Flusspferde – die nächsten Opfer der unstillbaren Gier nach Elfenbein
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5. März 2018

Aus Eckzähnen werden Messergriffe

Wer einmal Flusspferde in freier Wildbahn gesehen hat, weiß um die Faszination, die diese mächtigen Pflanzenfresser ausstrahlen. Vor eineinhalb Jahren hatte ich das Glück, sie am Sabaki Fluss in Kenia zu sehen. Mein einheimischer Nachbar Babu hatte mir einen Geheimtipp gegeben, und da saß ich nun am Ufer und beobachtete eine Herde von knapp 20 Tieren bei ihrem abendlichen Bad. Damals wusste ich bereits, dass die Flusspferd-Populationen unter der Zerstörung ihres Lebensraums leiden und daher auf der Roten Liste der gefährdeten Tier und Pflanzenarten (IUCN) als bedroht eingestuft sind.

Es wird angenommen, dass nur noch 115.000 bis 130.000 Tiere in freier Wildbahn leben. Allerdings fehlen aktuelle Bestandszahlen der Länder, die Flusspferdzähne exportieren. Durch meine Arbeit bei Pro Wildlife erfuhr ich, dass nicht nur Elefanten, sondern auch Flusspferde wegen ihres Elfenbeins gewildert werden. Dass die Tiere wegen ihres Fleisches gejagt werden, ist bereits länger bekannt, doch zusätzlich gibt es einen äußerst lukrativen legalen ebenso wie illegalen Handel mit Hippo-Zähnen für Elfenbein-Schnitzereien.

Flusspferd im Wasser

Flusspferd im Wasser

Die EU als Hauptimporteur von Schnitzereien aus Flusspferdelfenbein

Seit 1995 unterliegt der internationale Handel mit Flusspferdprodukten zwar den Handelsbeschränkungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES), er ist jedoch nach wie vor teilweise legal. Allein in den vergangenen zehn Jahren wurden 47 Tonnen Hippo-Zähne und 46.195 Schnitzereien offiziell gehandelt. Hauptimporteure des Rohmaterials waren Hong Kong (80 Prozent) und China (14 Prozent). In asiatischen Schnitzfabriken werden die großen Eckzähne der Flusspferde weiterverarbeitet und anschließend exportiert. Unsere Recherchen haben gezeigt, dass der Hauptimporteur in den vergangenen zehn Jahren mit mehr als 88 Prozent und mehr als 40.480 Schnitzereien die Länder der Europäischen Union waren. Die übrigen 12 Prozent Hippo-Schnitzereien gingen in die USA. Das Flusspferd-Elfenbein wird zum Beispiel für exklusive Messergriffe verwendet.

Flusspferde – die nächsten Opfer der unstillbaren Gier nach Elfenbein

Baby-Flusspferd in Tansania

Baby-Flusspferd in Tansania

Eine aktuelle Studie der Universität Hong Kong zeigt zudem, dass die geltenden Handelsbeschränkungen von CITES häufig umgangen werden. Denn die Ausfuhrländer melden den Großteil ihrer exportierten Flusspferdwaren nicht. So läuft ein Großteil des Handels mit Flusspferden im Verborgenen ab. Zusätzlich beobachtete das von Pro Wildlife unterstützte Anti-Wilderer Team EAGLE in Afrika in den letzten Jahren, dass Hippo-Zähne immer häufiger geschmuggelt werden. Das liegt vermutlich auch daran, dass Hippo-Zähne kleiner sind als Elefantenstoßzähne und sich somit leichter schmuggeln lassen. Zudem werden Flusspferde bisher unzureichend geschützt und es sieht eben niemand so genau hin. Alleine in den letzten zwei Jahren konnten unsere Partner von EAGLE fast eine Tonne Flusspferdzähne sicher stellen – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. In Uganda wurden zudem Flusspferdzähne bei einem Geschäftsmann beschlagnahmt, der beste Verbindungen zur Regierungsspitze hat und regelmäßig auch offizielle Exportgenehmigungen erhält.

Flusspferde an Land

Flusspferde an Land

Uganda und Tansania exportieren die Zähne tonnenweise

Die afrikanischen Länder Uganda und Tansania sind seit Jahren die größten Exporteure für Flusspferd-Elfenbein. Während in Tansania die Jagd und der Handel mit Schnitzereien und Jagdtrophäen noch immer legal ist, hat Uganda die Flusspferdjagd seit 1986 und die Ausfuhr von Zähnen seit 2013 verboten. Doch das Handelsverbot wird nicht eingehalten: 2015 und 2016 exportierten Händler aus Uganda mehr als 3 Tonnen „Rohmaterial“ mit staatlicher Genehmigung nach Hong Kong – auch 2017 ging der dubiose Handel vermutlich weiter.

Seit 2013 verzeichnet auch Malawi Ausfuhren von Flusspferd-Elfenbein. Das kleine südostafrikanische Land beherbergt selbst nur etwa 3.000 Flusspferde. Trotzdem exportierte es zwischen 2013 und 2016 sechseinhalb Tonnen Flusspferd-Elfenbein – das entspricht ungefähr 1.300 gewilderten Tieren.

Hippos haben enorme Eckzähne

Hippos haben enorme Eckzähne

Wie geht es nun weiter?

Momentan ist nur wenigen Menschen bekannt, dass die Gier nach Elfenbein nicht nur Elefanten, sondern auch Flusspferde bedroht. Es ist deshalb höchste Zeit, dass Flusspferde in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter werden, denn sie benötigen dringend mehr Schutz! Ansonsten werden sie bald nur noch eine verblassende Erinnerungen in unseren Geschichtsbüchern sein.

Mehr Informationen:

EAGLE-Netzwerk

EAGLE-Netzwerk

Im Undercover-Einsatz gegen kriminell organisierten Handel mit Elfenbein, Menschenaffen, Raubtierfellen und anderen bedrohten Arten » EAGLE Netzwerk & Ofir Drori

 

 

 

 

Jagd und Wilderei

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