Exotenhandel
Erfrieren, Ersticken, Verhungern, Tod durch den Fleischwolf...
Skandale bei Wildtiertransporten reißen nicht ab
München, den 29. Dezember 1999 - Mindestens 500 Wildtiere starben vergangene Woche während eines Fluges von Südamerika nach Maastricht (Niederlande). Von den insgesamt 1.500 Vögeln (darunter Papageien), Reptilien und Fröschen ist nach Kenntnis der Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife jedes dritte Tier im Frachtraum erfroren – darunter alle Reptilien, die besonders kälteempfindlich sind. „Dies ist ein weiteres trauriges Kapitel tödlicher Vorfälle, die sich allein in diesem Jahr an europäischen Flughäfen abgespielt haben“, berichtet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife: „Die Fluglinien sind mitverantwortlich an millionenfachem Leid von Tieren und an dem Ausverkauf der Natur!“
- Lufthansa Fall 1: Während eines Fluges vom Sudan über Frankfurt nach Südafrika verhungerten im Juni 1999 mehrere Wüstenfüchse. Die Geschäftsführung von Lufthansa Cargo bedauerte den Vorfall, den keiner bemerkt haben will – allerdings nur, weil bekannt wurde, dass die gleiche Lieferung auch Kraniche umfasste, also einen Verstoß gegen das Lufthansa-Wildvogelembargo darstellte. Eine Strafanzeige von Pro Wildlife folgte, das Ermittlungsverfahren läuft noch.
- Lufthansa Fall 2: Im November 1999 kam es zu einem weiteren tödlichen Zwischenfall bei der renommierten Fluglinie: Von vier Delfinen, die aus Russland nach Südamerika transportiert wurden, überlebten zwei Tiere den Flug nicht. Die Todesursache ist unklar. Lufthansa zog aus diesem Fall erste Konsequenzen und stieg aus den Transporten von Walen und Delfinen aus. „Eine leichte Entscheidung – angesichts des geringen Anteil von Walen und Delfinen am Frachtgeschäft. Dieser Ausstieg reicht uns nicht“, so die Expertin von Pro Wildlife, die von Lufthansa das Ende aller Wildtiertransporte fordert.
- Der Fall KLM: Bei der größten holländischen Fluglinie starben über 400 chinesische Hörnchen sowie seltene Papageien und Schildkröten auf dem Flughafen in Amsterdam. Aufgrund fehlender Papiere wurden die lebenden Tiere in einem Fleischwolf „entsorgt“ – ein Skandal, der KLM wenige Monate später zu dem Ausstieg aus allen Wildtiertransporten bewegte. Einzige bedauerliche Ausnahme: Zierfische, die immer noch millionenfach transportiert werden – und sterben...
- Bei Massensendungen von Ziervögeln und Zierfischen werden die Tiere so eng gepackt, dass viele von ihnen ersticken. Verlustraten von bis zu 30 % während des Fluges sind keine Seltenheit So bleiben alljährlich Millionen Tiere auf der Strecke – Todesfälle, die unbekannt bleiben.
Ein Großteil der Tiere stammt aus freier Wildbahn – immer mehr Arten gelangen so an den Rand der Ausrottung. Pro Wildlife betont die besondere Verantwortung der Fluglinien: „Erst durch den Transport per Flugzeugen in alle Welt wird der Ausverkauf der Natur in Ländern Asiens, Afrikas und Südamerikas möglich. Es wird Zeit, dass die Verantwortlichen – allen voran Lufthansa als eine der größten Cargo-Gesellschaften – aus diesem tödlichen Geschäft aussteigen.“



