Das letzte männliche nördliche Breitmaulnashorn ist tot
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21. März 2018

Was uns „Sudans“ Tod über Artenschutz lehrt.

Sudan ist tot. Das weltbekannte, letzte männliche nördliche Breitmaulnashorn ist gestorben, zurück bleiben zwei Weibchen: Seine Tochter und seine Enkelin. Sterben auch sie, ist die Unterart von der Erde verschwunden; außer natürlich, es geschieht ein Wunder. Das nördliche Breitmaulnashorn stirbt also aus, ebenso wie tausende andere Arten und Unterarten jedes Jahr. Artenschutzorganisationen stemmen sich gegen dieses meist vom Menschen verursachte Sterben. Doch Artenschutz ist eine komplexe Angelegenheit und ein Kampf gegen unterschiedlichste Interessen und an vielen Fronten gleichzeitig.

Nördliches Breitmaulnashorn Sudan © Charles Kinsey

Nördliches Breitmaulnashorn Sudan © Charles Kinsey

1. Der Kampf um jedes einzelne Tier

Ist eine Art oder Unterart bereits dezimiert, zählt das Leben jedes einzelnen Tieres. Sehr häufig leben die verbliebenen Individuen einer bedrohten Art in voneinander isolierten Gebieten, sie bilden unterschiedliche Populationen, die sich nicht mehr miteinander fortpflanzen können. Werden aus kleinen Populationen auch nur wenige Tiere herausgenommen, schwächt das die gesamte Art und deren Genpool. Bei der Trophäenjagd beispielsweise werden selektiv die stärksten, erfolgreichsten Tiere geschossen, die für die Fortpflanzung und den Erhalt ohnehin bedrohter Bestände besonders wichtig sind. Das hat natürlich Einfluss auf die Überlebenschancen einer Art. Ein Grund dafür, die Trophäenjagd endlich zu beenden, insbesondere auf gefährdete Arten.

Trophäe

Löwen sind noch immer begehrte Jagdtrophäen

2. Der Kampf um den Lebensraum

Ohne Raum kein Leben: Viele Arten sind durch den Verlust ihres Lebensraums gefährdet. Besonders spezialisierte oder endemische (also nur in einem bestimmten Gebiet vorkommende) Arten leiden unter dem Verlust von Raum. Das gilt natürlich für Lebensräume an Land ebenso wie unter Wasser. Schwindende Wälder, Wiesen, Savannen und Korallenriffe bedeuten also in Folge auch schwindende Artenvielfalt. Häufig sind wir hier in Europa mit Schuld an diesem Dilemma, denn mit unserem Konsumverhalten tragen wir dazu bei, dass ursprüngliche Räume verschwinden.

Wollaffe © Ikamaperu

Wollaffe © Ikamaperu

3. Der Kampf gegen den Handel bedrohter Tiere und Pflanzen

Wo es ein Angebot gibt, wird eine Nachfrage generiert. Dieser einfache Leitsatz wurde schon häufig übergangen, beispielsweise beim Versuch, einen angeblich kontrollierten Handel mit Elfenbein zu etablieren. Die Folgen für Elefanten waren gravierend: Die Nachfrage explodierte und mit ihr die Wilderei in Afrika.

Afrikanischer Elefant © Martin Harvey

Afrikanischer Elefant © Martin Harvey

Strikte Handelsverbote für Tiere bedrohter Arten und die Reduzierung der Nachfrage sind die einzig logischen Konsequenzen. Internationale Handelsverbote werden unter anderem durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (engl. CITES) erwirkt. Außerdem müssen endlich die nationalen Handelsverbote vieler Länder auch international Beachtung finden, denn momentan laufen sie häufig ins Leere. Auch wenn eine Art in einem Herkunftsland streng geschützt ist, darf sie häufig in der EU und anderen Absatzmärkten immer noch frei gehandelt werden. Diese Gesetzeslücke muss gestopft werden, denn so wird der Artenschutz ausgehebelt.

Tiere als Massenware auf einer Reptilienbörse

Tiere als Massenware auf einer Reptilienbörse

4. Der Kampf gegen die Wilderei

Mit einem umfassenden Handelsverbot sind erst einmal die gesetzlichen Weichen gestellt, doch es geht auch um die Umsetzung. Anti-Wilderer-Einheiten patrouillieren in manchen Teilen der Erde bewaffnet und rund um die Uhr. Auch die Hintermänner der meist gut organisierten Wilderer und Schmuggler-Syndikate müssen dingfest gemacht und vor Gericht gestellt werden. Häufig sind monatelange Untergrund-Recherchen nötig, um genügend Beweise zu sammeln und sie zu fassen. Es ist ein aufwändiges Unterfangen, aber ein umso notwendigeres.

Verhaftung von Elfenbeinschmugglern © EAGLE

Verhaftung von Elfenbeinschmugglern © EAGLE

Das nördliche Breitmaulnashorn lässt sich nicht mehr retten. Viele andere Tierarten haben jedoch noch eine Chance. Wollen wir nicht noch mehr Arten verlieren, müssen wir aus Sudans Tod lernen und den Kampf gegen das Artensterben noch konsequenter führen als bisher.

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