Der Kampf um den Wald

19. September 2018

Der Hambacher Forst und die Rolle der Wälder weltweit.

Ein riesiges Polizeiaufgebot, Baumhäuser, Proteste: Die Bilder aus dem Hambacher Forst dominieren im Moment die Berichterstattung. Der Kampf um den Wald dort steht symbolisch für den Kampf um die Wälder weltweit: Ein Konzern will roden, um Profit zu machen; Aktivistinnen und Aktivisten wehren sich dagegen. Kein deutsches Phänomen, denn weltweit verringert sich die bewaldete Fläche seit Jahrzehnten. Etwa 31 Prozent der Erde sind mit Wald bedeckt, Tendenz sinkend. Mehr als die Hälfte dieser Fläche verteilt sich auf nur fünf Staaten: Russland, Brasilien, Kanada, USA und China.

Hambacher Forst

Hambacher Forst

Wälder sind überlebenswichtig

Der Kampf ist alles andere als symbolisch. Wälder haben wichtige ökologische Funktionen und selbst auf dem recht kleinen Reststück Wald bei Hambach kommen bedrohte Arten vor. Wälder sind wichtige Rückzugsgebiete und Lebensräume für Tiere. Das gilt für bestimmte Fledermaus-Arten im Hambacher Forst ebenso wie für Berggorillas in den Nebelwäldern Ostafrikas und für Tukane in den Tropenwäldern Mittel- und Südamerikas.

Tukan

Tukane sind auf Wälder angewiesen

Ohne die Wälder wären diese Tiere heimatlos und würden über kurz oder lang verschwinden. Den direkten Zusammenhang zwischen dem Überleben bestimmter Tierarten und dem Lebensraum Wald hat das Aussterben des Spix-Aras gezeigt. Die blauen Papageien lebten nur in bestimmten Wäldern des brasilianischen Bundesstaates Bahia. Mit der Rodung dieser Wälder (und dem intensiven Fang für den Tierhandel) verschwanden auch die Aras. Die letzte bestätigte Sichtung war im Jahr 2000, Wissenschaftler haben die Art nun als in der Wildnis ausgestorben beschrieben. Das Zusammenspiel von Wald und Tieren kann mitunter hoch komplex sein. Spix-Aras benötigten beispielsweise alte Caraibeira-Bäume als Nistplätze. Als diese verschwanden, hatten die Vögel keinen Platz mehr für ihre Nester. Während einige Arten durchaus anpassungsfähig sind und sich neue Lebensräume erobern können, benötigen andere eine sehr spezielle Umgebung. Sie fallen dem Verlust ihres Lebensraums als erste zum Opfer.

Wälder sind die Lunge der Erde

Vom Aspekt Lebensraum abgesehen erfüllen Wälder viele weitere wichtige Funktionen. Sie schützen Böden, speichern Wasser und verhindern in steilerem Gelände Lawinen und Muren. Besonders wichtig ist jedoch die Speicherung des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) bei der gleichzeitigen Freisetzung von Sauerstoff. Wälder regeln so das Klima und sorgen für unsere Atemluft. Werden sie im großen Stil abgeholzt, wird das hier gebundene CO2 freigesetzt, was zum Anstieg der Temperatur auf der Erde beiträgt. Das gesamte Gleichgewicht gerät also aus dem Takt.

Der Einfluss der Klimaerwärmung auf die Tiere weltweit ist wiederum mitunter verheerend. Der Eisbär, der ja eigentlich gar kein Waldbewohner ist, leidet durch das Schmelzen des Eises in der Arktis indirekt unter dem Verlust der Wälder. Auch Tiere wie die Elefanten in den afrikanischen Savannen, die kein Wasser mehr finden, sind vom Klimawandel betroffen. In der Natur ist alles miteinander verbunden. Wird ein so wichtiger Faktor wie der Wald zunehmend zerstört, hat dies globale Folgen.

Wälder brauchen Schutz

Zum Glück sind die wichtigen Funktionen der Wälder inzwischen gut dokumentiert und bekannt. Deshalb bemühen sich kleine Initiativen und ganze Staaten weltweit, den Verlust der Wälder aufzuhalten. Aktivisten im Hambacher Forst nutzen den zivilen Ungehorsam, um die Abholzung dieses alten Waldes zu verhindern oder zumindest auf seine wichtige Rolle im Ökosystem hinzuweisen. In Kenia werden sogenannte „Seed-Bombs“, also Kugeln mit Pflanzensamen darin, über dem Land verteilt. So sollen neue Wälder entstehen.

Und in Indien hat ein einzelner Mann über mehrere Jahrzehnte hinweg einen ganzen Wald neu gepflanzt. Der nach ihm benannte Molai Forest ist nun wieder Heimat seltener Tiere wie Elefanten, Tiger und Nashörner. Es besteht also Hoffnung für die Wälder dieser Erde und somit auch für uns. Denn die Wälder sind für Mensch und Tier gleichermaßen überlebenswichtig.

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