Handel mit Elfenbein muss aufhören!

Exporte aus der EU befeuern die internationale Nachfrage

Wissen Sie, wer derzeit den Rekord hält, wenn es um Ausfuhrgenehmigungen für Elfenbein geht? Es sind weder afrikanische noch asiatische Staaten – sondern die Länder der Europäischen Union. Von 2006 bis 2015 genehmigten sie die Ausfuhr von mehr als 44.000 Elfenbeinschnitzereien und 2.242 Stoßzähnen – angeblich alles ältere Stücke aus legaler Quelle. Hauptimporteure waren China und Hongkong. Beide waren bislang die wichtigsten Absatzmärkte sowohl für legales als auch illegales Elfenbein. Elfenbeinschnitzereien aus Europa befeuern also den Absatzmarkt in Asien.

Elfenbein, Elefant in Kenia

Elefant in Kenia

China schließt seine Märkte

Europa zeigt gerne nach China, wenn es darum geht, Verantwortliche für das Massaker an jährlich zehntausenden Elefanten zu finden. Doch die Vorzeichen haben sich mittlerweile umgekehrt: Die chinesische Regierung wird bis Jahresende alle Elfenbein-Schnitzfabriken und Geschäfte schließen. Auch die Sonderverwaltungszone Hongkong will den Handel stoppen. Es ist die Europäische Union, die dieser wegweisenden Entwicklung hinterherhinkt – und sie durch ihre Untätigkeit sogar behindert. Die EU muss jetzt endlich handeln und den Elfenbeinhandel verbieten. Ansonsten riskiert sie nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit, sondern droht weltweite Bemühungen im Kampf gegen den Elfenbeinhandel auszubremsen.

Obwohl der Elfenbeinhandel international bereits 1989 verboten wurde, lassen Ausnahmen in den EU-Regelungen noch immer zu, dass Elfenbein aus angeblichem „Altbestand“ online, in Auktionshäusern und auf Märkten verkauft und sogar exportiert werden darf. Dabei sind die Kontrollen in der EU mehr als lückenhaft – für den Handel mit angeblich „antikem“ Elfenbein sind in der EU noch nicht einmal Genehmigungen erforderlich. Zudem lässt sich das Alter von Elfenbein nicht eindeutig bestimmen. Die laxen EU-Bestimmungen erleichtern deshlab den illegalen Handel und ermöglichen es, dass gewildertes Elfenbein in den legalen Handel eingeschleust wird. Nicht nur in Asien, auch in der EU ist Elfenbein eines der am häufigsten gehandelten illegalen Wildtierprodukte: 2016 wurde in der EU die Rekordmenge von fast drei Tonnen Elfenbein sichergestellt. Der größte Aufgriff, insgesamt 1,2 Tonnen Elfenbeinstücke und Schnitzereien, fand in Deutschland statt. Sogar eine illegale Schnitzfabrik wurde im Rheinland ausgehoben.

Schnitzerein aus Elfenbein © US FWS

Schnitzerein aus Elfenbein © US FWS

Bewegt sich die EU?

Doch auch in Europa gibt es mittlerweile Hoffnungsschimmer: In Großbritannien hat sich die konservative Regierung für ein Verbot des Handels mit Elfenbein ausgesprochen. Frankreich hat bereits strengere Vorschriften und Kontrollen eingeführt.

Immer mehr internationale Beschlüsse fordern, den Handel mit Elfenbein zu verbieten: Dazu gehören Entschließungen des Europäischen Parlaments ebenso wie des Weltnaturschutzkongresses der Weltnaturschutzunion (IUCN), der 17. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens sowie zuletzt im September 2017 der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Auch die EU kann sich dem zunehmenden internationalen Druck nicht länger verschließen.

Die Forderung nach einem Verbot des EU-Elfenbeinhandels wird auch unterstützt von unzähligen weiteren Tier- und Naturschutzorganisationen, der großen Mehrheit afrikanischer Regierungen mit Elefantenbeständen, 165 Wissenschaftlern aus 33 Ländern, Auktionsplattformen wie ebay und vielen weiteren Akteuren. Die EU-Kommission erwägt aufgrund des zunehmenden Drucks weitere Schritte und hat im Dezember 2017 die Meinung von Experten, Händlern und Bürgern in einer öffentlichen Befragung eingeholt. Über 80.000 Antworten sind eingegangen – Mitte 2018 will die EU Kommission eine Vorschlag vorlegen, wie es mit dem Elfenbeinhandel weitergehen soll. Wir bleiben dran! Denn nur wenn Handel und  Nachfrage weltweit eingedämmt werden, wird die Wilderei ein Ende haben.

Mehr Informationen:

» Elefanten: Bedrohte Riesen

» Informationen zum Elfenbeinhandel

» Hintergrund: Elfenbein in der EU (Englisch)

» Unsere Arbeit: Elefantenschutz

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