Berggorillas in Uganda

23. April 2019.

Zu Besuch bei den Menschenaffen im Nebel.

Wir fahren durch eine uralte Landschaft. Dicke Nebelschwaden steigen aus dem Urwald, während sich die Sonne langsam hinter den Bäumen in den Himmel schiebt und die Szenerie in ein rotes Licht taucht. Die Straße ist in einem erbärmlichen Zustand und zu Fuß wären wir kaum langsamer. Seit mehr als einer Stunde schaukeln wir auf der Piste in den Bwindi Impenetrable Forest im Südwesten Ugandas. Unser Ziel: Die Berggorillas der Nebelwälder in Uganda.

Berggorilla_Silberrücken(c)Sandra Henoch

Langsam werden wir unruhig, denn hinter jeder Biegung erwarten wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung; doch es tauchen nur neue Hügel voller Felder auf. Die Gegend ist voller landwirtschaftlich genutzter Fläche, ganz im Hintergrund erspähen wir jedoch die berühmten Nebelwälder von Bwindi, einem der letzten Rückzugsorte für Berggorillas. Nur noch hier in Teilen Ugandas sowie in Ruanda und im Kongo konnten sie überleben.

Eine Wanderung in eine andere Welt

Endlich angekommen gibt es für alle ein ausführliches Briefing. Die Hosen in die Socken, alles wasserfest verpacken; Zwiebel-Look ist angesagt. Und es stehen bereits Träger bereit, die wir mieten können. Bereits im Vorfeld haben wir gehört, dass die Wanderung kräftezehrend ist, einige hundert Höhenmeter durch vom Himmel stürzenden Regen oder ungeschützt in der prallen Sonne. Wer die Berggorillas in Ugandas sehen will, muss einiges auf sich nehmen, denn einen einfachen Weg gibt es nicht.

Die Gruppen werden eingeteilt, immer acht Touristen gehen mit zwei bewaffneten Wildhütern und einem Guide in den Wald, wo sie die Trecker treffen. Sie wissen, wo die Gorillas sich aufhalten, sie können ihre Spuren lesen und mit ihnen kommunizieren. Fast alle Touristen haben sich entschieden, einen Träger anzuheuern. Für die Menschen aus dem Dorf ist es ein gutes Einkommen, für uns eine Erleichterung bei der Wanderung durch einen Urwald, der seine Geheimnisse nicht so ohne weiteres preisgibt.

Wir hören die Gorillas

Wir starten unsere Wanderung in einem Dorf, oben auf einem der Hügel. Das Ziel haben wir nun vor Augen, denn wir laufen immer bergab, in Richtung des Waldes, der undurchdringlich, impenetrable eben, scheint. Das Wetter spielt mit, der Himmel ist bedeckt, kein Regentropfen erschwert uns das Vorankommen. Nach einer Stunde lassen wir die Felder hinter uns und laufen durch ein kleines Waldstück, das dem Nationalpark erst in den neunziger Jahren zugeteilt wurde. Die Vegetation wird dichter, die Wanderung gerät immer wieder ins Stocken. Über kleine Flüsse steigen wir weiter in den dichten Wald, bis wir die Trecker finden.

„Wir gehen hier hinein“, sagt der Guide. „Die Gorillas sind nicht mehr weit“. Fast zwei Stunden hat es gedauert, bis wir die ersten Laute der Tiere hören. Es klingt wie ein tiefes Grollen in der Ferne. Die Zeit ist wie im Flug vergangen, wir können uns nicht satt sehen von dieser Landschaft, die ursprünglicher kaum sein könnte. Hunderte Grüntöne von ebenso vielen unterschiedlichen Pflanzen schlagen uns entgegen, als wir den Pfad verlassen und den Treckern mit ihren Macheten folgen. Zurück bleiben auch die Träger mit dem Gepäck, die nach dem kurzen, letzten Briefing auf uns warten.

Endlich: Berggorillas

Knöcheltief stehen wir im Schlamm, während die Trecker einen Pfad mit Macheten schlagen und dann: Ein erster Finger schnellt in die Höhe. „Dort oben ist einer“! Ein junger Gorilla begrüßt uns vom Wipfel eines Baumes aus. Oder besser: er begrüßt uns nicht, er ignoriert uns. Ein weiterer, ausgewachsener Gorilla sitzt in einem Baum wenige Meter weiter. Ein Weibchen, bedächtig an den grünen Blättern kauend. Niemand spricht ein Wort, während die Gorilladame den Baum herabrutscht und sich währenddessen händeweise Blätter in den Mund stopft.

Die Trecker haben den Silberrücken ausfindig gemacht, das dominante Männchen mit dem silbernen Fell auf dem Rücken. Er sitzt kauend hinter einem Vorhang aus Grünzeug und spielt mit einem der Babys. Die Männer legen vorsichtig den Weg frei und erleichtern uns die Sicht. Der Silberrücken steht auf, dreht sich um, „ach du Sch…“ entfährt es einem der Touristen. Der Silberrücken ist massiv, er dreht uns seinen imposanten Rücken zu und kaut weiter. Währenddessen hüpft ein Jungtier auf ihm herum, probiert hier und da ebenfalls ein paar Blätter und hat sichtlich Spaß mit den herumstehenden Büschen.

Die Trecker schlagen die Sicht zu einem der Weibchen frei. Es sitzt und kaut. Wir können uns nicht satt sehen und da schaut sie uns direkt an. Mehrere Menschen aus der Gruppe wischen sich inzwischen Tränen aus den Augenwinkeln, alle haben ein breites Grinsen auf dem Gesicht. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, höre ich von einem der Teilnehmer, der einen der Babygorillas beim Spielen beobachtet. Die Trecker machen nun Faxen mit dem Kleinen, klopfen sich auf die Brust und freuen sich, als das Tier die Geste erwidert und sich ebenfalls auf die Brust klopft.

So schnell, wie wir mitten in die Gruppe hinein gelaufen sind, so schnell werden wir von den Gorillas wieder verlassen. Eine Stunde durften wir mit der Familie verbringen, dann müssen wir den Bwindi Impenetrable Forest wieder verlassen. Bei der kurzen Pause vor dem Aufstieg wird wenig gesprochen. Die Trecker gehen zurück zu ihren Gorillas und die Touristen sitzen mitten in diesem uralten Urwald, kauen ihr mitgebrachtes Picknick und schwelgen in den noch frischen Erinnerungen. Niemand will auch nur einen kurzen Moment dessen vergessen, was wir gerade erlebt haben.

Top oder Flop: Ist es gut, Gorillas in Uganda oder Ruanda zu besuchen?

Die Frage, ob der Gorilla-Tourismus gut oder schlecht ist, ist schwer eindeutig zu beantworten. Tatsache ist: Menschen stören die Tiere, wenn sie ihnen nah kommen (auch, wenn sie – wie in unserem Fall – den vorgeschriebenen Abstand einhalten). Auch die Gewöhnung der Tiere an den Menschen hat Nachteile, denn habituierte Gorillas haben ihre Scheu vor dem Menschen verloren und können viel einfacher gejagt und gewildert werden. Zudem wurden Bevölkerungsgruppen wie die Batwa aus den Wäldern verbannt und so ihrer Heimat beraubt.

Andererseits ist der Gorilla-Tourismus in Uganda und Ruanda zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Zumindest offiziell geht ein Großteil des Geldes, das die Touristen für die Permits zahlen, in den Schutz der Nationalparks, ein nennenswerter Teil kommt der Bevölkerung zu Gute. Und sieht man sich die Gegend um die Parks an, ist jeder Schutz willkommen. Die Bevölkerungsdichte ist enorm, die Landwirtschaft intensiv und die Gorilla-Wälder wären begehrte Ackerflächen. Die Zahlen geben dem Tourismus Recht, denn zumindest im Virunga-Massiv hat sich die Anzahl der Berggorillas innerhalb von acht Jahren um 25 Prozent erhöht. Wichtig wird in Zukunft sein, dass der Tourismus nachhaltig und sanft betrieben wird. Kleine Gruppen, so wenig invasiv wie möglich und immer mit dem Fokus auf dem Tier- und Artenschutz: Nur so kann der Tourismus den Gorillas dauerhaft helfen.

Mehr Informationen

Grauer Gorilla © Joe McKenna

Grauer Gorilla © Joe McKenna

Der Abbau von Coltan fördert bewaffnete Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Und er trägt dazu bei, dass einer unserer engsten Verwandten vom Aussterben bedroht ist: Der östliche Flachlandgorilla, auch Grauer-Gorilla genannt. » Coltan und die Gorillas im Kongo
© LWC

Gorillababy im Waisenhaus © LWC

Individuen können durch den einzigartigen „Nasenabdruck“ identifiziert werden, der durch die Form und Anordnung der Falten bestimmt wird. Weitere interessante Fakten zu Gorillas » Wissenswertes über Gorillas
Lebensraumverlust © privat

Lebensraumverlust © privat

Pro Wildlife setzt sich dafür ein, den Lebensraum der Tiere vor Abholzung und Raubbau zu schützen. » Lebensräume schützen
Graurücken © Ian Redmond

Affenschutz © Ian Redmond

Affen werden insbesondere in Afrika, aber auch in Asien und in Südamerika gewildert und gegessen. Pro Wildlife hilft bei der Rettung von Affen in Not. » Projekte im Affenschutz
Diesen Beitrag teilen