Presseinformation: Haie / CITES
Hai Noon: Die Meeresräuber sterben aus
Nachfrage für Delikatessen bedroht Haibestände – Schutz für acht Haiarten beantragt
München, 30. Oktober 2009. Gleich für acht Haiarten werden aktuell beim Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) weltweite Handelsbeschränkungen beantragt. Damit ist diese Tiergruppe Spitzenreiter bei den Schutzanträgen – und wird auf der Artenschutzkonferenz im März 2010 für hitzige Diskussionen sorgen. „Niemals zuvor gab es so viele Anträge, Haie schützen zu lassen“, berichtet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Doch es wird schwer werden. Fischereinationen wie Japan oder China formieren derzeit ihren Widerstand.“ 550 Haiarten gibt es, mehr als ein Drittel von ihnen ist auf der Roten Liste bedrohter Arten aufgeführt. Am Dienstag, dem 3. November, macht das ZDF mit einer Dokumentation von Hannes Jaenicke darauf aufmerksam, wie das Geschäft mit den begehrten Flossen die Tiere an den Rand der Ausrottung bringt.
Endstation Suppentopf und Fischtheke
Mindestens 100 Millionen Haie werden jedes Jahr gefischt. Sie enden in Netzen, als Beifang an den Langleinen der Thunfischerei oder an der Rute von Trophäenanglern. Zum Verhängnis wird den Meeresräubern die Nachfrage an europäischen Fischtheken – und dass die Flossen vieler Haiarten in Südostasien als Delikatesse gelten: „Für Haiflossensuppe werden Millionen Haien jährlich bei lebendigem Leib die Flossen abgetrennt, der Körper wird ins Meer zurück geworfen. Dieses rücksichtslose Plündern dezimiert die Bestände dramatisch“, so die Pro Wildlife-Sprecherin. „In einigen Gebieten sind die Haibestände um über 99 Prozent zurückgegangen. Haiflossen sind ein lukratives Geschäft: Ein Kilo der begehrten Delikatesse erzielt Preise bis zu 700 US-Dollar.“
Artenschutzkonferenz 2010 im Zeichen der Haie
Pro Wildlife fordert Schutzmaßnahmen für die verfolgten Knorpelfische und hofft, dass die Mehrheit der WA-Staaten dies unterstützt: „Geht die Jagd auf Haie weiter wie bisher, können die meisten Arten ohnehin nicht mehr lange kommerziell befischt werden“, betont Altherr. Das WA (engl. CITES) schützte erstmals 2002 zwei Hai-Arten: den Riesen- und den Walhai. Seither wird der internationale Handel mit ihnen erfasst und reglementiert. 2004 wurde der Weißen Hai unter Schutz gestellt. Doch bevor die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit erreicht wurde, gab es jedes Mal großen Widerstand von Seiten der Fischereinationen. Versuche Deutschlands, 2007 den Herings- und Dornhai schützen zu lassen, scheiterten. Nun versucht es die Bundesregierung gemeinsam mit der EU erneut. Zudem haben der Südseestaat Palau und die USA den Schutz weiterer sechs Haiarten beantragt: Weißspitzen-Hochseehai, Großer, Glatter und Bogenstimmen-Hammerhai, Düsterer Hai und Sandbankhai. Die WA-Konferenz findet vom 13. bis 25. März 2010 in Doha (Katar) statt.
Kontaminiertes Haifleisch und dubiose Pillen
Die Mär vom gesunden Fisch trifft für Haifleisch nicht zu. „Haie stehen am Ende einer sehr komplexen Nahrungskette und reichern beträchtliche Mengen Quecksilber und anderer Giftstoffe an“, sagt Altherr. „Ob Haifischflossensuppe in Asien oder Schillerlocken und Haisteak hierzulande – wer Hai isst, schadet nicht nur dem Artenschutz, er tut auch seiner Gesundheit keinen Gefallen.“ Haiknorpel findet sich auch in fragwürdigen Nahrungsergänzungspräparaten, die gegen Krebs, Rheuma und Arthritis helfen sollen. Haiöl wird in diversen Kosmetika verwendet, die Haut der Tiere zu luxuriösem Boroso-Leder verarbeitet. Der Pro Wildlife-Einkaufsführer für Haifreunde hilft, solche Produkte zu vermeiden.
Der Film von Hannes Jaenicke „Im Einsatz für Haie“ (3. November, ZDF, 20.15 Uhr) zeigt das dramatische Ausmaß der Überfischung von Haien und korrigiert das Image der angeblich blutrünstigen Bestie.

