Besondere Pflege für besondere Schimpansen

30. Oktober 2019.

Eine zweite Chance für die Menschenaffen.

Das Limbe Wildlife Centre (LWC) kümmert sich um mehr als 250 Wildtiere. Einige von ihnen kommen schwer verletzt und traumatisiert in die Station. Sie brauchen intensive Pflege.

Ghaa ist ein ganz besonderer Schimpanse. Er ist sanft, empathisch und ein großartiger Ersatzvater, doch er wird nie ein normales Schimpansenleben führen können. Wilderer haben ihm diese Chance vor 13 Jahren genommen. Ghaa ist einer der Schützlinge des LWC in Kamerun, das Pro Wildlife seit fast 20 Jahren unterstützt. Der Schimpanse war noch ein Baby, als Wilderer seine Mutter vom Baum schossen und ihn schwer verwundeten. Ghaa hatte zwei Kugeln im Kopf und Krampfanfälle; die Wilderer warfen ihn in den Kofferraum eines Wagens voller Drogen.

Ghaa © Limbe Wildlife Center

Ghaa © Limbe Wildlife Center

Die von uns unterstützte Anti-Wilderer-Einheit LAGA fand und beschlagnahmte den Baby-Schimpansen und brachte ihn ins Affenwaisenhaus. Dort angekommen, startete sein langer Weg, denn er war zunächst gelähmt und musste vieles lernen.

So wurde Ghaa gefunden © LAGA

So wurde Ghaa gefunden © LAGA

Ghaa ist inzwischen ein ausgewachsenes Schimpansen-Männchen. Er humpelt noch immer und kann nicht gut klettern. Auch kognitiv ist er nicht so schnell wie die anderen Schimpansen. Deshalb kann er nicht in einer der größeren Gruppen leben und braucht spezielle Pflege. Gemeinsam mit drei weiteren Schimpansen, die aufgrund ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung nicht mit den anderen ausgewachsenen Affen leben können, ist er in einem Extragehege der Station untergebracht.

Ngambe beim Spielen 2009 © LWC

Ngambe beim Spielen 2009 © LWC

Die vier Musketiere

Ghaa, Ngambe, Mayos und Chinoise heißen die vier Schimpansen, die besondere Pflege benötigen. Ngambe hat Probleme damit, mit anderen Schimpansen zu kommunizieren. Zu sehr ist ihre Entwicklung gestört, und die Versuche der Pfleger, sie in die Gruppe zu integrieren, scheiterten. Mayos ist fast blind, sucht aber intensiv den Kontakt zu anderen Schimpansen. Für die Pfleger war es ein großer Rückschlag, die soziale und verträgliche Mayos wieder von der Gruppe trennen zu müssen. Doch im Freigehege auf der Insel gemeinsam mit den anderen Schimpansen wäre Mayos nicht sicher gewesen.

Mayos kurz nach ihrer Rettung 2008 © LWC

Mayos kurz nach ihrer Rettung 2008 © LWC

Die vierte im Bunde, Chinoise, war bei ihrer Ankunft in der Station stark traumatisiert, ihre Leber blieb geschädigt – offenbar hatten Wilderer ihr Alkohol zu trinken gegeben. Alle vier Affen werden im Moment im Kindergarten der Station betreut, der aber nicht auf die Bedürfnisse der halbstarken und erwachsenen Schimpansen ausgelegt ist. Deshalb will das LWC nun eine Einrichtung extra für Schimpansen mit speziellen Bedürfnissen bauen.

Chinoise kurz nach ihrer Rettung © LWC

Chinoise kurz nach ihrer Rettung © LWC

Ein besseres Gehege, mehr Lebensqualität

5.000 Euro fehlen noch, um die Station so umzubauen, dass Chinoise, Mayos, Ngambe und Ghaa artgerecht leben können. Die geplanten Baumaßnahmen am ehemaligen Schimpansenkindergarten sind umfangreich. Ursprünglich nicht für erwachsene Tiere ausgelegt, sollen die Innen- und Außenanlagen nun an die Bedürfnisse der Großen angepasst werden. Die Anlage soll so umgestaltet werden, dass alle vier Schimpansen zusammen bleiben können. Derzeit ist dies nicht möglich. Nach dem Umbau können sie in einer Kleingruppe leben, was nicht nur für die Affen deutlich mehr Lebensqualität bedeutet, sondern auch die Betreuung einfacher macht. Zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten sollen Abwechslung bieten, Langeweile und damit Konflikte verhindern. Zu den weiteren Maßnahmen gehört auch der Ausbau des Schutzzauns mit einem speziellen Überhang. Die vier sind zwar nicht für Menschen gefährlich, doch mit einem Ausbruch würden sie sich selbst gefährden.

Chinoise © Limbe Wildlife Center

Chinoise © Limbe Wildlife Center

Mit der geplanten Einrichtung könnten also mehrere Probleme zugleich gelöst werden. Die junge Chinoise könnte in einer artgerechten Umgebung voller Äste, Baumstämme und Seile ihre Energie voll ausleben. Mayos wäre in der Lage, gemeinsam mit den anderen zu leben und ihre soziale Seite auszuleben. Ngambe könnte endlich lernen, wie ein Schimpanse zu kommunizieren und Ghaa wäre der perfekte Ersatzvater für die Gruppe.

Mehr Informationen

Schimpanse J.A.C.K. © Ainare Basaras

Affenwaisenhaus Kamerun

Das Limbe Wildlife Center nimmt Schimpansen, Gorillas und andere Wildtiere auf.

» Affenauffangstation in Kamerun

Affenjagd

Viele Affenarten sind seit Jahrhunderten eine begehrte Fleischquelle.

» Affenjagd: Unsere Verwandten im Kochtopf

Schimpansen_2015_ChinoiseBillyhpp(c)LWC

Schimpansen

Schimpansen sind sehr sozial und leben in Großgruppen, die sich aus bis zu 150 Tieren zusammensetzen.

» Wissenswertes über Schimpansen

Diesen Beitrag teilen