CITES-Tagebuch aus Doha, Katar
Von der 15. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) aus Doha berichteten die Pro Wildlife Mitarbeiterinnen Daniela Freyer und Sandra Altherr:
Doha, 25. März: Erlebnisse der besonderen Art
Die Konferenz ist vorbei. Wir warten auf unseren Rückflug und nutzen die Gelegenheit für einen kleinen Rückblick, was sich so am Rande der Konferenz ereignete:
- der Empfang der japanischen Regierung, nachdem der Thunfisch-Antrag scheiterte, auf dem Roter Thunfisch serviert wurde – eigens aus Japan eingeflogen ...
- die von Japan verlesene Erklärung nach Abschluss der Konferenz, nach der ausgerechnet Japan im Thunfisch-Schutz die Führung übernehmen will – da macht sich der Bock selbst zum Gärtner…
- der Trophäenjagd-Lobbyist, der ausgerechnet Honduras überzeugen wollte, den Antrag zum Schutz der Rotaugenlaubfrösche abzulehnen – ohne zu wissen, dass Honduras einer der beiden Antragsteller ist … Ein schönes Beispiel, wie Lobbyarbeit NICHT funktioniert!
- der libysche Delegierte mit enormem Schauspieltalent, der in einem Atemzug den Antrag zum Schutz des Thunfischs, die EU und die Globalisierung verdammte.
Doha, 25. März: Desaster für den Haischutz
Der letzte Tag der Konferenz entwickelte sich nochmals dramatisch für die Haie. Die Gegner des Haischutzes eröffneten nochmals die Diskussion um die am Dienstag im Ausschuss beschlossene Listung des Heringshais – und der Antrag wurde abgelehnt. Was für eine riesige Enttäuschung unter den Artenschutzorganisationen! Damit sind tatsächlich alle Anträge zum Schutz von Meerestieren hier in Doha baden gegangen! Und das im Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt. Hierfür trägt vor allem Japan die Verantwortung – und ausgerechnet Japan ist Gastgeberland für die diesjährige Biodiversitätskonferenz!
Doha, 25. März: Elefantenschutz bestätigt
Elfenbeinhandel ist kein Allheilmittel für Artenschutz und Armutsbekämpfung: Sambia und Tansania sind in der Vollversammlung der CITES-Konferenz heute zum zweiten Mal mit ihrem Versuch gescheitert, den Elefantenschutz zu lockern und Elfenbein aus Lagerbeständen zu verkaufen. Hierfür gibt es viele gute Gründe: Wilderei, Elfenbeinschmuggel, abnehmende Elefantenbestände und Korruption sind die vier wichtigsten. In ihrer Argumentation gehen die beiden Länder hierauf allerdings mit keinem Wort ein. Stattdessen ziehen sie einmal mehr alle Register: Elefanten werden als Plattmacher und Killer verunglimpft, angebliche Überpopulationen herbei geredet und der Elfenbeinhandel als simples Mittel gegen die Armutsbekämpfung und Lösung des Konfliktes zwischen Mensch und Tier angepriesen.
Von der Wahrheit ist das weit entfernt: Das Elefanten-Management ist ausschließlich nationale Angelegenheit, CITES greift hier nicht ein. Das Abkommen verbietet seinen Mitgliedsstaaten nicht den Abschuss angeblicher Problemtiere. Obwohl CITES hierauf keinerlei Einfluss hat, spielen Sambia und Tansania den Konflikt zwischen Mensch und Tier hoch. In Tansania werden pro Jahr nur 15 und in Sambia 30 Elefanten als „Problemtiere“ abgeschossen. Der Verkauf ihrer Stoßzähne wird daran nichts ändern. Stattdessen bringt er Elefanten in ganz Afrika und Asien in Gefahr, bereits jetzt werden jedes Jahr Zehntausende für den illegalen Elfenbeinhandel gewildert. Die Erlöse aus dem Elfenbeinhandel wären ein Tropfen auf den heißen Stein – sie reichen bei weitem nicht aus, um die großen Finanzlöcher im Artenschutz geschweige denn in der Armutsbekämpfung zu füllen. Im Gegenteil fürchtet z.B. die Tourismusindustrie in Tansania Imageverlust und Umsatz-Einbußen und bat bereits die Regierung, den Feldzug gegen die Elefanten zu stoppen.
Sambia und Tansania kämpfen hier Scheingefechte: Es geht ihnen um eine politische Grundsatzentscheidung und darum, der Nutzung „natürlicher Ressourcen“ Vorrang über den Schutz zu verschaffen. Die Gefahren der Öffnung des Elfenbeinmarktes auch für Afrikanische Elefanten in anderen Ländern sowie Asiatische Elefanten, haben beide Länder ausgeblendet – auf der Artenschutzkonferenz sind sie deshalb zu Recht gescheitert.
Doha, 24. März: Strittige Themen kochen wieder auf
Heute und morgen findet hier die Vollversammlung statt, d.h. dass alle bisherigen Empfehlungen und Entscheidungen formell nochmals bekräftigt werden müssen. In den allermeisten Fällen werden die getroffenen Beschlüsse abgenickt, doch bei kontroversen Themen kann die Diskussion wiedereröffnet werden – so heute geschehen bei dem philippinischen Papageienzüchter, der von CITES als Zuchtbetrieb anerkannt werden wollte. Im Ausschuss am 22. März wurde dies verhindert, heute kam das Thema nochmal hoch – und wieder konnten wir uns über eine Absage an diesen dubiosen Tierhändler freuen. Gleichzeitig hielt uns das Elfenbeinthema auf Trab, denn es war klar, dass Tansania und Sambia im Plenum ihre Anträge nochmals einbringen. Also wieder Argumente zusammenstellen, Übersetzungen in Französisch, Arabisch und Spanisch organisieren, mit „Wackelkandidaten“ reden, um sie für den Schutz der Elefanten zu überzeugen ... Abends dann noch ein beeindruckender Vortrag zur Situation der Gorillas im Kongo und weitere Gespräche über mögliche Projekte für die Zukunft. Und dann endlich schlafen.
Doha, 23. März: Haie gehen baden
Heute war ein schwarzer Tag für die Haie und für Meerestiere generell: Von acht Haiarten, für die erstmals weltweite Handelsbeschränkungen diskutiert wurden, erreichte im Ausschuss nur ein einziger Antrag die erforderliche Zweidrittelmehrheit: Heringshaie sollen zukünftig dank dem großen Engagement Deutschlands international geschützt sein. Die Diskussion heute machte jedoch deutlich, dass bei marinen Arten viele Länder rot sehen: Sie verweigern jeglichen Schutz – auch wenn eine Art akut vom Aussterben bedroht ist. Wie unsachlich die Diskussion verlief, sieht man daran, dass hier manche Delegierte nur von „Fisch“ sprachen, ohne auf die konkrete Art einzugehen. Die Fischereiflotten fangen jährlich allein bis zu 2,7 Millionen Bogenstirn-Hammerhaie – der weitaus größte Teil endet als Haifischflossensuppe in Südostasien. Wie lange wollen die CITES-Mitgliedsstaaten noch zuschauen, bevor sie die Notbremse für Haie ziehen? Die Ergebnisse heute waren allesamt knapp, so dass die Anträge in der Vollversammlung in den nächsten zwei Tagen vielleicht nochmals aufgegriffen werden.
Doha, 22. März: Erfolgreicher Tag für Elefanten und Papageien
Heute scheiterten die Anträge Tansanias und Sambias, ihre Elefanten von Anhang I (Handelsverbot) in Anhang II herabzustufen und ihre Elfenbeinvorräte zu verkaufen. Viele der schutzorientierten 26 afrikanischen Länder der Afrikanischen Koalition hatten gar keine Gelegenheit bekommen, ihre Bedenken gegen den Elfenbeinhandel zu äußern und waren entsprechend empört über den einseitigen Diskussionsverlauf. Dennoch war das Abstimmungsergebnis ein Votum für den Elefantenschutz. Nachdem der Antrag Tansanias gescheitert war nahm Sambia seinen Antrag für den Elfenbeinverkauf zurück und beantragte „nur“ eine Herabstufung seiner Elefanten, Um seine Chancen auf eine Zustimmung zu erhöhen. Es nutzte nichts: Mit 55 Ja- gegen 36 Nein-Stimmen verfehlte der Antrag die nötige Zweidrittel-Mehrheit. Leider scheiterte auch ein Antrag der Afrikanischen Elefanten-Koalition, das auf der letzten Artenschutzkonferenz beschlossene Elfenbein-Moratorium auf alle Elefantenbestände auszudehnen. Aber: Es gibt keine Lockerung des Elefantenschutzes und keinen legalen Elfenbeinhandel in den nächsten Jahren – und das ist DIE Erfolgsmeldung dieser Konferenz!
Im Schatten der hitzigen Elefantendebatten ging ein weiterer Erfolg fast unter: Die Registrierung eines umstrittenen philippinischen Tierhändlers als offiziellem CITES-Zuchtbetrieb für 15 verschiedene Papageienarten wurde abgelehnt. Viele Herkunftsstaaten aus Mittel- und Südamerika lehnten den Antrag ab, weil die Herkunft der Zuchttiere unklar ist und die Anerkennung des Händlers den Papageinschmuggel erleichtert. Raritäten wie der leuchtendblaue Hyazinthara oder der Gelbwangenkakadu erzielen Preise von mehreren Tausend Euro pro Tier.
Doha, 21. März: Großer Sieg für kleine Tiere
Was für ein Tag! Nach all den Katastrophenmeldungen der letzten Woche war dieser Tag Balsam für unsere Seelen
. Folgende durch den
Tierhandel bedrohte Arten wurden in die CITES Anhänge aufgenommen: Vier vom Aussterben bedrohte Schwarzleguan-Arten aus Honduras und Guatemala sowie die gesamte Gattung der Rotaugenlaubfrösche aus Zentralamerika dürfen künftig nur noch begrenzt gehandelt werden. Für die sehr seltenen Zagros-Molche aus dem Iran gilt sogar ein Handelsverbot. Alle Anträge wurden im Konsens angenommen – woran vor wenigen Tagen noch nicht zu denken war. Vor allem die EU hat uns auf Trab gehalten, weil sie ursprünglich gegen den Froschantrag und die Leguane stimmen wollte. Wenigstens den heute unter Schutz gestellten Tierarten hat die aktuelle CITES-Konferenz Glück gebracht.
Eine Stunde später, die mit hitzigen Debatten gefüllt war, legt sich dann doch ein Schatten auf unsere heutige Freude: Die Listung von Roten und Rosa Korallen in Anhang II wurde in Geheimabstimmung mit 64 Ja- zu 59 Nein-Stimmen abgelehnt. Morgen kommen die Elefanten dran!
Doha, 20. März: Ein Blick hinter die Kulissen
Gestern und heute war hier in Katar Wochenende, also gab es keine Entscheidungen zum Artenschutz. Diese Zeit verwenden viele Konferenzteilnehmer, um an ihren Strategien für den zu erwartenden Showdown ab morgen zu feilen. Geheime und offizielle Arbeitsgruppen treffen sich, Stimmen Verbündeter werden gezählt, Gespräche mit Delegierten geführt, wo immer man sie findet: Beim Frühstück, im Aufzug oder im Hotelflur. Traurig ist die Tatsache, dass Profit die meiste Überzeugungskraft hat: China und Japan haben in den letzten Monaten große Delegationen in zahlreiche Fischereinationen geschickt, um vor allem Stimmung gegen den Thunfischschutz zu machen. Das Ergebnis gibt ihnen recht, wie der vergangene Donnerstag gezeigt hat. Aber auch die EU hat sich nicht mit Ruhm bekleckert: Ihre zwiespältige Haltung zum Thunfisch und ihre Ablehnung des Handelsverbotes für Eisbären zeigen, dass auch hier Wirtschaftsinteressen und Politik über den Schutz bedrohter Arten siegen. Morgen stehen Reptilien, Amphibien und Haie auf dem Programm. Daumen drücken!
Doha, 18. März: Eisbär und Roter Thun kaltgestellt
So einen Tag muss man erst einmal verkraften: Es begann mit einer riesigen Enttäuschung: Als erstes wurde heute über ein Handelsverbot für Eisbären abgestimmt. Dank der negativen Stimmen der EU wurde er mit 48 Ja- und 62 Nein-Stimmen abgelehnt. Obwohl laut einer aktuellen Umfrage 80 Prozent der Kanadier die Eisbärenjagd ablehnen, war die kanadische Regierung der größte Widersacher des US-Schutzantrages. Doch das war nicht die einzige bittere Niederlage: Am Nachmittag wurde nach zweistündiger hitziger Debatte über den Antrag Monacos abgestimmt, ein weltweites Handelsverbot für den stark bedrohten Roten Thunfisch zu erlassen. Die Fischereinationen liefen regelrecht Amok gegen diesen Antrag, und das Abstimmungsergebnis war desaströs: Nur 20 Länder stimmten dafür, 68 Länder dagegen. Jetzt heißt es: Tief durchatmen, nicht unterkriegen lassen und sich auf die kommenden Anträge konzentrieren. Morgen und übermorgen ist hier in Katar als islamischem Land Wochenende - dies gibt uns noch zwei Tage Zeit, Delegationen für unsere Sache zu gewinnen.
Doha, 17. März: Gemischte Gefühle
Auf der CITES-Konferenz geht es ab heute Schlag auf Schlag. Nachdem tagelang formelle Punkte abgearbeitet wurden und nur hinter den Kulissen an den „heißen“ Themen gearbeitet wurde, stehen seit heute die aus Sicht von Pro Wildlife wichtigsten Themen auf dem Programm. Am frühen Nachmittag erlitten wir einen herben Rückschlag, weil trotz intensivem Schmuggel mit Menschenaffen die „Akte Ägypten“ geschlossen wurde. Seit 15 Jahren steht Ägypten bei CITES wegen anhaltender Vollzugsprobleme am Pranger. Während in Ägypten Fortschritte im Kampf gegen den illegalen Affenhandel nur langsam vorangehen, scheinen die Schutzländer ermüdet: Bei der heutigen Diskussion konnte sich kein Land aufraffen, nochmals gegen Ägypten vorzugehen. Da nutzte auch unser Bericht zum Verschwinden von vier jungen Gorillas und zu weiteren Missständen nichts. Nur wenig später dagegen kam bei uns doch noch Freude auf, weil der Antrag USAs, den strengen Schutz für den Rotluchs zu lockern, sehr deutlich abgelehnt wurde. Der Rotluchs selbst ist nicht bedroht, aber die ihm zu Verwechseln ähnlichen und hochbedrohten Verwandten aus Europa könnten durch eine Handelserlaubnis für Rotluchsfelle ins Visier der Wilderer geraten.
Ab morgen geht es dann Schlag auf Schlag: Als erstes steht der Eisbär auf der Tagesordnung, gefolgt von Reptilien und „unseren“ Fröschen. Und danach geht’s in medias res, wenn Roter Thunfisch und die Haianträge die Fischerei-Gemüter erhitzen. Heute abend ist also die letzte Gelegenheit, Delegierte zu diesen Themen zu überzeugen.
Doha, 16. März: Steigende Chancen für Elefantenschutz
Tansanias Antrag, den Schutz seiner Elefanten zu lockern und 89 Tonnen Elfenbein zu exportieren, stößt auf immer mehr Widerstand. Heute teilte auch das CITES-Sekretariat mit, dass es den Antrag ablehnt. Zwar hat das Sekretariat kein Stimmrecht, aber viele Länder orientieren sich an seinen Empfehlungen. Einen ähnlichen Antrag Sambias unterstützt das Sekretariat hingegen – obwohl in Sambia nur noch etwa 16 % des Bestands vor 27 Jahren leben, die Wilderei in den letzten Jahren stark zugenommen hat und zu wenig zum Schutz der Elefanten getan wird. Pro Wildlife hat die wichtigsten Argumente gegen beide Elefantenanträge zusammen getragen und wirbt für einen konsequenten Elefantenschutz.
Heute wurde zudem eine Arbeitsgruppe zum Handel mit Schildkröten eingerichtet. Millionen werden jedes Jahr als Nahrung, Heilmittel und Heimtiere gehandelt. Das Thema ist seit vielen Jahren ein Dauerbrenner. Bereits im Jahr 2000 setzte sich Pro Wildlife mit Erfolg dafür ein, dass zahlreiche Schildkrötenarten geschützt wurden. Seither folgten dutzende weitere Arten.
Doha, 15. März: Ein Tag für die Frösche
Pro Wildlife unterstützt die Länder Zentralamerikas bei ihrem Antrag, den Heimtierhandel mit fünf Rotaugenlaubfröschen zu beschränken. Wir konnten in den letzten Tagen zahlreiche Delegierte im persönlichen Gespräch überzeugen, wie dringend die bunten kleinen Frösche, aber auch ein vom Aussterben bedrohter Molch aus dem Iran den Schutz von CITES brauchen. Hierzu gehörte heute eine Informationsveranstaltung, an der über 40 Delegierte teilnahmen. Viele von ihnen haben uns ihre Unterstützung zugesagt. Wir machen große Fortschritte, um genügend Stimmen zusammen zu bekommen. Nur die EU macht uns bei den Fröschen noch Sorgen, aber uns bleiben noch ein paar Tage, um Überzeugungsarbeit zu leisten…
Doha, 14. März: Frostige Zeiten für Eisbären
Der heutige Tag stand für uns im Zeichen des „Königs der Arktis“. Pro Wildlife und eine Koalition von Artenschutzverbänden luden die Delegierten zu einem Informationsgespräch über die Bedrohung des Eisbären ein. Vielen Ländern ist klar: Eisbären sind durch den Klimawandel bedroht. Was viele Delegierte jedoch nicht wissen: Etwa 1.200 Eisbären werden jedes Jahr getötet, der Großteil mit staatlicher Abschussgenehmigung. Hunderten Tieren jährlich könnte ein Verbot des internationalen Handels mit Eisbärfellen, -Schädeln und -Klauen das Leben retten. Deshalb wirbt Pro Wildlife im Gespräch mit Delegierten aus aller Welt für eine Listung auf Anhang I von CITES, wie es die USA beantragt haben. Die EU als wichtiger Stimmenblock lehnt den Antrag bislang ab. Die USA brauchen Zweidrittel der Länder, um das Handelsverbot durchzusetzen – bis zur Abstimmung bleibt uns noch eine Woche Zeit.
Doha,
13. März: Der Startschuss fällt
Um 15.00 Uhr Ortszeit begann das große Spektakel – allerdings standen für heute nur die Eröffnungszeremonie (Foto) und organisatorische Punkte auf dem Programm. In seiner Eröffnungsrede sprach der CITES-Generalsekretär von „Wildtier-produzierenden Ländern“ statt von Herkunftsländern. Denn häufig werden Wildtiere und -Pflanzen hier vor allem als Handelsware angesehen. Deshalb wundert es kaum, dass hier fast 50 Organisationen vor Ort sind, die ihre rein kommerziellen Interessen verteidigen wollen: Zu den Teilnehmern gehören u.a. die Verbände für Internationale Berufsjäger, japanische Elfenbeinschnitzer, Traditionelle Chinesische Medizin, Europäischen Heimtierhandel, japanische Thunfischer sowie mehrere Inuit-Organisationen – letztere wollen vor allem ein Handelsverbot für Eisbären zu Fall bringen. Von Regierungsseite stellt wieder einmal Japan eine der größten Delegationen – nicht ohne Grund: Japan will verhindern, dass Roter Thun, Haie oder Korallen durch CITES geschützt werden. Außerdem hat Japan großes Interesse daran, dass Tansania und Sambia ihre Elfenbeinanträge durchsetzen. Denn Japan ist neben China das einzige von CITES anerkannte Absatzland für Elfenbein. Ab morgen geht das Tauziehen dann richtig los…
Doha, 12. März: Die Ruhe vor dem Sturm
Heute tagt der Ständige Ausschuss von CITES. Doch man merkt: In Gedanken sind alle bei den großen Themen, die ab morgen hier diskutiert werden: Zum Roten Thun kursieren verschiedene Vorschläge, z.B. will die EU das Handelsverbot an eine ganze Reihe von Bedingungen knüpfen. Dem Eisbären will sie den Schutz nach neuesten Informationen sogar ganz verwehren. Bei den Elefanten scheinen manche Länder vor lauter diplomatischer Rücksichtnahme gegenüber lediglich zwei am Elfenbeinhandel interessierten Staaten zu übersehen, welch alarmierende Berichte zur Wilderei und zum Elfenbeinschmuggel vorliegen. Für die Haie könnte der Antrag zum Schutz des Thunfischs sowohl ein Risiko als auch die Rettung sein: Um kommerzielle Fischarten gibt es bei CITES immer großen Streit, doch diesmal könnten die Meeresräuber im Windschatten des alles überragenden Thunfisches schwimmen. Für insgesamt acht Haiarten werden in den kommenden zwei Wochen internationale Handelsbeschränkungen diskutiert.
Doha, 11. März 2010: Schlimmer geht immer
Wenige Tage vor Beginn der 15. CITES-Artenschutzkonferenz ist endlich ein lange erwarteter Bericht zur Situation der Elefanten in Tansania erschienen. Und dieser Bericht bestätigt schwarz auf weiß all die Hiobsbotschaften, die wir bereits aus inoffiziellen Quellen kannten: In Tansania sind Wilderei und Elfenbeinschmuggel völlig außer Kontrolle, trotzdem will Tansania in den internationalen Elfenbeinhandel einsteigen und 89 Tonnen Elfenbein verkaufen.
- Laut Sachverständigenbericht wurden in den letzten drei Jahren über 34.000 Elefanten gewildert – die meisten von ihnen im Selous-Schutzgebiet. Die tansanischen Behörden haben hiervon angeblich nichts mitbekommen – sie wiesen bislang Presseberichte über die hohe Wilderei als „Propaganda“ zurück. In verschiedenen Regionen Tansanias sind die Elefanten inzwischen verschwunden.
- Von allen afrikanischen Ländern ist Tansania am stärksten in den illegalen Handel mit dem „weißen Gold“ verwickelt.
- Den von CITES geforderten Nachweis, dass das zum Verkauf stehende Elfenbein aus legaler Quelle stammt (z.B. aus natürlicher Mortalität), kann die Regierung nicht erbringen: Dummerweise ist im vergangenen Jahr ein Großteil der Dokumente verbrannt…
Obwohl der Expertenbericht seitenweise die dramatische Situation in Tansania beschreibt, kommen die Autoren zu einem verblüffenden Fazit: Sie befürworten die Freigabe des Elfenbeinverkaufs, damit Geld in Tansanias Staatskasse gespült wird. Das Geld soll angeblich in den Elefantenschutz fließen, obwohl der Bericht an anderer Stelle bestätigt, dass hierfür bereits ausreichend Finanzmittel vorhanden wären. Jetzt muss die Wahrheit auf den Tisch, damit Tansania die rote Karte erhält.