Elefanten in Botswana: Schützen oder schießen?
,

13. März 2019.

Was passiert mit Botswanas Wildnis?

Botswana galt bisher als Vorreiter im Wildtierschutz. Das Land hat den größten Elefantenbestand der Welt, einzigartige, weitläufige Wildnisgebiete und hat sich in den vergangenen Jahren konsequent gegen Wilderei, Jagd und Elfenbeinhandel eingesetzt.

Elefant im Okavango-Delta © Martin Harvey

Doch die neue Regierung von Präsident Masisi schürt in den Medien seit Wochen lautstark Ressentiments gegen Elefanten und diskreditiert gleichzeitig Naturschützer und Wissenschaftler. Derzeit prüft sie Vorschläge, die einen Feldzug gegen Botswanas bisherige Naturschutzpolitik und insbesondere die Elefanten des Landes bedeuten würden: Es geht um die Aufhebung des seit 2014 geltenden Jagdverbotes, den Abschuss von Elefanten für Jagdtrophäen, die „Keulung“ (massenhafte Tötung) ganzer Herden für die Produktion von Tierfutter und den Bau von Zäunen, die Wanderrouten von Elefanten und anderen Wildtieren durchschneiden würden. Zudem will Botswana gemeinsam mit zwei weiteren südafrikanischen Staaten das geltende Handelsverbot für Elfenbein, Elefantenhäute und lebende Tiere zu Fall bringen.

Elefant Stoßzähne Elfenbein

Einige Staaten wollen den Handel mit Elfenbein wieder erleichtern

Über den internationalen Handel wird die Staatengemeinschaft bei der Weltartenschutzkonferenz im Mai 2019 entscheiden. Die Entscheidung über Abschüsse und Zäune innerhalb des Landes unterliegt Botswanas neuem Präsidenten. Als Begründung für die Debatte nennt die Regierung den wachsenden Konflikt zwischen Kleinbauern und Tieren. Anstatt die Diskussion allerdings sachlich und faktenbasiert zu führen, drohen Elefanten und andere Wildtiere zum politischen Spielball zu werden. Im Oktober 2019 stehen Neuwahlen an und es scheint, als spekuliere Präsident Masisi, der das Amt im April 2018 von seinem Vorgänger übernommen hat, mit seiner Anti-Elefanten-Kampagne vor allem darauf, Wählerstimmen zu gewinnen.

Natur-Tourismus versus Jagd und Handel

Botswanas Reichtum an Natur und Tieren gehört zum größten Kapital des Landes. Der Safari-Tourismus (mit Besuchern vorwiegend aus den USA und Deutschland) ist eine stark wachsende Einnahmequelle. Die Wiedereinführung der Jagd, und der Abschuss von Elefantenherden (sog. Culling oder Keulung) würde der Branche voraussichtlich schwer schaden. Sie wäre nicht nur aus Naturschutzsicht fatal, sondern ergibt auch wirtschaftlich keinen Sinn.

Der Tourismus bringt viel mehr Geld als die Großwildjagd

2009, als die Jagd noch erlaubt war, schafften Safari-Touristen in Botswana 39-mal mehr Arbeitsplätze als Großwildjäger – im ganzen Land verdienten damals nur 1.000 Menschen an der Trophäenjagd. Wenn Botswanas Regierung angesichts der wachsenden öffentlichen Ablehnung des Jagdtourismus, des Rückgangs der Trophäenjagd in anderen Jagdländern und sinkender Besucherzahlen bei Großwild-Jagdmessen auf die Trophäenjagd setzt, hat sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Fakten statt Wahlkampf-Rhetorik

Fakt ist, dass in Botswana mit etwa 130.000 Tieren der größte Elefantenbestand Afrikas lebt. Von Seiten der Regierung und Jagd-Befürwortern wurden zwischenzeitlich allerdings deutlich höhere Zahlen und eine angebliche Bestandszunahme ins Spiel gebracht. Gleichzeitig wurden wissenschaftliche Berichte über eine Zunahme der Wilderei dementiert.

Zäune beschneiden die Wanderrouten der Elefanten © Yathin Krishnappa

Zählungen des 2016 veröffentlichten „Great Elephant Census“ belegen, dass der Bestand der Savannen-Elefanten in 15 afrikanischen Ländern in sieben Jahren um 30 Prozent zurückgegangen ist. Auch Botswana war hiervon nicht verschont, dort gingen die Bestände in fünf Jahren um 15 Prozent zurück. Im August 2018 meldeten Wissenschaftler von der Organisation „Elephants Without Borders“, die gemeinsam mit Regierungsbeamten Zählungen durchführten, dass die Wilderei für den Elfenbeinhandel im Norden Botswanas zwischen 2014 und 2018 stark angestiegen ist.

Auch, wenn es die Regierung dementiert: Wilderei ist ein zunehmendes Problem in Botswana

Der Fund von mindestens 88 gewilderten Elefanten sorgte weltweit für mediales Aufsehen. Doch Botswanas Regierung dementierte die Berichte, die Behörden entzogen „Elephants Without Borders“ Forschungslizenzen und versuchten, die Verbreitung der Wilderei-Berichte zu verbieten. Im Februar 2019 wurden die Zählungen zu Bestandszahlen und Wilderei-Vorfälle von renommierten Experten bestätigt und veröffentlicht . Auch andere Berichte wie das MIKE-Programm der Weltartenschutzkonferenz (CITES) bestätigen, dass Wilderer-Banden zunehmend auch Botswana und das südliche Afrika ins Visier nehmen.

Eine Elefantenherde am Wasserloch © Martin Harvey

Koexistenz zwischen Mensch und Tier

Botswana steht am Scheideweg: Die Regierung dort trägt die Verantwortung für den größten Elefantenbestand der Welt. Setzt Botswana zukünftig darauf, die Stimmung der Menschen gegen Wildtiere zu schüren, Zäune zu bauen, Wanderrouten zu durchschneiden und Elefanten für Trophäen, Hundefutter und Elfenbeinhandel auszubeuten, hätte dies fatale Auswirkungen für Afrikas Elefanten, weit über die Landesgrenzen hinaus. Doch es gibt realistische Alternativen: Nämlich, das friedliche Zusammenleben zwischen Elefanten und Menschen zu fördern.

Wildtierschutz kann nur gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung gelingen

Die Menschen müssen zukünftig stärker von Wildtieren profitieren, damit sie bereit ist, Lebensräume mit ihnen zu teilen und zu erhalten. Botswana bietet ideale Voraussetzungen hierfür. Hier gibt es große, intakte Naturräume, eine vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte und eine Regierungsführung, die bisher deutlich besser war als in anderen afrikanischen Ländern. Der Safari-Tourismus ist mit jährlichen Einnahmen von 687 Mio.US Dollar (2017) einer der wichtigsten Devisenbringer und hat enormes Potenzial, Einkommen und Arbeitsplätze für die Bevölkerung zu schaffen und eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Wildtieren zu sichern.

Safari-Tourismus ist ein wichtiger Devisen-Bringer

Die derzeitige Debatte verdeutlicht, dass sich die Landbevölkerung zurück gelassen und nicht ausreichend an den Einnahmen aus dem Tourismus beteiligt fühlt. Das muss sich ändern!
Was wir jetzt dringend brauchen, ist die Rückkehr zu einer sachlichen, Fakten-basierten Diskussion. Sie sollte die Menschen vor Ort, Naturschützer und die Tourismusbranche einbeziehen. Diskreditierung, Falschinformationen und Stimmungsmache schaden sowohl den Wildtieren, als auch der Zukunft der Menschen in Botswana.

Mehr Informationen

Nashorn

Jagd und Wilderei

Reisen um zu töten: Trophäenjagd auf bedrohte Tierarten. » Jagd in Afrika
Afrikanischer Elefant

Afrikanischer Elefant

Elefanten: Opfer der Trophäenjagd. » Wissenswertes über die Grauen Riesen
Trophäenjagd ©Paul Shoul

Trophäenjagd ©Paul Shoul

Während Wilderei, Jagd und Tierschmuggel boomen wird die Rote Liste gefährdeter Arten immer länger. » Mehr Infos zu Jagd und Wilderei
Diesen Beitrag teilen