Krokodilzirkus in Hessen gibt auf – endlich!

Zirkusfamilie Renz war seit langem in der Kritik von Tierschützern.

Endlich ist es so weit: Die Alligatorfarm im hessischen Friedberg scheint ihre Tore zu schließen. Tierschützern ist die Zirkusfamilie Renz bestens bekannt: vor allem durch das unsägliche Video, bei dem Alois (alias René) Renz 2013 auf dem ertrinkenden Elefanten Mädi herumturnt. In den Jahren zuvor hatte Renz mit seiner Tingelshow „Land der Reptilien“ für Kritik gesorgt. Pro Wildlife forderte seit vielen Jahren, Renz wegen fehlender Zuverlässigkeit die Genehmigung zur gewerblichen Tierhaltung zu entziehen und die Alligator Action Farm unter anderem aus Sicherheitsgründen zu schließen.

Doch auch nach dem qualvollen Tod des Elefanten dauerte es noch Jahre, bis nun letztendlich aus wirtschaftlichen Gründen das Aus für die Alligatorfarm gekommen scheint… Eine Chronologie:

2007: Tingelshows mit Reptilien-Kuscheln

Renz Reptilienshow

Tingelnde Reptilienshow mit Fototerminen

Die Alligatorfarm in Friedberg, gegründet 2001 von der Zirkusfamilie Renz, bietet Besuchern gegen entsprechende Bezahlung hautnahen Kontakt zu Krokodilen: anfassen, schwimmen mit den Tieren, selbst Kindergeburtstage wurden angeboten.

Bereits vor mehr als zehn Jahren brachte die Show offenbar nicht mehr genug Geld ein. Vater und Sohn zogen deshalb ab 2006 mit ihrer Show „Land der Reptilien“ durch die Bundesländer. Mit im Gepäck der unfreiwillige Star „White Diamond“, ein weißer Alligator, der aus der Wildnis Floridas stammte und nun in einem Mini-Gehege ohne Wasserbecken ausharren musste. Ebenfalls im Gepäck: Verletzte und kranke Alligatoren. Zahlreiche Schildkröten in Becken, in denen sie jeder Besucher anfassen kann. Die Roadshow bot unbedarften Besuchern die Gelegenheit, sich mit einem Alligator im Arm fotografieren zu lassen – selbst Kindern wurden Kaimane auf den Schoß gelegt. Pro Wildlife dokumentierte die Missstände vom Tierschutz bis hin zu den Gesundheitsrisiken. In Bayern konnten wir immerhin ein Auftrittsverbot erzielen, doch die Renz-Familie tingelte weiter. Zunächst in Deutschland und schließlich im Ausland. 2013 fanden Shows in Estland statt, dort ereignete sich ein Desaster:

2013: Elefantin Mädi ertrinkt bei Badeshow von René Renz

Um die asiatische Elefantenkuh Mädi stand es bereits länger schlecht: Die 48-jährige Elefantin lebte bei verschiedenen deutschen Zirkussen, sie war einsam, abgemagert, ihr Rüssel gelähmt, ihre Haut zeigte zahlreiche Verletzungen und Narben. Von einem Whistle-Blower erfuhr Pro Wildlife von den Plänen der Familie Renz, das geschwächte Tier zu übernehmen und auf Tournee nach Osteuropa zu schleppen. Alle unsere Versuche bei Politikern und Behörden, die Abreise zu verhindern scheiterten: Bei einem zuvor angekündigten Kontrollbesuch des Veterinäramtes in Friedberg versteckten die Zirkusbetreiber den Elefanten. In einer Nacht- und Nebelaktion brach René Renz wenig später mit einem Transporter des Universal Circus Daniel Renz zu einer tagelangen Fahrt über 2.000 km nach Osteuropa auf – vorbei an den Behörden. In Estland schleppte er die kranke Elefantenkuh drei Wochen lang durch Zirkusmanegen, Fußgängerzonen und Privatveranstaltungen.

Elefantenkuh Mädi

Elefantenkuh Mädi

Wir setzten alle Hebel in Deutschland und Estland in Bewegung, um Mädi beschlagnahmen zu lassen – doch vergeblich: Nach einem Zirkusauftritt am 7.Juni führte Renz Mädi zu einer „Beach Party“ an einen See, in dem sie auf qualvolle Weise ertrank. Videoaufnahmen dokumentieren ihren langen Todeskampf: Zunächst genießt der Elefant die Abkühlung, doch dann nähert sich Renz in Badehose; er will auf den Rücken des Tieres steigen. Mädi legt sich auf die Seite – doch genau das hätte der Zirkusmann im Wasser verhindern müssen. Denn Mädi litt schon lange bekanntermaßen unter einer Rüssellähmung: Ihr Kopf liegt unter Wasser und sie kann den Rüssel nicht aus dem Wasser heben, um Luft zu holen. Renz steigt auf ihren Rücken und präsentiert den Schaulustigen eine „Badeshow“, während die geschwächte Mädi nicht mehr auf die Füße kommt und sichtbar verzweifelt um ihr Leben kämpft. Mädi ertrinkt über Minuten hinweg qualvoll, ohne dass Renz Rettungsversuche unternimmt. Pro Wildlife und Tierärzte stellten Strafanzeigen, doch diese werden von der Staatsanwaltschaft abgewiesen – man hätte Renz keinen Vorsatz nachweisen können. Am Wohnsitz von Renz stellten sich Landrat und Veterinäramtsleiter zunächst schützend vor die Zirkusbetreiber. Erst nach dem internationalen Aufschrei über Mädis qualvollen Tod versuchten sie, Renz die Genehmigung zur gewerblichen Tierhaltung zu entziehen und seine Alligatorfarm zu schließen. Die eher halbherzigen Versuche scheiterten jedoch bald vor Gericht.

2018: Schließt die Alligatorfarm endgültig?

Babykaiman

Babykaiman bei der Reptilienshow

Auch wenn Renz nicht wegen Tierquälerei verurteilt wurde – Mädis Tod hatte Folgen: Die Alligatorfarm stand seitdem endlich unter Beobachtung der Behörden, die jahrelang weggesehen hatten. Nach dem Skandal um Mädis Tod machte die für die Erteilung der Zoogenehmigung zuständige Obere Naturschutzbehörde der Alligatorfarm Auflagen, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten. Der hautnahe, barrierefreie Kontakt zu den gefährlichen Tieren – das Geschäftsmodell auf dem die ganze Farm basierte – wurde stark beschränkt. Renz klagte erneut – doch diesmal verlor er: Im Januar 2018 entschied der Verwaltungsgerichtshof Kassel endgültig, dass die Besucher vor den Krokodilen geschützt werden müssen. Kurz darauf gab es eine Kontrolle des Veterinäramts, der Oberen Naturschutzbehörde und des Ordnungsamtes, um Artenschutz-, Tierschutz- und Sicherheitsauflagen zu kontrollieren. Aufgrund der festgestellten Mängel wurden weitere tierschutzrechtliche Anordnungen getroffen. Am 24. Februar entdeckte Pro Wildlife auf einer online-Plattform für exotische Tiere das Verkaufsangebot von Alois Renz für 28 ausgewachsene Mississippi-Alligatoren – für 3.000 Euro pro Tier. Scheinbar gibt Renz endlich auf – letztendlich aus wirtschaftlichen Gründen.

Pro Wildlife fordert eine tier- und artgerechte Unterbringung der Renz-Krokodile in einem geeigneten Zoo oder einer Auffangstation. Doch die Gesetzeslage in Deutschland ist noch immer ein Desaster: Verbindliche Haltungsvorgaben gibt es nicht. Und in Hessen ist die Privathaltung von Krokodilen zwar verboten, doch in einigen anderen Bundesländern dürfen auch Privathalter die gefährlichen Tiere weiterhin halten. Der Fall der Familie Renz zeigt für uns einmal mehr, dass wir in Deutschland dringend rechtsverbindliche Vorschriften zur Tierhaltung und ein Haltungsverbot in Zirkussen und ähnlichen Shows brauchen, die Wildtiere als Kassenmagneten brauchen. Nur so können wir dem Tierschutz, der immerhin im Grundgesetz verankert ist, zu seinem Recht verhelfen.

 

Weitere Informationen:

  Videobericht zum Tod von Mädi

 

Elefantenkuh Mädi

Elefantenkuh Mädi

Pro Wildlife kritisiert, dass Renz nach dem Tod von Elefantenkuh Mädi die Alligatorfarm weiter betreiben darf. » Pressekampagne zum Tod von Elefantenkuh Mädi

 

 

 

 

Elefant im Zirkus (c) Pixabay

Zoo und Unterhaltung

Zoo und Zirkus140 Wanderzirkusse halten in Deutschland Wildtiere unter minimalsten Bedingungen. » Zoo und Zirkus

 

 

 

 

 

Krokodilzoo

Reptilienshow

Bereits 2007 beschäftigte sich Pro Wildlife mit der Reptilienshow, die damals durch Deutschland tourte. » Reptilienshow 2007 in München

 

 

 

 

 

Frosch

Reptilien und Ambhibien

Reptilien und Amphibien kommen bis auf die Polkappen überall auf der Welt vor. » Reptilien und Amphibien

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