume und Kollegen möchten die wirkungslosen Keratin-Fasern trotzdem an Kunden aus Asien verkaufen – und dort den aus vielerlei Hinsicht fragwürdigen Markt für Heilmittel und Statussymbole bedienen.

Zwielichtige Rolle der südafrikanischen Regierung

Die Genehmigung für die Versteigerung ist der bisherige Gipfelpunkt eines jahrelangen Rechtsstreites über mehrere Instanzen, den Hume und ein weiterer privater Nashornbesitzer gegen die südafrikanische Verwaltung geführt haben. Die südafrikanische Regierung hatte den Handel im Land 2009 verboten. Im April 2017 hatte der Oberste Gerichtshof das Verbot wegen Formfehlern für unzulässig erklärt: Die Öffentlichkeit, einschließlich der privaten Nashornbesitzer, sei vor Verabschiedung des Gesetzes nicht ausreichend konsultiert worden.

Die Regierung Südafrikas hätte das Desaster um den Verkauf von Nashörnern aufhalten können, mit einem neuen, formal einwandfreien Handelsverbot. Sie tat es aber nicht, was einen tiefen Einblick zulässt auf ihre zwielichtige Rolle im Nashorn-Handel. Die Verteidigung des 2009 erlassenen Handelsmoratoriums durch die Regierung schien seit langem halbherzig und eher formeller Natur. Denn auf internationaler Ebene arbeitete die Regierung seit Jahren daran, das internationale Handelsverbot zu Fall zu bringen. Zuletzt versuchte sie es auf der CITES-Artenschutzkonferenz in Johannesburg 2017, wo sie einem entsprechenden Antrag Swasilands zustimmte. Zum Glück wurde dieser Vorstoß von der internationalen Gemeinschaft mit großer Mehrheit abgeschmettert, allerdings vermuteten wir bereits damals, dass das kleine Nachbarland nur als Speerspitze für den viel lukrativeren Handel aus Südafrika vorgeschoben wurde. Immerhin verfügt auch Südafrikas Regierung selbst über große Lagerbestände von Horn. Zudem ist das südafrikanische Umweltministerium seit Jahren Vorreiter, wenn immer es um die kommerzielle Nutzung bedrohter Tierarten geht: Sei es der Handel mit Elfenbein, Löwenknochen, Jagdtrophäen – oder eben Rhino-Horn.

Gleichzeitig stehen südafrikanische Gerichte wegen unzureichender Strafverfolgung von Drahtziehern im illegalen Nashorn-Handel seit Jahren in der Kritik. Aus Südafrika heraus geschmuggeltes Horn wird bereits jetzt immer wieder im Ausland beschlagnahmt – zuletzt in Amsterdam und Hongkong.

Breitmaulnashorn mit Jungem, Auktion Nashorn Südafrika

Breitmaulnashorn mit Jungem

Zucht ist nicht Artenschutz

Züchter Hume, der mit 1.500 Tieren den größten privaten Nashornbestand besitzt, sieht sich selbst als Artenschützer. Sein angebliches Motiv: mit dem Verkauf des Horns Geld für den Schutz seiner Nashörner zu erwirtschaften und den Absatzmarkt mit Horn aus legaler Quelle zu decken, um dem illegalen Handel das Wasser abzugraben. Doch seine Argumente sind äußerst unglaubwürdig: Einmal entfacht ist die potentielle Nachfrage nach Horn in China, Vietnam und anderen asiatischen Ländern so enorm, dass es schon rein rechnerisch nicht möglich wäre, sie mit dem Horn der ohnehin von der Ausrottung bedrohten Tiere zu decken. Von „Kollateralschäden“ ganz abgesehen, wie der zu erwartenden Ausrottung all jener Nashornbestände, die auf unzureichend geschütztem, öffentlichem Land leben. Das sind in Südafrika etwa 80 Prozent aller Nashörner, in anderen afrikanischen Ländern sogar noch deutlich mehr. Humes Marketingkampagne für den Konsum von Nashorn könnte tödliche Wirkung bis nach Asien entfalten: Dort leben die bedrohtesten der insgesamt fünf Nashornarten – mit gerade einmal 60 Java – und 100 Sumatra-Nashörnern.

Ein weiterer Punkt, der Zweifel aufkommen lässt: Die Einnahmen aus dem Verkauf bei der Auktion sollen Humes eigener, privater Nashornzucht zugutekommen. Doch die profitorientierte Vermehrung und Versorgung von Tieren auf eingezäunten, abgeschotteten Privatland kann man nicht wirklich als Artenschutz verkaufen. Mit dem Erhalt lebensfähiger, genetisch gesunder, wildlebender Bestände in ihrem Lebensraum hat sie nichts zu tun.

Hume wird zudem nicht der einzige Nashornzüchter belieben, der seine Tiere zu Gold machen will: Die Vereinigung der privaten Nashornbesitzer in Südafrika plant die Gründung einer „zentralen Verkaufsorganisation für Nashorn“. Einen Teil der Gewinne will sie in Lobbyarbeit investieren, um das geltende internationale Handelsverbot für Nashorn zu Fall zu bringen.

Den Verkauf von Nashorn als Beitrag zum Artenschutz darzustellen ist gerade zu zynisch. Er dient lediglich der Profitgier und Bereicherung Einzelner. Gleichzeitig bringt er wildlebende Nashörner in ganz Afrika und Asien in Gefahr. Kurzum: Die Versteigerung von Hashorn auf einer Auktion ist gegen alle Regeln der Vernunft und absolut verantwortungslos.

Mehr Informationen:

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