Mehr Schutz für Makohaie

18. Juni 2019.

CITES 2019
Wichtiger Schutz gegen Überfischung.

Makohaie sehen aus wie der Prototyp eines Hais: Vier Meter lang, 500 Kilogramm schwer, blau-metallische Färbung. Makohaie sind beeindruckende Tiere. Leider macht sie das auch bei Fischern begehrt, denn das Fleisch der Makos und ihre Flossen gelten als Delikatesse, die Fischerei ist ein einträgliches Geschäft.

Kurflossenmako © Tomas Kotouc

Kurflossenmako © Tomas Kotouc

Schwerer Einbruch der Bestände

In diesem Jahr entscheidet die Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens unter anderem, ob der Kurzflossen-Mako und der deutlich seltenere, aber sehr ähnliche Langflossen-Mako auf Anhang II gelistet werden und somit der internationale Handel mit ihnen erheblich eingeschränkt wird. Bisher stehen zwölf Haiarten unter dem Schutz von CITES, darunter so prominente Namen wie der Weiße Hai, der Walhai oder der Riesenhai. Auch für das Überleben der Makohaie wäre die Aufnahme in Anhang II ein extrem wichtiger Schritt, da beide Arten in großer Zahl international gefischt und gehandelt werden. Von 2010 bis 2016 wurden 69 Prozent mehr Kurzflossen-Makos gefangen als im Zeitraum 2004 bis 2009. Allein im Nordatlantik wurden 2016 3.300 Tonnen Kurzflossen-Mako gefangen, was ungefähr 130.000 Individuen entspricht.

Kurzflossenmako © Patrick Doll sm

Kurzflossenmako © Patrick Doll

Dies ist aber nur die offizielle Zahl. Inoffiziell waren es weitaus mehr, da Fänge oft nicht ordnungsgemäß erfasst werden und das Gewicht von Individuen, die nach dem Abtrennen der Flossen wieder zurück ins Meer geworfen werden, nicht enthalten ist. Die Überfischung beider Mako-Arten führte dazu, dass die Bestände weltweit in den vergangenen 75 Jahren um 50 bis 79 Prozent einbrachen. Im Mittelmeer sind Makos bereits so gut wie ausgestorben. Aus diesem Grund änderte die IUCN (Weltnaturschutzunion) dieses Jahr auch ihre Einstufung beider Arten von „gefährdet“ (Vulnerable) zu „stark gefährdet“ (Endangered).

Schnelle und intelligente Räuber

Makos sind große Hochseehaie, die in praktisch allen Weltmeeren vorkommen, aber gemäßigte und tropische Gewässer bevorzugen. Sie sind besonders bekannt für ihre Schnelligkeit. Der Kurzflossen-Mako gilt als der schnellste Hai der Welt, mit einer Spitzengeschwindigkeit von über 70 Kilometer pro Stunde. Makos sind außerdem sehr intelligente Haie mit einem großen Gehirn-zu-Körper-Verhältnis. Ihre Geschwindigkeit und Intelligenz bewahrt die Makos allerdings nicht vor den Netzen und Haken der Fischerei-Industrie und Sportangler. Rund 40.000 Tonnen Mako-Fleisch und -flossen werden jährlich international gehandelt. Diese Menge entspricht in etwa 1,5 Millionen Individuen. Die meisten gefangenen Makos sind Beifänge der Thun- und Schwertfisch-Fischerei. Sie fallen vor allem der Langleinen-, Ringwaden- und Stellnetz-Fischerei zum Opfer. Sowohl das hochwertige Fleisch als auch die Flossen werden verwendet.

Haiflossen auf asiatischem Markt © Ceres Wan Kam

Haiflossen auf asiatischem Markt © Ceres Wan Kam

Finning und Haifischflossensuppe

Beim sogenannten Finning schneiden die Fischer den Haien noch auf hoher See die Flossen ab und werfen die Tiere dann wieder über Bord. Die Tiere verbluten dann entweder oder ertrinken jämmerlich, da bei Makohaien die Kiemen nur Sauerstoff aufnehmen können, wenn das Tier in Bewegung ist. Die abgetrennten Flossen landen größtenteils in Asien, wo Haifischflossensuppe in einigen Ländern immer noch als Delikatesse, Statussymbol oder Allheilmittel gilt. Glücklicherweise ist der Konsum von Haifischflossensuppe in China aufgrund von Aufklärungskampagnen seit 2011 um 80 Prozent zurückgegangen. Dafür steigt die Nachfrage in Ländern wie Hongkong, Macau und Thailand leider weiterhin.

Makofleisch wird trotz der gesundheitlichen Risiken konsumiert

In 2011 betrug der Preis für ein Kilogramm Makohai-Flossen knapp 23 Euro. In der EU, den USA und einigen anderen Ländern ist es mittlerweile auch Dank der Arbeit von Pro Wildlife verboten, Haie nach dem Abtrennen der Flossen wieder zurück ins Meer zu werfen. Dennoch wird Finning weiterhin praktiziert, da die Verbote nur unzureichend kontrolliert werden. Die EU-Mitglieder Spanien und Portugal zählen weiterhin zu den größten Haifischflossen-Exporteuren weltweit.

Giftiges Fleisch

Nicht nur die Flossen, auch das Fleisch der Makos wird weltweit konsumiert. Mako-Fleisch wird frisch, getrocknet, gesalzen oder geräuchert gegessen und gilt als sehr hochwertig. In spanischen Supermärkten kostet ein Kilogramm frisches Mako-Fleisch um die 13 Euro und damit fast doppelt so viel wie ein Kilogramm Blauhai-Fleisch. Das Fleisch wird auch zu Tierfutter und Fischmehl verarbeitet. Während in deutschen Supermarkt-Theken und Restaurants Makohai sehr selten ist, wird in Spanien, Portugal, Südamerika und vor allem Asien immer noch viel Mako gegessen. Allerdings ist der Konsum nicht nur aus Artenschutzsicht verwerflich, sondern auch aus gesundheitlicher Sicht bedenklich: Mako-Fleisch ist oft stark mit giftigem Quecksilber belastet, was bei regelmäßigem Konsum zu ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen führen kann.

Der weltweite Flossenhandel gefährdet den Makohai © Jeff Litton

Der weltweite Flossenhandel gefährdet den Makohai © Jeff Litton

Mako-Jagdwettbewerbe

Makos werden auch von Sportanglern gefangen, die meisten davon in den USA. Bei Sportanglern ist die Jagd auf Makos besonders beliebt, da die Tiere groß und schnell sind und damit den Angler vor eine gewisse Herausforderung stellen. Viele Angler geben die Fische nach der Jagd zurück ins Meer, allerdings zeigen Statistiken für die kommerzielle Langleinenfischerei, dass nur circa 70 Prozent aller Makos das sogenannte „catch and release“ überleben. Fast ein Drittel der Tiere stirbt auch nach dem Freilassen als Folge der Strapazen. Im US-Bundesstaat New Jersey finden jeden Juni einige Mako-Jagdwettbewerbe statt mit Namen wie Mako Rodeo, Mako Mania oder Mako Fever. In der Regel gewinnt den Hauptpreis die Crew, die den schwersten oder die meisten Makos fängt. Um zu verhindern, dass auch Jungtiere gefangen werden, müssen die gefangenen Makos eine bestimmte Mindestgröße vorweisen, die allerdings nicht immer eingehalten oder kontrolliert wird. Leider werden diese Turniere auch von großen Firmen, wie Yamaha oder Budweiser, gesponsert. Das bekannteste dieser Turniere ist wahrscheinlich das South Jersey Shark Tournament, dass dieses Jahr zum 39. Mal stattfinden wird. In 2018 wurden bei diesem Turnier über 256.000 US Dollar an Preisgeldern ausgezahlt.

Makos sind gefährdet durch Überfischung © Sharkproject e.V. / W. Koch

Makos sind gefährdet durch Überfischung © Sharkproject e.V. / W. Koch

Geringe Vermehrungsrate

Die genannten Gefahren wirken sich auf Makos besonders stark aus, da diese Haie eine niedrige Reproduktion besitzen. In der Regel werden Makos erst mit 18 bis 21 Jahren geschlechtsreif, bekommen nur alle drei Jahre Nachwuchs und sie sind bis zu 18 Monate lang trächtig. Mako-Populationen können Verluste deshalb nicht so schnell kompensieren. Der Langflossen-Mako gebärt außerdem nur zwei bis acht Jungtiere, deutlich weniger als die vier bis 25 Jungtiere für den Kurzflossen-Mako. Der Antrag den Makohai auf CITES Anhang II zu listen, der von insgesamt 27 einzelnen Ländern plus der Europäischen Union eingereicht wurde, wäre deshalb ein extrem wichtiger Erfolg für den Erhalt dieser Tiere. Pro Wildlife wird daher auf der nächsten CITES-Konferenz dafür kämpfen, dass dieser Antrag angenommen wird.

CITES Konferenz 2019
Die Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) findet vom 17. bis zum 28. August in Genf statt

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