Presseinformation: Urwaldschutz
Kettensägen kreischen weiter
Bilanz der CBD: Die größten Urwaldsünder der Welt blockieren dringende Waldschutzmaßnahmen
München/Bonn, 30. Mai 2008. Die heute zu Ende gehende UN-Naturschutzkonferenz (CBD) bringt kaum Fortschritte für den Schutz der Regenwälder, so das Fazit der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. „Einigungen konnten die Teilnehmer nur bei Themen erreichen, die die Interessen von Ländern wie Brasilien, Kanada oder Malaysia nicht allzu sehr beschneiden“, sagt Pro Wildlife-Sprecherin Dr. Sandra Altherr. „Ökologische Gefahren wie das Pflanzen genmanipulierter Bäume oder die Ausweitung von Monokulturen sollen dagegen möglich bleiben.“
Mit der Zusage von 500 Millionen Euro für den Waldschutz hatte Gastgeberland Deutschland ein Zeichen setzen wollen, um weltweit die Vernichtung der Artenvielfalt aufzuhalten. Doch diesen Vorstoß unterminierten die Beschlüsse der Vertragsstaaten zum Waldschutz. Vertreter aus Brasilien, Kanada oder Malaysia blockierten konkrete Schritte. „Im Laufe der Konferenz ist es den Schwergewichten im Holzhandel gelungen, verbindliche Zugeständnisse in Grund und Boden zu verhandeln“, kritisiert die Pro Wildlife Sprecherin. In Kanada finden 90 Prozent der Holzeinschläge in Urwäldern statt. In Brasilien wurde 2007 eine der höchsten Entwaldungsraten der letzten Jahre verzeichnet. Und Malaysias Wälder weichen riesigen Ölpalmen-Monokulturen. „Ausgerechnet die größten Urwaldzerstörer der Welt blockierten nun in Bonn ein effektives Maßnahmenpaket für Wälder“, sagt die Biologin Altherr.
Kein besonderer Schutz für Urwälder
Der Versuch, Primärwäldern einen besonderen Schutzstatus einzuräumen, lief ins Leere. Im Abschlusspapier der Konvention werden Urwälder auf die gleiche Stufe gestellt wie ökologisch wertlose Eukalyptusplantagen. „In solchen Holz-Monokulturen können kaum andere Arten überleben – sie sind eine biologische Wüste“, so Altherr.
Genmanipulierte Bäume erlaubt
Die Bedenken der afrikanischen Länder gegen das Freisetzen genmanipulierter Bäume wurden ignoriert. Ein Vertreter Kenias warnte, dass sich manche Baumsamen über 1000 Kilometer verbreiten. Dennoch wurde kein Moratorium verabschiedet, sondern die einzelnen Länder können selbst entscheiden, ob sie die Risikopflanzen aussetzen.
Umsetzung der Beschlüsse fraglich
Die Vereinbarungen der Konvention sind unverbindlich. Entsprechend gering ist die Implementierung in nationales Recht und der praktische Vollzug. Altherr beurteilt es als fatal, dass eine CBD-Arbeitsgruppe abgelehnt wurde, die die Umsetzung des Waldarbeitsprogramms überwachen sollte.
Affenjagd als Gefahr für die Wälder anerkannt
Ein Trostpflaster nimmt die Artenschutzorganisation jedoch mit nach Hause: „Zum Thema Buschfleischjagd konnten wir dank Unterstützung aus Afrika deutliche Nachbesserungen erreichen. Und uns ist es gelungen, den CBD-Teilnehmern das erschreckende Ausmaß der Affenjagd in Lateinamerika und die Langzeit-Auswirkungen auf die Tropenwälder vor Augen zu führen“, so die Pro-Wildlife-Sprecherin.

