Wale

Erforschung von Delfinen

Mit mehr Wissen Delfine besser schützen

Seit 2006 gilt der Chinesische Flussdelfin (Baiji) als ausgestorben, da er trotz intensiver Suche nicht mehr beobachtet werden konnte. Viele weitere Delfinbestände sind in großer Gefahr, doch leider weiß man oft zu wenig, um konkrete und effektive Schutzmaßnahmen anleiern zu können. Pro Wildlife unterstützt deshalb die Erforschung von Delfinen und Kleinwalen in Zusammenarbeit mit der Internationalen Walfangkommission (IWC). Hierbei sind für uns aktuell drei vor Ort-Forschungsprojekte im Fokus:

  • TursiopsAduncus(c)LaaudeGroßer Tümmler vor Madagaskar: Über den Status der dort lebenden Indopazifischen Großen Tümmler ist bislang wenig bekannt - entsprechend wenig wird für ihren Schutz getan. Wie groß ist die Population überhaupt noch? Wie stark sind die Tümmler von der traditionellen Fischerei in Madagaskar bedroht - indem sie als Beifang in den Netzen ertrinken oder wegen Überfischung verhungern? Wie viele Delfine werden konkret von welchen Gemeinden noch bejagt? Ein Forscherteam hat nun drei Jahre Zeit, die Gefahren für die Tümmler vor Madagaskar zu klären, um sie besser schützen und die Bevölkerung zur Mithilfe sensibilisieren zu können.

  • Chinesischer Weißer Delfin vor Taiwan: Dieser Bestand gilt laut Internationaler Roter Liste (IUCN) als akut vom Aussterben bedroht. Weiße Delfine leben nur in küstennnahen Gewässern - und vor Taiwan sind bisher nur wenige Dutzend Tiere gesichtet worden. Die Gewässer um Taiwan sind mit Giftstoffen belastet, die Meeressäuger werden durch Schiffsverkehr stark gestört. Neue Forschungesergebnisse zum Bestand dieser seltenen Tiere sollen nun bei der Regierung Taiwans strengere Schutzmaßnahmen rechtfertigen. Dieses Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt.

  • Humpback_dolphin(c)TMeintjesChinesischer Weißer Delfin vor Bangladesh: In der Bucht von Bengal leben ebenfalls Chinesische Weiße Delfine. Doch herrscht große Unklarheit, ob es nur einen Weißen Delfin gibt oder gar drei eigenständige Arten. Wie ist die Populationsstruktur? Wissenschaftler wollen diesen Fragen nun nachgehen, um Schutzstrategien optimal anpassen zu können. Hierbei sollen u.a. genetische Untersuchungen und Foto-Identifikationen helfen. Die entsprechende Studie soll zwei Jahre dauern.
     

Helfen auch Sie den Delfinen! Ihre Spende stärkt das Delfinschutz-Projekt von Pro Wildlife!
 

Die IWC 2011 - eine Wende im Walschutz?

Walfangtagung 2011 – Was sind die Themen?

Vom 11. bis 14. Juli tagt auf der englischen Kanalinsel Jersey zum 63. Mal die Internationale Walfangkommission (IWC). Altbekannte Themen bestimmen die Agenda – und doch erwartet Pro Wildlife, dass die Tagung in diesem Jahr positive Ergebnisse für den Schutz von Walen hervorbringt Erstmals gibt es auch Bestrebungen, gegen die Scheckbuchdiplomatie der Japaner vorzugehen.

Die Biologin Dr. Sandra Altherr nimmt für Pro Wildlife als Beobachterin teil. Hier berichtet sie live von der Konferenz:

>> IWC-Tagebuch: Aktuelles von der Walfangtagung

>> Abschluss-Pressemitteilung mit Resümee


Unsere Schwerpunktthemen für die IWC-Tagung 2011:

  1. Guinean_franc_vs_US_Dollar(c)JAttawayKorruption und fehlende Transparenz: Seit langem beobachten Pro Wildlife und andere Verbände, dass Japan Stimmen kauft - vor allem von Staaten der Karibik, Zentralafrikas und kleiner Inseln im Pazifik. Großbritannien fordert nun eine umfassende Reform der IWC, die für mehr Transparenz und weniger Korruption sorgen soll. Im Vorfeld der IWC-Tagung 2010 enthüllte die Sunday Times die Bestechungspraxis und wies nach, dass alle Spesen des IWC-Vorsitzenden aus Antigua & Barbuda mit einer japanischen Kreditkarte gezahlt wurden. Pro Wildlife unterstützt den Vorstoß Großbritanniens.
     
  2. Japan-Delegation_IWC62(c)PWStimmenverhältnisse: Nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 ist unklar, ob Japan auch weiterhin die hohen IWC-Gebühren und Spesen zahlreicher Delegationen von Ländern zahlen wird, um deren Unterstützung für den Walfang sicherzustellen. Länder, die ihre vier- bis fünfstelligen IWC-Gebühren nicht rechtzeitig begleichen, verlieren ihr Stimmrecht für die IWC-Tagung. Damit könnten sich die Stimmverhältnisse ändern und der seit Jahren anhaltende Patt zwischen Walfangbefürwortern und -Gegnern zugunsten des Walschutzes verschieben.
     
  3. Buckelwale(c)NOAASüdatlantisches Schutzgebiet: Brasilien und Argentinien beantragen ein Schutzgebiet für Wale – dies wäre das dritte Schutzgebiet neben der Antarktis und dem Indischen Ozean. Einen solchen Antrag stellte Brasilien seit 1999 alljährlich – und scheiterte jedes Mal an der erforderlichen Dreiviertelmehrheit. In diesem Jahr könnten die Stimmenverhältnisse anders liegen. Pro Wildlife unterstützt den Antrag und will gleichzeitig aber verhindern, dass Japan als „Gegenleistung“ Fangquoten vor seiner Küste durchsetzt.
     
  4. IWC_Conference(c)ProWildlifeZukunft der IWC: USA und Neuseeland wollen die Diskussionen um einen umstrittenen „Kompromiss“-Vorschlag aus dem vergangenen Jahr wieder aufnehmen, der ein Ende des Walfangmoratoriums bedeuten würde. Im letzten Jahr scheiterte der Kompromiss. Auch 2011 wird Pro Wildlife sich aktiv gegen jegliche Aufweichung des Moratoriums einsetzen. >> Mehr Infos zum "Kompromiss" von 2010
     
  5. Faeroeer_Anlanden(c)EIAGrausamkeit des Walfangs: In Grönland und Russland ringen angeschossene Wale bis zu zwei Stunden mit dem Tod. Island verweigert seit der Wiederaufnahme des Walfangs 2003 jegliche Auskünfte über die Leidenszeit der getöteten Wale, obwohl die IWC diese Angaben ausdrücklich verlangt. Auch Norwegen steht in der Kritik: Bis 2011 überwachten Inspektoren den Ablauf der Jagd, bis sie von einem Computer ersetzt wurden, der die Zeit zwischen Harpunenschuss und Bergen des toten Tieres messen sollte – doch auch dies soll nun entfallen. Pro Wildlife macht im Rahmen der IWC auf die Grausamkeit des Walfangs aufmerksam.
     
  6. Mink_Whale_Meat_Iceland_2009(c)ThjurexoellIslands Walfang: 2003 nahm Island nach 14 Jahren Pause den Walfang wieder auf – doch die Zeichen stehen gut, dass die Jagd um die nordeuropäische Insel nun bald ein Ende hat: Weder im eigenen Land noch im erhofften Absatzmarkt Japan besteht Interesse an dem Walfleisch. Mitte Juni 2011 nahm Island die Beitrittsverhandlungen mit der EU auf – und innerhalb der EU ist Walfang strikt verboten. >> Mehr Infos zu Islands Walfang
     
  7. BrydesWhale(c)MorningdewJapans Walfang: In der letzten Walfangsaison in der Antarktis wurde Japans Flotte durch die Organisation Sea Shepherd so stark behindert, dass statt der geplanten 1.035 nur 172 Wale getötet wurden. Der Tsunami im März zerstörte den Ort Ayukawa, eines der vier Walfangzentren Japans, und zerschmetterte Walfangboote. Die Folgen der Katastrophe belasten den japanischen Staatshaushalt schwer. Es wird sich zeigen, ob die japanische Regierung auch weiterhin den höchst defizitären Walfang subventioniert, zumal dringend ein neues, millionenteures Fabrikschiff für die Jagd in der Antarktis benötigt würde... >> Mehr Infos zu Japans Walfang

Live von der Walfangtagung


Von der 63. Jahrestagung der Internationalen Walfangtagung (IWC) in St. Helier, Jersey-Insel, England (11.-14. Juli 2011), berichtet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife:

St. Helier, 14. Juli: Schluss mit dem Kuschelkurs!

Unsere Abschluss-Presseinformationen zu einem unglaublichen letzten Tag der Konferenz findet Ihr hier. Jetzt laufen hier noch ein paar letzte formelle Punkte und dann reicht es nach einem fast 12-stündigen Verhandlungsmarathon... Was für ein Kindergarten hier:

Heute morgen beantragten Brasilien und Argentinien ein Walschutzgebiet im Südatlantik. Auch wenn Japan, Norwegen und Island hiervon überhaupt nicht betroffen wären, wollen sie dies aus purer Prinzipienreiterei verhindern. Als keine Einigung in Sicht war und die beiden Länder eine Abstimmung verlangten, griff Japan zum Taschenspielertrick: Alle Walfangländer verließen zur Abstimmung den Raum - mit der Ankündigung, die Beschlussfähigkeit sei nun nicht mehr gegeben. Denn laut Japans Verständnis muss bei jeder Abstimmung die Hälfte aller IWC-Mitgliedsstaaten anwesend sein - nach unserem Verständnis reicht es, wenn generell die Hälfte der Staaten an der IWC teilnimmt. Nun streiten die Juristen seit geschlagenen sechs Stunden, ob oder nicht und wie man jetzt weiter miteinander umgeht... Derweil bleiben andere wichtige Themen liegen, weil die Sitzung unterbrochen bleibt. Bei allem Frust hierüber bin ich froh, dass der Kuschelkurs mit den Walfängern zu Ende ist, denn:

Buckelwalfluke©NOAAWas mich seit Jahren bei den IWC-Diskussionen wahnsinnig macht, ist die gelähmte Haltung der Walschutzländer. Sie waren (bis heute) wie besessen davon, mit den Walfangländern eine Einigung zu finden - doch das ist schlicht nicht möglich, denn vor allem Island und die von Japan unterstützten Inselstaaten St. Kitts & Nevis, Palau und Grenada benehmen sich wie das Rumpelstilzchen: Sie sind unsachlich, schroff, teils unverschämt in ihren Äußerungen und blockieren jeden Fortschritt im Walschutz - und unsere Seite verharrt derweil in der Konsens-Falle und hofft auf das Wunder der Einsicht. Deshalb wird Japans Walfang im Antarktis-Schutzgebiet, Islands grausame Jagd auf Finnwale oder Norwegens Abschuss hunderter Zwergwale - alles eigenmächtig genehmigt - hier kaum erwähnt, um nur ja keinen zu verärgern...

St. Helier, 13. Juli: Heiße Debatten um das Anti-Korruptionspaper

Guinean_franc_vs_US_Dollar(c)JAttawayErwartungsgemäß ist der englische Vorstoß, den Stimmenkauf in der IWC zumindest zu erschweren, in diesem Jahr der High Noon der Verhandlungen. Den ganzen Morgen wehren sich schon Länder wie St. Kitts & Nevis, Antigua & Barbuda, Grenada und Palau dagegen, dass ihre Beiträge künftig nur noch per Banküberweisung von ihrem Regierungskonto gezahlt werden dürfen. Bis zur Einigung wird es wohl noch ein bisschen dauern. Nach ermüdenden fünf Stunden Diskussion ist jetzt erst mal Mittagspause, damit im kleinen Kreis nach einem Komrpomiss gesucht werden kann.... Später mehr! Wer sich die Wartezeit übrigens verkürzen will, kann unsere Eröffnungserklärung zur IWC lesen, die nun auf der IWC-website veröffentlicht ist.

Nach gefühlten hundert Stunden Debatte -Pause - Debatte - Pause - Debatte nun endlich die Entscheidung: Englands (und irgendwie ja auch nun der EU) Vorstoß ist doch tatsächlich im Konsens angenommen worden. Nun ist es schon 19.30 - und aufgrund der zähen Verhandlungen, über die wir einen ganzen Tag verloren haben, heißt es jetzt für alle: Nachsitzen in einer Nachtsitzung!

St. Helier, 12. Juli: Vom Stimmenkauf und einer vorgeführten EU

Japan-Delegation_IWC2011(c)PWNachdem in den ersten eineinhalb Tagen der Konferenz die bekannte Ruhe vor dem Sturm herrschte, kam es heute nachmittag erwartungsgemäß zum vorgezogenen Showdown, als das Transparenzpapier aufs Tapet kam. Da einige der Walfang-unterstützenden Länder schlecht argumentieren konnten, dass sie auch weiterhin in der letzten Minute mit Bargeld zahlen wollen, versuchen sie nun, den Vorstoß an vermeintlichen Formfehlern scheitern zu lassen. Den Startschuss gab St. Kitts & Nevis, das kritisierte, dass das Papier ursprünglich ein Antrag Englands war und nun, in veränderter Form, von der EU mitgetragen wird. Der  IWC-Vorsitzende unterbrach für fünf Minuten, beriet sich mit einer aufgeregten EU und verkündete anschließend, dass kein Formfehler vorliegt. Damit erklärte sich Russland nicht einverstanden und verlangte eine Abstimmung über den Prozess. Das führte jetzt erst einmal zu einer Kaffeepause, vielen aufgeregten Gemütern - und der Ankündigung des Vorsitzenden, dass die Delegierten jetzt erstmal wider versuchen, unter sich eine Einigung zu finden. Das kann dauern. Ein peinlicher Auftritt für die EU - das hätte besser vorbereitet sein müssen....

St. Helier, 12. Juli: Es ist was faul im Staate Dänemark...

Buckelwale©NOAA... das hat schon Shakespeare gewusst: Das nordeuropäische Land erweist sich als immer größerer Problemfall für den Walschutz und bringt hier viele EU-Länder auf die Palme: Ob es um Stärkung der Transparenz geht, Kritik an Island oder um die Beteiligung von Umweltverbänden – Dänemark blockiert jeden Vorstoß in Richtung Walschutz und behindert die EU. Während 97 der Festland-Dänen Walfang ablehnt, vertritt die dänische Delegation bei der IWC nur die Interessen der bevölkerungsarmen semi-autonomen Regionen Färöer-Inseln und Grönland, wo noch Wale und Delfine gejagt werden. Mehr dazu in unserer heutigen Pressemitteilung...

Was hat sich sonst noch getan? Island, Norwegen und Japan verweigern weiterhin Auskünfte über den Ablauf ihrer Waltötungen - man kann nur ahnen, wie lange Meeresgiganten wie Finn- oder Seiwale leiden, wenn sie von einer Explosivharpune in irgendeinem Teil ihres riesigen Körpers getroffen werden. Und aktuell sorgen Bilder von der Seeschlacht zwischen der japanischen Walfangflotte und den Walschützern von Sea Shepherd für lange Empörungs-Wortmeldungen von Japan & Co....

Außerdem "genießen" wir gerade eine Diskussion darüber, ob Umweltverbände einen inhaltlichen Beitrag liefern können oder nicht. Die Walfangländer bescheinigen uns gerade die Nutzlosigkeit unserer aller Expertise. Schön, dass viele andere Länder sich darauf berufen, dass die Öffentlichkeit, vertreten durch Verbände, das Recht hat, angehört zu werden. Viel werden wir dieses Jahr hier nicht sagen dürfen: Vorgesehen ist derzeit, das aus über 50 Walschutzverbänden nur drei Sprecher ausgewählt werden, die zu wenig kontroversen Punkten etwas sagen dürfen: Walschutzgebiete, Whale Watching und unser Kernthema Umwelt und Gesundheitsrisiken durch Walfleisch...

St. Helier, 11. Juli: Geknebelte Umweltschützer

geknebelte_ngos(c)PW

Heute haben Umweltverbände aus 13 Ländern (Argentinien, Brasilien, Chile, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Kanada, Mexiko, Schweiz, St. Vincent & The Grenadines und USA) – darunter auch Pro Wildlife - mit geknebelten Händen vor dem Konferenzgebäude posiert, um zu zeigen, wie sehr ihre Arbeit in diesem Gremium eingeschränkt wird. Hintergrund der Aktion: Das England-Papier zu mehr Transparenz (und weniger Korruption) hatte in den letzten Tagen viele Meetings hinter verschlossenen Türen zur Folge – lange bevor die Tagung offiziell begonnen hat. Bis auf zwei kontroverse Punkte konnten viele Delegierten das Papier akzeptieren – Widerstand gab es vor allem gegen die Forderung, dass künftig nur noch Überweisungen vom jeweiligen Regierungskonto statt wie bisher auch mit Schecks und Bargeld erlaubt sind. Dies akzeptierten sogar die Walfangunterstützer in der EU - um den Preis, dass für Umweltverbände weiterhin die Mitarbeit inklusive Rederecht bei der IWC stark eingeschränkt bleibt. Zwar fällt die Entscheidung zum Dokument erst in den nächsten Tagen, aber mit der EU als größtem Stimmenblock ist heute eine Vorentscheidung gefallen...

St. Helier, 10. Juli: Die USA als einsamer Cowboy

Buckelwalfluke©NOAAWas ist nur los mit den USA? Früher eines der aktivsten Walschutzländer kapselt sich das Land immer mehr von den verbündeten Ländern ab und betreibt nicht abgesprochene Initiativen. Für große Irritationen sorgten die USA bereits im Frühjahr, als sie kurz nach einen Koordinationstreffen der Walschutzländer, ohne dort ein Wort zu ihren Plänen zu sagen, eine Resolution einreichten, mit der sie ein Fortführen der Diskussion um die "Zukunft der IWC" beantragen. Unter diesem Namen war im Vorjahr ein brandgefährlicher Kompromiss diskutiert worden, der das kommerzielle Walangverbot ausgehebelt hätte. Und nun zaubert die USA diverse Vorstöße zur Zukunft des Subsistenzwalfangs für Ureinwohner aus dem Hut - und stößt damit erneut die anderen Walschutzländer vor den Kopf. Dass bei den Verhandlungen um den Subsistenzwalfang auch keine Verbände zugelassen werden sollen, weckt weiteres Misstrauen... aber noch ist nichts entschieden.

St. Helier, 9. Juli: Dänemarks unrühmliche Rolle

Delfinfang_Fareoer-Inseln ©EIANoch 36 Stunden bis zum offiziellen Beginn der IWC, doch hinter den Kulissen brodelt es bereits mächtig: Einer der großen Aufreger in diesem Jahr ist das rücksichtslose Verhalten der dänischen Delegation. Während Dänemark selbst Mitglied der EU ist und sich dem hier geltenden strengen Schutz von Walen und Delfinen verpflichtet fühlen müsste, erweist sich das nordeuropäische Land immer mehr als Problemfall. Denn es vertritt einseitig die Walfanginteressen seiner semi-autonomen Gebiete Grönland und Färöer-Inseln. In Grönland dürfen Ureinwohner per Sondergenehmigung der IWC Wale zur Selbstversorgung fangen:  190 Zwerg-, 16 Finn-, zwei Grönland- und neuerdings neun Buckelwale jährlich. Hiergegen gäbe es wenig zu sagen, wenn nicht ein erheblicher Teil des Fleisches in Supermärkten landen würde statt an die Inuit verteilt zu werden. Die Waljagd auf den Färöer-Inseln ist ohnehin nicht zu rechtfertigen: Längst haben die Färinger einen sehr hohen Lebensstandard und brauchen das Walfleisch nicht mehr. Zudem hat bereits 2008 die oberste Gesundheitsbehörde der Färöer vom Fleisch der Grindwale (engl. Pilot whales) dringend abgeraten. Dennoch torpediert Dänemark jegliche Initiative zum Walschutz. Nach Pro Wildlife vorliegenden Informationen war Dänemark maßgeblich dafür verantwortlich, dass die EU weder eine Demarche gegen Islands Walfang noch die Forderung Englands nach mehr Transparenz und weniger Korruption in der IWC unterstützt hat. Das ist für ein demokratisches und modernes EU-Land ein Skandal und wird hier hoffentlich noch offiziell zur Sprache kommen.

München, 5. Juli 2011: Countdown für die letzten Vorbereitungen

Nur noch wenige Tage bleiben, bis die nächste Runde im Tauziehen um die Wale beginnt. Bereits diese Woche finden diverse Vorgeplänkel statt und seit Monaten diskutieren wir mit Kollegen und Verbündeten aus Walschutzländern Strategien für die diesjährige Konferenz. Einer der spannendesten Momente wird der Sonntag sein, wenn feststeht, welche Länder diesmal ihre Gebühren bezahlt und somit ihr Stimmrecht erlangt haben. Die Kreditkarten aus Japan sind in diesem Jahr nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe möglichweise weniger im Einsatz - und dann wären für dieses Jahr die Karten im Walschutz neu gemischt. Erfreut haben wir festgestellt, dass das IWC-Sekretariat nun endlich den Informationsaustausch mit der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen hat. Seit Jahren zeigt Pro Wildlife die hohe Belastung von Wal- und Delfinfleisch mit Giftstoffen auf - in der Hoffnung, den Appetit auf das Fleisch der Meeressäuger reduzieren zu können.

DIE BUCHT: Neues zur Delfinjagd in Japan

Die Bucht von Taiji: Ein Sinnbild des Grauens

CoveTaiji(c)HPRothEin idyllisch anmutender Platz - die Bucht von Taiji. Doch seit im Sommer 2009 der Dokumentarfilm mit dem schlichten Titel DIE BUCHT (englisch THE COVE) enthüllte, was sich hier regelmäßig abspielt, stehen die Bewohner des japanischen Fischerortes in der internationalen Kritik: Jedes Jahr zwischen September und März werden dort bis zu 2.000 Delfine in Treibjagden gefangen: Delfintrainer suchen die schönsten Tiere für Delfinarien heraus. Die anderen Tiere werden grausam abgeschlachtet. Das Fleisch der kleinen Meeressäuger, obwohl stark mit Giftstoffen belastet, wird in Supermärkten verkauft und an Schulkantinen verteilt. Die japanische Öffentlichkeit erfuhr bislang von all dem nichts. Doch DIE BUCHT hat vieles geändert - wann die Delfinjagd in Taiji und Japan insgesamt jedoch aufhört, lässt sich noch nicht abschätzen. Ric O'Barry's Team ist auch in der Saison 2011/2012 wieder vor Ort.

Die wichtigsten Ereignisse in und zu Taiji im Überblick:

  • AufspiessenDelfin(c)HPRothDer Dezember 2011 war der bislang schlimmste  Monat der Saison: ca. 130 Risso's und Streifendelfine wurden in der Bucht getötet, etwa 20 Tiere für Delfinarien ausgesondert.
  • November 2011: Am 3. November sterben in Taiji erneut 13 Rundkopfdelfine in der Todesbucht, am 13.11. folgten 10 getötete Tiere (+ 10 für Delfinarien), am 24.11. nochmals neun erwachsene und drei Jungtiere.
  • Oktober 2011: In Taiji werden etwa 95 Delfine brutal getötet: In insgesamt sieben Treibjagden sterben Risso's Delfine, falsche Schwertwale und Streifendelfine; ein weiteres Tier wurde für Delfinarien ausgesondert.
  • Am 1. September 2011 beginnt offiziell die neue Delfinjagdsaison in Japan - mit einer genehmigten Quote für Taiji von 2.165 Tieren. Die ersten vier Wochen werden die Delfine jedoch weitgehend verschont: Unwetter machen die Jagd mehrere Tage unmöglich, zweimal kommen die Fischerboote unverrichteter Dinge zurück. Bilanz des ersten Monats: 12 Risso's Delfine werden am 6. September getötet - 12 zuviel und trotzdem war es ein guter Monat in Taiji.
     
  • Im Frühjahr 2011 tauschen sich erstmals die Internationale Walfangkommission (IWC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über den Giftstoffgehalt in Wal- und Delfinfleisch aus. Hierauf hat Pro Wildlife gemeinsam mit OceanCare lange hingearbeitet, denn erst wenn den Konsumenten klar wird, was sie ihrer Gesundheit mit Delfingulasch antun, wird die Nachfrage kollabieren. Immer neue wissenschaftliche Studien dokumentieren das ganze Ausmaß der Belastung. Und eine entsprechende Website zum Thema hat boomende Zugriffe aus Japan...

  • Selektion_fuer_Delfinarien(C)HPRothAm 1. September 2010 beginnt die neue Delfinjagdsaison in Japan. IAm 11. September strahlt der TV-Sender VOX erstmals "Die Bucht" im deutschen Fernsehen aus - und tausende Menschen protestieren erneut bei der japanischen Regierung. Die folgenden Wochen zeigen: Die blutige Delfinjagd geht weiter, wenn auch gegenüber früheren Jahren leicht vermindert: Insgesamt sterben in dieser Saison nach unseren Informationen etwa 675 Delfine und Kleinwale einen grausigen Tod, 155 weitere Tiere werden für Delfinarien eingefangen und trainiert.

  • Ab Juli 2010 kann "Die Bucht" trotz heftigen Widerstands der japanischen Fischer endlich in den japanischen Kinos gezeigt werden. Mit Erfolg: Viele Vorführungen sind ausverkauft, inzwischen läuft der Film in 35 Kinos, sein brisanter Inhalt wird in Japans Öffentlichkeit immer bekannter.
     
  • Im April 2010 wird "Die Bucht" auch erstmals in einzelnen japanischen Kinos gezeigt - dank unserer japanischen Partnerorganisation ELSA, die den Film mit japanischen Untertiteln versehen ließ. Dann wird auch die japanische Öffentlichkeit über die brutalen Geschehnisse im abgelegenen Fischerort Taiji informiert. Allerdings haben die Behörden von Taiji Anwälte beauftragt, gegen die Vorführungen zu klagen.

  • Ric O'Berry Louie Psihoyos Premiere Hamburg(c)Pro WildlifeAm 7. März 2010 wurde die "Die Bucht" als bester Dokumentarfilm mit dem Oscar ausgezeichnet. Wir gratulieren dem Protagonisten Ric O'Barry und dem Regisseur Louie Psihoyos sehr herzlich - das haben sie verdient. Dank des Oscars zieht "Die Bucht"nun noch mehr internationale Aufmerksamkeit auf die blutigen Vorgänge in Taiji. Alle großen japanischen Medien berichten über "Die Bucht" und die internationale Kritik an der Grausamkeit der Delfinjagd - das allein ist schon ein großer Durchbruch.

  • Im Januar 2010 erscheint in weiteren japanischen Tageszeitungen Berichte über Prof. Endos alarmierende Untersuchungsergebnisse zu Giftstoffen in Delfinfleisch. Somit wird die japanische Öffentlichkeit immer stärker mit diesem Thema konfrontiert.

  • Protestuebergabe_jap_Konsul©ProWildlifeIm Dezember 2009 informieren Pro Wildlife und seine Verbündeten die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Welternährungsorganisation FAO über die Giftigkeit des Delfinfleischs. Unser Datenmaterial wird nun auf einem Sondertreffen von WHO und FAO im Januar diskutiert, wodurch Japan weiter unter Druck gerät. Zeitgleich enthüllt die neue Studie des japanischen Wissenschaftlers Prof. Endo, dass die Bewohner von Taiji eine bis zu 25fach höhere Quecksilberbelastung haben, als sonst wo in Japan. Die japanischen Regierungsvertretungen in Berlin und München bekommen Tierschutzbesuch: Gleich kistenweise erhalten sie Protestbriefe gegen die grausame Jagd.

  • November 2009: Die neue japanische Verbraucherschutzministerin wird auf einer Pressekonferenz mit dem Thema Delfinjagd und belastetes Delfinfleisch konfrontiert. Sie erhält unseren ausführlichen Report „Toxic Menu“ und verspricht, sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen. Auf Initiative von Pro Wildlife fordert eine Allianz aus 49 Organisationen in einem offenen Brief die japanische Regierung auf, die Delfinjagd umgehend zu beenden und den Verkauf von belastetem Delfinfleisch zu verbieten – japanische Medien berichten.

  • Oktober 2009: DIE BUCHT wird – gegen den Widerstand der japanischen Regierung – auch auf dem Tokio-Filmfestival gezeigt. Die Kinobesucher zeigen sich entsetzt über die Massaker. Auch japanische Medien, die zuvor das Thema ignoriert hatten, berichten seither zunehmend über die Delfinjagd, die internationale Kritik an der Grausamkeit und die hohe Belastung von Delfinfleisch mit Giftstoffen.

  • Im Juli 2009 beginnt die japanische Regierung, Haarproben der Bewohner von Taiji einsammeln zu lassen, um sie auf Quecksilbergehalt zu untersuchen.

  • TheCove_Filmposter©TheCoveJuni 2009: Der Kinostart von DIE BUCHT in den USA und Australien löst einen Aufschrei aus – In Australien kündigte der Ort Broome seine Städtepartnerschaft mit Taiji auf. Zeitgleich konfrontiert Pro Wildlife auf der Tagung der Internationalen Walfangkommission die japanische Regierung mit unserem Bericht „Toxic Menu“, der die starke Belastung von Wal- und Delfinfleisch mit Giftstoffen und die hohen Gesundheitsrisiken für Verbraucher aufzeigt. Im Oktober 2009 läuft der Film auch in den deutschen Kinos - Pro Wildlife ist einer der offiziellen Partner des Films.

Die neue japanische Regierung steht nun vor der Entscheidung, wider besseren Wissens die Gesundheit ihrer Bürger weiterhin zu gefährden oder aber der brutalen Delfinjagd ein Ende zu setzen.
 

Unser Ziel ist es, die Delfinjagd in Japan endgültig zu beenden – und Sie können dabei helfen:

  1. PROTESTIEREN Sie bei der japanischen Regierung!
     
  2. SPENDEN Sie für den Delfinschutz! Nur so können wir unsere Kampagne weiterführen! 

Die IWC 2010 - ein Schicksalsjahr für Wale

Buckelwal©NOAADas Walfangverbot stand auf der Kippe

Vom 21. bis 25. Juni 2010 fand die 62. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Agadir, Marokko statt; Im Mittepunkt stand ein brandgefährlicher "Kompromiss"-Vorschlag der IWC zwischen Walfängern und Walschützern, der am 23. Juni gescheitert ist. Pro Wildlife ist vor Ort und kämpft für einen strengen Schutz der Wale.

Seit 2008 hat eine kleine Gruppe von Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) – darunter auch Deutschland – hinter verschlossenen Türen einen "Kompromiss" ausgehandelt. Ursprünglich sollte dieser die verhärteten Fronten zwischen Walfang- und Walschutzländern aufbrechen und den bisherigen Walfang Japans, Norwegens und Islands unter die Kontrolle der IWC bringen.

Der diskutierte Kompromissvorschlag wäre ein Desaster, denn er würde...

  • ... das seit 1986 geltende kommerzielle Walfangverbot der IWC aufheben: Der Vorschlag würde Japan, Island und Norwegen die Jagd auf knapp 1.400 Wale im Jahr genehmigen – darunter so bedrohte Arten wie Finn- und Seiwale. Norwegen würde sogar mehr Wale töten dürfen, als seine Walfänger dies derzeit entgegen dem Willen der IWC tun.
  • Harpune_Island©OLindquist... Japan den Walfang ausgerechnet im Antarktisschutzgebiet genehmigen: Dieses wurde 1994 eingerichtet, um Walen eine sichere Zuflucht vor den Harpunen zu schaffen. Nun will die IWC Japan den Fang von jährlich 400 Zwergwalen und zehn Finnwalen – nach drei Jahren "nur" noch je drei Finnwale, nach fünf Jahren je 200 Zwerg- jährlich absegnen.
  • ... Japans Walfang auf Jahrzehnte manifestieren: Japans Walfang-Fabrikschiff wurde 2008 bei einem Brand stark beschädigt und nur provisorisch repariert. Derzeit steht die japanische Regierung vor der Entscheidung, Millionen in den Bau eines neuen Fabrikschiffes zu investieren. Eine IWC-legitimierte Fangquote würde die Entscheidung zugunsten des Walfangs fördern.
  • ... das Ende des internationalen Handelsverbotes für Walfleisch einläuten: Sobald das Walfangverbot kippt, droht dies auch das auf dem Jagdverbot basierende Handelsverbot des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) für Walfleisch zu Fall zu bringen.
  • ... Islands Walfang bei seinen EU-Beitrittsverhandlungen stärken: Nach EU-Recht sind kommerzieller Walfang und Handel mit Walprodukten streng verboten. Würde die IWC nun Island eine kommerzielle Fangquote von 160 Walen jährlich genehmigen, erhöht dies das Risiko für eine Ausnahmeregelung bei Islands EU-Beitritt.
  • ... das bestehende Schlupfloch des "Wissenschaftswalfangs" nicht schließen. Japan hat bereits Interesse bekundet, unter dem Deckmantel der Wissenschaft auch weiterhin Wale zu fangen...

Finnwal©CentreForWhaleResearchAngebliche Zugeständnisse an die Walschutzseite:

  • ein neues Walschutzgebiet im Südatlantik – in einem Gebiet, in dem überhaupt kein Walfang stattfindet!
  • mehr Mitspracherecht für Verbände, wie dies in anderen internationalen Konventionen ohnehin längst selbstverständlich ist.
  • Daten zu Tötungsmethoden und Tierschutz, die die Walfangländer liefern sollen. Dies müssten sie laut IWC-Bestimmungen bereits jetzt und verweigern dennoch seit Jahren die Zusammenarbeit.

Die Bilanz ist klar: Der faule "Kompromiss" hätte den grausamen Walfang auf Jahre hinaus legitimiert und entscheidende Erfolge des Walschutzes zunichte gemacht, ohne greifbare Verbesserungen zu bringen.

Die IWC-Jahrestagung findet vom 21. bis 26. Juni 2010 in Agadir, Marokko, statt - zuvor gibt es bereits wichtige Vorverhandlungen. Pro Wildlife setzt sich vor Ort für einen konsequenten Walschutz ein. Wir kämpfen dafür, dass die Wale keinem faulen "Kompromiss" geopfert werden.

Delfinschutz in Argentinien

in

Beifang Franciscana Delfine©AquaMarinaCECIM

Delfin-Gefahr Beifang

Jährlich sterben weltweit  etwa 300.000 Kleinwale und Delfine qualvoll in Fischernetzen. Sie landen als Beifang in Schlepp-, Stell- oder Treibnetzen der Hochseefischerei, aber auch den Netzen lokaler Fischer. Besonders bedroht sind die Franciscana-Delfine, die nur an der Ostküste Südamerikas vorkommen. Vor der Küste der Provinz Buenos Aires verendeten allein 2004 etwa 650 - 900 Tiere; im Jahr 2005 waren es sogar über 1.000. Schuld für den drastischen Anstieg ist eine vermehrte Stellnetzfischerei.

Auf der Suche nach wirksamen Methoden

Die argentinische  Organisation Fundación AquaMarina-CECIM sucht seit einigen Jahren nach Lösungen, um den Beifang der Franciscana-Delfine zu mindern. Dem Leiter Pablo Bordino geht es dabei um pragmatische Lösungen, die auch einheimische Fischer einbinden. Erste Versuche, den Beifang von Delfinen in Fischernetzen zu verringern, wurden mit so genannten "Pingern" durchgeführt – kleinen Geräten, die regelmäßig Klicklaute abgeben, um die Delfine aus der Nähe der Netze zu vertreiben. In der Praxis zeigten Pinger jedoch Schwächen: Sie sind wartungsintensiv, teuer, einige Delfinarten lassen sich nicht durch sie verscheuchen, und andere Fischfresser werden sogar angelockt. Wissenschaftler suchen deshalb nach wirksameren und kostengünstigen Alternativen, um den Massentod der Delfine in den Fischernetzen zu verhindern.

Fischernetz Franciscana Projekt©AquaMarinaCECIM

Pilotstudie „Reflektive Netze“

Erste Ergebnisse einer Pilotstudie mit Bariumsulfatnetzen, die AquaMarina mit Unterstützung von Pro Wildlife in der Bucht von Samborombon (Argentinien) durchführte, dem natürlichen Lebensraum der Franciscana-Delfine, gaben Anlass zur Hoffnung: In diesen Netzen verfingen sich zunächst wesentlich weniger Delfine. Das Besondere an diesen Netzen: Eingearbeitete Bariumsulfat-Partikel sollen die Echoortungslaute der Delfine verstärken. Die Netze wären so früher erkennbar – die Tiere könnten rechtzeitig ausweichen und nicht in die tödliche Falle schwimmen. Die Nachteile der Pinger – wie ein Gewöhnungseffekt oder eine Verlärmung der Meere – gibt es bei diesen Netzen nicht. Die argentinischen Fischer erklärten sich bereit, an der Studie teilzunehmen, da die Netze praktisch anzuwenden sind.

Die ersten Ergebnisse der von Herbst 2008 bis Frühjahr 2009 durchgeführten Studie zeigten, dass in den reflektiven Netzen knapp 50 Prozent weniger Delfine ertrinken als in den herkömmlichen Nylonnetzen. Im Fortgang der Studie 2010 konnten diese ersten positiven Ergebnisse leider nicht bestätigt werden. Bariumsulfatnetze scheinen somit leider nicht die Lösung des Beifangproblems zu sein – ein trauriger Rückschlag.

AquaMarina lässt jedoch nicht nach in den Bemühungen, die Beifangrate der Franciscana-Delfine zu senken. In einem nächsten Schritt sollen die Fischer nun überzeugt werden, verstärkt Fangleinen statt Netzen zu verwenden.
 

Franciscana Delfin©AquaMarinaCECIMDer Franciscana-Delfin (Pontoporia blainvillei)

Der grau-bräunliche Delfin mit ockerfarbenem Bauch wird nur bis zu 1,7 Meter lang und ist damit einer der kleinsten Delfine der Welt. In der langen Schnauze befinden sich über 200 kleine Zähne, seine Finne ist klein und abgerundet.

Der Lebensraum des Franciscana-Delfins erstreckt sich von der Südostküste Brasiliens und Uruguays bis hinunter zum San Matías Golf vor Argentinien. Da er außerdem in der Mündung des La-Plata-Flusses anzutreffen ist, wird er auch La-Plata-Delfin genannt. Der Delfin wird zur Familie der Flussdelfine gezählt, obwohl er sich hauptsächlich im Salzwasser aufhält.

Franciscanas schwimmen in Dreier- oder Vierergruppen in küstennahen, seichten Gewässern. Da sie im Gegensatz zu anderen Delfinarten keine akrobatischen Sprünge machen und die Nähe zu Booten meiden, sind sie schwer zu beobachten. Die genaue Größe der Population ist daher bislang unbekannt. Die regionale Population wird aber auf 45.000 Tiere geschätzt – der Franciscana-Delfin ist damit das am stärksten bedrohte Säugetier des Südatlantiks.

Schutz für Kleinwale und Delfine

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Weißstreifendelfin©NOAA

Protest gegen Delfinfang

Großwale unterliegen weltweit einem Jagd- und Handelsverbot – die Situation ihrer kleinen Vettern dagegen bleibt kritisch. Der internationale Schutz für Kleinwale und Delfine ist völlig unzureichend. Die Folge ist, dass weiterhin jedes Jahr Zehntausende von ihnen auf grausame Art und Weise getötet werden.  Japan hält dabei den traurigen Rekord, aber auch in Europa wird Jagd auf "Flipper und Co" gemacht. Durch unkontrollierte Jagd geraten immer mehr Arten an den Rand der Ausrottung, ohne dass internationale Schutzgremien einschreiten. Pro Wildlife tritt für einen besseren Schutz von Kleinwalen und Delfinen ein. Wir kämpfen gegen die grausamen Praktiken der Delfinfänger sowie gegen die Errichtung und den Ausbau von Delfinarien. Und Pro Wildlife hilft, den Beifang in Fischernetzen zu verringern, eine der größten Gefahren für Kleinwale und Delfine.


Delfinfang_Fareoer-Inseln ©EIAGrausame Jagd auf Delfine und Kleinwale

Die größten Delfinmassaker der Welt finden in Japan statt, wo etwa 20.000 Tiere jährlich abgeschlachtet werden. Pro Wildlife fordert ein Ende dieser Barbarei. Im japanischen Fischerort Futo konnten die Delfinmassaker seit 2000 nahezu beendet werden, nachdem Videos der grausamen Jagd durch die europäischen Medien gingen und einen Proteststurm auslösten. Dank des neuen Dokumentarfilms DIE BUCHT (Kinostart in Deutschland 22.10.2009) besteht nun die Chance, auch in den anderen Regionen Japans die grausame Delfinjagd zu beenden.

Auch mitten in Europa werden immer noch Delfine und Kleinwale auf brutalste Weise gejagt: Auf den dänischen Färöer-Inseln sterben jährlich Hunderte Grindwale, bedrohte Entenwale und Delfine. Die Tiere werden mit Eisenhaken an den Strand gezogen und mit kleinen Messern getötet. Obwohl die oberste Gesundheitsbehörde im August 2008 in einem offenen Brief an die Regierung betonte, dass Grindwalfleisch wegen seiner Quecksilberbelastung für den menschlichen Verzehr gänzlich ungeeignet ist, geht die Jagd auf den Färöer-Inseln trotz internationaler Proteste weiter. Und in Grönland werden Narwale und Belugas (Weißwale) bejagt – obwohl die Tiere immer seltener werden.

Delfindressur©K.P.Kniess

Fang für Delfinarien

Vergnügungsparks in aller Welt halten Hunderte aus dem Meer gefangener Kleinwale und Delfine als "schwimmende Clowns". In kargen Betonbecken und abgeschnitten von ihrem Familienverband verkümmern die sozialen Tiere. Dennoch sind Delfinarien und Angebote wie die Delfintherapie nach wie vor populär. Pro Wildlife kämpft gegen den Fang der kleinen Meeressäuger, protestiert gegen den Neubau von Delfinarien und klärt die Öffentlichkeit über das Leid der intelligenten Meeressäuger in Gefangenschaft auf. Unter anderem machte Pro Wildlife bekannt, wie eine internationale Delfin-Mafia vor den Salomonen Große Tümmler fängt, um sie an Vergnügungsparks zu verkaufen. Derzeit ist der japanische Fischerort Taiji der weltgrößte Lieferant wildgefangener Delfine – doch wir hoffen, dass verstärkte Protetste der Öffentlichkeit aufgrund des Kinofilms DIE BUCHT eine Kehrtwende einleiten.

Delfinjagd in Futo (Japan): Eine Erfolgsgeschichte

  • Im Juni 2000 spielen Tierfreunde aus Japan Pro Wildlife ein Video zu, das die grausame Delfinjagd im japanischen Fischerort Futo zeigt.
  • Pro Wildlife gibt das Video an stern-TV, das Magazin STERN bringt das Thema zeitgleich als Titelgeschichte. Die Berichte schlagen ein wie eine Bombe: Niemals zuvor wurden solche schockierenden Bilder von der Delfinjagd veröffentlicht.
  • Zehntausende Menschen protestieren bei der japanischen Botschaft in Berlin. Fernsehsender in ganz Europa strahlen das Video aus. Auch Zeitschriften und Zeitungen berichten über die brutale Delfinjagd in Futo. Und das Unglaubliche geschieht:
  • September 2000 - eigentlich Start der neuen Jagdsaison: Doch der kleine Fischerort Futo, in dem zuvor jährlich bis zu 600 Delfine abgeschlachtet wurden, beugt sich dem internationalen Protest: Die Massaker sind seither dort eingestellt! Mit Ausnahme von 24 Tieren, die 2004 gefangen wurden. Dies rettete bis 2009 knapp 5.000 Delfinen das Leben!

Futo liegt in der japanischen Provinz Wakayama. Dort liegt auch das Fischerdorf Taiji, unfreiwilliger Schauplatz des Dokumentarfilms DIE BUCHT, der seit 22. Oktober 2009 in deutschen Kinos läuft. In Taiji werden noch immer 2.000 Delfine jährlich in Buchten getrieben und dort mit Messern und Speeren getötet.

Helfen Sie, damit sich die Erfolgsgeschichte von Futo auch in Taiji und den anderen japanischen Gemeinden, wo heute noch Delfinjagd stattfindet, wiederholt.

>> Protestieren Sie bei der japanischen Regierung!

Wal- und Delfinschutz

Buckelwalfamilie©G_Degen

Schutz für Meeressäuger

Pro Wildlife setzt sich für einen konsequenten Schutz von Walen und Delfinen ein. Die Meeressäuger werden zu Zehntausenden gejagt, ihr Lebensraum immer mehr verschmutzt. Ihre Nahrung aus Fisch und Krill schwindet wegen der Überfischung der Meere. Pro Wildlife dokumentiert, welche Folgen Überfischung, Umweltverschmutzung und Klimaveränderung für die Meeressäuger haben und wie die Jagd das Überleben der Meeressäuger bedroht. Unsere Studien tragen auf Konferenzen der Internationalen Walfangkommission (IWC) dazu bei, eine weitere Lockerung des Walschutzes zu verhindern.

>> Die Internationale Walfangkommission

>> Vor Ort

>> Kampagnen

 

Delfinschutz vor Ort

TursiopsAduncus(c)LaaudeMehr Wissen = mehr Schutz

Der Chinesische Flussdelfin gilt seit 2006 als ausgestorben. Viele weitere Delfinbestände sind inzwischen durch Beifang, Verschmutzung und Jagd bedroht. Oft scheitern jedoch konkrete Schutzmaßnahmen daran, dass zu wenig über die Gefahren und die Bestandsgrößen bekannt ist. Pro Wildlife fördert deshalb die Erforschung von Delfinbeständen. Lesen Sie mehr...

 

Fischernetz Franciscana Projekt©AquaMarina CECIM

Südamerika: Beifang reduzieren

Jährlich sterben weltweit etwa 300.000 Kleinwale und Delfine qualvoll in Fischernetzen. Besonders bedroht sind die Franciscana-Delfine, die nur an der Ostküste Südamerikas vorkommen. Pro Wildlife unterstützt die Suche nach Fangmethoden, die die Delfine schützen und die auch von den lokalen Fischern genutzt werden können. Lesen Sie mehr...

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Kampagnen

Buckelwale©NOAADie Internationale Walfangkommission (IWC)

Die massive Waljagd im 19. und 20. Jahrhundert ließ die  Bestände vieler Walarten dramatisch sinken. Seit 1931 versuchte man, die vollständige Ausrottung der begehrten Beute zu verhindern. Die zahlreichen Absprachen erwiesen sich jedoch in der Praxis als unzureichend. Im Jahre 1946 wurde endlich die "Konvention zur Regelung des Walfangs" ins Leben gerufen, die zur Umsetzung ihrer Ziele die Internationale Walfangkommission (IWC) gründete. Erst 1982 erreichte die IWC einen Durchbruch zum Walschutz – ein Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 endlich in Kraft trat. Lesen Sie mehr...

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Buckelwalfluke©NOAA

Walfang: Tricks der Walfänger entlarven

Seit 1986 gilt ein kommerzielles Fangverbot für alle Großwale. Doch dieser Beschluss der Internationalen Walfangkommission (IWC) hat verhängnisvolle Schlupf- löcher, dank derer die Walfangstaaten skrupellos jährlich rund 2.000 Wale töten können. Pro Wildlife kämpft für den Schutz der Meeresriesen. Lesen Sie mehr...

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Weißstreifendelfin©NOAADelfinfang: Protest gegen Jagd und Delfinarien

Großwale unterliegen weltweit einem Jagd- und Handelsverbot – die Lage ihrer kleinen Vettern dagegen ist kritisch. Kleinwale und Delfine geraten immer mehr an den Rand der Ausrottung. Pro Wildlife kämpft für einen besseren Schutz der Meeressäuger und gegen die vollkommen unnatürliche Haltung der Tiere in Delfinarien in Europa. Lesen Sie mehr...

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Walfang

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Buckelwalfluke©NOAAAuslaufmodell Walfang?

Die guten Nachrichten häufen sich: Im Februar 2011 hat Japan seine aktuelle Antarktis-Jagdsaison vier Wochen früher als geplant beendet, unter anderem wegen der dauerhaften Belagerung seiner Walfangflotte durch die Organisation Sea Shepherd. Japans magere Ausbeute: 172 Wale statt der anvisierten 1.035! In Japans Kühlhäusern stapeln sich über 6.000 Tonnen Walfleisch, die niemand mehr essen will. In Norwegen wurden 2010 464 Zwergwale getötet, die niedrigste Zahl seit 14 Jahren. Und Island müsste seinen Walfang beenden, wenn das Land wie geplant der EU beitritt. Die Finnwaljagd für 2011 hat Island ausgesetzt, weil der Wunschabsatzmarkt Japan kein Interesse an seinem Walfleisch hat. Pro Wildlife kämpft dafür, dass der kommerzielle Walfang vollständig eingestellt wird.

Tricks der Walfänger enthüllen

Seit 1986 gilt ein kommerzielles Fangverbot für alle Großwale. Doch dieser Beschluss der Internationalen Walfangkommission (IWC) hat verhängnisvolle Schlupflöcher, die die Walfangstaaten skrupellos ausnutzen und so derzeit etwa 1.500 Wale jährlich töten. Pro Wildlife kämpft für den konsequenten Schutz der Meeresriesen und widerlegt die Argumente der Walfänger für die Erhöhung der Fangquoten. So kämpft Pro Wildlife auch gegen jegliche Lockerung des Walfangverbotes - und konnte bei der IWC-Tagung 2010 einen brandgefährlichen Kompromissvorschlag abwehren helfen.

Sondermüll auf dem Teller

Japan und andere Walfangländer behaupten, sie bräuchten Walfleisch als Nahrungsgrundlage für ihre Bevölkerung. Die Verschmutzung der Meere beispielsweise durch Schwermetalle und andere giftige Chemikalien (PCB, DDT, Chlordan etc.) stellt jedoch eine noch nicht absehbar große Gefahr für die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Wale dar. Aber auch die Folgen für die Konsumenten sind dramatisch: Wissenschaftliche Studien auf den dänischen Färöer-Inseln belegen, dass Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit Walfleisch verzehrt haben, in ihrer geistigen Entwicklung zurückbleiben. Mit der Studie "Toxic Menu - Contamination of Whale Meat and Impact on Consumers' Health" zeigt Pro Wildlife auf, wie riskant der Konsum von Walfleisch für die menschliche Gesundheit ist. Nun endlich hat das IWC-Sekretariat dieses Thema aufgegriffen und tauscht sich mit der Weltgesundheitsorganisation WHO aus.

Leere Meere

Die Walfangländer Japan und Island argumentieren seit einigen Jahren, Wale und Delfine seien für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich und müssten deshalb durch Jagd dezimiert werden. Wissenschaftlich gesehen ist diese Argumentation völlig unhaltbar: Die meisten Walbestände sind heute kleiner als vor Beginn des kommerziellen Walfangs – damals waren die Fischbestände noch gesund, obwohl deutlich mehr Wale durch die Ozeane schwammen. In der Studie "

Running out of Fish" widerlegt Pro Wildlife die fadenscheinige Hypothese der Walfänger: Nicht die Wale sind schuld an der Fischknappheit, der Mensch zerstört durch folgenschwere Fischerei-Praktiken (z.B. Schleppnetze) die Artenvielfalt der Meere.


Minkewal©Centre for Whale Research

Die begehrtesten Opfer der Walfänger

Zwerg- oder Minkewal (Balaenoptera arcutorostrata): Dieser kleinste und am häufigsten vorkommende Furchenwal lebt in drei geographisch isolierten Populationen: im Nordpazifik, im Nordatlantik und in der Südhemisphere. Diese Walart ist das beliebteste Ziel der Walfänger: Zwischen 2001 und 2010 wurden 9.231 Minkewale getötet, davon erlegte allein Norwegen 5.593 Tiere.

Grauwal (Eschrichtius robustus): Mit einer Strecke von fast 20.000 Kilometern legt dieser Wal die längste für Säugetiere bisher bekannte Wanderung zurück. Die nordatlantische Population dieses Großwales wurde bereits im 17. und 18. Jahrhundert durch den Walfang vollständig ausgelöscht. Auch die koreanische Population ist inzwischen vermutlich ausgerottet. Die im östlichen Pazifik lebende kalifornische Population war bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf ein paar Hundert Tiere reduziert.  1946 wurde sie unter Schutz gestellt und konnte sich wieder erholen. Russland erlegte innerhalb der letzten acht Jahre 871 Grauwale für den "Subsistenz-Walfang" der Chukotka-Ureinwohner in Sibirien – doch ein Teil dieses angeblich dringend benötigten Walfleisches wird in Pelztierfarmen verfüttert.

Seiwal (Balaenoptera borealis): Er ist nach Blau- und Finnwal der drittgrößte und der am wenigsten erforschte Vertreter der Furchenwale. Der Seiwal misst bis zu 21 Meter. 692 Seiwale fielen zwischen 2001 und 2010 Japans "Wissenschaftswalfang" zum Opfer. Und das, obwohl diese Art auf der Roten Liste gefährdeter Arten als stark gefährdet gilt und sie auch durch das Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt ist.

Brydewal (Balaenoptera edeni): Dieser bis zu 20 Tonnen schwere Wal bevorzugt wärmere Gewässer in den Tropen und gemäßigten Breiten. Zwischen 2001 und 2010 erlegte Japan 495 Brydewale zu "wissenschaftlichen Zwecken". Obwohl der Giftstoffgehalt dieser Walart über den zulässigen Grenzwerten in Japan liegt, hält Tokio an der Jagd fest.

Finnwal©Centre for Whale ResearchFinnwal (Balaenoptera physalus): Der Finnwal ist mit bis zu 26 Metern Länge nach dem Blauwal das zweitgrößte Säugetier der Welt. Er ist in allen Ozeanen zu Hause, am häufigsten jedoch in gemäßigten und küstennahen Gewässern der südlichen Hemissphäre anzutreffen. Diese Walart ist laut der Roten Liste der gefährdeten Arten stark gefährdet und im Anhang I (absolutes Handelsverbot) des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet. Zwischen 2001 und 2010 erlegte Dänemark (Grönland) 117 Finnwale. Seit 2006 bejagt auch Island erstmals wieder diese bedrohten Meeresriesen und tötete seither 289 der Meeresriesen. Für 2011 wurde die Finnwaljagd vorläufig ausgesetzt, da der erhoffte Absatzmarkt Japan kein Interesse an Walfleisch aus Island hat.

Pottwal (Physter macrocephalus): Das Verbreitungsgebiet dieses größten Vertreters der Zahnwale erstreckt sich vom Arktischen bis zum Antarktischen Ozean, wobei der Pottwal tiefe Gewässer bevorzugt. Mit Tauchgängen von bis zu 2.000 Metern und bis zu zwei Stunden Dauer sind Pottwale wahre Rekordhalter unter den Säugetieren. In der Roten Liste der gefährdeten Arten wird er als gefährdet eingestuft und unterliegt dem kommerziellen Handelsverbot des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Trotz Walfangverbot tötete Japan zwischen 2001 und 2010 46 Pottwale.

Die IWC – Dauerstreit um das Walfangverbot

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Buckelwal©NOAAFür ein kommerzielles Walfangverbot

Die massive Waljagd im 19. und 20. Jahrhundert ließ die  Bestände vieler Walarten dramatisch sinken. Seit 1931 versuchte man, die vollständige Ausrottung der begehrten Meeresriesen zu verhindern. Die zahlreichen Absprachen erwiesen sich jedoch in der Praxis als unzureichend. Im Jahre 1946 wurde endlich die "Konvention zur Regelung des Walfangs" ins Leben gerufen, die zur Umsetzung ihrer Ziele die Internationale Walfangkommission (IWC) gründete. Erst 1982 erreichte die IWC einen Durchbruch zum Walschutz – ein Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 endlich in Kraft trat.

Die meisten Länder halten sich heute an das Walfangverbot. Norwegen und Russland dagegen legten fristgerecht Einspruch ein und sind daher rein juristisch nicht an das Moratorium gebunden. Japan nutzt den Deckmantel der "Wissenschaft", für die das Töten der Meeresriesen auch weiterhin erlaubt ist. Island trat 1989 aus der IWC aus – und wurde nach einem Täuschungsmanöver im Oktober 2002 wieder aufgenommen. Von 2003 bis 2007 tötete auch Island wieder 200 Zwergwale unter dem Deckmantel "wissenschaftlicher Forschung". Seit 2006 bejagt es sogar unverfroren für kommerzielle Zwecke Zwerg- und Finnwale - und beruft sich dabei auf seinen formaljuristischen Einspruch.

Doch trotz dieser Lücken führte das Moratorium zu einem deutlichen Rückgang der Fangquoten. Starben in den 1980er Jahren noch mehr als 12.000 harpunierte Wale jährlich "aus kommerziellen Gründen", waren es 1996 weniger als tausend Tiere. Seither steigen die Zahlen jedoch wieder: Derzeit sind es knapp 1.500 Wale pro Jahr: Japan ca. 770 Tiere, Norwegen ca. 470 Tiere und Island über 200 Tiere (Stand 2010).

Um diese Eskalation einzudämmen, arbeitete eine IWC-Arbeitsgruppe seit 2008 hinter verschlossenen Türen an einem "Kompromiss", der auf der IWC-Tagung im Juni 2010 jedoch abgelehnt wurde. Für die IWC-Tagung 2011 gibt es jedoch Bestrebungen, den unsäglichen Kompromiss wieder aus der Tasche zu ziehen...

>> Infos zur Walfangtagung 2011
 

Buckelwalfluke©NOAAAntarktis-Schutzgebiet: Teuer bezahlt?

Ein weiterer Erfolg für den Schutz von Walen ist das Schutzgebiet um die Antarktis – eine riesige Fläche mit wichtigen Nahrungsgründen der Meeressäuger. Mit einer einzigen Gegenstimme von Japan wurde das Schutzgebiet 1994 beschlossen. Doch um das Walschutzgebiet durchsetzen zu können, mussten die Walschutz-orientierten IWC-Vertragsstaaten eine diplomatische Gegenleistung erbringen, die vielen Artenschutzorganisationen schwer im Magen liegt: Auf der gleichen Konferenz wurde beschlossen, einen Management-Plan (Revised Management Plan, RMP) auszuarbeiten, der zukünftig Fangquoten, basierend auf zuverlässigen Bestandsschätzungen, ermöglichen soll. Ein so genanntes "Revised Management Scheme" (RMS) soll darüber hinaus die Rahmenbedingungen festlegen – und vor allem sicher stellen, dass die Einhaltung der Quoten überwacht wid. Dieser gefährliche Ansatz zur Aufweichung des Walschutzes wurde auf den Konferenzen der letzten Jahre Stück für Stück weiterentwickelt. Der RMP soll noch auf der Jahrestagung 2011 verabschiedet werden, der RMS-Prozess jedoch stockt erfreulicherweise.

Harpune©O.Lindquist

Hinter den Kulissen der IWC

Die IWC Vertragsstaaten treffen sich einmal jährlich, wobei Walfang- und Walschutzinteressen in den Verhandlungen aufeinanderprallen. Die IWC kann einerseits Resolutionen verabschieden, andererseits Änderungen ihrer Statuten ("Schedule Amendments", z.B. Fangquoten, Einrichtung neuer Schutzgebiete etc.) beschließen. Resolutionen, für deren Verabschiedung eine einfache Mehrheit ausreicht, haben lediglich Empfehlungscharakter – drücken aber dennoch den Willen der Mehrheit der IWC-Staaten aus.  Um die Statuten zu ändern, bedarf es  mindestens einer Dreiviertelmehrheit. Beim derzeitigen Patt zwischen Ländern mit Walfang- und Walschutzinteressen ist eine Änderung der Statuten kaum möglich. Abstimmungsberechtigt sind nur Länder, die ihre Mitgliedschaftsbeiträge gezahlt haben und anwesend sind. Infolge des Tsunamis und der Atomkatastrophe von Fukushima ist 2011 fraglich, ob Japan erneut die Teilnahme dutzender karibischer und afrikanischer Staaten finanzieren und zur Abstimmung pro Walfang bringen kann...

Die Mitgliedsstaaten der IWC

(Stand: Juni 2011: 89 Staaten)

Walschutz-orientierte Länder: Argentinien, Australien, Belgien, Belize, Brasilien, Bulgarien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Dominikanische Republik, Ecuador, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Guatemala, Indien, Irland, Israel, Italien, Kenia, Kolumbien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Mexiko, Monaco, Neuseeland, Niederlande, Nikaragua, Österreich, Palau, Panama, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ungarn, USA, Uruguay, Zypern.

Walfang-unterstützende Länder: Antigua & Barbuda, Benin, China, Dänemark (*), Dominica (**), Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Grenada, Guinea, Guinea-Bissau, Island, Japan, Kambodscha, Kamerun, Kiribati, Laos, Mali, Marokko, Marshall-Inseln, Mauretanien, Mongolei, Nauru, Norwegen, Oman, Republik Kongo, Russland, Salomonen, Senegal, St. Kitts & Nevis, St. Lucia, St. Vincent & die Grenadinen, Südkorea, Surinam, Tansania, Togo, Tuvalu.

 (*): Obwohl Dänemark als EU-Mitgliedsstaat an einen EU-Beschluss pro Walfang-Moratorium gebunden ist, unterstützt die Regierung in den meisten Abstimmungen die Walfangseite, um die Interessen der (semi-)autonomen Regionen Grönland und Färöer-Inseln zu wahren.

(**): In Dominica findet derzeit eine Neuausrichtung statt: 2010 verkündigte Dominica, nicht mehr länger kommerziellen Walfang unterstützen zu wollen.

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