Jahresrückblick 2020

27. Dezember 2020.

Sechs Ereignisse, die uns in Erinnerung bleiben

2020 war das Jahr, das den Menschen weltweit eindrücklich vor Augen geführt hat, was uns droht, wenn Klimaschutz, Artenschutz und Naturschutz nicht endlich ernst genommen werden: Verheerende Brände in Australien (wie auch in Indonesien und Brasilien) sowie die Corona-Pandemie, ausgelöst durch Naturzerstörung und Wildtierhandel – das waren die Schlagzeilen, die das Jahr beherrschten. Doch es gibt auch Entwicklungen, die Mut machen. Ein Rückblick:

Flammeninferno Down Under

australien feuer koala

Nach dem Inferno © HSI

In Australien begannen im Januar 2020 die schlimmsten Waldbrände, die das Land bis dato heimgesucht hatten. Die Bilder hilfloser Koalas, die über brennenden Waldboden zu entkommen versuchten, und von verkohlten Kängurus, deren vergebliche Flucht an Weidezäunen endete, schockierten die Welt.

Pro Wildlife stellte sofort eine Spendenaktion auf die Beine, um unsere Kollegen vor Ort zu unterstützen. Etwa 100 Wildtiere, v.a. Koalas, rettete die Humane Society International aus den Flammen. Auch dank unserer Spender konnten zudem 100 private Auffangstationen unterstützt und ausgebaut werden, um weitere verletzte Wildtiere aufnehmen zu können. Für künftige Feuer sind die Pflegestellen nun besser gewappnet. Doch das Grauen über das endlose Tierleid bleibt – ebenso wie die Enttäuschung, dass die Regierung Australiens weiterhin nichts gegen die Klimakrise unternimmt. Und die ersten Meldungen zur neuen Brandsaison 2020/21 haben uns bereits erreicht…

Ein Jahr Corona – und der Wildtierhandel boomt weiter

wildtier handel markt

Wildtierhandel Jiangmen Market

Ende 2019 gab es erste Meldungen zu einer neuen Virusinfektion in China, die schwere Lungenerkrankungen beim Menschen verursachen kann. Die Pandemie erreichte im Februar Europa und legte schließlich weltweit Wirtschaft und Sozialleben lahm. Offenbar verbreitete sich der Virus ursprünglich auf einem Wildtiermarkt im chinesischen Wuhan, wo er vermutlich von Fledermäusen oder Schuppentieren auf den Menschen übertragen wurde. Einige Politiker riefen daraufhin medienwirksam dazu auf, „die schlimmsten Tiermärkte in Asien“ zu schließen und den „illegalen Tierhandel“ zu bekämpfen. Doch auch der legale Wildtierhandel ist größtenteils unreguliert und somit eine regelrechte „Blackbox“.

Spätestens die Corona-Ausbrüche auf europäischen Nerzfarmen zeigen, dass wir nicht nur mit dem Finger auf Südostasien zeigen dürfen, sondern dass auch hier der Handel mit Wildtieren immense Risiken birgt. Diskutiert wurde viel, doch auch zwölf Monate später läuft der globale Wildtierhandel nahezu ungebremst weiter – allen Warnungen der Wissenschaftler vor der nächsten Pandemie durch Wildtiere zum Trotz.

Elefantenwaise Batoka wird flügge

Seit 20 Jahren unterstützt Pro Wildlife verschiedene Auffangstationen, die sich um verwaiste oder verletzte Wildtiere kümmern. Sofern möglich, ist immer die Wiederauswilderung das Ziel. Wie großartig das laufen kann, zeigt das Beispiel von Batoka, stellvertretend für viele erfolgreiche Auswilderungen in diesem Jahr:

Batoka-GRI-Elefant

Elefantenwaise Batoka © GRI

2009 wurde an einem Flussbett in Sambia ein verwaistes Elefantenbaby entdeckt, das ausgezehrt und ohne den Schutz seiner Herde herumirrte. Der Kleine kam in die von uns unterstützte Auffangstation von Game Rangers International, wurde dort aufgepäppelt und wurde mit der Zeit immer selbstständiger. Im Mai 2020 schließlich verließ Batoka die Station. Er hat sich wilden Elefanten angeschlossen und ist nun Teil einer großen Herde von 70 Tieren. Ein toller Erfolg und Lohn aller Mühen und Kosten!

Japans Delfinfang nähert sich dem Ende

Jahr für Jahr ab Herbst schockieren blutige Fotos aus der Bucht des japanischen Fischerortes Taiji Menschen aus aller Welt. Dennoch sind die Entwicklungen der grausamen Delfinjagd in Japan eine Erfolgsstory.

Delfin

Fangquoten gehen stark zurück © Lynsey Smyth

Seit 20 Jahren werten wir die offiziellen Fangstatistiken aus Japan akribisch aus und die Zahlen sind Grund zur Freude: In den letzten 18 Jahren ist die Anzahl der gejagten Delfine und Kleinwale in Japan um unglaubliche 93 Prozent zurückgegangen: von 18.748 auf aktuell nur noch 1.734 Tiere.

Internationale Proteste (inkl. der Oscar-prämierten Doku „Die Bucht“, bei der Pro Wildlife offizieller Partner war) sind ein Grund für den Rückgang. Aber auch die deutlich sinkende Nachfrage nach Delfinfleisch, das mit Giftstoffen wie beispielsweise Quecksilber und PCB stark belastet ist, reduziert die Treibjagden. Unser Bericht „Toxic Menu“ und eine von uns 2012 ausgelöste Resolution der Internationalen Walfangkommission zu Giftstoffen in Delfinfleisch trugen hierzu bei. Die Entwicklung stimmt uns zuversichtlich, dass in naher Zukunft Schluss sein wird mit dem japanischen Delfinfang.

Unsere Känguru-Kampagne zeigt Wirkung

Eines unserer Highlights 2020 war der Erfolg unserer Kampagne gegen die Kängurujagd in Australien. Etwa 1,6 Millionen der hüpfenden Beuteltiere, dem Symbol Australiens schlechthin, werden jedes Jahr brutal getötet und ihr Fleisch und Leder in alle Welt verkauft. Denn die Farmer Australiens wollen unliebsame Konkurrenz für ihre Rinder und Schafe im Kampf um Weideflächen ausschalten.

Pro Wildlife Kampagne gegen Kängurujagd

Deutschland gehört zu den wichtigsten Abnehmern von Känguruleder und -fleisch. Schließlich sind hier die Sportartikel-Marktführer Adidas und Puma ansässig, die das zarte Leder zu Fußballschuhen verarbeiten. Supermärkte und Discounter bieten vom Steak bis zu Katzenfutter viele Produkte mit Känguru-Fleisch an. Doch unsere Kampagne kann im Herbst 2020 ein wichtiges Etappenziel verbuchen: Die vier Lebensmittel-Einzelhandelsketten Kaufland, Lidl, Real und V-Markt sowie der Tierfuttermittelhersteller Bewital sagten im Herbst zu, Känguru-Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Eine Wendung, die uns hoffen lässt, dass wir künftig noch viele weitere Unternehmen überzeugen werden können.

Die Verordnung zu Wildtieren im Zirkus ist eine PR-Farce

Im August 2020 kündigte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in einem SPIEGEL-Interview an, sie wolle „Wildtiere im Zirkus verbieten“. Am 19. November schließlich – drei Monate, nachdem die Maßnahmen angekündigt wurden – präsentierte die Ministerin ihren Verordnungsentwurf mit den großen Worten „Wildtiere haben in der Manege nichts verloren“. Doch der Entwurf hatte mit diesem Versprechen nur wenig gemein:

Zwar dürfen Zirkusse künftig keine Elefanten, Affen, Großbären, Giraffen, Flusspferde und Nashörner mehr anschaffen. Jedoch wäre es eh sehr unwahrscheinlich gewesen, dass die Zirkusse hier noch Nachschub bekommen hätten. Für die Tiere, die aktuell in Zirkussen gehalten werden, ändert sich jedoch nichts (Stichwort „Bestandsschutz“). Löwen und Tiger, die die größte Zahl an Wildtieren im Zirkus stellen, bleiben erlaubt und dürfen sogar weiter gezüchtet werden. Wenn der Verordnungsentwurf nicht noch deutlich nachgebessert wird, ist er leider nichts als Augenwischerei.

zirkus raubkatze tiger löwe

Raubkatzen im Zirkus © Sebastiaan ter Burg

Mehr Informationen

Hilfe für australische Wildtiere

Geretteter Koala Feisty © HSI

Gemeinsam mit der Partnerorganisation Humane Society International (HSI) bekämpft Pro Wildlife die Folgen von Dürre und Feuern: Nach dem Flammen-Inferno Anfang 2020 stand die Rettung verletzter Wildtiere sowie Hilfe für die Auffangstationen im Vordergrund. Unsere Hilfe für Koalas, Kängurus und Co » Hilfe für Wildtiere in Australien
Corona: Krankheitsherd Wildtierhandel © Maria Diekmann

Corona: Krankheitsherd Wildtierhandel

Es gab schon vor der Corona-Krise sehr gute Gründe, strenge Gesetze für Einfuhr und Handel von Wildtieren zu fordern – wie Tier- und Artenschutz oder Eindämmung invasiver Arten und Krankheiten. Mit der Corona-Krise haben die Gesundheitsaspekte und die massiven wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Folgen von Zoonosen weitere Aufmerksamkeit bekommen. » Corona-Krise: Krankheitsherd legaler Tierhandel
Erbarmungslose Jagd auf Kängurus

Erbarmungslose Jagd auf Kängurus

Kängurus sind die australischen Wappentiere. Gleichzeitig werden 1,6 Million Tiere jedes Jahr getötet, um sie zu Hundefutter, Fleisch und Sportschuhen zu verarbeiten. Die Jagd ist besonders grausam und mit den in Deutschland und Europa geltenden Tierschutzvorschriften nicht vereinbar. » Erbarmungslose Jagd auf Kängurus

Autorin: Dr. Sandra Altherr

Diesen Beitrag teilen