Finger weg von Tropenholz
Schimpansen und Drills in Kamerun, Gorillas und Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo, Nasenaffen und Orang-Utans in Indonesien und Malaysia: Alle diese Affen leiden direkt unter den Folgen des ungebremsten und oft illegalen Holzeinschlags. Und sie sind Stellvertreter für eine immense Artenvielfalt, die mit ihnen zu verschwinden droht – vom Waldelefanten in Westafrika bis hin zum Jaguar in Südamerika. Eine Schlüsselrolle beim Rückgang der Primaten spielt der Tropenholzhandel, der nach den Boykottaufrufen der späten 80er Jahre inzwischen in Deutschland wieder "salonfähig" geworden ist. Kaufhäuser, Möbelläden, Gartencenter und Baumärkte locken mit günstigen Angeboten an Gartenmöbeln, Bilderrahmen, Türen oder Parkettböden. Die Kunden haben die Wahl zwischen Meranti, Iroko, Yellow Balau oder Sipo - kaum jemand weiß jedoch, was sich dahinter verbirgt. Der Pro Wildlife-Bericht "Affenschande - Die Vernichtung der Tropenwälder und die Folgen für Primaten" gibt Einblick in eine unüberschaubare Menge an Ökosiegeln, mit denen die Verbraucher verwirrt werden. Darüber hinaus zeigt der Bericht, welche Folgen der systematische Raubbau an tropischen Regenwäldern in Asien und Afrika für die Menschenaffen hat.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick
SOS für Affen: Alle sechs Menschenaffen-Arten (Sumatra- und Borneo Orang-Utan, Schimpanse, Bonobo, Westlicher und Östlicher Gorilla) sowie zahlreiche weitere hoch bedrohte Primaten (z.B. Nasenaffen, Drills, Preuss-Meerkatzen) leiden direkt an den Folgen des ungebremsten Holzeinschlags.
Holzeinschlag und Wilderei sind eng miteinander verflochten: Wilderer nutzen die Erschließung unzugänglicher Waldgebiete durch die Holzfällerstraßen. Sie versorgen die Holzfällercamps mit Fleisch, vielerorts sind Affen die bevorzugte Beute. Das gewilderte Fleisch wird mit Holztrucks zu den Absatzmärkten in den Städten transportiert.
Unkritische Kunden: Laut einer Umfrage von Pro Wildlife hielten fast 60 Prozent der Befragten das FSC-Zertifikat für glaubwürdig. Etwa 41 Prozent vertrauten der Angabe „Kontrollierter Plantagenanbau“. Mit Ausnahme von Teak und Mahagoni wissen die Kunden meist nicht, welche Hölzer aus den Tropen kommen. Balau, Iroko oder Meranti werden nicht als Tropenhölzer erkannt, Produkte entsprechend unkritisch gekauft.
Plantagen sind keineswegs ökologisch unbedenklich, sondern haben häufig dramatische Auswirkungen auf die Umwelt: Primärwälder werden eigens für Plantagenanlagen gerodet, Monokulturen laugen die nährstoffarmen Tropenböden aus. Hoher Pestizid-Einsatz belastet das Grundwasser, schnell wachsende tiefwurzelnde Kulturpflanzen (wie z.B. Eukalyptus) senken den Grundwasserspiegel.
Das von einigen Umweltverbänden und der Bundesregierung unterstützte FSC-Zertifikat ist kein zuverlässiger Schutz für Tropenwälder: Holzeinschlag darf sogar in Primärwäldern erfolgen, bis 30 Prozent des Holzes eines FSC-Produktes darf aus nichtzertifizierten Quellen stammen, bei Produkten aus Holzfasern und –Chips sogar bis zu 82,5 Prozent. FSC steht zudem unter Erfolgsdruck, Marktanteile zu gewinnen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch, dass immer wieder Holzfirmen mit illegalen Rodungsaktivitäten das FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council) erhalten.
Deutschland ist mit geplanten 125 Millionen Euro pro Jahr weltweit führender Geldgeber für Tropenschutzprojekte. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Gelder fließt bislang auch in die Weiterentwicklung des FSC-Siegels sowie in Entwicklungshilfeprojekte in ökologisch hochsensiblen Gebieten.
Fazit der Studie: Umweltbewusste Verbraucher vertrauen auf Ökosiegel, obwohl es derzeit kein zuverlässiges Label gibt, das die Naturverträglichkeit eines Tropenholzproduktes gewährleisten kann.