Druck der EU auf Walfangländer steigt
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6. Dezember 2017

Walfangländer: Europäische Union verschärft Ton

Endlich! Es wird schwieriger für die Walfangländer. Nach Jahren der diplomatischen Zurückhaltung der Europäischen Union hat Brüssel in den letzten Monaten Schritt für Schritt den Ton verschärft – eine Entwicklung, an der wir nicht ganz unbeteiligt und auf die wir auch stolz sind:

  • Januar 2017: Die EU-Länder verurteilen in einem offiziellen Schreiben an die Internationale Walfangkommission das neue Walfangprogramm Japans scharf.
  • September 2017: Das EU-Parlament verabschiedet eine Resolution, die Norwegen auffordert, endlich die Waljagd einzustellen.
  • November 2017: Monatelang hatte die EU darauf hingearbeitet, dass das CITES-Artenschutzabkommen endlich Japans Fang der stark bedrohten Seiwale im Pazifik auf die Agenda nimmt. Am 27. November 2017 war es auf dem Ständigen Ausschuss von CITES so weit: Nach 40 Jahren CITES stand Japan erstmals am Pranger, bekommt nun einen offiziellen CITES-Kontrollbesuch – die geforderten Handelssanktionen rücken damit für 2018 in greifbare Nähe.
  • Dezember 2017: Die EU verabschiedet ihre neue gemeinsame Verhandlungsposition für die Internationale Walfangkommission für die kommenden sechs Jahre – so konsequent und scharf wie nie zuvor.
Walfangländer_Japan_Walfang©Australian Customs and Border Protection Service

Japan Walfang © Australian Customs and Border Protection Service

Warum drückte die EU in Sachen Walfang so lange ein Auge zu?

Wale und Delfine sind nach EU-Recht streng geschützt – sie dürfen weder gefangen noch getötet werden. Die Bevölkerung Europas lehnt kommerziellen Walfang mehrheitlich ab. Dennoch war die EU lange gegenüber Japan, Island und Norwegen auffallend still. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum Einen sind alle drei Walfangländer wichtige Handelspartner – Autos, Elektroartikel, Erdgas und Fisch sind wichtige Importgüter. Zum Anderen sollten die Verhandlungen um Fischereiquoten mit den europäischen Nachbarländern Norwegen und Island nicht belastet werden. Drittens sitzt mit Dänemark – einem Land, dessen semiautonome Regionen Grönland und Färöer-Inseln selbst Wale jagen – eine Blockadestimme für Walschutzmaßnahmen am Tisch; diese Stimme fand lange Zeit Gehör.

Walfangländer Norwegen Walfang©NickSeeliger

Norwegen Walfang © Nick Seeliger

Das alles hat sich zum Guten geändert: Der EU ist in den letzten Monaten klar geworden, dass sie den Kampf gegen den Walfang nicht nur Australien, Neuseeland und den Ländern Lateinamerikas überlassen können – diese haben den Fokus auf Japan und verweisen zu Recht auf die Verantwortung der EU für die Waljagd in europäischen Gewässern. Unser Bericht „Frozen in Time“, der Norwegens Rolle als Walfangland Nr. 1 aufzeigte, erhöhte den Handlungsdruck für die EU. Zudem hat Dänemark in den letzten Jahren durch Provokationen und Eskapaden in Sachen Walfang Vertrauen und Unterstützung in der EU verspielt.

Gute Voraussetzungen für die Walfangtagung 2018

Auch wenn die Harpunen in den Walfangländern damit noch nicht verschrottet sind: Die EU endlich im aktiven Walschutzlager bei CITES und der IWC zu sehen, ist ein Riesenerfolg, auf den Pro Wildlife und andere Verbände intensiv hingearbeitet haben. Für Japan, Island und Norwegen wird die kommende IWC-Tagung im September 2018 wohl kein Zuckerschlecken – und wir treffen bereits Vorbereitungen, damit auf der IWC die Daumenschrauben nochmals angezogen werden…

Mehr Informationen

Walfang © Australian Customs and Border Protection Service

Walfang © Australian Customs and Border Protection Service

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Japans Seiwale © Christin_Khan_NOAA

Japans Seiwale © Christin Khan_NOAA

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Zwergwale in Norwegen © HansBernhard

Norwegens Zwergwale © Hans Bernhard

Das Walfangland Nummer 1 beruft sich auf Wikinger-Traditionen. » Waljagd in Norwegen
Zwergwal hapuniert © Michael Tenten

Zwergwal hapuniert © Michael Tenten

Bericht über Norwegens Walfang-Vergangenheit (englisch). » Norwegens Walfang: „Frozen in Time“
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