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EU stoppt Einfuhr von Grizzly-Jagdtrophäen

EU: Jagd bedroht Bärenbestand in Kanadas Provinz Britisch Kolumbien - Deutsche nach US-Amerikanern eifrigste Bärentöter

München/ London, den 30. November 2001 – Jäger dürfen zukünftig keine Trophäen von Grizzlybären aus der kanadischen Provinz Britisch Kolumbien (BC) in die Europäische Union (EU) einführen. Weil die Jagd auf die bedrohten Bären Britisch Kolumbiens, eines der wichtigsten verbliebenen Verbreitungsgebiete, nicht länger vertretbar ist, beschlossen die zuständigen Regierungsbehörden aus 15 EU Ländern gestern in Brüssel auf Antrag Großbritanniens und Deutschlands ein Importverbot. Mehr als ein Drittel der in BC von Ausländern erlegten Grizzlys geht auf das Konto von EU-Bürgern, die meisten sind Deutsche, gefolgt von Österreichern.

Der Grizzly gehört zu den international durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) und durch europäisches Recht geschützten Tierarten. Nachdem die EU-Experten die Jagd als Gefahr für die Grizzly-Population beurteilten, ist die Staatengemeinschaft deshalb verpflichtet, die Trophäeneinfuhr zu verbieten. Durchschnittlich 300 Grizzlys pro Jahr erlegten ausländische und einheimische Jäger im letzten Jahrzehnt allein in Britisch Kolumbien. Dabei wird der Bärenbestand von unabhängigen Biologen auf nur etwa 4-6000 Tiere geschätzt. In 99 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes in den USA ist der nordamerikanische Braunbär bereits ausgerottet. Auch in Kanada, wo er als gefährdete Tierart eingestuft ist, schrumpft sein Verbreitungsgebiet kontinuierlich.

"Das lukrative Geschäft mit Abschusslizenzen und der Abholzung der Wälder hat in Britisch Kolumbien eine Politik entstehen lassen, die den Grizzly an den Rand der Ausrottung gebracht hat", so Martin Powell, Bärenexperte der Environmental Investigation Agency (EIA) in London. "Aber welcher Jäger wird zukünftig noch bereit sein, 10.0000 Dollar für eine Bärenjagd zu investieren, wenn er am Ende keine Trophäe mit nach Hause bringen kann? Dass so viele die Grizzly-Jagd in BC als nicht nachhaltig beurteilen wird ohnehin jeden Jäger mit einem Funken Anstand abschrecken. Seit mehreren Jahren protestieren Wissenschaftler, Naturschützer und britische Reiseveranstalter gegen diese Jagd. Das Einfuhrverbot für Trophäen ist ein noch deutlicheres Zeichen dafür, dass sie weder vertretbar noch erwünscht ist".

Daniela Freyer von der Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife ergänzt: “In Deutschland enden mehr kanadische Grizzlys als Wanddekoration im Jagdzimmer als in jedem anderen EU-Land. Es ist also nur gerechtfertigt, dass Deutschland gemeinsam mit Großbritannien zu dem Einfuhrverbot aufgerufen hat. Es ist höchste Zeit, dass die kanadische Regierung ihren Pflichten nachkommt: Sie muss endlich die eigene Beurteilung der Grizzly-Jagd in BC abschließen und die Trophäenausfuhr verbieten. Alles andere würde Kanada noch weiter in Misskredit bringen und dem internationalen Ruf des Landes schaden - im Artenschutz aber auch als begehrtes Urlaubsland für Naturtouristen”, so die Biologin abschließend.