Wale und Delfine

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Afrikas seltenster Delfin in Gefahr

Kamerunflussdelfine verhungern und ertrinken – Tiere werden immer seltener gesichtet

München, den 31. Juli 2007. Anlässlich des aktuellen „Jahr des Delfins“ hat Pro Wildlife den Kamerunflussdelfin* zum Delfin des Monats August gekürt. Der nur vor der Westküste Afrikas vorkommende Meeressäuger ist durch massive Überfischung gleich doppelt gefährdet: „Kamerunflussdelfine verenden nicht nur elend in Fischernetzen, sie finden in den leer gefischten Gewässern auch immer weniger zu fressen“, erläutert Dr. Sandra Altherr von PRO WILDLIFE. Kamerunflussdelfine gehören zu den am wenigsten erforschten Meeressäugern. Der mangelhafte Vollzug bestehender Schutzbestimmungen und Fischereiregelungen kommt erschwerend hinzu.

Kamerunflussdelfine (Sousa teuszii) kommen nur in den Mangrovengewässern und flachen Flussmündungsgebieten Westafrikas vor, von der Westsahara bis Kamerun. Um diese noch kaum erforschte Delfinart machen sich Wissenschaftler und Artenschützer ernsthaft Sorgen: Die Art lebt nur in kleinen, voneinander nahezu isolierten Populationen, wie z.B. 20-25 Tiere im Mündungsbereich des Rio Grande de Buba (Guinea-Bissau), wenige dutzend Tiere in der Bucht von Dahkla oder nur 100 Tiere im Saloum-Delta (Senegal). In jüngster Vergangenheit werden die Kamerunflussdelfine immer seltener beobachtet, ihre Verbreitung wird immer lückenhafter.

Vor allem die Bestände vor dem Senegal und Gambia, insbesondere in dichter besiedelten Gebieten, sind in den letzten Jahren kollabiert. „Die zunehmend intensive Fischerei bringt den Delfinen den Tod: Sie sterben als Beifang in den Fischernetzen oder verhungern, weil ihre Beutefische verschwunden sind“, berichtet Altherr. Selbst vor ausgewiesenen Meeresschutzgebieten machen die Fischer nicht halt.

In anderen Bereichen seines Verbreitungsgebietes wird der Kamerunflussdelfin zudem aktiv bejagt: Er wird als angeblicher Nahrungskonkurrent gezielt ausgeschaltet bzw. als Fleischquelle genutzt. „Die Delfine haben ihr Hauptverbreitungsgebiet ausgerechnet in einer Region Afrikas, die von Armut, Bevölkerungswachstum und Eiweißmangel gekennzeichnet ist“, so die Pro Wildlife-Sprecherin.

Vor Mauretaniens Küste am Kap Timiris gibt es dagegen ein positives Beispiel für ein Miteinander von Fischern und Delfinen: Die Fischer haben den Tieren antrainiert, eine bestimmte Fischart (Meeräsche) in flache Gewässer zu treiben. So können sie leicht ihre Netze füllen, und für die Delfine lassen sie genug übrig. „Eigentlich eine klassische Win-Win-Situation, wie sie zwischen Mensch und Delfin jedoch nur allzu selten vorkommt“, betont die Pro Wildlife-Sprecherin.

Vier Faktoren machen die Kamerunflussdelfine besonders anfällig für eine Ausrottung: Sie haben ein begrenztes Verbreitungsgebiet, in dem sie nur punktuell vorkommen, eine niedrige Besiedlungsdichte und sie werden durch anhaltende kommerzielle Fischerei in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet bedroht. Selbst in Küstenbereichen, die als Schutzgebiet eingestuft sind, findet intensive Fischerei statt. Der Vollzug der Schutzbestimmungen ist völlig unzureichend, Strafen haben die Fischer nicht zu erwarten. Pro Wildlife appelliert deshalb an die Herkunftsländer, den Vollzug ihrer Gesetze zu stärken, die Mangrovenwälder zu erhalten und gegen die illegale Jagd auf die Kamerunflussdelfine vorzugehen.

* Kamerunflussdelfine werden bis zu 2,5 Meter lang und 150 kg schwer. Charakteristisch sind ihre schiefergraue Körperfarbe, ein langer auffälliger Buckel, die lange schlanke Schnauze und rundliche Flossen.