Veränderung in der Fischereipolitik der EU

Unterstützen Sie unsere Petition an den Präsidenten des Europäischen Parlaments, den Deutschen Martin Schulz, und an Alain Cadec, den Vorsitzenden des PECH Committees, des Fischerei-Ausschusses des Europäischen Parlaments.


 

Sehr geehrter Herr Schulz,
Sehr geehrter Herr Cadec,


Als besorgte Bürger Europas und der Welt können wir uns mit der derzeitigen Fischerpolitik in der EU nicht einverstanden zeigen. Der Raubbau an den Meeren geht ungehindert weiter, Fangquoten werden um vieles höher festgelegt als Fachleute raten, Wirtschaftszweige werden gefördert, die die Überfischung der Meere betreiben.
Wir haben nur diese Ozeane, wir haben nur diese Bewohner der Meere, wir müssen handeln, ehe sich das Rad nicht mehr zurück drehen lässt. Es ist an der Zeit, dass die Politik etwas ändert. Wir alle sind abhängig von den Meeren, egal ob nun als Nahrungsquelle oder als Sauerstofflieferant: Wenn das Meer stirbt, stirbt der Mensch.
Die Langleinenfischerei ist eine Art des Fischens in der industriell betriebenen Hochseefischerei, bei der an einer aus Kunststoff gefertigten Hauptleine mit unzähligen Köderhaken versehene Nebenleinen ausgelegt werden. Langleinen können bis zu 200 Kilometer lang und mit mehr als 30.000 Köderhaken versehen sein; die Anzahl der Köder und Länge der Leine variieren allerdings stark. Der Beifang bei der industriellen Langleinenfischerei auf Thunfisch beträgt bis zu 90%. Um keinen Markt hierfür zu schaffen, ist das Anlanden toter geschützter Tiere in den EU-Ländern untersagt; die toten oder verletzten Tiere werden somit einfach zurück ins Meer geworfen.

Experten schätzen die Beifänge und Rückwürfe der globalen Fischerei auf bis zu 30 Millionen Tonnen jährlich. Somit sterben Millionen Meerestiere jährlich ohne jeglichen wirtschaftlichen Nutzen, was viele Arten an den Rand des Aussterbens oder gar zum Aussterben bringt. Da die Langleinenfischerei definitiv nicht nachhaltig und nicht selektiv ist, fordern wir:
Verbot der Praxis der Langleinenfischerei für alle EU-Fischereiunternehmen
Durch Überfischung, illegale Fischerei und zu hohe Beifangraten wurden bereits zahlreiche Fischarten bestandsgefährdend dezimiert oder an den Rand der Ausrottung gebracht. Nachhaltiger Fischfang bedeutet nun, dass die eingesetzten Fischfangmethoden bestandserhaltend sind und die Reproduktionsfähigkeit der Zielfischarten nicht herabgesetzt wird, so dass das Ökosystem Meer nicht geschädigt und der Anteil ungewollter Beifänge weitgehend minimiert wird.
Aus der Sicht von Fachleuten gibt es augenblicklich kein Siegel für nachhaltige Fischprodukte, das uneingeschränkt zu empfehlen ist. Die vorhandenen Zertifizierungen sind ein Schritt in die richtige Richtung, können jedoch nicht garantieren, dass alle zertifizierten Produkte aus wirklich nachhaltigem Fischfang (oder auch Aquakulturen) stammen.

Darum:
Keine EU Subventionen mehr für die nicht nachhaltige Fischerei
Offiziell gibt es den dringend benötigten Fischereiflottenabbau in der EU jedoch nur auf dem Papier. Bis 2011 gab es 6.000 Fangschiffe weniger als vor 2002, was mit einem Abwrackprogramm mit Prämien in Höhe von ca. 848 Millionen Euro von 2002 bis 2007 durch die EU gefördert wurde. Dass der Großteil dieser Schiffe jedoch unter 12 Metern Länge und somit zu der küstennahen Fischerei gehörte, und im gleichen Zeitraum 1,27 Milliarden Euro in den Neubau von 3.000 Schiffen und die Modernisierung von 8.000 Schiffen, die größtenteils über 12 Metern liegen, investiert wurde, wird nicht offiziell genannt. Solche Investitionen bekämpfen nicht die Überfischung der Meere, durch die gesteigerte Fangkapazität wird diese sogar gefördert. Es werden Milliarden EU Gelder in den Ausbau der Fischereiflotte gesteckt,  und man beklagt auf der anderen Seite das Dilemma der überfischten Meere. Aus diesem Grund fordern wir in Zukunft:
Keine EU-Subventionen mehr für den Betrieb von Super-Fischtrawlern und solchen für die Langleinenfischerei. Kein Bau von neuen Super-Fischtrawlern auf EU Kosten. Stilllegung von Super-Fischtrawlern, wenn durch Quoten Überkapazitäten vorhanden sind.
Seit 2004 gibt es in der EU keine Förderung mehr für den Neubau von Fischereischiffen, jedoch wurden von 2007 bis 2013 rund 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, unter der Prämisse, dass dieses Geld in umweltfreundliche Maßnahmen wie zum Beispiel die Energieeffizienz investiert wird. Dass diese Energieeffizienz jedoch auch einer Kapazitätssteigerung entspricht, denn ein effizienteres Schiff kann dadurch noch weiter und länger fahren und somit noch mehr fischen, wird nicht berücksichtigt. Wiederum ist dies eine Förderung der Überfischung.
Die industriellen Fischereien in der EU profitieren davon, dass sie keine Treibstoffsteuer bezahlen müssen. Kleine, küstennah fahrende Schiffe fahren kürzere Strecken, haben somit auch wesentlich weniger Treibstoffverbrauch. Nur die großen Fischereischiffe profitieren tatsächlich von diesem Steuererlass, denn ohne diesen würde es für die großen Fangschiffe rein rechnerisch nicht profitabel sein überhaupt den Hafen zu verlassen. Eine Abschaffung dieser Regelung würde den lokalen und küstennah tätigen Fischereischiffen zu Gute kommen.
Verschiedene Fischarten haben einen festgelegten Mindestpreis. Dies bedeutet: Wird dieser Preis auf dem Markt nicht erzielt, kann die EU durch Erzeuger-Organisationen diesen Fang zum garantierten Preis aufkaufen und anschließend zu Tierfutter verwerten oder einfach entsorgen. Subventionen bei der Modernisierung der Flotte, Abwrackprämien, steuerfreier Treibstoff und festgelegte Mindestpreise: Von allem profitiert nur der industrielle Bereich des Fischfangs, nicht der lokale Fischfang und erst recht nicht der Fischbestand. Wieso sollen wir EU-Bürger dies finanziell fördern? In Zukunft:
Großunternehmen müssen ohne EU Subventionen auf eigenen Beinen stehen.
Wir fordern, dass die Europäische Union zum Vorreiter im Meeresschutz wird und die genannten Positionen in der Fischerpolitik umsetzt, zum Wohle von uns allen.
Es müssen strengere Kontrollen der Länder und der Quoten durch die EU, zum Beispiel durch den dauerhaften Einsatz von behördlichen Kontrolleuren auf den Schiffen, erfolgen. Somit würde nicht nur der nichtvermarktbare Beifang erfasst, auch der Praxis des nachweisbaren Rückwurfs nicht lukrativer Fangergebnisse würde ein Ende bereitet. Nicht die industrielle Fischerei, sondern die lokale nachhaltige selektive Kleinfischerei muss von der EU gefördert werden, genauso wie Schutzprogramme und Nationalparks, sprich große Rückzugsgebiete im Nordatlantik.


Ihrer Stellungnahme entgegensehend verbleiben wir

Mit freundlichen Grüßen,