CITES 2019: Handelsverbot für Elefanten in Gefahr?

28. März 2019

Südafrikanische Länder wollen Elfenbein-Handelsverbot zu Fall bringen

Die Bemühungen für einen besseren Schutz von Elefanten tragen langsam Früchte. Doch fünf Länder im südlichen Afrika wollen eine erneute Freigabe des Elfenbeinhandels erreichen und drohen damit, die bisherigen Erfolge aufs Spiel zu setzen.

Elefanten am Wasserloch © Sandra Henoch

Elefanten am Wasserloch © Sandra Henoch

Eines der bestimmenden Themen auf der Weltartenschutzkonferenz (CITES) in Sri Lanka, die ab Ende Mai 2019 in Sri Lanka stattfindet, wird der Schutz der Elefanten sein. Noch immer stellt die Gier nach Elfenbein die größte Bedrohung für Afrikas Elefanten dar, etwa 20.000 Tiere fallen ihr jedes Jahr zum Opfer. Die Wilderei-Krise, die vor mehr als zehn Jahren einsetzte, ist also bei weitem nicht überwunden. Aber es gibt Grund zur Hoffnung: Seit sich die internationale Staatengemeinschaft der Kriminalität im Artenschutzbereich annimmt, dem Elfenbeinhandel zunehmend den Rücken kehrt und Initiativen zur Eindämmung der Nachfrage greifen, ist die Wilderei in Afrika zurück gegangen. Immer mehr Länder schließen ihre Elfenbeinmärkte; allen voran China, das seit der Legalisierung des dortigen Elfenbeinmarktes vor zwölf Jahren der größte Absatzmarkt sowohl für legales als auch illegales Elfenbein war. Seit Inkrafttreten des Handelsverbots sind die Nachfrage und illegale Verkäufe in China deutlich zurück gegangen. Auch die USA, Großbritannien, Frankreich, und Luxemburg haben den Handel weitgehend verboten, in Belgien, Hong Kong, Taiwan und Singapur gibt es ebenfalls Pläne.

Elfenbeinschnitzereien © Pro Wildlife

Elfenbeinschnitzereien © Pro Wildlife

Für die Weltartenschutzkonferenz im Mai liegen allerdings zwei Anträge vor, die darauf abzielen, das geltende Elfenbein-Moratorium aufzuheben: Zum einen geht es um die Freigabe des internationalen Handels mit Elfenbein aus staatlichen Lagerbeständen in Botswana, Namibia, Simbabwe und Südafrika. Zum anderen beantragt Sambia, den Schutzstatus für seinen Elefantenbestand zu lockern, um Elfenbein, aber auch lebende Tiere und Jagdtrophäen kommerziell handeln zu können. Werden diese Vorschläge angenommen, würden sie die Fortschritte der letzten Jahre zunichte machen und alle Bemühungen zur Reduzierung der Nachfrage und zur Schließung nationaler Absatzmärkte ad absurdum führen.

Elefantenfamilie © Sandra Henoch

Elefantenmutter mit Kind © Sandra Henoch

Die Geschichte wiederholt sich

Eine Legalisierung des Elfenbeinhandels würde uns fast zwölf Jahre zurück katapultieren: Ich fühle mich zurückversetzt in Konferenzräume, in denen die internationale Staatengemeinschaft, auf Initiative Deutschlands und der Europäischen Union, einen „experimentellen Abverkauf“ von 102 Tonnen Elfenbein aus Botswana, Namibia, Südafrika und Simbabwe nach China und Japan genehmigte. Unsere Warnungen vor einer Eskalation der Wilderei wurden ebenso ignoriert wie der Widerstand der übrigen afrikanischen Staaten. Das CITES Sekretariat und die Organisation TRAFFIC bescheinigten nach einem dreitägigen Besuch, dass China über angemessene Kontrollen gegen illegalen Elfenbeinhandel verfügen würde. Der Elfenbein-Deal sollte Geld für den Schutz der Elefanten und die Unterstützung ländlicher Gemeinden erwirtschaften; Schutz durch Nutzung, so die Theorie. Regierungsvertreter, das CITES Sekretariat und sogar einige Naturschutzorganisationen rechtfertigten ihre Zustimmung zu dem Experiment mit Spekulationen, man könne die Wilderei reduzieren, wenn man die Nachfrage mit Elfenbein aus legaler statt illegaler Quelle bedienen würde.

Das Gegenteil war der Fall: Nachdem China anlässlich der CITES Entscheidung den bislang verbotenen Elfenbeinhandel im Land geöffnet hatte, schossen staatlich lizenzierte Elfenbeingeschäfte und Schnitzfabriken ebenso aus dem Boden wie illegale Geschäfte. Denn legales Elfenbein lässt sich nicht von illegalem unterscheiden, und die laschen Kontrollen der chinesischen Regierung wurden von kriminellen Händlern unterlaufen. Die Enttabuisierung des Elfenbeinhandels hatte neben der gestiegenen Kaufkraft vieler Chinesen zu einer Steigerung der Nachfrage beigetragen. Während afrikanische Staaten lediglich 147 USD pro Kilogramm Elfenbein erhielten, stieg der Preis für Rohelfenbein in China auf bis zu 2.100 USD pro Kilogramm und erhöhte die Gewinnspannen für Elfenbeinhändler und Wilderer. Auch die chinesische Regierung verdiente am Elfenbeinhandel kräftig mit. Zehntausende Elefanten wurden gewildert, um ihr Elfenbein in den legalen Markt in China und anderen asiatischen Ländern zu schleusen. Alleine zwischen 2010 und 2012 starben 100.000 Elefanten. 2016 veröffentlichte Bestandszählungen belegen, dass  Elefanten in Afrikas Savannen in nur acht Jahren um 30 Prozent zurückgingen.

Beschlagnahmtes Elfenbein © PALF

Beschlagnahmtes Elfenbein © PALF

Die Freigabe des Elfenbeinhandels zog die schlimmste Wildereikrise seit den 70er und 80er Jahren nach sich. Damals war ein „regulierter“ Elfenbeinhandel erlaubt gewesen, Hunderttausende Elefanten wurden gewildert, um ihr Elfenbein in den legalen Markt einzuschleusen. Dies hielt an, bis CITES 1990 den internationalen Elfenbeinhandel endlich verbot. Die Nachfrage und die Elfenbeinpreise in den Hauptabsatzmärkten (damals nicht Asien, sondern Europa und die USA) brachen ein. Leider war das internationale Handelsverbot jedoch nicht von langer Dauer: Es waren dieselben südafrikanischen Staaten wie heute, die das Handelsverbot ab 1999 schrittweise aushöhlten. 1999 wurde ein erster „experimenteller“ Elfenbeinverkauf von 50 Tonnen Elfenbein nach Japan genehmigt, 2008 dann der zweite nach China und Japan – mit den oben beschriebenen fatalen Folgen.

Alleingänge südafrikanischer Staaten gefährden Zukunft der Elefanten

In 22 Jahren gab es keine einzige Artenschutzkonferenz, in der südafrikanische Staaten auf Anträge zur Freigabe des Handels verzichtet hätten. Ohne Rücksicht auf Verluste und gegen den Widerstand der großen Mehrheit afrikanischer Staaten beharren sie bis zum heutigen Tag weiterhin auf der festgefahrenen Position, die Elefanten in „ihren“ Ländern wären ihre ureigenen Ressourcen. Anstatt Lösungen zu finden, die lebenden Elefanten in Wert setzen, beharren sie trotz aller fehlgeschlagenen Experimente darauf, Elfenbein von toten Elefanten mit einem Preisschild zu versehen. Sie betrachten den internationalen Handel als ihr souveränes Recht, bezeichnen das geltende Handelsverbot als „Willkür“ und drohen sogar mit Austritt aus dem Artenschutzabkommen, sollten sie ihren Willen nicht bekommen. Würde sich die internationale Gemeinschaft von diesen Drohungen einschüchtern lassen, wäre dies nicht nur verheerend für die Elefantenbestände sondern eine Bankrotterklärung für internationale Abkommen wie CITES.

Elefanten sind nicht das Eigentum einzelner Staaten: Sie halten sich in ihren Wanderungen nicht an Landesgrenzen, drei Viertel der Bestände leben laut einer 2017 veröffentlichten Studie „grenzüberschreitend“. Zudem haben Entscheidungen zur Freigabe des internationalen Handels in manchen Ländern gravierende Auswirkungen auf dieselbe Tierart in anderen Ländern. Schließlich sieht man zum Verkauf angebotenem Elfenbein nicht an, woher es stammt. Deshalb sehen die CITES-Bestimmungen vor, dass Entscheidungen in der Regel für die gesamte Art getroffen werden sollten, ohne Ausnahmen für einzelne Länder. Die Freigabe des Elfenbeinhandels in vier afrikanischen Ländern 2008 hatte verheerende Auswirkungen für Elefanten auf dem gesamten Kontinent und ging zu Lasten wesentlich ärmerer afrikanischer Staaten. Diese haben sich mittlerweile in der 32 Mitglieder starken „African Elephant Coalition“ zusammengeschlossen und fordern auf der kommenden Artenschutzkonferenz Unterstützung für einen Antrag, den Elfenbeinhandel dauerhaft zu verbieten. Die meisten asiatischen Staaten mit Elefantenbeständen unterstützen dies. Der Kampf gegen Wilderer und kriminelle Elfenbeinhändler stellt all diese Länder nicht nur vor erhebliche finanzielle Herausforderungen, er kostet auch zahlreiche Menschenleben.

Paradoxerweise begründen die südafrikanischen Staaten ihre Forderung nach einer Freigabe des Elfenbeinhandels damit, dass sie die Einnahmen benötigen, um den Erhalt „ihrer“ Elefantenbestände finanzieren zu können. Die Auswirkungen eines legalisierten Elfenbeinhandels auf Elefantenbestände in anderen Ländern sowie die Kosten für den Kampf gegen Wilderei und illegalem Elfenbeinhandel werden hierbei ignoriert. Unbestritten ist, dass die Elefantenbestände Afrikas aufgrund von Wilderei, menschlichem Bevölkerungsdruck und natürlichen Gegebenheiten ungleich verteilt sind: Der Großteil lebt im südlichen Afrika, Botswana hat mit etwa 130.000 Tieren den größten Bestand. Zweifelhaft ist hingegen die Behauptung der Handelsbefürworter, „ihre“ Bestände seien sicher und würden zunehmen.

Im Auftrag von CITES erhobene Daten belegen, dass die Wilderei im südlichen Afrika, unter anderem in Botswana und Südafrika, zugenommen hat. Im März 2019 von der Organisation Elephants without Borders veröffentlichte Zählungen in Botswana berichten, die Anzahl der gewilderten Elefanten sei zwischen 2014 und 2018 um fast 600 Prozent gestiegen. Die Regierung hatte die Ergebnisse vehement bestritten und versucht, deren Veröffentlichung zu verhindern. Zudem berichtet der 2016 veröffentlichte „Great Elephant Census“ von einer Abnahme des Bestandes in Botswana um 15 Prozent in sechs Jahren und in Simbabwe um 6 Prozent. Derselbe Bericht sowie der African Elephant Status Report der IUCN berichten von massiver Wilderei in verschiedenen Schutzgebieten Sambias. Zudem belegen Medienberichte über korrupte Behörden und Elfenbein-Diebstähle in Simbabwe, Botswana und Sambia, dass dort, ebenso wie in vielen anderen Ländern, staatliche Lagerbestände nicht ausreichend gesichert sind, sondern den illegalen Handel befeuern. In den Handelsanträgen werden solche Informationen weitgehend unterschlagen.

Use it or loose it

Während sich die Staatengemeinschaft zunehmend vom Elfenbeinhandel abkehrt und wir gemeinsam wichtige Fortschritte erzielt haben, um die Elfenbeinmärkte zu schließen und die Nachfrage einzudämmen, wollen einige wenige um jeden Preis eine Freigabe des Handels erreichen.

Mit Blick auf andere Tierarten und Themen, die auf der Artenschutzkonferenz zur Diskussion stehen, scheint der Elfenbeinhandel vor allem als Speerspitze zu dienen, die ideologischen und politischen Vorstellungen zum Durchbruch verhelfen soll: Gemäß dem Motto „Schützen durch Nützen“ wird der internationale Handel mit Tieren als nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und in der Steigerung sogar als aktiver Beitrag zum Artenschutz sowie als Mittel zur Armutsbekämpfung dargestellt. Wie das angesichts massiv rückläufiger Wildtierbestände, die vielfach angetrieben werden durch die globale Nachfrage nach bedrohten Arten, sowie die weit verbreitete Kriminalität und Korruption in diesem lukrativen Handel gelingen soll, bleibt eine ungelöste Frage.

Klar ist, dass bei dieser Diskussion der Schutz bedrohter Arten gegen handfeste ökonomische und politische Interessen ausgespielt wird. Das gilt nicht nur für den Handel mit Elfenbein, sondern auch mit Nashorn-Horn, Trophäen bedrohter Arten, Luxusartikeln aus Reptilleder und vielen anderen Arten. Jahrzehntelange Erfahrungen mit dem Elfenbeinhandel belegen jedenfalls eindeutig, dass er weder nachhaltig noch ein Beitrag zum Artenschutz ist.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen
Ziel des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) ist es, Tiere und Pflanzen für kommende Generationen zu schützen, indem der internationale Handel reguliert wird. Die Erfahrungen zum Elfenbeinhandel verdeutlichen beispielhaft, wie wichtig dieses 1973 beschlossene Abkommen für das Überleben bedrohter Arten ist. Pro Wildlife nimmt seit seiner Gründung aktiv an den Verhandlungen teil und hat so bereits zum besseren Schutz zahlreicher Arten beigetragen.

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