Kein Handel mit Nashorn
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12. Februar 2019.

Rhino-Horn muss tabu bleiben.

Viele Safaris in Afrika beginnen inzwischen so: „Wir werden wahrscheinlich drei der bekannten Big Five sehen“, erklärt der Guide. „Leoparden verstecken sich sehr gut, die sehen wir wohl nicht. Naja, und Nashörner gibt’s hier keine mehr“. In weiten Teilen Afrikas sind Rhinos bereits ganz ausgerottet, in anderen gibt es noch einige wenige, oft in kleinen Parks und 24 Stunden am Tag bewacht.

Schuld am Verschwinden der Nashörner ist die grassierende Wilderei. Denn das Horn der Tiere ist enorm wertvoll. In Asien werden Spitzenpreise dafür gezahlt, weil Nashornpulver als Wundermittel gegen Krebs, Fieber und Entzündungen gilt – und das, obwohl das Horn aus der gleichen Substanz wie unsere Fingernägel oder Haare ist, nämlich Keratin. Und in Afrika nehmen viele Menschen die Gefahren beim Wildern in Kauf, um ebenfalls zu profitieren. Es gibt jedoch noch andere, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollen: Regierungen und Privatpersonen versuchen, den Handel mit dem Horn wieder zu ermöglichen; mit möglicherweise katastrophalen Folgen für die Nashörner.

Zwei Anträge gegen das Nashorn

Konkret sind es diesmal die Regierungen von Namibia und Eswatini (Swasiland), die das seit 1977 geltende internationale Handelsverbot für Breitmaulnashörner aufweichen wollen. Gelegenheit dazu bietet die im Mai in Sri Lanka stattfindende Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), auf der beide Länder einen Antrag einreichen. Namibia will den Schutzstatus seiner Nashörner herabstufen, um, so die offizielle Argumentation, den Export von Jagdtrophäen und lebenden Tieren zu erleichtern. Das ist bereits unter dem jetzt geltenden Recht für nicht-kommerzielle Zwecke möglich. Verbände vermuten deshalb hinter dem Vorstoß den Versuch, den Handel mit Rhinos und ihren Hörnern mittelfristig wieder vorzubereiten. Die etwa 1.000 Breitmaulnashörner, die noch in Namibia leben, sind in 70 kleine, voneinander getrennte Populationen aufgeteilt. Es wäre fatal, Tiere aus diesen Beständen herauszureißen.

Eswatinis Antrag ist weniger subtil. Das kleine Land will ganz offen den Handel mit dem wertvollen Horn wieder erlauben, um die eigenen Lagerbestände und abgesägtes Horn lebender Tiere zu Geld zu machen. Mit gerade einmal 66 verbleibenden Breitmaulnashörnern ein hochriskanter Irrsinn – nicht nur für die Rhino-Population in Eswatini. Würde der Antrag angenommen, würde dies zudem die Begehrlichkeiten in anderen Ländern wecken. Einige Staaten und private Züchter (vor allem in Südafrika) scharren bereits mit den Hufen und warten nur auf die Gelegenheit.

Profit mit Wildtieren

Die beiden Anträge sind nur zwei Puzzleteilchen in einem großen Spiel: Wildtiere zu Geld machen. In der Vergangenheit hat der Handel mit Elfenbein gezeigt, wohin die Reise wohl gehen würde, wenn die Nashorn-Anträge erfolgreich wären. Auf Betreiben von vier Staaten im südlichen Afrika wurde das internationale Elfenbein-Handelsverbot seit den späten 1990ern zweimal ausgehöhlt. 1999 durften 50 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen nach Japan verkauft werden, 2008 lieferten Südafrika, Simbabwe, Namibia und Botswana nochmals 108 Tonnen nach Japan und China. Das Ergebnis: Die Wilderei in Afrika explodierte. Wilderer und Schmuggler wollten von den neuen Möglichkeiten profitieren und die Elefantenbestände brachen dramatisch ein.

Wir befürchten, dass genau das bei einer Handelsfreigabe auch mit den Nashörnern passieren würde. Denn über die erlaubten Mengen kann immer auch illegal gewildertes Horn eingeschleust werden. Der Handel muss tabu bleiben, wenn wir die Tiere retten wollen. Und die geltenden Gesetze müssen in afrikanischen und asiatischen Ländern viel konsequenter durchgesetzt werden. So lange Wilderei und Kriminalität im Artenschutz wie Kavaliersdelikte behandelt werden, ist das Überleben von Nashörnern, Elefanten und vielen anderen Arten massiv in Gefahr. Nur, wenn sich die Vertragsstaaten zum lückenlosen Handelsverbot dieser Tiere verpflichten, können sie dauerhaft geschützt werden.

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