Tiertransporte

auf Transport verendete Fische©R.Fenske

Massensterben bei Wildtiertransporten

Mehrere Hunderttausend Ziervögel und Reptilien, Zehntausende Säugetiere, Frösche, Skorpione und Spinnen sowie Millionen Zierfische werden alljährlich nach Deutschland transportiert. Es wurde nachgewiesen, dass bereits im Exportland die Hälfte der gefangenen Vögel stirbt. Nach Schätzungen kommt von fünf gefangenen Papageien nur einer lebend an seinem Bestimmungsort an. Bei Zierfischen betragen die Verluste während des Fanges, Transportes und der Haltung 50 bis 90 Prozent (siehe Foto). Weitere Tiere verenden auf dem Transport nach Europa, bei Importeuren, Groß- und Einzelhändlern, bevor sie schließlich beim Halter, dem "Endverbraucher", landen. Durch die Aufdeckung skandalöser Vorfälle beim Wildtiertransport sorgt Pro Wildlife dafür, dass die Akteure zur Verantwortung gezogen werden. Wie hoch die Verlustraten in den verschiedenen Etappen des Handels mit Wildtieren sind, dokumentierte Pro Wildlife im Bericht "Wildtiertransporte und Tierschutz – ein Paradoxon".

Bau eines Flugkäfigs für gerettete Graupapageien©Limbe Wildlife CentreGraupapageien gerettet

Für 1.200 Graupapageien, die für den internationalen Zoohandel bestimmt waren, endete die Reise bereits am Flughafen von Douala (Kamerun). Die verdeckten Ermittler der Last Great Ape Organization (LAGA) waren im Februar 2008 illegalen Tierhändlern auf die Schliche gekommen, die 493 gewilderte Papageien nach Bahrain versenden wollten. Wenig später ließ LAGA den Handel mit 727 weiteren Graupapageien platzen, die sich – in Kisten gepfercht – auf dem Weg nach Mexiko befanden. Alle Tiere kamen ins Limbe Wildlife Center (LWC). Pro Wildlife stellte spontan Mittel für den Neubau eines zusätzlichen Geheges bereit.

Graupapagei mit verklebten Flügeln im Limbe Wildlife Centre©G.OhlenbostelAls die Papageien in der Auffangstation eintrafen, waren sie in einem erbärmlichen Zustand: Viele der Tiere hatten Wunden, die Federn waren ausgerissen, abgeschnitten oder verklebt. Die Wilderer fangen Papageien, indem sie die Äste Früchte tragender Bäume mit Leim bestreichen,  die Tiere bleiben qualvoll fest. Die verklebten Federn mussten teils unter Vollnarkose gereinigt werden – ein mühsames und aufwändiges Unterfangen. Inzwischen konnten 900 Papageien erfolgreich wieder in die Freiheit entlassen werden: ungefähr 60 Tiere leben noch in der Station. Sie können sich frei bewegen. Zum Wegfliegen sind ihre Flügel allerdings nicht mehr geeignet, und so bleiben sie wohl Dauergäste in Limbe.

Die Rolle von Flugunternehmen

Fluglinien sind beim weltweiten Tierhandel das Nadelöhr, durch das der Transfer von Wildtieren in alle Welt ermöglicht wird. In den Frachträumen der Lufthansa Cargo AG und der KLM verendeten bereits etliche Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien. Auf Drängen von Pro Wildlife und der Whale & Dolphin Conservation Society (WDCS) sicherte die Lufthansa zu, den Wildtiertransport weitgehend einzustellen. Die Fluglinie will außerdem künftig die Qualität von Zierfischtransporten prüfen und nachbessern und fordert andere Flugunternehmen auf, diesem Beispiel zu folgen. Die KLM hat ein ähnliches Vorgehen beschlossen. Es ist zu hoffen, dass die Entscheidung dieser führenden europäischen Carrier eine generelle Kehrtwende im Wildtierhandel auslöst.

Tod im Frachtraum

Während eines Fluges vom Sudan über Frankfurt nach Südafrika verhungerten im Juni 1999 vier Wüstenfüchse (Vulpes zerda). 35 Stück der kleinen Wildhunde befanden sich im Frachtraum der Lufthansa-Maschine, die mit derselben Lieferung auch Kraniche an Bord genommen hatte. Da damit gegen das Lufthansa-Wildvogelembargo verstoßen wurde, wurde die ganze Sache publik. Pro Wildlife erstattete Strafanzeige gegen das Flugunternehmen.

Im November 1999 kam es zu einem weiteren tödlichen Zwischenfall: Von vier Delfinen, die durch die Lufthansa aus Russland nach Südamerika transportiert wurden, überlebten zwei Tiere den Flug nicht – Todesursache unklar. Daraufhin stieg die Lufthansa endlich aus dem Wal- und Delfintransport aus.

Auch bei der holländischen Fluglinie KLM starben zahlreiche Tiere. Allein über 400 chinesische Hörnchen, seltene Papageien und Schildkröten wurden aufgrund fehlender Papiere "entsorgt". Ein Skandal, der KLM wenige Monate später zum Ausstieg aus allen Wildtiertransporten bewegte.