Elefanten-Mensch-Konflikte in Sambia entschärfen
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27. April 2020.

Bienen, Sonnenblumen und Chilis für ein friedliches Zusammenleben.

Hier in Mitteleuropa können wir uns kaum vorstellen, was es heißt, in unmittelbarer Nachbarschaft zu vielen großen Wildtieren zu wohnen – selbst beim Wolf kommt die Bevölkerung hierzulande ja schon an ihre Schmerzgrenze… Doch in Afrika ist das anders. Bauern und Dorfbewohner leben gemeinsam mit Löwen, Büffeln und natürlich auch Elefanten. Besonders die Rüsseltiere können den Zorn der Menschen auf sich ziehen, wenn sie Felder leer fressen oder in Küchen einbrechen. Um den Konflikt zu lösen, werden schnell Rufe nach Abschüssen laut. Doch es geht auch anders, wie unsere Partner von Game Rangers International (GRI) vom Elefantenwaisenhaus in Sambia zeigen: mit Bienen, Sonnenblumen und Chili.

Waisenelefanten Tafika und Batoka spielen © GRI

Waisenelefanten Tafika und Batoka spielen © GRI

Nur gemeinsam gelingt der Schutz von Elefanten

Elefanten sind gewaltige Tiere – und sie sind nicht zimperlich, wenn es um die Suche nach Nahrung und Wasser geht. Die Menschen, die in den Dörfern in der Nähe der afrikanischen Nationalparks wohnen, kennen das natürlich und leben eigentlich seit Generationen gut mit den Wildtieren zusammen. Doch der Platz wird immer weniger und die Probleme mit Elefanten und anderen Tieren häufen sich. Unsere Partner in Sambia werden von Bauern oder Grundbesitzern gerufen, wenn Tiere wiederholt in die Nähe der Dörfer kommen oder Felder kaputtmachen und Lösungen gefunden werden müssen. Um nachhaltig zu helfen, erarbeiten sie gemeinsam mit den Anwohnern langfristige Konzepte. Artenschutz in Afrika und auch anderswo kann nur dann nachhaltig sein, wenn Menschen und Tiere friedlich zusammenleben.

Afrikanischer Elefant © Pixabay

Elefanten sind riesig und haben einen gesunden Appetit

Sonnenblumen schützen Elefanten

Über Forschungsergebnisse sind unsere Partner von GRI auf die Idee gekommen, den Bauern das Anpflanzen von Sonnenblumen vorzuschlagen. Die Idee: Elefanten mögen keine Sonnenblumen, die Bauern können sie also gefahrlos anbauen und die Kerne verkaufen. Außerdem freuen sich natürlich Bienen und andere Bestäuber über die Blüten, was besonders im Zusammenhang mit Bienenzäunen (siehe unten) doppelt wirkt. Das Projekt geht nun in die entscheidende Phase, in der gemeinsam mit einer Dorfgemeinschaft ausprobiert wird, ob sich die Idee auszahlt.

Elefanten mögen keine Sonnenblumen

Elefanten mögen keine Sonnenblumen

Elefanten mögen keine Chilis

Chilis treiben nicht nur vielen Menschen die Tränen in die Augen: Elefanten mögen keine Chilis. Unsere Partnerorganisation GRI hat sich in einer ersten Phase mit Bauern getroffen, um über die Probleme mit den Tieren zu sprechen. Dabei hat sich u.a. gezeigt, dass sich Elefanten schnell an Lärm gewöhnen, den die Bauern mit Hilfe von Töpfen machen, um die Tiere zu vertreiben. In der nun beginnenden zweiten Phase sollen sie die Elefanten mit der Hilfe von „Chilibällen“ vertreiben. Die Pflanzen werden zerrieben und in Kondome gefüllt. Wenn die Bauern diese Chilibomben werfen, pusten sie gleichzeitig in eine Pfeife. So sollen die Elefanten lernen, dass sie beim Klang der Pfeife mit Chilischoten in Kontakt kommen, damit sie künftig bereits beim Pfeifton Abstand halten.

Elefanten mögen keine Chilis

Elefanten mögen keine Chilis

Stinken für den Artenschutz

In Uganda nutzen Bauern schon länger geruchsintensive Substanzen, um Elefanten von den Feldern fernzuhalten. Besonders bewährt hat sich ein Gebräu, das in etwa aus diesen Zutaten besteht: Chilis, Blätter, Ingwer, Eier, Kuhdung, Öl und Wasser. Es entsteht eine nicht sehr wohlriechende Brühe, die als Spray aufgebracht oder getrocknet in Metallcontainern oder Dungblöcken verbrannt wird. Elefanten finden den Geruch der Substanz nicht besonders einladend und meiden Gegenden, in denen es danach riecht. Das Konzept hat sich in Uganda bewährt. GRI probiert die Technik nun in Sambia aus und falls sie funktioniert, hätten die Menschen in den Dörfern eine weitere Möglichkeit, um Elefanten von den Feldern fernzuhalten.

Elefanten durchbrechen Zaun © Daniel Dugmore

Konventionelle Zäune nutzen oft nichts © Daniel Dugmore

Angst vor Bienen

Elefanten haben keine Angst vor Mäusen, aber wenn sie Bienen hören, suchen sie das Weite. Ein GRI-Team hat deshalb einen Imker-Kurs mit einer Gruppe Anwohnerinnen aus den Dörfern am Rande des Kafue-Nationalpark gemacht. GRI verspricht sich davon zum einen, dass die Frauen nun Bienenstöcke und Bienenzäune einsetzen, um Elefanten von den Feldern fernzuhalten. Zum anderen soll es die Frauen stärken und ihnen mit Verkauf des Honigs ein eigenes Einkommen ermöglichen. Sollte sich das erste Training als erfolgreich herausstellen, sollen weitere Gruppen geschult werden.

Elefanten haben Angst vor Bienen

Elefanten haben Angst vor Bienen

Das tut Pro Wildlife
Es gibt viele Möglichkeiten, wie Menschen und Tiere friedlich miteinander leben können, ohne, dass Tiere getötet werden müssen. Aber es braucht eben auch den Willen, die finanziellen Mittel und das notwendige Know-How dazu. Wir unterstützen GRI in Sambia sowie unsere Partner in Tansania und Kamerun dabei, die Menschen vor Ort zu schulen und ihnen alternative Einkommensmöglichkeiten aufzuzeigen und zu ermöglichen. So kann der Schutz von Wildtieren nachhaltig gelingen.

Autorin: Sandra Henoch

Weitere Informationen:

Elefantenwaisenhaus Sambia

Elefantenwaisenhaus Sambia

Im Elefantenwaisenhaus in Sambia bekommen Elefantenwaisen eine zweite Chance.

» Projekt: Elefantenwaisenhaus in Sambia

Elefantenschutzprojekt Tansania

Elefantenschutzprojekt Tansania

Elefanten haben keine Angst vor Mäusen, sie haben Angst vor Bienen. Das nutzt das von Pro Wildlife unterstützte Southern Tanzania Elephant Program (STEP), um den Konflikt zwischen Bauern und Elefanten zu lösen, indem es Bienenstöcke zur Verfügung stellt.

» Elefantenschutzprojekt Tansania

Elefantenpatenschaft

Elefantenpatenschaft

Mit einer Patenschaft nachhaltig helfen.

» Elefantenpatenschaft

EAGLE-Netzwerk

Etwa 20.000 Elefanten werden jedes Jahr für den Elfenbeinhandel gewildert. Grund ist die Gier nach Elfenbein.

» Elfenbeinhandel

Lebendiger Artenschutz

Lebendiger Artenschutz

Weltweit werden Wildtiere getötet, gehandelt, gejagt und gegessen. All das geschieht unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit. Doch wie nachhaltig ist der Tod zunehmend bedrohter Arten?

» Lebendiger Artenschutz

 

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