Tierbörsen: Wildtiere vom Wühltisch

Massenware Wildtier auf Tierbörsen.

Seit achtzehn Jahren gibt es Pro Wildlife – und seit Anbeginn kämpfen wir gegen eklatante Missstände auf Tierbörsen: Da werden Chamäleons und Sugarglider in winzige Plastikboxen gestopft, in denen sie sich kaum aufrecht halten, geschweige denn sich artgerecht bewegen können. Da werden Wildfänge angeboten, die verletzt, abgemagert oder panisch sind. Da werden seltene Echsen präsentiert, von denen so manche illegal in ihrem Heimatland eingefangen und außer Landes geschmuggelt wurden. Hunderte größere Tierbörsen gibt es allein in Deutschland – verkauft wird alles: vom Guppy bis zur Giftschlange.

Chamäleon in Frischkäseschachtel, Verkauf auf deutscher Reptilienbörse © privat

Besonders eklatant sind die Probleme auf überregionalen Wildtierbörsen, bei denen Händler und Käufer aus ganz Europa anreisen – wie beispielsweise die Reptilienbörse Terraristika, die vier Mal jährlich in Hamm (Nordrhein-Westfalen) stattfindet. Der Andrang auf solchen Veranstaltungen ist riesig, seltene oder geschützte Tiere wechseln im Minutentakt den Besitzer.

Kommerz statt Tierschutz

Auch  gewerbliche Händler sind auf solchen Börsen zahlreich vertreten: Viele tingeln von Börse zu Börse, so dass die Tiere für Tage oder Wochen in den winzigen Verkaufsbehältnissen ausharren müssen. Solche Händler bieten ein Riesensortiment an bunten, teils seltenen Arten an – ein Großteil aus der Wildnis frisch auf den Tisch. Spontankäufe sind keine Seltenheit, die fachliche Beratung für den künftigen Halter bleibt auf der Strecke. So beobachten wir immer wieder bizarre Situationen, z.B. wenn

  • die stolze Neubesitzerin nachfragen muss, was sie denn da gerade gekauft hat (im konkreten Fall ein Quastenstachler, ein nachtaktives Stachelschwein aus Asien),
  • dem Interessenten eines Pantherchamäleons als Beratung mitgegeben wird, „das hält was aus, das kriegste nicht tot“,
  • der Verkäufer als Haltungstipps für Flughunde ernsthaft die Gardinenstange im Wohnzimmer empfiehlt;
  • gegen Ende der Börse die lebenden Ladenhüter auf der Resterampe verschleudert werden: „Nimm zwei – zahl eins”.

    Nilflughund auf einer Tierbörse

Wildtiere als Wegwerfware

Der Boom der Wildtierbörsen und die damit verknüpfte Verfügbarkeit von hunderten oder gar tausenden Arten für jedermann haben ernsthafte Konsequenzen: Viele Tiere werden unüberlegt angeschafft, viele exotische Arten sind Klima- oder Nahrungsspezialisten. Käufer unterschätzen, wie groß die Tiere werden, wie wehrhaft, wie speziell das benötigte Futter – und dass gerade Terrarien die Stromrechnungen in ungeahnte Höhen treiben. Die Folge: Immer häufiger werden exotische Haustiere ausgesetzt oder aus schlechter Haltung beschlagnahmt. Tierheime und Auffangstationen klagen, dass die Schwemme exotischer Schützlinge längst ihre ohnehin begrenzten personellen, räumlichen und finanziellen Ressourcen sprengt.

Massenhandel auf Tierbörsen

Bereits im Koalitionsvertrag nach der Bundestagswahl 2013 hatten Union und SPD vereinbart, gewerbliche Börsen für exotische Tiere zu verbieten – geschehen ist: NICHTS. Das Verramschen von Wildtieren an jedermann geht damit ungehindert weiter. Doch das Bündnis derer, die ein Tierbörsenverbot fordern, wächst: Tierheime und Auffangstationen, Tierschutzverbände wie Pro Wildlife, aber auch die Bundestierärztekammer, der Zentralverband der Zoologischen Fachbetriebe und sogar der BNA, ein Tierhalter-Dachverband sind sich hier einig. Die Politik muss den Wildwuchs im Wildtierhandel endlich deckeln.

Weitere Informationen:

» Thema: Exotische Haustiere

» Hintergrund: Reptilienschmuggel

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