Flusspferde – die nächsten Opfer der unstillbaren Gier nach Elfenbein

30. Juli 2020.

Aus Eckzähnen werden Messergriffe

Wer einmal Flusspferde in freier Wildbahn gesehen hat, weiß um die Faszination, die diese mächtigen Pflanzenfresser ausstrahlen. 2016 hatte ich das Glück, sie am Sabaki Fluss in Kenia zu sehen. Mein einheimischer Nachbar Babu hatte mir einen Geheimtipp gegeben, und da saß ich nun am Ufer und beobachtete eine Herde von knapp 20 Tieren bei ihrem abendlichen Bad. Damals wusste ich bereits, dass die Flusspferd-Populationen unter der Zerstörung ihres Lebensraums leiden und daher auf der Roten Liste der gefährdeten Tier und Pflanzenarten (IUCN) als gefährdet eingestuft sind.

Es wird angenommen, dass nur noch 115.000 bis 130.000 Tiere in freier Wildbahn leben. Allerdings fehlen aktuelle Bestandszahlen der Länder, die Flusspferd-Zähne exportieren. Durch meine Arbeit bei Pro Wildlife erfuhr ich, dass nicht nur Elefanten, sondern auch Flusspferde wegen ihres Elfenbeins gewildert werden. Dass die Tiere wegen ihres Fleisches gejagt werden, ist bereits länger bekannt, doch zusätzlich gibt es einen äußerst lukrativen legalen ebenso wie illegalen Handel mit Hippo-Zähnen für Elfenbein-Schnitzereien.

Flusspferd im Wasser

Flusspferd im Wasser

Die EU als Hauptimporteur von Schnitzereien aus Flusspferd-Elfenbein

Seit 1995 unterliegt der internationale Handel mit Flusspferd-Produkten zwar den Handelsbeschränkungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES), er ist jedoch nach wie vor teilweise legal. Allein von 2008 bis 2017 wurden mehr als 40 Tonnen Hippo-Zähne und 32.703 Schnitzereien offiziell gehandelt. Hauptimporteure des Rohmaterials waren Hong Kong (rund 75 Prozent) und China (rund 16 Prozent). In asiatischen Schnitzfabriken werden die großen Eckzähne der Flusspferde weiterverarbeitet und anschließend exportiert. Unsere Recherchen haben gezeigt, dass zwischen 2008 und 2017 die Europäische Union mit fast 90 Prozent und rund 30.000 Schnitzereien der Hauptimporteur von geschnitztem Hippo-Elfenbein war. Das Elfenbein wird zum Beispiel für exklusive Messergriffe verwendet.

Flusspferde – die nächsten Opfer der unstillbaren Gier nach Elfenbein

Baby-Flusspferd in Tansania

Baby-Flusspferd in Tansania

Eine aktuelle Studie der Universität Hong Kong zeigt zudem, dass die geltenden Handelsbeschränkungen von CITES häufig umgangen werden. Denn die Ausfuhrländer melden den Großteil ihrer exportierten Flusspferd-Waren nicht. So läuft ein Großteil des Handels mit Flusspferden im Verborgenen ab. Zusätzlich beobachtete das von Pro Wildlife unterstützte Anti-Wilderer Team EAGLE in Afrika in den letzten Jahren, dass Hippo-Zähne immer häufiger geschmuggelt werden. Das liegt vermutlich auch daran, dass Hippo-Zähne kleiner sind als Elefantenstoßzähne und sich somit leichter schmuggeln lassen. Zudem werden Flusspferde bisher unzureichend geschützt und es sieht eben niemand so genau hin. Alleine in den letzten zwei Jahren konnten unsere Partner von EAGLE fast eine Tonne Flusspferd-Zähne sicher stellen – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. In Uganda wurden zudem Flusspferd-Zähne bei einem Geschäftsmann beschlagnahmt, der beste Verbindungen zur Regierungsspitze hat und regelmäßig auch offizielle Exportgenehmigungen erhält.

Flusspferde an Land

Flusspferde an Land

Uganda und Tansania exportieren die Zähne tonnenweise

Die afrikanischen Länder Uganda und Tansania sind seit Jahren die größten Exporteure für Flusspferd-Elfenbein. Während in Tansania die Jagd und der Handel mit Schnitzereien und Jagdtrophäen noch immer legal ist, hat Uganda die Flusspferd-Jagd seit 1986 und die Ausfuhr von Zähnen seit 2013 verboten. Doch das Handelsverbot wird nicht eingehalten: 2015 und 2016 exportierten Händler aus Uganda fast 4 Tonnen „Rohmaterial“ mit staatlicher Genehmigung nach Hong Kong.

Seit 2013 verzeichnet auch Malawi Ausfuhren von Flusspferd-Elfenbein. Das kleine südostafrikanische Land beherbergt selbst nur etwa 3.000 Flusspferde. Trotzdem exportierte es zwischen 2013 und 2017 mehr als siebeneinhalb Tonnen Flusspferd-Elfenbein – das entspricht ungefähr 1.500 toten Tieren.

Hippos haben enorme Eckzähne

Hippos haben enorme Eckzähne

Wie geht es nun weiter?

Momentan ist nur wenigen Menschen bekannt, dass die Gier nach Elfenbein nicht nur Elefanten, sondern auch Flusspferde bedroht. Hinzu kommt die Trophäenjagd, allein von 2008 bis 2017 wurden mehr als 4.500 Flusspferd-Trophäen exportiert. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Flusspferde in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter werden, denn sie benötigen dringend mehr Schutz! Ansonsten werden sie bald nur noch eine verblassende Erinnerung in unseren Geschichtsbüchern sein.

Dieser Artikel wurde zuerst am 05. März 2018 veröffentlicht und am 30. Juli 2020 aktualisiert.

Autorin: Katharina Lameter

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