Für Haie am Verhandlungstisch
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27. Dezember 2018.

Fischerei-Interessen kontra Artenschutz.

100 Millionen Haie werden jedes Jahr abgeschlachtet, zum größten Teil, um als Flossen in einer Suppe zu enden. Mehr als 74 Haiarten sind in unseren Meeren vom Aussterben bedroht; dazu kommen mehr als 200 Arten, über die es nicht genug Daten gibt. Es ist anzunehmen, dass viele dieser Arten ebenfalls kurz vor dem Verschwinden sind.

Hammerhai © Tomas Kotouc

Hammerhai © Tomas Kotouc

Vor einem Jahr hat die Mitgliederversammlung der Bonner Konvention (CMS) für wandernde Tierarten sieben dieser hochgefährdeten Arten unter besseren Schutz gestellt. Für die Umsetzung gibt es das sogenannte „Sharks MoU“ (Abkommen zum Schutz wandernder Haiarten), eine Art Hai-Vertrag. Es ist die einzige globale Vereinbarung, die den Schutz von Haien und Rochen zu ihrer Aufgabe gemacht hat; sie wurde als eine Tochtervereinbarung zur CMS gegründet. Die Mitgliedstaaten haben damit die Möglichkeit, die rechtlich verbindlichen Vereinbarungen für Haie umzusetzen. Ich war bei der diesjährigen Sitzung im Dezember in Monaco, um im Auftrag von Pro Wildlife und dem IFAW die Teilnehmer von unseren Ideen zu überzeugen.

Walhai © Klaus M. Stiefel

Walhai © Klaus M. Stiefel

Die Verhandlungen begannen vielversprechend. Mehrere Arten der Gitarrenrochen und der Schwarzhai wurden auf den Anhang des MoU gestellt, um von den Empfehlungen und Maßnahmen für mehr Schutz und zusätzlichen Forschungsarbeiten zu profitieren. Wobei dies sehr vorsichtig formuliert ist und für die Mitgliedsstaaten rechtlich nicht bindend ist. Immerhin wurde guter Wille demonstriert.

Streit um den Engelhai

Beim Engelhai schieden sich jedoch die Geister. Diese kleine Haiart, die ganz akut vom Aussterben bedroht ist, lebt nur noch in den Küstengewässern einiger europäischer Staaten. Der einzige Ort, wo man sie noch regelmäßig antrifft, sind die Gewässer der Kanaren.

Engelhaie kommen nur noch in den Gewässern der Kanaren vor © Ralph Sonntag

Engelhaie kommen nur noch in den Gewässern der Kanaren vor © Ralph Sonntag

Die Antragsteller aus Monaco sind davon überzeugt, dass diese Haie in der Vergangenheit häufig Wanderungen über nationale Grenzen hinweg gemacht haben und womöglich immer noch machen. Allerdings ist das heute bei den wenigen Überlebenden kaum nachweisbar. Deshalb hat das Beratergremium des MoU sich aus formalen Gründen gegen eine Aufnahme in den Anhang ausgesprochen, da es bei der Konvention ausschließlich um wandernde Tierarten geht.

Der Engelhai kommt nur noch in den Gewässern vor den Kanaren vor

Dies wurde von den USA unterstützt, während sich die breite Mehrheit – unter anderem die EU und insbesondere Großbritannien und Deutschland – für erhöhte und bessere Schutzmaßnahmen durch das MoU ausgesprochen haben. Das wäre schon alleine durch das Vorsorgeprinzip gerechtfertigt. Die USA blieben jedoch stur und da das MoU nur einstimmig entscheiden kann, haben wir befürchtet, dass der Engelhaiantrag abgelehnt wird. Nach drei Tagen wurde immerhin ein Kompromiss gefunden.

Niederlage für den Blauhai

Anders beim Blauhai: Da hielt die Blockade der USA, die hier zusätzlich durch Australien, Neuseeland und Südafrika unterstützt wurde. Blauhaie leben in allen Weltmeeren, außer der Arktis und der Antarktis. Sie durchqueren auf ihren Wanderungen ganze Ozeanbecken. Sie sind die am stärksten befischte Haiart: Circa 20 Millionen Tiere werden jedes Jahr getötet, um den Flossenmarkt und teilweise den Markt für Haisteaks zu bedienen.

Blauhai © Tomas Kotouc

Blauhai © Tomas Kotouc

Noch sind die Blauhaie nicht akut vom Aussterben bedroht. Sie haben insbesondere für Haie eine sehr gute Fortpflanzungsrate. Aber es gibt starke Rückgänge im Nordatlantik, die inzwischen deutlich spürbar sind. Umso wichtiger wäre es, dass das Sharks MoU bereits jetzt aktiv wird, um weitere Bestandsrückgänge zu vermeiden, bis die Populationen vom Aussterben bedroht sind. Ein Schicksal, das der Blauhai dann mit anderen Hochseehaien wie dem Seidenhai und dem Weißspitzenhochseehai teilen müsste.

Artenschutz braucht mehr Gewicht

Es wurde bei der Sitzung des MoU auch die Chance vergeben, sich in Zukunft deutlich stärker bei den Konventionen für die Hochseefischerei, den sogenannten regionalen Fischerei-Organisationen, einzubringen. Diese Gremien hätten das Mandat, eine dringend notwendige Richtungsänderung in der Fischerei zu bewirken.

Fuchshai-©-Andre-Seale

Fuchshai © Andre Seale

Allerdings ist deren Zielrichtung die möglichst profitable Nutzung der Meere und weniger der Artenschutz. Dies geht soweit, dass bei den Fischerei-Sitzungen die Vertreter mancher Länder die von ihren eigenen Umweltministerien beschlossenen Maßnahmen ignorieren, teilweise einfach nur wegen fehlenden Absprachen. Dies muss sich ändern und Vertreter des MoU müssen stärker bei den Fischerei-Organisationen auftreten und sie an ihre Verpflichtungen gegenüber dem Artenschutz erinnern. Dies wird im Moment aus finanziellen Gründen verzögert.

Eine Schule Seidenhaie © Tomas Kotouc klein

Eine Schule Seidenhaie © Tomas Kotouc

Insgesamt wurde hier in Monaco eine Politik der sehr kleinen Schritte betrieben – obwohl man eigentlich rennen müsste, um die notwendigen Reformen durchzuführen. Aber es gibt immer wieder blockierende Länder, denen der schnelle wirtschaftliche Erfolg wichtiger ist als das Überleben der Natur. Dies ist häufig frustrierend für uns Naturschützer. Aber wir müssen und werden dabeibleiben, um von innen heraus Verbesserungen anzuregen und voranzubringen.

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