Tierhandel
Ein tödliches Geschäft
Millionen exotischer Vögel, Reptilien, Säugetiere und Fische werden unter deutschen Dächern gehalten. Viele exotische Tierarten sind aufgrund ihrer Ansprüche an Haltungsbedingungen und Pflege als "Haustiere" ungeeignet. Dennoch können sie ohne jegliche Vorkenntnisse im Zoofachhandel, auf Tierbörsen, in Gartencentern oder über das Internet frei erstanden werden. In der Anschaffung sind manche Tiere gar nicht teuer: So kostet ein Schmuckhornfrosch 20 bis 30 Euro, Giftschlangen sind ab 20 Euro und Skorpione ab acht Euro zu haben. Und so gelangen selbst gefährliche Tiere in die Hände unerfahrener Halter.
Tierbörsen: Wildtiere vom Wühltisch
Nahezu jedes Wochenende finden quer durch die Republik Tierbörsen statt. Auf immer mehr solcher Börsen werden Wildtiere regelrecht verramscht – von Schlangen über Chamäleons und Pfeilgiftfrösche bis hin zu Gürteltieren und kleinen Affen. Die Tierbörsenbranche boomt. Der Umfang des Handels lässt sich erahnen, wenn man die weltgrößte Reptilienbörse Terraristika in Hamm/Westfalen besucht. In mehreren großen Hallen bieten Händler dreimal jährlich Tausende Tiere feil – vom Laubfrosch bis zur Speikobra. Eingepfercht in stapelweise winzige Plastikschalen werden die Tiere präsentiert. Viele von ihnen wurden in freier Wildbahn eingefangen und zusätzlich stunden- bis tagelange Transporte aus Nachbarländern hinter sich.
Pro Wildlife dokumentiert die Missstände auf Deutschlands Tierbörsen und konnte die Verabschiedung einer Leitlinie für Tierbörsen sowie einige Verbote erreichen. Einige Auflagen wurden verschärft, amtstierärztliche Kontrollen verstärkt und die Vogelbörse im bayerischen Straubing auf Anweisung des zuständigen Amtstierarztes untersagt. Doch bis heute sind noch häufig Missstände auf deutschen Tierbörsen vorzufinden.
Massensterben durch Haltungsfehler
Kenner der Reptilienszene schätzen allein die Zahl der Riesenschlangen auf 250.000, die der Giftschlangen auf 100.000 Tiere. Hinzu kommen unzählige Warane und Chamäleons, Geckos und Schildkröten. Auch besonders seltene, großwüchsige oder giftige Arten erfreuen sich großer Beliebtheit. Ob Online-Einkauf per Mausklick oder Schnäppchenjagd auf Tierbörsen – ein Spontankauf ist schnell gemacht und so mancher Käufer weiß nicht, wie hoch die Ansprüche seines exotischen Schützlings ist. Den Preis zahlen die Tiere: Es wird geschätzt, dass bis zu 95 Prozent junger Schmuckschildkröten in Menschenhand im ersten Jahr sterben. Die in deutschen Aquarien gehaltenen 80 Millionen Fische werden im Schnitt viermal im Jahr ersetzt. Reptilienshows, die durch Deutschland reisen, erhöhen die Nachfrage nach den angeblich anspruchslosen "Haustieren".
Alligatoren und Kobras als Haustiere
Im Herbst 2007 verabschiedete Hessen ein Gesetz, das die Haltung gefährlicher Wildtiere in Privathand verbietet. Damit ist es das siebte deutsche Bundesland, das der Haltung von Riesenschlangen, giftigen Echsen, Kaimanen und weiterer gefährlicher Tierarten in Wohnzimmern und Vorgärten einen Riegel vorschiebt. Vielerorts aber kann man in Deutschland weiterhin Klapperschlangen oder Grüne Mambas kaufen und im Wohnzimmer halten. Pro Wildlife setzt sich für eine bundesweit einheitliche Regelung ein und fordert ein Haltungsverbot für gefährliche Tiere in Privathand.





