Artenschutz mit der lokalen Bevölkerung
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10. Februar 2021.

Ernten statt wildern: Futteranbau für das Affenwaisenhaus.

Artenschutzmaßnahmen vor Ort sind oft ein sensibles Unterfangen: Geht der Schutz einer vom Aussterben bedrohten Art über die Interessen der lokalen Bevölkerung? Inwieweit lässt sich beides unter einen Hut bringen? Wie kann man Wilderer zu Wildschützern „umpolen“? Ein ideales Beispiel, wie das funktionieren kann, zeigt das „grüne Projekt“ des von uns unterstützten Affenwaisenhauses in Kamerun.
Die Frauen aus Batoke ernten Maniok für das Affenwaisenhaus © LWC

Maniok-Ernte für das Affenwaisenhaus © LWC

Seit 1999 unterstützt Pro Wildlife das Limbe Wildlife Centre im Südwesten Kameruns. Ausschlaggebend für die Auswahl dieses Projektes war für uns die ideale Kombination aus Rettung von Menschenaffen in Not, intensive Aufklärungsarbeit – und das Einbeziehen der lokalen Bevölkerung. Mehr als 30 Einheimische haben im Affenwaisenhaus selbst einen Arbeitsplatz gefunden – zum Beispiel als Tierarzt, Tierpfleger, Handwerker oder Lehrer. Das bedeutet ein sicheres Einkommen für mehr als 30 Familien und trug maßgeblich dazu bei, die anfängliche Skepsis der örtlichen Bevölkerung gegen die Affenstation abzubauen. Seit 2012 gibt es zudem das Grüne Projekt, das neue alternative Einkommen schaffen soll und gleichzeitig die Versorgung der Affen optimiert.

Schimpansen mit frischer Pflanzenlieferung © LWC

Schimpansen mit frischer Pflanzenlieferung © LWC

Gib dem Affen Ingwer

Batoke ist eine kleine Gemeinde südlich des Mt-Cameroon-Nationalparks. Traditionell gibt es hier viele Jäger, die auch im nahen Schutzgebiet auf Affenjagd gehen. Das Limbe Wildlife Centre suchte deshalb in den letzten Jahren systematisch Alternativen auf, mit denen die Einwohner von Batoke Geld verdienen können, ohne bedrohte Arten zu töten. Aus der Frage, wie Artenschutz mit der lokalen Bevölkerung funktionierten kann, entstand das Grüne Projekt.

Gorillas und Schimpansen ernähren sich größtenteils von Pflanzen. Dazu gehören Nüsse und Früchte, aber auch riesiger Mengen an Blättern und Stauden. Die Mitarbeiter des Grünen Projektes ernteten zunächst vor allem Wildingwer (Aframomum), der für die Affen in freier Wildbahn ein natürliches Heilmittel gegen Infektionskrankheiten ist. Wildingwer wirkt antibakteriell, zudem gegen Pilz- und sogar Viruserkrankungen. Eine weitere Pflanze, die für das Affenwaisenhaus geerntet wird, ist der sog. Spiralingwer oder auch „Affenzuckerrohr“ genannt – der Name lässt bereits ahnen, dass die ebenfalls gesunde Pflanze als Naschwerk bei den Primaten sehr geschätzt wird.

In den vergangenen Jahren kam die Zweitverwertung aus Ernten von Pfeilwurz- und Maulbeergewächse, Maniok, Papaya und Kartoffeln hinzu. Das zuvor ungenutzte Grünzeug der angebauten Kulturpflanzen ist im Affenwaisenhaus sehr begehrt und bringt den Farmern ein willkommenes Zubrot. Seit 2017 wurde das Projekt zudem um Trompetenbäume (Cecropia peltata) erweitert – diese Pflanzenart kommt eigentlich aus Lateinamerika und muss in Kamerun als hochinvasive Art ohnehin bekämpft werden.

Ein Gorilla sichert sich seinen Anteil an frischem Aframomum © LWC

Ein Gorilla sichert sich seinen Anteil an frischem Aframomum © LWC

Eine klassische Win-Win-Situation

Das Projekt hat sich glänzend entwickelt – und beide Seiten profitieren: Mussten früher Mitarbeiter der Affenstation die Pflanzen entweder auf dem Markt für teures Geld kaufen oder selbst im Wald sammeln gehen, ernten nun die Menschen von Batoke Futterpflanzen und helfen zudem, eine invasive Art zu bekämpfen, die Kameruns heimische Pflanzenwelt bedroht: Inzwischen nehmen 110 Menschen am Grünen Projekt teil (viele von ihnen Ex-Jäger); über die letzten fünf Jahre konnte das Einkommen aus dem Grünen Projekt um 66% gesteigert werden. Dreimal die Woche liefern die Teilnehmer frische Pflanzen in die Affenstation – 2019 waren das mehr als 117 Tonnen insgesamt (17 t Wildingwer, 94,4 t Grünzeug von Plantagen und 5,7 t Trompetenbaum). Für die Gorillas und Schimpansen, wie auch die anderen Affen in der Station, ein Festschmaus: Mehr Abwechslung, mehr Leckereien aus ihrem natürlichen Lebensraum und zudem natürliche Medizin. So funktioniert Artenschutz mit der lokalen Bevölkerung.

Ernten statt wildern: Futterlieferung aus dem Grünen Projekt © LWC

Ernten statt wildern: Futterlieferung aus dem Grünen Projekt © LWC

Autorin: Dr. Sandra Altherr
Ursprünglicher Text von Oktober 2017, Update vom 10. Februar 2021

Mehr Informationen

Affenwaisenhaus, Limbe © LWC

Affenwaise, Kamerun © LWC

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