Palmölplantagen in Kamerun
US-Investment-Unternehmen bedroht biologische Schatzkammer
Im Südwesten Kameruns liegt eines der artenreichsten Gebiete Afrikas: Dort gibt es noch Waldelefanten, Nigeria-Schimpansen (die seltenste Unterart unserer nächsten Verwandten), Drills und viele andere bedrohte Arten. Nicht umsonst ist dieses Gebiet einer der 25 Biodiversitäts-Hotspots der Erde. Ausgerechnet hier - noch dazu inmitten von vier Schutzgebieten - will die US-Investment-Firma Herakles Farms riesige Palmöl-Plantagen anlegen. Der dichte Wald würde abgeholzt, wichtiger Lebensraum bedrohter zerstört - und tausende Menschen, die dort extensive traditionelle Landwirtschaft betreiben, würden ihre Lebensgrundlage verlieren.
Ein abgekartetes Spiel?
Das kamerunische Recht verlangt, dass eine solche Palmöl-Plantage nur genehmigt werden kann, wenn zuvor eine Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudie zufriedenstellend ausgefallen ist. Doch Monate, bevor dies erfolgt ist, haben Herakles Farms und seine Tochterfirma "Sithe Global Sustainable Oils Cameroon" bereits mit der Rodung begonnen, um an mindestens zwei Stellen Baumschulen für tausende Ölpalmsetzlinge anzulegen. Ende August 211 wurde die lang erwartete Umweltverträglichkeitsstudie endlich veröffentlicht - voll mit manipulativen Informationen: Sie unterschlägt sowohl die Artenvielfalt der Region als auch den Widerstand der lokalen Bevölkerung und stellt das Projekt stattdessen als Beitrag zur Entwicklungshilfe dar. Pro Wildlife und andere Verbände intervenierten beim Umweltminister gegen die Studie. Der Geschäftsführer von Herakles Farms gibt sich jedoch schon Wochen vor der finalen Entscheidung siegesgewiss: Es sei keine Frage mehr. OB die Plantage kommt, sondern nur noch, wie groß sie werde....
Plantage im Kolonialstil
Die Grenzen der geplanten Konzession sind mit dem Lineal gezogen - ohne Rücksicht zu nehmen auf die seltenen Tiere, die hier leben. Über ein Dutzend der betroffenen lokalen Gemeinden haben inzwischen Protestbriefe an die Regierung geschickt, weil sie um ihren freien Zugang zu Waldprodukten wie Früchten, Wasser oder Brennholz fürchten. Wissenschaftler schlagen Alarm, weil sie die Ausrottung von Drills, Preuss-Meerkatzen und Nigeria-Schimpansen befürchten. Pro Wildlife und 80 weitere Verbände, darunter viele kleine Organisationen, die die schrecklichen Folgen industrieller Palmölplantagen aus eigenen Erfahrungen kennen, haben in einem offenen Brief an die Regierung Kameruns gefordert, das Projekt zu stoppen. Doch noch immer ist man in der Hauptstadt Yaounde scheinbar gewillt, die Plantagen abzusegnen - um jeden Preis:
Gewinner wäre nur der US-Konzern
Pro Wildlife liegt der Vertrag vor, den die Regierung Kameruns mit SG SOC abgeschlossen hat. Demnach muss die Firma auf zehn Jahre (!) keine Steuern zahlen und darf zudem auch noch das gesamte Holz der Konzessionsfläche von 60-70.000 Hektar verkaufen und den Gewinn einstecken. Die Regierung und die lokale Bevölkerung hingegen sind die Verlierer der Deals. Pro Wildlife, gemeinsam mit SAVE und Rettet den Regenwald, setzt auch weiterhin alles daran, dieses Projekt zu verhindern.



