Appell an Russland: Stoppt den Fang von Orcas und Belugas!
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06. Mai 2019

Russland ist eines der letzten Länder, das Delfinarien mit wildem Nachschub versorgt

 

Ich tauche seit fünfzehn Jahren und habe viele Wunder unseres blauen Planeten mit eigenen Augen und in freier Wildbahn gesehen. Unter anderem Delfine und Orcas. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Tiere, die in großen Schulen tausende Kilometer im Jahr zurück legen, alleine in ein Becken gesperrt werden um Menschen zu belustigen, bricht es mir das Herz. Nur weil es überall auf der Welt noch Leute gibt, die Geld für solche Shows ausgeben, heißt das noch lange nicht, dass es deshalb richtig ist. Wir haben die Verantwortung für diesen Planeten und seine Bewohner. Deshalb liegt es an uns, diesen Wahnsinn zu stoppen.

Florian Weiss

Im Oktober 2018 deckten Filmaufnahmen mit einer Drohne nahe der Hafenstadt Nakhodka im Osten Russlands winzige Käfige mit mehr als 100 Orcas und Belugas (Weißwale) auf und lösten weltweiten Protest aus. Die Tiere waren für den Verkauf an Delfinarien bestimmt, beim Fang wurde offenbar gegen russische Vorgaben verstoßen. Ein weltweiter Aufschrei gegen das „Walgefängnis“ folgte. Inzwischen sind diese armen Kreaturen beschlagnahmt und sollen wieder ausgewildert werden. Doch bislang ist der Fang und Verkauf von Orcas und Belugas in Russland grundsätzlich legal. Umso wichtiger ist es, Russland zu einem dauerhaften Fangverbot zu bewegen. Die Chancen stehen aktuell besser denn je!

Walgefängnis © Masha Netrebenko

Walgefängnis in Russland © Masha Netrebenko

Einblicke in das „Walgefängnis“

Die ersten Video-Aufnahmen zeigten elf Orcas und 90 Belugas (Weißwale), grüppchenweise in viel zu kleinen Netzkäfigen zusammengepfercht. Zwar leben beide Arten zumindest zeitweise in arktischen Gewässern, doch die harten, langen Winter im Osten Russlands waren für die zur Bewegungsarmut verdammten eingesperrten Meeressäuger lebensbedrohlich; zeitweise mussten täglich Luftlöcher in die dicke Eisschicht eingeschlagen werden. Tatsächlich sind seither offenbar ein Orca und mindestens drei Belugas „verschwunden“, vermutlich gestorben infolge der katastrophalen Haltungsbedingungen. Ein Großteil der überlebenden Tiere zeigt ernste Hauterkrankungen.

Bei vielen der eingefangenen Belugas handelt es sich zudem um Jungtiere, von denen einige zum Zeitpunkt des Fangs offenbar noch gesäugt wurden. Das ist ein klarer Verstoß gegen die Bestimmungen in Russland. Ob die vier beteiligten Firmen überhaupt so viele Meeressäuger hätten einfangen dürfen, ist unklar. Fakt ist: Die russischen Behörden haben die überlebenden Tiere beschlagnahmt und planen jetzt Rehabilitation und Wiederauswilderung. Die besten Überlebenschancen hätten sie, wenn sie wieder den Anschluss an ihre wilden Familien bekämen.

Orcas in Freiheit © NOAA

Orcas in Freiheit © NOAA

Ein langer Leidensweg

Nakhodka liegt im äußersten Südosten Russlands nahe der Grenze zu China, wohin ein Großteil der eingefangenen Orcas und Belugas in den vergangenen Jahren transportiert wurde. Die Tiere werden per Trucks und Flugzeuge an die Delfinarien geliefert; ein Horrortrip für die Orcas und Belugas, die ohnehin schon Schreckliches erlitten haben. Sie wurden brutal aus ihren Familienverbänden herausgefangen, dann in kleine Tanks bei den Tierhändlern gebracht, wo sie wochen- oder gar monatelang vor sich hin vegetieren, bis der Verkauf abgewickelt ist. Flugzeuge und Lastwagen transportieren sie dann in Delfinarien, oft über tausende von Kilometern hinweg. Schließlich enden sie in Betontanks, meist willkürlich zusammengepfercht mit fremden Tieren. Sie müssen alberne Kunststückchen lernen und bleiben ihr restliches Leben lang in einem reizarmen, öden, kleinen Gefängnis, ohne ihre für sie so wichtige Familie. Ein Albtraum.

Orcas in Gefangenschaft © Eddie Maloney

Orcas in Gefangenschaft © Eddie Maloney

Delfinarien in Asien boomen

Vor allem preisgekrönten Kino-Dokumentationen wie „Blackfish“ (2013) oder „Die Bucht“ (2009) ist es zu verdanken, dass ein internationaler Aufschrei der Öffentlichkeit und unzählige Medienberichte zu einem Umdenken geführt haben, was die Haltung von Orcas und anderen Delfinen in Gefangenschaft angeht. Das ist zumindest in Europa und den USA so, wo der Kauf wild gefangener Delfine inzwischen weitgehend verpönt ist, immer mehr Delfinarien schließen und vor allem die Sea World-Kette herbe Image- und Umsatzeinbußen erlitt. Doch in Asien und dem Vorderen Orient hat sich dieses neue ethische Verständnis noch nicht durchgesetzt: Vor allem in China, aber auch Südkorea und Japan boomt der Bau immer neuer mariner Freizeitparks und Zoos, die keine Scheu haben, aus der Wildnis gefangene Tiere zu bestellen. In China gibt es bereits mehr als 60 Schauaquarien und Delfinarien, und dutzende weitere sind geplant oder bereits im Bau.

Beluga in einem Delfinarium

Beluga-Show in einem Delfinarium

Waren früher Mexiko, Kuba und die Salomonen die globalen Hauptlieferanten, sind es inzwischen Russland und Japan, die aktuell die Nachfrage von Delfinarien bedienen. Japan verkauft vor allem Große Tümmer, Flecken- und Weißstreifendelfine, Russland hingegen naturgemäß die Arten aus kälteren Regionen (Orcas und Belugas). Ein Orca bringt bis zu 3 Millionen Euro, ein Beluga bis zu 140.000 Euro, ein lohnendes Geschäft…

Belugas bei der Fütterung

Gefangene Belugas beim Training

Der Fall in Russland – eine historische Chance

Nach offiziellen CITES-Handelsdaten hat Russland in den vergangenen zehn Jahren (2008-2017) 15 Orcas und 244 lebende Belugas exportiert. All diese Tiere waren Wildfänge und alle 15 Orcas sowie 214 Belugas gingen nach China. Weitere Belugas wurden unter anderem nach Japan (12), Südkorea (10), Kasachstan (2) und die Türkei (2) verkauft. Im Schnitt exportierte Russland also bisher jährlich 1,5 Orcas und 25 Belugas. Das macht deutlich, was für einen Skandal die Drohnen-Aufnahmen enthüllt haben: Entweder die offiziellen CITES-Exportzahlen früherer Jahre sind nicht vollständig und die Dunkelziffer ist weit höher – oder aber der aufgedeckte Fang von mehr als 100 Tieren 2018 zeigt, dass der Handel mit Orcas und Belugas aktuell eskaliert. Beides ist Grund genug für die russische Regierung, jetzt endlich die Reißleine zu ziehen und den Fang von Meeressäugern für Delfinarien für immer zu beenden. Die weltweite Kritik hat bereits Wirkung gezeigt: Russland hat die Fangquoten für Orcas und Belugas für 2019 auf Eis gelegt; auch für 2020 sollen zumindest keine Orcas genehmigt werden.

Video: Drohnenaufnahmen des „whale jail“ nahe der russischen Hafenstadt Nakhodka © Masha Netrebenko

Update (Juni 2019): Die ersten Belugas und Orcas sind nach einem 1.800 km-Transport nach Ostrussland freigelassen worden; das "Walgefängnis" soll auf Anweisung von Russlands Präsident Putin bis Oktober komplett geschlossen sein.

Die russische Regierung diskutiert aktuell eine Gesetzesänderung, um ein generelles Fangverbot für lebende Orcas und Belugas zu erlassen – eine einmalige Chance, die wir unbedingt nutzen müssen. Deshalb die Bitte an Sie: Unterzeichnen Sie die Petition von Pro Wildlife und aktivieren Sie Ihre Kollegen, Freunde, Nachbarn!
Jetzt Petition zeichnen: Russland soll Fang für Delfinarien verbieten!

Weitere Informationen

Orcas_SeaWorldSanDiego@Curimedia_Photography

Orcas © Curimedia

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Delfinarium

Delfinarium

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Petition

Russland exportiert lebende Orcas und Belugas für Delfinarien.

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