Ein letzter Zufluchtsort für Jaguare

22. August 2018

Ökotourismus in Bolivien als Pionierarbeit.

Seit den 1980er Jahren hat sich vor allem im Osten Boliviens die Agrarindustrie mit riesigen Monokulturen breitgemacht. Platz für Wildtiere gibt es hier kaum mehr, stattdessen Mohrenhirse- und Sojaplantagen, die so groß sind, dass man die Enden der Äcker gar nicht mit bloßem Auge sieht. Neben den Farmern, die sich der maximalen Produktion mit Glyphosat & Co. verschrieben haben, gibt es zahlreiche Rinderzüchter, die, um ihre Herden zu schützen, kaum einen größeren Beutegreifer leben lassen. Doch eine Hoffnung gibt es für Wildtiere in dieser Region – eine einzige Ranch, die sich diesem ökologischen Irrsinn widersetzt:

Die Ranch © Pro Wildlife

Duston Larsen ist ein Mann um die 40 mit US-amerikanischen Wurzeln, aber in Bolivien geboren. Mit seiner San Miguelito Ranch bietet er Wildtieren ein letztes Paradies. Auf der riesigen Ranch (3.000 Hektar!) vergisst man schnell, dass das Geld eigentlich mit je 300 Rindern und Wasserbüffeln verdient wird. Vom Vieh, das alleine auf dem riesigen Gelände umherstreifen darf, bekommt man kaum etwas mit. Stattdessen naturbelassene Trockenwälder soweit das Auge reicht, durchzogen von einem mäandernden Fluss. Bereits wenige Meter neben der Farm sehen wir den ersten Brüllaffen im Baum, von der Terrasse können wir die Schreiduelle zweier Affenbanden hören – ein beeindruckendes, tiefes Grollen.

Männlicher Brüllaffe

Männlicher Brüllaffe

Am späten Nachmittag brechen wir mit Duston zu einer Bootstour auf, um Wildtiere so nah wie möglich zu beobachten, ohne sie zu stören. Die ersten Meter paddeln wir uns durch dicke Schichten Wasserlinsen und Wasserhyazinthen, dann startet er einen kaum zu hörenden Elektromotor, so dass wir quasi geräuschlos den Fluss entlang fahren. Und wir sind überwältigt, was wir auf wenigen Kilometern alles zu sehen bekommen: Eine Horde Kapuzineraffen, ein bräsiges Faultier, Capybaras (Wasserschweine), Agutis, Tukane, Störche, Geier und dutzende andere Vogelarten. Und natürlich Kaimane, die zwischen den Wasserlinsen bestens getarnt auf Beute lauern. Später umkreisen uns Fledermäuse, wir kehren in absoluter Dunkelheit zurück. Abenteuer pur.

Faultier

Faultier © Pro Wildlife

Am nächsten Morgen starten wir um 5.30 Uhr um zu Fuß die Frühschicht der Tierwelt zu erkunden. Sobald es dämmert, geht es los: Vor allem die Vogelwelt begrüßt den neuen Tag mit Gezwitscher, Knarzen, Gezeter, Gurren und Quietschen. Auf unserem Weg kommen wir an mehreren Kamerafallen vorbei, denn Dustons Ranch ist Teil eines Monitoring-Programms für Jaguare.

Jaguar

Jaguar Kamerafalle (c) Duston Larsen

Abends bei der Auswertung der Foto- und Filmaufnahmen sehen wir dann: Es leben mehrere Jaguare auf der Ranch (Duston schätzt die Zahl auf elf Tiere), ebenso Pumas, Ozelote, Jaguarundis, Margays (Baumozelot) und Geoffroys Katzen. Keine Selbstverständlichkeit, denn die meisten Rancher dulden keine Raubkatzen, sondern schießen sie illegal ab. Sie müssen nicht einmal eine Strafe fürchten. Duston hingegen freut sich, dass sein Gelände diesen herrlichen Raubkatzen eine Zuflucht bietet. Er nimmt sogar in Kauf, dass er erst wenige Tage zuvor ein neugeborenes Rind an ein Jaguar-Weibchen verloren hat. Denn er weiß, dass auch sie ein Jungtier zu versorgen hat.

Capybara

Wasserschwein © Pro Wildlife

Nach drei Tagen San Miguelito Jaguar Conservation Reservat ziehen wir Bilanz: Erstens, die Welt braucht mehr Visionäre wie Duston, denen es nicht um maximalen Gewinn geht, sondern die mit ihrer Ranch aktiven Naturschutz betreiben. Zweitens – und gerade als Vegetarier ist dies eine etwas überraschende Erkenntnis: Dustons Paradies kann nur in Form einer extensiven Viehwirtschaft weiterleben, denn Ackerbau hätte in diesem nahezu unberührten Trockenwald verheerende Folgen. Und drittens: Boliviens Ökotourismus steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber das Jaguar Conservation Reservat leistet hier wahre Pionierarbeit. Wir drücken Duston die Daumen, dass ihn genügend Wildtierfans besuchen, damit sich sein Konzept trägt. Der eine oder andere Farmer zeigt sich jedenfalls bereits interessiert, ebenfalls auf Ökotourismus umzustellen…

Mehr Informationen

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