Auswilderung: Chancen und Grenzen
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9. Januar 2017

Wie geht es zurück in die Freiheit?

Seit 17 Jahren unterstützt Pro Wildlife Auffangstationen für beschlagnahmte Wildtiere vor allem in Afrika und Asien. Unser allererstes Projekt war das Affenwaisenhaus Limbe Wildlife Centre in Kamerun, weitere Kooperationen in Sri Lanka, Sambia, der Demokratischen Republik Kongo und zeitweise auch in Peru folgten. Die Auffangstationen sind eigentlich als erste Unterbringung gedacht, bis die oft verletzten oder traumatisierten Tiere geheilt und für eine Auswilderung optimal vorbereitet sind. Es klingt so einfach, doch in der Praxis stellen Wiederauswilderungen die Stationen vor immense Aufgaben.

Auswilderung junger Elefanten Sri Lanka © Elephant Transit Home

Auswilderung junger Elefanten in Sri Lanka © Elephant Transit Home

Auswilderung: Fit genug für den großen Schritt?

Man kann Wildtiere nicht einfach im nächsten Wald aussetzen – zunächst müssen sie trotz ihrer schlimmen Vorgeschichte überhaupt soweit wieder fit sein, dass sie ohne menschliche Hilfe in der Wildnis überlebensfähig sind. Eine Auswilderung muss deshalb über viele Wochen oder Monate vorbereitet werden – bei Menschenaffen und Elefanten kann dies sogar Jahre dauern. Bei Graupapageien, die mit Leimruten illegal eingefangen wurden, müssen die meist stark zerstörten Flugfedern erst nachwachsen, bis sie überhaupt wieder fliegen können. Doch dann ist ihre Prognose für die Freiheit gut.

Graupapagei mit zerstörtem Gefieder, Fang mit Leimruten © Guido Ohlenbostel

Graupapagei mit zerstörtem Gefieder, nach Fang mit Leimruten © Guido Ohlenbostel

Affenkinder haben häufig Schussverletzungen, Brüche oder Fleischwunden, die den brutalen Fang der Tiere bezeugen. Kleinere Affenarten können nach Heilung dieser Verletzungen meist wieder ausgewildert werden. Junge Menschenaffen hingegen, die bereits als Baby ihren Familien geraubt wurden, hatten nicht die Chance, über viele Jahre von Mutter, Oma, Tante all das zu lernen, was sie für ein Leben in der Natur brauchen: Was ist essbar, was nicht? Wie baue ich ein Schlafnest? Wie bringe ich mich in Sicherheit? Das Sumatra Orang-Utan Conservation Project in Indonesien hat deshalb eigens eine Baumschule, wo die Kleinen Schritt für Schritt auf ihr Leben in der Wildnis vorbereitet werden.

Orang-Utan-Kind Siboy lernt in der Waldschule Klettern © SOCP

Orang-Utan-Kind Siboy lernt in der Waldschule auf Sumatra das Klettern © SOCP

Welches Gebiet eignet sich als neuer Lebensraum?

Mindestens ebenso wichtig für den Erfolg einer Auswilderung ist die Auswahl des idealen Gebietes. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat extra Regeln erstellt, damit Auswilderungen nicht mehr Schaden anrichten als Nutzen. Dabei sind viele Fragen zu klären, wie beispielsweise:

  • Ist das Waldstück sicher vor Wilderern – und trotzdem nahe genug zum Projekt, damit regelmäßige Kontrollbesuche möglich sind?
  • Ist es weit genug weg von menschlichen Siedlungen, um keine Mensch-Tier-Konflikte zu provozieren? Schließlich haben die Affen oder Elefanten, die Monate oder Jahre in der Auffangstation verbrachten, die Scheu vor dem Menschen verloren. Nicht immer ist es möglich, diese scheu wieder anzutrainieren.
  • Leben im ausgesuchten Waldgebiet bereits Populationen der Art, die ausgewildert werden sollen? Falls ja, wären die ausgewilderten Artgenossen eine Konkurrenz um Futter und Lebensraum? Oder wäre eine Aufstockung der Population sogar von Vorteil?
Transport von Plumploris in Auswilderungsgebiet © Ciapus, IAR

Transport von Plumploris in Auswilderungsgebiet © Ciapus, IAR

Bei so vielen Rahmenbedingungen, die erfüllt sein müssen, ist es nicht verwunderlich, dass unsere Projekte unterschiedlich gute Auswilderungsquoten haben:

  • Elefantenkinder brauchen eine stabile Gruppe, in der sie ausgewildert werden – sie bietet Schutz, Orientierung und Geborgenheit. Deshalb halten die Elefantenwaisenhäuser in Sambia und Sri Lanka ihre Schützlinge in Gruppen, in denen sie im Alter von sechs bis sieben Jahren wieder ausgewildert werden. Dies bietet ihnen den bestmöglichen Start – und immer wieder schließen sich ehemalige Schützlinge wilden Elefantenherden an.
  • Das Limbe Wildlife Centre, Kamerun, entließ bislang mehr als 3.000 Graupapageien sowie mehrere Drills und Mangaben wieder in die Natur. Die Auswilderung von Schimpansen und Gorillas hingegen scheiterte bislang daran, dass in Kamerun ein sicheres Waldgebiet fehlt. Die ausufernden Plantagen, Abholzung und Straßenbau selbst in abgelegene Gebiete machen die Prognose nicht gerade günstiger.
  • In der Plumplori-Station auf Java, Indonesien, können die meisten beschlagnahmten Äffchen nach einer Heilungsperiode von einigen Wochen oder Monaten wieder in Waldschutzgebieten ausgesetzt werden. Ausnahmen sind vor allem solche Tiere, denen die Tierhändler die Eckzähne abgekniffen oder herausgerissen haben, um sie besser als „Haustier“ verkaufen zu können. Sie wären in der Wildnis wehrlos gegen Fressfeinde, deshalb bleiben die meisten von ihnen in der Station.

Mehr Informationen

Elefantenwaisenhaus Sri Lanka ©Mike Carr

Elefantenwaisenhaus Sri Lanka ©Mike Carr

Pro Wildlife unterstützt das Elefantenwaisenhaus in Sri Lanka.» Elephant Transit Home, Sri Lanka
Elefantenwaisenhaus Sambia ©Andrew White

Elefantenwaisenhaus Sambia ©Andrew White

Pro Wildlife unterstützt das Elefantenwaisenhaus in Sambia.» Elefantenwaisenhaus, Sambia
Affenwaisenhaus Kamerun

Affenwaisen, Kamerun

Pro Wildlife unterstützt ein Affenwaisenhaus in Kamerun.» Limbe Wildlife Center, Kamerun
Plumplori Auswilderung, Java

Plumplori Auswilderung, Java

Pro Wildlife unterstützt die Auswilderung von Plumploris in Java.» Ciapus Auffangstation für Plumploris, Java, Indonesien
Palmöl tötet Orang-Utans

Orang-Utan-Rettung

Pro Wildlife unterstützt die Auswilderung von Orang Utans in Indonesien.» Orang-Utan-Rettung Indonesien
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