Artenschutz mit der lokalen Bevölkerung

Futteranbau für das Affenwaisenhaus.

Artenschutzmaßnahmen vor Ort sind oft ein sensibles Unterfangen: Geht der Schutz einer vom Aussterben bedrohten Art über die Interessen der lokalen Bevölkerung? Inwieweit lässt sich beides unter einen Hut bringen? Wie kann man Wilderer zu Wildschützern „umpolen“? Ein ideales Beispiel, wie das funktionieren kann, zeigt das „grüne Projekt“ des von uns unterstützten Affenwaisenhauses in Kamerun.
Die Frauen aus Batoke ernten Maniok für das Affenwaisenhaus © LWC

Maniok-Ernte für das Affenwaisenhaus © LWC

Seit 1999 unterstützt Pro Wildlife das Limbe Wildlife Centre im Südwesten Kameruns. Ausschlaggebend für die Auswahl dieses Projektes war für uns die ideale Kombination aus Rettung von Menschenaffen in Not, intensive Aufklärungsarbeit – und das Einbeziehen der lokalen Bevölkerung. Mehr als 30 Einheimische haben im Affenwaisenhaus einen Arbeitsplatz gefunden – zum Beispiel als Tierarzt, Tierpfleger, Handwerker oder Lehrer. Das bedeutet ein sicheres Einkommen für mehr als 30 Familien und trug maßgeblich dazu bei, die anfängliche Skepsis der örtlichen Bevölkerung gegen die Affenstation abzubauen. Seit 2012 gibt es zudem das Grüne Projekt, das neue alternative Einkommen schaffen soll und gleichzeitig die Versorgung der Affen optimiert.

Schimpansen mit frischer Pflanzenlieferung © LWC

Schimpansen mit frischer Pflanzenlieferung © LWC

Gib dem Affen Ingwer

Batoke ist eine kleine Gemeinde südlich des Mt-Cameroon-Nationalparks. Traditionell gibt es hier viele Jäger, die auch im nahen Schutzgebiet auf Affenjagd gingen. Das Limbe Wildlife Centre suchte deshalb in den letzten Jahren systematisch Alternativen auf, mit denen die Einwohner von Batoke Geld verdienen können, ohne bedrohte Arten zu töten. Und so entstand das Grüne Projekt.

Gorillas und Schimpansen ernähren sich größtenteils von Pflanzen. Dazu gehören Nüsse und Früchte, aber auch riesiger Mengen an Blättern und Stauden. Die Mitarbeiter des Grünen Projektes ernteten zunächst vor allem Wild-Ingwer (Aframomum), der für die Affen in freier Wildbahn ein natürliches Heilmittel gegen Infektionskrankheiten ist. In den vergangenen Jahren kam der Anbau diverser Pflanzen wie Pfeilwurz- und Maulbeergewächse, Maniok und Papaya hinzu. Auch das Grünzeug der Kartoffeln ist im Affenwaisenhaus sehr begehrt.

Ein Gorilla sichert sich seinen Anteil an frischen Pflanzen © LWC

Ein Gorilla sichert sich seinen Anteil an frischen Pflanzen © LWC

Eine klassische Win-Win-Situation

Das Projekt hat sich glänzend entwickelt – und beide Seiten profitieren: Mussten früher Mitarbeiter der Affenstation die Pflanzen entweder auf dem Markt für teures Geld kaufen oder selbst im Wald sammeln gehen, bauen nun die Menschen von Batoke Futterpflanzen an: Inzwischen nehmen 61 Menschen am Grünen Projekt teil (darunter 19 Ex-Jäger); ein Anstieg um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dreimal die Woche liefern sie frische Pflanzen in die Affenstation – in 2016 waren das 46 Tonnen insgesamt. Für die Gorillas und Schimpansen ein Festschmaus: Mehr Abwechslung, mehr Leckereien aus ihrem natürlichen Lebensraum.

Weitere Informationen:

» Das Affenwaisenhaus in Kamerun

» Affenjagd: Unsere Verwandten im Kochtopf

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