Anträge für CITES-Konferenz veröffentlicht

09. Januar 2019.

Artenschutzkonferenz: Die Katze ist aus dem Sack!

Der 4. Januar war für uns wie ein zweites Weihnachten, inklusive einer weitgehend schönen Bescherung: Die Anträge, die es auf die Agenda der 18. Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES CoP18) geschafft haben, wurden veröffentlicht. Und die allermeisten davon sind in unserem Sinne. Doch auch diesmal gibt es leider wieder einige Anträge, die den Ausverkauf bedrohter Tier- und Pflanzenarten noch vorantreiben würden. Auch wenn die endgültigen Entscheidungen erst Ende Mai auf der CoP18 in Sri Lanka fallen werden, war doch die Veröffentlichung der eingereichten Anträge für unsere Nerven der reinste Krimi. Denn an diversen Schutzinitiativen waren wir maßgeblich beteiligt – und bis zuletzt war offen, wer es überhaupt auf die offizielle Agenda schafft.

Giraffe © Pixabay

Giraffen sollen endlich besser geschützt werden © Pixabay

Um welche Arten geht es auf der nächsten CITES-Konferenz?

Insgesamt 57 Anträge liegen nun auf dem Tisch – darunter für Arten, die in Fischtheken (Geigenrochen, Mako-Haie), als Dekoartikel (Giraffen, Schmetterlinge) oder Holzprodukte (z.B. Afrikanisches Teakholz, Zeder) enden. Wie bereits auf der letzten Konferenz 2016 gibt es wieder auffallend viele Anträge zu Arten, die durch den Heimtierhandel bedroht sind. Darunter diesmal mehrere Agamen aus Sri Lanka, Glasfrösche aus Lateinamerika, Geckos aus Madagaskar sowie Molche aus Südostasien. Auch einige Schildkröten sollen zukünftig noch besser geschützt werden; für mehrere Arten wurde ei absolutes Handelsverbot beantragt.

Nashorn

Das Horn eines Nashorns erzielt Höchstpreise auf dem Schwarzmarkt

All diesen Schutzanträgen stehen einige bedenkliche Anträge gegenüber: Tajikistan will den strengen Schutzstatus des Markhor-Schafes, einer begehrten Jagdtrophäe, lockern. Sambia, Simbabwe, Namibia und Botswana künftig Elfenbein und Eswatini (ehemals Swasiland) Rhino-Horn verkaufen dürfen. Namibia beantragt zudem den Verkauf von Nashörnern als Jagdtrophäen und lebende Tiere.  All das wollen wir verhindern.

Ein Schutzantrag für Mammuts?

Wie schwer es ist, das geltende Elfenbeinhandelsverbot lückenlos umzusetzen, zeigt der Antrag Israels, den Handel mit Mammut-Stoßzähnen einzuschränken. Auf den ersten Blick scheint es ein kurioser Vorschlag, das Mammut in die Liste geschützter Arten aufzunehmen. Denn schließlich ist es seit 4.000 Jahren ausgestorben. Aber da der Handel mit Mammut-Stoßzähnen bisher uneingeschränkt möglich ist, kann hierüber illegales Elefanten-Elfenbein in den Markt eingeschleust werden. Vor wenigen Tagen erst wurde in Kambodscha Elfenbein beschlagnahmt, das teils von Mammuts teils von Elefanten stammt. Dieses gefährliche Schlupfloch soll jetzt geschlossen werden. Es wäre ein absolutes Novum, denn noch nie wurde eine bereits ausgestorbene Art in die CITES Liste aufgenommen.

Handel mit Mammut-Stoßzähnen gefährdet Elefanten

Der Handel mit Mammut-Stoßzähnen heizt den Elfenbeinmarkt an

Wie funktioniert eine CITES-Listung?

Die Konferenz selbst findet alle drei Jahre statt, aber „nach der Konferenz ist vor der Konferenz“. Soll heißen: Direkt nach der letzten CITES-Tagung 2016 begannen unsere Recherchen zum Handel weiterer bedrohter Arten, für die wir eine Listung auf der nächsten CITES-Konferenz erreichen wollen. Unserer monatelangen Recherche folgt dann der Dialog mit Herkunftsländern, deren Natur geplündert wird, um den internationalen Markt zu versorgen. Denn Artenschutzorganisationen können zwar Ländern zuarbeiten – Schutzanträge einreichen können aber nur Regierungen. Im Idealfall ist die Bedrohung ausreichend gut dokumentiert und ein Herkunftsland erklärt sich bereit, den Antrag einzureichen und zu verteidigen. Damit ist die erste große Hürde auf dem langen Weg zu einer internationalen Unterschutzstellung genommen. Die nächsten viereinhalb Monate bis zur Artenschutzkonferenz bedeuten nun für uns: Eine detaillierte Analyse der Anträge und Ausarbeiten von Argumenten, um möglichst viele Länder davon zu überzeugen, für oder auch gegen Anträge zu stimmen. Denn damit ein Antrag Erfolg hat ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Bei einigen Arten lässt sich bereits Wochen vor der Konferenz die Stimmung abschätzen. Doch bei anderen wird wortwörtlich bis zur letzten Minute verhandelt und gestritten.

Was bedeutet der Schutz durch CITES?

CITES hat drei Schutzstufen (Anhänge) für bedrohte Arten, von denen die ersten beiden die wirksamsten sind: Anhang I bedeutet ein internationales Verbot des kommerziellen Handels mit Tieren aus freier Natur (für nachweisliche Nachzuchten bleibt der Handel erlaubt). Für Arten, die in Anhang II aufgeführt sind, ist ein internationaler kommerzieller Handel nur dann legal, wenn das Ausfuhrland bescheinigt, dass er nicht die Wildbestände der betroffenen Art bedroht. Eine Listung in Anhang I oder II muss auf den CITES-Konferenzen mit mindestens einer Zweidrittelmehrheit beschlossen werden.

Plumplori

Plumploris sind dank Pro Wildlife seit 2007 international streng geschützt © IAR

Seit der Gründung von Pro Wildlife vor fast zwanzig Jahren konnten wir bereits zur Unterschutzstellung von über 100 Tierarten (darunter diverse Papageien, Schildkröten, Chamäleons, Frösche und Plumploris) beitragen. Dabei hilft uns die sehr gute Vernetzung mit Tier- und Artenschutzverbänden aus aller Welt. Mindestens genauso wichtig: Für viele Arten konnten wir verhindern, dass ihr Schutzstatus aufgehoben oder gelockert wird. Dank der Arbeit von Pro Wildlife und anderen Verbänden ist beispielsweise das Elfenbeinhandelsverbot trotz aller Gegenversuche noch immer in Kraft, der Handel mit Wanderfalken und Zwergwalen bleibt auch weiterhin verboten. Zur CoP18 fahren wir wieder mit großen Zielen, um das Maximale für den Schutz von Wildtieren zu erreichen.

Mehr Informationen

Immer mehr Haie werden bei CITES geschützt

Das wichtigste internationale Abkommen, um die Plünderung bedrohter Arten zu stoppen, ist das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES).

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Wilderer bedrohen Elefanten

Etwa 20.000 Elefanten werden jedes Jahr für den Elfenbeinhandel gewildert.

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Reptilien und Amphibien © Thomas Brown

Reptilien und Amphibien © Thomas Brown

Einsatz auch für weniger beachtete Arten.

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